CfP: Du bist was Du isst – Kulturelle Dimensionen von Ernährung

Forschungsstelle Kulturökologie und Literaturdidaktik (KÖLI), Universität Siegen, 18. bis 20. September 2014

Deadline: 30. März 2014

Der Themenkomplex Ernährung wird im Zusammenhang mit Lebensmittelskandalen, Bioboom, Gesundheitswahn oder Welthungerkrise gesellschaftlich aus verschiedenen Perspektiven kritisch verhandelt und mit kontroversen Bedeutungszuschreibungen versehen. Während diese Diskurse an den jeweils aktuellen Symptomen ansetzen und diese mithilfe entsprechender Fachdisziplinen erörtern, wurde der kulturelle Bezugsrahmen als Ursprung und Basis von bestimmten Ernährungsgewohnheiten und -einstellungen bislang nur punktuell erforscht.

Die Forschungsstelle Kulturökologie und Literaturdidaktik (KÖLI) rückt mit der geplanten Tagung diesen vernachlässigten Aspekt in den Fokus und lädt zu einem interdisziplinären Austausch über die in literarischen und medialen Erzählungen codierten Sichtweisen auf Ernährung ein.

Dabei sind beispielsweise folgende literaturwissenschaftliche/literaturdidaktische Fokussierungen denkbar:

– Historische Dimensionen: Welche Bedeutung hat das Thema Ernährung in Texten verschiedener literarischer Epochen? Wie werden die großen Umbrüche in der Nahrungsmittelversorgung (Industrialisierung, Importe/Exporte,Globalisierung) literarisch verarbeitet? Welche Entwicklungen und Konstanten lassen sich im Vergleich von Themen, die mit Ernährung zusammenhängen feststellen?

– Gattungsspezifische und gattungsübergreifende Formen und Funktionen in der Darstellung: Inwiefern lassen sich im Umgang mit dem Thema Ernährung gattungs- bzw. genrespezifische Tendenzen feststellen? Welche Rolle spielt das Thema in den Großgattungen oder adressatenbezogenen Genres wie der KJL? In welchem Verhältnis stehen Sachliteratur und Fiktionen?

– Intermediale Dimensionen: Wie wird das Thema Ernährung intermedial z.B. in Film, Comic, Computerspiel oder neuen hybriden Genres wie der mocumentary umgesetzt? Welche Formen der medienspezifischen Inszenierung werden dabei genutzt oder neu herausgebildet?

– Kulturkomparatistische Dimensionen: Wie wird das Thema in unterschiedlichen Kulturräumen literarisch-medial verarbeitet? Welche kulturspezifischen Differenzen lassen sich dabei feststellen? Inwiefern wird Ernährung im Vergleich verschiedener Literaturen als Kulturtechnik deutlich?

– Interdisziplinäre Dimensionen: Auf welche Weise wird innerhalb der Erzählungen auf Wissen aus anderen Disziplinen Bezug genommen, wie wird dieses verarbeitet? Welche Funktion hat der faktuale Diskurs für die Fiktion und welche Funktion kann die Fiktion im faktualen Diskurs übernehmen?

– Pathologische Dimensionen: Wie werden die mit Ernährung verbundenen Krankheiten wie z.B. Mangelerscheinungen durch Hunger auf der einen und Magersucht/Bulimie durch materiellen Überfluss auf der anderen Seite literarisch-medial inszeniert?

– Nachhaltigkeitsdimensionen und deren Wechselwirkungen: Auf welche Weisewird Ernährung als zentrales Makrothema einer nachhaltigen Entwicklungliterarisch-medial sichtbar gemacht? Wie werden die Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Ökonomie, Soziales dabei gewichtet und bewertet undwelche Nachhaltigkeitsstrategien finden dabei Berücksichtigung? Inwiefern können die Erzählungen im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung wirksam werden?

– Genderdimensionen: Welche geschlechterspezifischen Zuschreibungen lassen sich im literarisch-medialen Umgang mit Ernährung erkennen? Inwiefernwerden dabei Rollenklischees bedient oder gebrochen?

– Literaturdidaktische Dimensionen: Inwiefern lässt sich das Thema Ernährung mit den Kernkompetenzen des Deutschunterrichts verknüpfen und damit über die naturwissenschaftliche Fächer hinaus auch in das zentrale Fach Deutsch integrieren? Welchen Beitrag kann der Literaturunterricht für die Vermittlung von Handlungswissen im Zusammenhang mit Ernährung leisten?

Einreichung:

Bitte senden Sie Ihre Vorschläge für ca. 20-minütige Vorträge in Form eines Abstracts (500 Wörter) und eine kurze biographische Angabe bis zum 30.03.2014 per E-Mail an Elisabeth Hollerweger (hollerweger@germanistik.uni-siegen.de). Reisekosten können voraussichtlich leider nicht übernommen werden. Eine Publikation der Beiträge ist geplant.

Kontakt:

Elisabeth Hollerweger
E-mail: hollerweger@germanistik.uni-siegen.de
Web: http://www.uni-siegen.de/phil/kulturoekologie

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