Neues aus der ComFor

Neuerscheinung: „Faust-Comics“ von Linda-Rabea Heyden

Faust-Comics: Adaption und Arbeit am Klassiker

Linda-Rabea Heyden
Christian A. Bachmann Verlag
2024
470 Seiten
ISBN 978-3-96234-082-7

Vor einigen Monaten bereits ist im Christian A. Bachmann Verlag eine neue Publikation von Linda-Rabea Heyden erschienen, auf die wir hier noch einmal aufmerksam machen möchten:

„Goethes Faust ist eines der zentralen Werke der deutschen Literatur. Unter den vielen Adaptionen hat es auch mehrfach seinen Weg zum Comic gefunden. Doch weder die Faust-Forschung noch die Comicwissenschaft hat das Phänomen der Faust-Comics bis jetzt in einer Weise aufgearbeitet, die dem Drama-›Klassiker‹ mit seiner langen und intensiven Rezeptionsgeschichte und den spezifischen medialen Bedingungen einer Dramenadaption im Comic gerecht wird.

Die vorliegende Studie schließt diese Lücke. Sie führt ein Analysemodell ein, das die Faust-Comics und ihre Verfahren anhand der Dimensionen Inhalt, Medialität und Rezeption genau in den Blick zu nehmen vermag. Dazu werden fünf Faust-Comics vorgestellt und an ihnen demonstriert, welche Arbeit am ›Klassiker‹ sie leisten, ein Status, den sie in der Adaption erst herstellen und im eigenen Sinnzusammenhang modellieren. Der Status als ›Klassiker‹ zeigt sich so als wichtige Bezugsgröße, zu der sich Comic­adaptionen positionieren. Dabei unterlaufen sie die vermeintliche Spaltung von ›Hochliteratur‹ und ›trivialem‹ Comic.“

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Closure #10.5 erschienen

Titelbild von Closure, Ausgabe 10.5.Kürzlich ist Ausgabe #10.5 des Kieler eJournals CLOSURE unter der Gastherausgeber*innenschaft von Irmela Marei Krüger-Fürhoff und Nina Schmidt erschienen: »KörperZeitenBilder: Verkörperte Darstellungen ›anderen‹ Zeiterlebens im Comic«.  Die Ausgabe stellt gleichzeitig die Dokumentation eines internationalen Workshops dar, den die »PathoGraphics«-Forschungsgruppe der Freien Universität Berlin in Kooperation mit der »AG Comicforschung« veranstaltete.  Aus der zweisprachigen Online-Veranstaltung im ersten Corona-Sommer ist nun ein deutsch- und englischsprachiges Themenheft geworden. Sie enthält Beiträge der ComFor-Mitglieder Marina Rauchenbacher und Natalie Veith:

Über die Ausgabe:

„Comics und Literatur sind auf je spezifische Weise ›Zeitkünste‹, die Handlungen entfalten, Erzählzeit und erzählte Zeit kontrastieren und zeitliche Abläufe narrativ – im Comic zusätzlich visuell-räumlich – darstellen können. Dabei sind sie keiner einfachen Chronologie unterworfen, sondern können Analepsen und Prolepsen einsetzen und Fragmentierungen, Überlagerungen und Gleichzeitigkeiten evozieren. Vor allem bei der Darstellung ›ungewöhnlicher‹, als ›anders‹ wahrgenommener Erfahrungen wie derjenigen von Krankheit oder Behinderung spielen Zeitwahrnehmungen, die von einer ›normalen‹ chronometrischen (oder chrononormativen) Zeit abweichen, eine zentrale Rolle: Angesichts tiefgreifender körperlicher oder psychischer Veränderungen sowie existentieller Bedrohungen kann Zeit sich subjektiv dehnen oder zusammenziehen, Vergangenes gewaltsam in die Gegenwart einbrechen oder die Endlichkeit des Lebens in den Blick geraten. Eine subjektiv erlebte Krankheits-Zeit, die mit Schmerzen oder Warten verbunden ist, erfordert ebenso spezifische Darstellungsweisen wie das Zeitempfinden, das mit chronischem Leiden, degenerativen Erkrankungen und Traumatisierungen einhergeht oder als crip time (Kafer 2013, 25–27) bezeichnet werden kann, also als veränderte – aus der Perspektive der clock time einer ableistischen Gesellschaft verlängerte – Zeit für die Bewältigung von Alltagsaktivitäten unter erschwerten Bedingungen.

Die Beiträge im Themenheft »KörperZeitenBilder: Verkörperte Darstellungen ›anderen‹ Zeiterlebens im Comic« untersuchen Comics unterschiedlicher Genres (Autobiographie, Reportage, (historische) Fiktion); drei der sieben Aufsätze berücksichtigen zudem vergleichend literarische Texte verschiedener Gattungen (Lyrik, Drama, Prosa). Obgleich das Spektrum der behandelten Phänomene groß ist und so unterschiedliche Erfahrungen wie das Leben mit psychischen Krankheiten, die Sterbebegleitung vertrauter Menschen und das Erleiden medizinischer Menschenversuche oder Folter umspannt, fragen alle Beiträge nach den ästhetischen und gesellschaftspolitischen Bedeutungen individueller ›KörperZeiten‹, die als ›ZeitenBilder‹ in Form graphischer und literarischer Narrationen eine breite Öffentlichkeit adressieren.“

→ Zur Website von CLOSURE.

Beiträge:

  • Nancy Pedri: „Manipulating Time across the Body: Subjectivity in Graphic Illness Narratives“
  • Nina Schmidt: „»So I took some photos.«: Time, Photography and the Materialization of Memory in Graphic Narratives of Bereavement“
  • Sucharita Sarkar: „Repairing Time out of Joint: Narratives of Caring for Mothers with Cancer“
  • Anne Rüggemeier: „Krankheit, Tod und Sterblichkeit: Die ›arthrologische‹ Gestaltung von Nacht-Zeiten in Drama, Lyrik und Comic am Beispiel von Sarah Kane, Philip Larkin und David Small“
  • Marina Rauchenbacher: „Zeit-Körper: Zeitkonzepte in Ulli Lusts und Marcel Beyers Flughunde
  • Sebastian Köthe: „Zeitlichkeiten von Folter und Zeugenschaft in Sarah Mirks dokumentarischer Comic-Anthologie Guantánamo Voices
  • Natalie Veith: „Diseased Bodies and Notions of Time in Ian Edginton and Davide Fabri’s Comic Book Series Victorian Undead

Verkündung der Preisträger*innen des Martin Schüwer-Publikationspreises 2024

Wir freuen uns, die Preisträger*innen des sechsten Martin Schüwer-Publikationspreis für herausragende Comicforschung 2024 verkünden zu dürfen!


In diesem Jahr wird der Comic-Essay From Giotto to Drnaso: The Common Well of Pictorial Schema in ‘High’ Art and ‘Low’ Comics von Bruce Mutard mit dem Martin Schüwer-Preis prämiert. Der Beitrag ist im von Ian Horton und Maggie Gray herausgegebenen Band Seeing Comics Through Art History: Alternative Approaches to the Form in der Reihe Palgrave Studies in Comics and Graphic Novels erschienen.

Stellvertretend für die ComFor und die AG Comicforschung gratuliert die diesjährige Jury Bruce Mutard sehr herzlich zu seinem spannenden Beitrag und freut sich, diesen mit dem Martin Schüwer-Publikationspreis für herausragende Comicforschung 2024 auszeichnen zu dürfen!

Laudatio für Bruce Mutard:

With his paper on the ever-contested relationship between comics and art history, Bruce Mutard takes the title he has chosen literally. The question itself is not necessarily new. However, the form he found is extraordinary. His academic paper is a comic that reflects on art styles through art history by showing them directly on the page. It stands out because it aims to provide a detailed reflection of iconography and the visual resemblance between classic arts and comics on the level of form.

Mutard tells us a story about the representation of art through time by including classical paintings in the scenery and panels full of artworks, as well as repeatedly switching the drawing style. However, the visual information is not only part of the story the comic tells, it is also part of the academic side of the article. Mutard provides full transparency in meticulous notes and references to different sources and artists who inspired his style choices—breaking new ground on how to include visual information into an academic argument.

Mutard’s paper is a significant contribution to the controversial debate on the roots of comics within the history of the arts. The answer to this question is as apt as simple. The question is not whether historical works of art are themselves comics, which is a well-introduced strategy for a retrospectively applied identification of any sort of art that (seemingly) refers to modes of sequentiality as comics. In this perspective, there is eventually nothing beyond the comic form; hence, comics have always existed. That way, the comic medium can be understood as the end of a long-lasting teleological development in art history.

Contrary to this assumption, Mutard suggests a much more coherent and subtle response to that question. According to him, the decisive question is whether comics could have existed at the respective historical point in time. Hence, the question is not simply one of resemblance, like the sequentiality on the Column of Trajan or the Bayeux Tapestry, but that of cultural preconditions. Which cultural setting makes comics possible? And, particularly, on which cultural techniques do comics depend? Mutard finds a historical link in Susan Vogel’s concept of the “Western Eye,” developed for Vogel’s work on the Western perception of African Baule art. Mutard’s essay applies Vogel’s concept strictly and straightforwardly, which produces inspiring results. Overall, this marks the essay as an essential contribution to the understanding of the comic medium, which will, theoretically as much as methodologically, certainly inspire the further development of comics studies.

Lobende Erwähnung:

Neben dem Hauptpreis vergab die Jury in diesem Jahr auch eine lobende Erwähnungen. Diese geht an Helene Bongers für ihren Aufsatz Frauendarstellungen in Catherine Meurisses ‚Moderne Olympia‘: Eine bande dessinée als feministische Kunst-Geschichte. Der Beitrag erschien 2023 im Themenheft „La bande dessinée au féminin : tendances, thèmes, styles“ der Zeitschrift lendemains. Études comparées sur la France (47. Jahrgang, Nr. 185) und ist über Academia.edu abrufbar.

Laudatio für Helene Bongers:

Helene Bongers besticht in ihrem Artikel „Frauendarstellungen in Catherine Meurisses ‚Moderne Olympia‘: Eine bande dessinée als feministische Kunst-Geschichte“ durch eine präzise Sprache und theoretische Weite bei gleichzeitig differenzierter Analyse am Comic. Der Artikel untersucht, wie in „Moderne Olympia“ Frauen und weibliche Körper dargestellt und angeschaut, welche kunsthistorischen Tropen aufgegriffen und welche zurückgewiesen werden. Dabei arbeitet Bongers die feministische Perspektive des Comics auf zwei kanonische Kunstwerke aus dem Musée d’Orsay in Paris heraus und bindet die gesellschaftliche und kunsthistorische Rezeption der Kunstwerke mit ein, welche durch Sexismus und Rassismus geprägt sind. Damit wählt Bongers einen intersektionalen Zugang zum Werk, dem eine differenzierte und eingehende kunsthistorische Analyse zugrunde liegt.

Die Laudatios zu beiden prämierten Beiträgen wurden im Rahmen feierlichen Preisverleihung auf der 19. ComFor-Jahrestagung (23.-25. Oktober 2024) in Groningen verlesen.

Die diesjährige Jury des Schüwer-Preises:

Jörn Ahrens
Anna Beckmann
Barbara M. Eggert
Iris Haist 
Vanessa Ossa 

Neue ComFor-Publikation / Gewerkschaftsstudie: „Die Arbeitsrealität Comicschaffender im deutschsprachigen Raum“

Die Arbeitsrealität Comicschaffender im deutschsprachigen RaumHarte Fakten, große Aufgaben: Die Arbeitsrealität Comicschaffender im deutschsprachigen Raum

Herausgegeben von der Comic Gewerkschaft
& der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor)

Redaktion
Romain Becker, Nino Bulling & Sheree Domingo
Wissenschaftliche Herausgabe
Christina Meyer
&  Lukas R.A. Wilde

1. Auflage, Oktober 2024
100 Seiten
Open Access
ISBN 978-3-9826707-1-3
DOI 10.5281/zenodo.14008383

Wer macht eigentlich Comics im deutschsprachigen Raum? Können Comickünstler*innen von ihrer Arbeit leben? Was für Ansätze gibt es, um Arbeitsbedingungen zu verbessern und Zugang zu Ressourcen gerecht zu gestalten? Die vorliegende Studie zur sozioökonomischen Situation von Comickünstler*innen wurde von einer Arbeitsgruppe der Comic Gewerkschaft in Kooperation mit Jana Rutar, Dr. Romain Becker und Katharina Serles konzipiert und finanziell von der documenta fifteen unterstützt.

Die Studie ist die erste ihrer Art im deutschsprachigen Raum und umfasst demografische Faktoren, um eine intersektionale Analyse zu ermöglichen. Die Umfrage lief vom 1. September bis zum 31. Dezember 2022 in Deutschland, Österreich und der Schweiz. An der Umfrage nahmen 810 Personen teil — damit ist sie repräsentativ für die Zielgruppe.

Die Auswertung erfolgte durch Dr. Romain Becker in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe der Comic Gewerkschaft und Unterstützung des Hauses der Selbstständigen. Die Ergebnisse wurden von Mitgliedern der Comic Gewerkschaft visualisiert und kommentiert. Die vorliegende Auswertung bildet noch nicht das ganze Volumen der Studie ab, da einige Bereiche noch nicht fertig abgedeckt werden konnten. Die Ergebnisse werden hier mit Unterstützung des Comic-Salon Erlangen erstmals präsentiert

Vollständige Publikation herunterladen (10MB)

Symposium „Walter Moers im Fokus der Kunst-, Literatur- und Medienwissenschaften“

Wie wir schon im Sommer berichteten, präsentiert die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen aktuell die Walter Moers-Ausstellung „Humor ist ein ernstes Geschäft“. Vom Freitag, 29. 11., bis Samstag, 30. 11. 2024, findet begleitend ein wissenschafltiches Symposium statt, für das nun auch das vollständige Programm veröffentlicht worden ist.

Ankündigungstext:

„Wie kein anderer in Deutschland hat Walter Moers als zeichnender Autor oder schreibender Zeichner die unterschiedlichsten Figuren
erdacht und mit Witz und Hintergründigkeit ihre Geschichten erzählt. Dabei gehören Text und Bild stets kongenial zusammen. Eine umfassende Präsentation seiner Arbeit zeigt die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ab dem 22. September 2024 mit der Ausstellung Was gibt’s denn da zu lachen? Anlässlich dieser umfangreichen Retrospektive lädt der Freundeskreis der LUDWIGGALERIE am 29. und 30. November 2024 zu einem wissenschaftlichen Symposium zu dem vielfältigen Werk des Allroundtalents ein. Das Moers’sche Œuvre zeichnet sich insbesondere durch Multimedialität, intertextuelle Verweise und Kunstzitate aus. Bisher ist es im Forschungszweig der Kunstwissenschaft jedoch nur marginal behandelt worden. Das Symposium greift dieses Forschungsdesiderat mit interdisziplinären Beiträgen auf“

Die Teilnahme am Symposium ist kostenfrei.
Anmeldung unter sarah.huelsewig (ät) oberhausen.de oder 0208 41249 12

Vollständiges programm herunterladen
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„Was war, ist, wird Comicforschung – für uns?“ (Publikation zur 18. ComFor-Jahrestagung)

Christina Meyer, Vanessa Ossa & Lukas R.A. Wilde (Hg.):
Was war, ist, wird Comicforschung – für uns? 10 Jahre ComFor e.V. als eingetragener Verein

Gesellschaft für Comicforschung (ComFor),
1. Auflage, Oktober 2024
240 Seiten, 109 Abbildungen
Open Access
ISBN 978-3-9826707-0-6
DOI  10.17605/OSF.IO/PDWFH

 

 

Herausgegeben von Christina Meyer, Vanessa Ossa und Lukas R.A. Wilde, mit Beiträgen von Daniel Stein, Jaqueline Berndt, Stephan Packard, Andreas Veits, Myriam Macé, Daniela Kuschel, Arnold Bärtschi, Lukas R.A. Wilde, Martin Wambsganß, Dietrich Grünewald, Barbara M. Eggert, Ralf Palandt, Christine Vogt und Iris Haist.

Zum Tagungsprogramm der 18. ComFor-Jahrestagung (2023)

Die Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) wurde am 11. Februar 2005 in Koblenz gegründet. Zweck war und ist die Förderung und Vernetzung von interdisziplinärer Comicforschung im deutschsprachigen Raum, zu deutschsprachigen, aus den deutschsprachigen Ländern stammenden oder ins Deutsche übersetzen Werken sowie, genereller, Forschung und Lehre zum Comicmedium an deutschen, österreichischen und schweizer Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen. Am 11. April 2014 wurde die ComFor in Frankfurt am Main als eingetragener Verein neu gegründet und blickt somit im Jahr 2024 auf eine zehnjährige Geschichte als e.V. zurück. Mit derzeit etwa 167 aktiven Mitgliedern, inkl. Förder- und Ehrenmitglieder aus verschiedenen Ländern (u.a. Italien, Österreich, Schweden, Norwegen, Niederlande, Belgien, USA) und unterschiedlichen Fächern wie z.B. Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Medienwissenschaft, Soziologie, Japanologie und vielen anderen ist die ComFor in diesen zehn Jahren seit der Neugründung zu einer der auch international größten und sichtbarsten Institutionen der interdisziplinären Comicforschung angewachsen. In diesen zehn Jahren hat sich das Feld zugleich stark ausdifferenziert, professionalisiert und gewandelt. Comicforschung nutzt dabei häufig die Stärken eines institutionell kaum verankerten und gerade deswegen rege interdisziplinären und internationalen Felds, um nicht nur die Vielfalt an spezifischen Perspektiven, sondern auch eine Kompetenz zu deren Vermittlung zu fokussieren – und zu reflektieren.

Zum zehnjährigen Bestehen unserer Institution soll diese Phase der interdisziplinären Comicforschung im deutschsprachigen Raum hier einer kritischen Reflexion unterzogen werden. Die vorbereitende 18. ComFor-Jahrestagung, die für die Mitglieder der Gesellschaft als eine Art ‚Think Tank‘ gedacht war, fand dazu vom 11.–13. Dezember 2023 in der Stiftung Akademie Waldschlösschen (bei Gleichen) statt. Diese Reflexion muss notwendig hochgradig selektiv bleiben und möchte daher jeden Anspruch auf Vollständigkeit oder Repräsentativität bewusst vermeiden. „Was war, ist, wird Comicforschung – für uns?“ meint daher keine Exklusion im Sinne eines sprachlich, geographisch oder gar national konstruierten ‚Wir‘, sondern ganz wörtlich: Die Mitglieder unserer Gesellschaft für Comicforschung, mit ihren persönlichen, oft interdisziplinär mäandernden Forschungsbiographien, Interessen und Schwerpunkten.

Der erste Teil unserer Sammelschrift, „Reflection Papers“, bietet Schlaglichter von Kolleg*innen, die bereits seit mehreren Jahrzehnten im Feld tätig sind und die um persönliche Reflexionen ihrer ‚Forschungsbiographie‘ – mit ganz individuell gewählten Schwerpunkten – gebeten wurden. Der Hauptteil, „Aktuelle Forschungsperspektiven“, bietet Einblicke in aktuelle Fragen, Themen und Anliegen, die insbesondere jüngere Mitglieder und early career scholars unserer Gesellschaft in ihren gegenwärtigen Forschungsprojekten antreiben. Die darauf folgende Sektion „Schwerpunkt Comic-Ausstellungen“ beleuchtet die oft vernachlässigte Frage der Ausstellungskommunikation und -praxis. Abgerundet wird unsere Sammelschrift durch 80 Seiten Dokumentation der republizierten ComFor-ComicsForum.org-Kolumnen 2014–2023, insgesamt 36 Texte von 9 Autor*innen, welche die vergangenen zehn Jahre Comicforschung in den deutschsprachigen Ländern noch einmal Revue passieren lassen und festhalten.

Vollversion in Druck-Qualität herunterladen (40 MB)

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comfor_comicforschung neu auf Instagram

Die ComFor-Redaktion freut sich, die digitale Präsenz der Gesellschaft für Comicforschung zu erweitern und nun auch als comfor_comicforschung auf Instagram vertreten zu sein. Unter der Betreuung von Laura Glötter wird der Instagram-Account der ComFor mit ansprechenden und relevanten Inhalten aus der Welt der Comics und der Comicforschung bespielt. In einer fruchtbaren Kooperation mit der AG Comicforschung der GfM, repräsentiert durch Barbara M. Eggert, intensiviert die ComFor ihre Aktivitäten in den sozialen Medien. Diese Zusammenarbeit, die im Rahmen der GfM-Jahrestagung startete, verspricht eine facettenreiche und informative Präsenz auf Instagram. Das Kooperationsteam hat ein abwechslungsreiches Konzept entwickelt, das jeden Sonntag neue Einblicke in verschiedene Aspekte der Comicforschung und -kultur bietet:

„Frisch erschienen“: Präsentation aktueller comicwissenschaftlicher Publikationen
„Comic Fact“: Prägnante Einblicke in die Welt der Comics
„Comic Empfehlung“: Kuratierte Leseempfehlungen (Vorschläge willkommen und per Mail an redaktion@comicgesellschaft.de einsendbar!)
„Panelplausch“: Interaktiver Austausch mit der Community

Diese Initiative zielt darauf ab, den Dialog zwischen Comicforscher*innen, Enthusiast*innen und der interessierten Öffentlichkeit zu fördern sowie gleichzeitig aktuelle Entwicklungen in der Comicforschung zu kommunizieren. Wir laden alle Interessierten herzlich ein, unseren Instagram-Auftritt zu verfolgen und sich aktiv an einem spannenden Diskurs über Comics zu beteiligen.

„Comics | Histories“ als erster Band der gleichnamigen neuen Reihe in open access erschienen

Comics | HistoriesComics | Histories: Texts, Methods, Resources

Jessica Bauwens-Sugimoto, Felix Giesa, Christina Meyer (Hg.)
Rombach
September 2024
259 Seiten
eBook ISBN 978-3-98858-056-6 (Open Access)
Print ISBN 978-3-98858-055-9

Soeben ist der erste Band der neuen Comicforschungsreihe „Comics | Histories“ bei Rombach erschienen, der unter dem gleichen Covertitel von Jessica Bauwens-Sugimoto, Felix Giesa und Christina Meyer herausgegeben wurde. Die Publikation mit insgesamt 10 Beiträgen unter den Sektionen „Re-Reading Punch Magazine“, „(Re-)Productions“, „War [in] Comics“ und „Periodization, Canonization, Digitization“ ist kostenlos als Open Access-Download bestellbar.

Ankündigungstext:

„This edited study is the first book in a new series of publications which aims to revise the wide spectrum of what are now regarded as comics (including caricatures, cartoons, graphic novels, etc.), broadening the view of Comics Studies, not only retrospectively but also prospectively at a time when modern media identities are dissolving. While there are already significant numbers of publications that foreground representations of history in comics, our edited study (and the new series) seeks to highlight contributions to history by comics in particular. In addition to that, the book (and the series) aims to address comics from a transnational, yet culturally situated, perspective, without privileging national histories of the medium in the narrower sense, i.e., as confined to the North American, Franco-Belgian or Japanese publication markets. The contributions to this first book in the series not only address questions relating to practices of canonisation, periodisation and digitisation, but also provide historical perspectives on a variety of humorous magazines and newspapers and deal with issues relating to adapting and revising comics in different parts of the world and in different cultures. The contributors to this book include a number of international scholars working in different areas and disciplines, such as literary and cultural studies, me-dia studies, history, children’s and youth literature research, computational studies and digital humani-ties. The book is divided into four parts, entitled ‘Re-Reading Punch Magazines’, ‘(Re-)Productions’, ‘War [in] Comics’ and ‘Periodization, Canonization, Digitization’ respectively. The editors of the book hope that the collection of (ongoing) research projects will spark readers’ curiosity and ignite their ambition to ex-plore comics|histories in multifarious ways. The newly launched series is looking for future projects that will also focus on the historiography of Comics Studies, in other words, inter- and transdisciplinary research on comics as objects of analysis in themselves. Multidisciplinary assessments of the field and its practices in terms of research and publishing and author- and editorship promise new insights into processes of knowledge formation, as well as the power relations involved.“

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Sammelband „Comics & Intersektionalität“ als Band 3 der Comicstudien (De Gruyter) erschienen

Comics und IntersektionalitätComics & Intersektionalität

Anna Beckmann, Kalina Kupczyńska, Marie Schröer und Véronique Sina (Hg.)
De Gruyter
September 2024
337 Seiten
eBook ISBN 9783110799385
gebunden ISBN 9783110799293

Soeben ist Band 3 von De Gruyters neuer Comicstudien-Reihe unter dem Titel „Comics & Intersektionalität“ veröffentlicht worden, erfreulicherweise auch direkt als Open Access. Herausgeberinnen sind Anna Beckmann, Kalina Kupczyńska, Marie Schröer und Véronique Sina. Unter den Beiträger*innen sind auch viele weitere ComFor-Mitglieder wie Daniel Stein, Sylvia Kesper-Biermann, Ole Frahm, Marina Rauchenbacher, Katharina Serles, Dorothee Marx, Annemarie Klimke und Katharina Hülsmann.

Ankündigungstext:
„Intersektionalität ist eine disziplinenübergreifende analytische Perspektive, mit deren Hilfe sowohl die Konstitution und Verschränkung identitätslogischer Kategorien als auch multiple Formen der Diskriminierung und normativen Klassifizierung betrachtet werden. Intersektionalität steht in enger Beziehung zu den Gender-, Queer- oder auch Dis/Ability und Postcolonial Studies.

Die Auseinandersetzung mit der ‚sequenziellen Kunst’ aus intersektionaler Perspektive ist ein Desiderat der Comicforschung. Wie der Band zeigen soll, eignen sich Comics aufgrund ihrer medialen Beschaffenheit besonders gut, alternative Lebenswege aufzuzeigen und das ‚sichtbar‘ zu machen, was sich außerhalb des hegemonialen Diskurses befindet.

Mit dem Band soll das Potenzial eines intersektionalen Ansatzes für die Comicforschung herausgestellt werden. Dabei steht die Verzahnung verschiedener Differenzachsen wie Gender, Sexualität, Alter, Klasse, Nationalität, Dis/Ability und ‚Rasse‘, sowie die Analyse der mit diesem Wechselspiel einhergehenden hierarchischen Machtverhältnisse im Medium Comic, aber auch im Kontext seiner Produktion und Rezeption im Mittelpunkt der Auseinandersetzung.“

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Erschienen: Erzählen nach dem Menschen: Frauke Bergers posthumaner Comic Grün

Kürzlich ist im Wehrhahn Verlag die Monografie Erzählen nach dem Menschen: Frauke Bergers posthumaner Comic Grün von ComFor-Mitglied Marie Yvonne Müller erschienen. In diesem 112 Seiten umfassenden Band widmet sich die Autorin der deutschen Comiczeichnerin Frauke Berger und deren dystopischem Comic Grün, der in den späten 2010er Jahren erschien.

Bild zeigt das Buchcover.Erzählen nach dem Menschen: Frauke Bergers posthumaner Comic Grün

Marie Yvonne Müller
Wehrhahn Verlag
2023
Verlagsseite

„Die Menschheit befindet sich auf dem absteigenden Ast. In Frauke Bergers Comic Grün wird das besonders deutlich, denn Menschen gibt es dort nicht mehr. Auf einem Planeten, den der Abbau von Bodenschätzen zerstört hat, leben Spezies wie »Wandler«, »Nomaden« oder »Hybride« – und Pflanzen. Nicht passiv und dekorativ, wie Pflanzen traditionell häufig sind, sondern aktiv und brutal erobert eine »grüne Seuche« den Planeten zurück und vernichtet dabei alles, was sich ihr in den Weg stellt. In Grün zerstören Pflanzen nicht nur, sie sprechen und handeln auch, ja sie erzählen sogar. Vor dem Hintergrund aktueller Kulturtheorien analysiert dieses Buch die bilderzählerischen Mittel von Grün und begibt sich auf die Suche nach dem, was Bergers grafischen Text zu einem posthumanen Comic macht. Grün handelt von pflanzlichem Erzählen als Widerstand gegen das Anthropozän.“