Comic-Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2017

Unsere Zusammenstellung und Archivierung aller comicrelevanten Lehrveranstaltungen im deutschsprachigen Raum hat für das Wintersemester 2016/17 viel positiven Zuspruch erfahren. Auch wenn das Sommersemester 2017 nun bereits in vollem Gang ist, möchten wir eine neue Zusammenstellung nun noch nachreichen. Wir danken allen unseren Mitgliedern und Freunden für Hinweise auf die folgenden elf Lehrveranstaltungen. Sie sind alphabetisch nach ihrem jeweiligen Ausrichtungsort angeordnet. Wenn Sie noch einen Kurshinweis ergänzt sehen möchten, schreiben Sie bitte eine E-Mail mit allen relevanten Daten an die Webredaktion: redaktion@comicgesellschaft.de

Universität/ Hochschule Titel der Lehrveranstaltung Dozierende/r Art der Lehrveranstaltung Fachliche Anbindung
Universität Basel Religion im Comic Prof. Dr. Jürgen Mohn Proseminar Fachbereich Religionswissenschaft

Kursbeschreibung „Religion im Comic“:

Wie, auf welche Weise, mit welcher Intention kann ‚Religion’ in Comics vorkommen und thematisch werden – und was heißt dabei überhaupt Religion? Es ist zwar einerseits evident, dass Götter, Gott, Buddha und Jesus, Teufel und Engel, das Böse, das Gute und Erlösergestalten, Jenseitsvorstellungen, aber auch ganze Religionssysteme und okkulte wie offizielle Religionsgeschichten in Comics, Bande dessinées (BDs), Graphic Novels sowie in Mangas thematisiert werden. Aber was bedeutet das für den religiösen Diskurs sowie den Religionsdiskurs der Gegenwart? Handelt es sich um Entfremdungen oder Enteignungen religiöser Stoffe, Motive und Protagonisten aus dem Zuständigkeitsbereich der Gläubigen und religiösen Spezialisten? Oder wird in einem popularkulturellen Medium Religion mit anderen Mittel fortgeführt? Werden religiöse Sinnangebote und Identitätskonstrukte auch im Comic vermittelt? Hat sich Religion postsäkular in den Comic-Modus transformiert? All diesen und weiteren Fragen soll in dem Proseminar nachgegangen werden. Um diese – auch religionstheoretisch – schwierige Frage präzise anzugehen, werden zunächst neuere Texte zur Interpretation von Religion im Comic gemeinsam gelesen und religionswissenschaftlich ausgewertet. Anschliessend werden medientheoretische und comicspezifische Analyseverfahren erarbeitet, um so darauf vorbereitet zu sein, anhand von ausgesuchten Beispielen den erarbeiteten Fragestellungen nachzugehen.

 

Universität Bayreuth Medienanalyse: Intersektionale Comicanalyse Dr. Véronique Sina Blockseminar Fachgruppe Medienwissenschaft, Anglistik/Amerikanistik, Gender Studies

Kursbeschreibung „Intersektionale Comicanalyse“:

Intersektionale Ungleichheitsforschung beschäftigt sich mit dem Ineinandergreifen diskursiver Kategorien wie Geschlecht, Klasse oder Ethnizität. Damit stellt Intersektionalität ein nützliches Instrument dar, um mediale Reproduktionen hegemonialer Machtverhältnissen in den Blick zu nehmen. Ziel des Seminars ist es, normativen Zuweisungen im Comic nachzugehen und ihre Repräsentation einer genauen Betrachtung sowie konkreten Analyse zu unterziehen. Im Rahmen der Lehrveranstaltung sollen u.a. folgende Comics behandelt werden: Alison Bechdel: Fun Home. A Family Tragicomic (2006); Howard Cruse: Stuck Rubber Baby (1995); Aline Kominsky Crumb: Love That Bunch (1990); Julie Maroh: Le bleu est une couleur chaude (2010; Blau ist eine warme Farbe); Mark Millar/John Romita Jr.: Kick-Ass. The Graphic Novel (2010); Marjane Satrapi: Persepolis (2007); Ayano Yamane: Kurimuson Superu (seit 2004).

 

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Die Graphic Novel: Versuch einer Begriffsbestimmung Dr. Joachim Trinkwitz Seminar Germanistik/Komparatistik

Kursbeschreibung „Die Graphic Novel“:

Mittlerweile hat sich die Bezeichnung Graphic Novel für bestimmte Spielarten des Comics in Verlag und Buchhandel, im Feuilleton und bei einem breiten Publikum eingebürgert. Viele Fans, aber auch Comickünstler selbst sowie ein Teil der akademischen ForscherInnen stehen dieser Begriffsbildung ablehnend oder sogar offen feindselig gegenüber. Das Seminar wird unter Hinzuziehung von relevanter Forschungsliteratur der Geschichte des Begriffs nachgehen und anhand exemplarischer Lektüren (Peer Meter/Barbara Yelin: Gift, Winshluss: Pinocchio, Charles Burns: Black Hole, Jeph Loeb/Tim Sale: Batman – The Long Halloween) überprüfen, welcher heuristische Wert dieser Neubildung zukommt und ob damit gar der Literaturwissenschaft ein neues Forschungsgebiet erwächst. Dabei werden Fragen nach Gattung oder Genre, nach dem Verhältnis von Hoch- und Populärkultur, nach Kanon und Serialität aufgeworfen.

 

Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Aktuelle Graphic Novels, Kurs 1 und 2 Prof. Dr. Bernd Dolle-Weinkauff Hauptseminar Germanistik, Neuere Philologien

Kursbeschreibung „Aktuelle Graphic Novels“:

Gegenstand der Veranstaltung sind ausgewählte Comic-Publikationen, die während der letzten Jahre in mehreren Ausgaben bzw. Auflagen erschienen sind, ein breites Publikum erreichten und bei der Kritik auf große Aufmerksamkeit stiessen. In die vorläufige Auswahl werden u. a. der psychologische Comic-Roman Stiche von David Small, die Erzählung Das Erbe der israelischen Autorin Rutu Modan, die Afghanistan-Kriegsreportage Wave and Smile von Arne Jysch, die Comic-Parodie des Cervanteschen Don Quijote von Felix Görmann („Flix“), die Adaption von St. Exupérys Der kleine Prinz von Joann Sfar, die historische Kindheitserzählung aus der Zeit des Ersten Weltkriegs Krieg der Knirpse von Régis Hautière einbezogen. Die Auswahl umfasst somit ein breites Spektrum an Themen und Genres, Werke aus unterschiedlichen Herkunftsländern sowie von Autorinnen und Autoren ganz unterschiedlicher Ausrichtung. Auf diese Weise soll versucht werden, die Breite und Varietät des Comic-Angebots der Gegenwart zu erfassen und in exemplarischen Lektüren auszuloten.

 

Universität Hamburg „Kafka ins Bild gesetzt“: „Der Process“ und „Die Verwandlung“ als Primärtexte und Literaturcomics Dennis Bock Weiterführendes Seminar Germanistik/Medienwissenschaften

Kursbeschreibung „Kafka ins Bild gesetzt“:

Während Kafkas Literatur seit Jahrzehnten Gegenstand literaturwissenschaftlicher Seminare ist, besteht ein zunehmendes Interesse auch an der Neuinszenierung des literarischen Prätextes im Medium Comic. Ziel des Seminars ist es, sich mit dem Spannungsfeld zwischen literarischer Vorlage und graphischer Neuinszenierung am Beispiel von Der Process und Die Verwandlung vertraut zu machen. Die Texte eignen sich insbesondere, um zwei wichtige Aspekte des kafkaschen Schreibens in den Blick zu nehmen: Körperdarstellungen und die Inszenierung von Raum. Wo der literarische Prätext auf die Imagination von Körper und Raum durch den Leser hinarbeitet, setzt der Literaturcomic beide bewusst ins Bild: Das „ungeheure[] Ungeziefer“, in das sich Gregor Samsa „eines Morgens“ verwandelt, nimmt genauso Gestalt an wie der Gerichtssaal, den Josef K. in Der Process aufsucht. Der Comic ist damit nicht ausschließlich eine Adaption des Textes, sondern vielmehr eine Neudeutung, die den literaturkundigen Rezipienten möglicherweise neue und bislang verborgen gebliebene Lesarten der Vorlage erschließen lässt. Das Seminar ermöglicht anhand der ausgewählten Primär- und Sekundärliteratur sowohl eine Auseinandersetzung mit den Texten von Franz Kafka als auch eine Einführung in das Medium Comic und die Besonderheiten des graphischen Erzählens. Vermittelt werden grundlegende Begriffe und Methoden der Literatur- und Comicanalyse.

 

Universität Koblenz-Landau, Campus Landau Englische und französische historisch-(bio)graphische Romane Dr. Achim Hescher Hauptseminar Anglistik/Romanistik

Kursbeschreibung „Englische und französische historisch-(bio)graphische Romane“:

Dieses Seminar ist eine fächerübergreifende Veranstaltung der Anglistik und der Romanistik mit Deutsch als Unterrichtssprache. Gegenstand sind Klassiker historisch-(bio)graphischer Comcis bzw. Graphic Novels. Die Primärwerke sind alle in dt. bzw. frz. Übersetzung zu haben. Selbstverständlich lesen die Studierenden der Anglistik die anglophonen Werke im Original, — Studierende der Romanistik sollten neben den frz. auch best. englischsprachige Werke im Original lesen können (s. Abschnitt Literatur). Alle hier behandelten Primärwerke können im Englisch- oder Französischunterricht der Sekundarstufe II eingesetzt werden.

 

Universität Köln Comics für den Geographieunterricht Frederik von Reumont Seminar (Bachelor) Geographiedidaktik

Kursbeschreibung „Comics für den Geographieunterricht“:

Wie können Comics geographische Inhalte in Form von Unterrichtsmaterial vermitteln? Die Lehramtsstudierenden produzieren eigene vier-seitige Comics zum Thema Migration und Rassismus, die im Geographieunterricht eingesetzt werden können sollen. Dabei durchlaufen sie den gesamten Prozess der Comicproduktion von der Ideenfindung bis zum fertigen Comic. Sie reflektieren sie Darstellung von (rassistischen) Stereotypen in Bild und Text, die Aussagekraft von Lehrmaterial, den Nutzen von Narration in Lernprozessen, eigene und andere Perspektiven auf die Thematik, die graphischen Darstellungsmöglichkeiten geographischer Sachverhalte und geographiedidaktische Konzeptionen für Unterrichtsmaterial.
 

Malmö högskola / Malmö University Comics International Perspectives Prof. Dr. Jakob Dittmar Vollzeitkurs Visuelle Kommunikation / Grafikdesign, Medien- und Kulturwissenschaft, Journalismus

Kursbeschreibung „Comics International Perspectives“:

Während der Kurs Comics International Perspectives in der Vergangenheit Grundkenntnisse zu Comic / Visuelle Kommunikation vorausgesetzt und Comicanalyse und Produktion auf einer soliden Cultural Studies-Basis betrieben hat, fokusiert er nun auf Comics-Journalismus und Dokumentarcomics. Grundlagen journalistischen Arbeitens werden eigeführt, eine Vertiefung in die Funktionsweise von Comics unter besonderer Berücksichtigung von Bild- und Seitengestaltung und der kulturellen Bedingungen visueller Kommunikation (Semiotik etc) erfolgt, um journalistische und dokumentaristische Comics sowohl zu analysieren als auch zu produzieren. Der Kurs schließt mit einem längeren Praxisprojekt und der nätigen Reflektion dieser Produktion ab.

 

Malmö högskola / Malmö University Digital Comics — Internetbasierter Fernstudienkurs Prof. Dr. Jakob Dittmar Halbzeitkurs Visuelle Kommunikation / Grafikdesign, Medienwissenschaft.

Kursbeschreibung „Digital Comics“:

Der Fernstudienkurs Digital Comics vermittelt sowohl theoretische als auch praktische Kompetenzen zur Analyse und Produktion digitaler Comics. Dabei ist der Übergang von analogen zu digitalen Werkzeugen und Techniken flexibel gehalten. Der Schwerpunkt des Kurses liegt auf der narrativen Funktion, der Kommunikation von Stimmungen und Spannungsbögen in digitalen Comics, entsprechend sind Bildkomposition und Seitengestaltung wesentlich. Zusätzlich zu einem großen Produktions- und Reflektionsprojekt werden verschiedene Übungen und Aufgaben während der Laufzeit des Kurses bearbeitet. Während Einführungen zu einzelnen Themen als Film oder pdf-Dokument geboten werden, finden Seminare, Workshops und ein Teil der Prüfungen in Echtzeit über das Internet statt.

 

LMU München Vom billigen Heftchen zum anerkannten literarischen Genre. Zur Entwicklung der US-amerikanischen Comicszene Prof. Dr. Stefan Buchenberger Seminar Komparatistik

Kursbeschreibung „Vom billigen Heftchen zum anerkannten literarischen Genre“:

Das US-amerikanische Comic hat seit seiner Geburt als Sammlung von Sonntagszeitungsstrips, bis zur mit zahlreich literarischen Preisen dekorierten Graphic Novel eine weite Reise zurückgelegt. Ziel des Seminars ist es zum einen die Entwicklung vom Massenprodukt zum anerkannten literarischen Genre, zum anderen den sich im Comic widerspiegelnden gesellschaftlichen Wandel zu verfolgen und zu analysieren. Hierfür soll die Geschichte des Comics von den Anfängen im sogenannten Golden Age mit dem ersten Erscheinen von Superman und Batman Ende der 1930er Jahre, über den Aufstieg von Marvel Comics im Silver Age, hin zur Thematisierung gesellschaftlich relevanter Themen im Bronze Age, bis ins Modern Age und der, dank zahlreicher Filmadaptionen immer stärker werdenden Präsenz von Comics in der Popkultur sowie dem Aufkommen der literarisch ambitionierten Graphic Novel verfolgt werden. Dafür sollen neben Comics auch Verfilmungen von Comics miteinbezogen werden.

 

PH Schwäbisch Gmünd Comics und Visual Literacy Dr. Björn Laser Hauptseminar Literatur- und Mediendidaktik, Lehramt Grundschule

Kursbeschreibung „Comics und Visual Literacy“:

Lenken Comics von Büchern ab? Oder dienen sie der Leseförderung, indem sie buchferne Kinder zum „richtigen“ Lesen bringen? Oder sind sie ein eigenes Medium, das eigene Anforderungen stellt und eigene Kompetenzen entwickelt? In der neueren didaktischen Diskussion werden Eigensinn und Eigenwert der Comics betont. Lassen sich vielleicht am alten Medium Comic lassen entscheidende Kompetenzen erwerben für unsere visuell geprägte neue Medienkultur? Bildliteralität und Visual Literacy und so? Aber genau wie die Etablierung des Comics in den überregionalen Feuilletons nicht zur Entwicklung eines nennenswerten Marktes für die dort zu „Graphic Novels“ geadelten Werke geführt hat, machen sich die in den letzten Jahren erschienenen didaktischen Themenhefte bisher nicht in der Bestückung von Klassenbibliotheken oder gar im Unterrichtsalltag bemerkbar.
Welches Potential liegt nun in Comics? Welche Kompetenzen lassen sich mit ihnen entwickeln? Welche didaktischen Vorschläge gibt es, und nicht zuletzt: Wie sieht das aktuelle Angebot an Kindercomics aus? Das alles natürlich, nachdem wir geklärt haben, wovon wir eigentlich reden, wenn wir von Comics reden, und das Gregs Tagebuch nur in sehr speziellem Sinne ein „Comic-Roman“ ist.

 

UZH Zürich ‚Erfindung‘ des Comics Dr. Christian A. Bachmann Forschungsseminar, 2-semestrig Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft, Master of Arts Populäre Kulturen

Kursbeschreibung „‚Erfindung‘ des Comics“:

Der Comic entsteht als populäre, serielle Erzählform um 1900 in den Ostküstenstädten der USA. Als unterhaltende Ergänzung des Informationsangebots der Tageszeitungen, begeistern sie Massen von Lesern und befeuern den ‚Auflagenkrieg‘ zwischen den Zeitungsmagnaten Hearst und Pulitzer. Der ökonomische Druck äussert sich auch in ästhetischen Innovationen. Standen anfangs die Ästhetik, Erzählstrategien und -techniken von europäischen illustrierten Zeitschriften wie Charivari (Paris), Punch (London), Fliegende Blätter (München) oder europäisch geprägte amerikanische Periodika wie Puck (New York) Pate, etablieren sich in den Comicbeilagen bald genuine Erzählmittel wie die Sprechblase. Nach einer allgemeinen Einführung in die Ästhetik des Comics geht das Seminar dieser historischen Entwicklung anhand einschlägiger Bilderzählungen und Comics von Künstlern wie dem Schweizer Rodolphe Töpffer, Wilhelm Busch, ‚Hy‘ Mayer, Frank M. Howarth, Richard F. Outcault, Rudolph Dirks und Winsor McCay bis zur frühen Comicheft-Produktion nach.

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