Vortrag Köln: „‚Kosher Nostra‘: Jüdische Verbrecherfiguren in Filmen und graphischen Narrativen“

Im Rahmen des Seminars „Inszenierungen von Geschlecht, Ethnizität und ‚jüdischer Differenz‘ in (audio-)visuellen Medien“ (Institut für Medienkultur und Theater, Universität zu Köln) wird Dr. Joanna Nowotny (Zürich) einen Gastvortrag zu dem Thema „‚Kosher Nostra‘: Jüdische Verbrecherfiguren in Filmen und graphischen Narrativen der jüngeren Vergangenheit“ halten, zu dem Interessierte herzlich eingeladen sind.
Seminarleitung: Dr. Véronique Sina;

 

Veranstaltertext: 
„Im US-amerikanischen Kulturraum waren jüdische Gangster wie Meyer Lansky und Benjamin ›Bugsy‹ Siegel in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts berüchtigt. Schon früh finden sich in den sogenannten Gangsterfilmen wie Let ʼEm Have It (Sam Wood, 1935) Echos der Faszination, die diese Gestalten auf die populäre Imagination ausübten. Doch solch frühe Darstellungen von Gangstern, die auf die eine oder andere Weise jüdisch codiert sind, blieben meist implizit. Erst in späteren Jahrzehnten traten in Filmen und Büchern gehäuft ausdrücklich jüdische Gangsterfiguren auf, da sie vor allem im Rahmen jüdischer Identitäts- und Männlichkeitsdiskurse wiederentdeckt wurden.

Der Vortrag nimmt sich ausgewählten (audio-)visuellen Repräsentationen jüdischer Gangster aus der jüngeren Vergangenheit an. Ein Fokus liegt dabei auf einem Medium, in dem sich erst seit Neuerem gehäuft jüdische Gangsterfiguren finden: Comics wie Brownsville (Neil Kleid und Jake Allen, 2006), Jew Gangster (Joe Kubert, 2005) oder United States of Murder (Bendis und Oeming, ab 2015) stehen im Zentrum der Analysen. Solche Gangsternarrative werden jeweils in einer Geschichte der Konstruktion jüdischer Männlichkeit verankert, die speziell auf die
Ambivalenzen von Gewalt und Friedfertigkeit abhebt, von Juden als Tough Jews (Paul Breines) oder Muskeljuden (im Sinne Nordaus) oder als friedliebende, altruistisch veranlagte menschen (Jiddisch, מענטש‏).

Auf der Flucht vor Recht und Gesetz versuchen die brutalen Gangster auf vielfältige Weise, Marker ihrer Identität abzulegen – jedoch meist ohne Erfolg. Es wird argumentiert, dass sich Gangsterfiguren deshalb besonders eignen, um über die Visibilität (oder auch die Unsichtbarkeit) jüdischer Identität in einer Kultur zu reflektieren, in der Juden, zumindest Juden aschkenasischer Abstammung, heutzutage weitgehend als white zählen, sich also Privilegien der Mehrheitsgesellschaft erarbeiten konnten.“

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