Comicgesellschaft

„Was war, ist, wird Comicforschung – für uns?“ (Publikation zur 18. ComFor-Jahrestagung)

Christina Meyer, Vanessa Ossa & Lukas R.A. Wilde (Hg.):
Was war, ist, wird Comicforschung – für uns? 10 Jahre ComFor e.V. als eingetragener Verein

Gesellschaft für Comicforschung (ComFor),
1. Auflage, Oktober 2024
240 Seiten, 109 Abbildungen
Open Access
ISBN 978-3-9826707-0-6
DOI  10.17605/OSF.IO/PDWFH

 

 

Herausgegeben von Christina Meyer, Vanessa Ossa und Lukas R.A. Wilde, mit Beiträgen von Daniel Stein, Jaqueline Berndt, Stephan Packard, Andreas Veits, Myriam Macé, Daniela Kuschel, Arnold Bärtschi, Lukas R.A. Wilde, Martin Wambsganß, Dietrich Grünewald, Barbara M. Eggert, Ralf Palandt, Christine Vogt und Iris Haist.

Zum Tagungsprogramm der 18. ComFor-Jahrestagung (2023)

Die Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) wurde am 11. Februar 2005 in Koblenz gegründet. Zweck war und ist die Förderung und Vernetzung von interdisziplinärer Comicforschung im deutschsprachigen Raum, zu deutschsprachigen, aus den deutschsprachigen Ländern stammenden oder ins Deutsche übersetzen Werken sowie, genereller, Forschung und Lehre zum Comicmedium an deutschen, österreichischen und schweizer Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen. Am 11. April 2014 wurde die ComFor in Frankfurt am Main als eingetragener Verein neu gegründet und blickt somit im Jahr 2024 auf eine zehnjährige Geschichte als e.V. zurück. Mit derzeit etwa 167 aktiven Mitgliedern, inkl. Förder- und Ehrenmitglieder aus verschiedenen Ländern (u.a. Italien, Österreich, Schweden, Norwegen, Niederlande, Belgien, USA) und unterschiedlichen Fächern wie z.B. Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Medienwissenschaft, Soziologie, Japanologie und vielen anderen ist die ComFor in diesen zehn Jahren seit der Neugründung zu einer der auch international größten und sichtbarsten Institutionen der interdisziplinären Comicforschung angewachsen. In diesen zehn Jahren hat sich das Feld zugleich stark ausdifferenziert, professionalisiert und gewandelt. Comicforschung nutzt dabei häufig die Stärken eines institutionell kaum verankerten und gerade deswegen rege interdisziplinären und internationalen Felds, um nicht nur die Vielfalt an spezifischen Perspektiven, sondern auch eine Kompetenz zu deren Vermittlung zu fokussieren – und zu reflektieren.

Zum zehnjährigen Bestehen unserer Institution soll diese Phase der interdisziplinären Comicforschung im deutschsprachigen Raum hier einer kritischen Reflexion unterzogen werden. Die vorbereitende 18. ComFor-Jahrestagung, die für die Mitglieder der Gesellschaft als eine Art ‚Think Tank‘ gedacht war, fand dazu vom 11.–13. Dezember 2023 in der Stiftung Akademie Waldschlösschen (bei Gleichen) statt. Diese Reflexion muss notwendig hochgradig selektiv bleiben und möchte daher jeden Anspruch auf Vollständigkeit oder Repräsentativität bewusst vermeiden. „Was war, ist, wird Comicforschung – für uns?“ meint daher keine Exklusion im Sinne eines sprachlich, geographisch oder gar national konstruierten ‚Wir‘, sondern ganz wörtlich: Die Mitglieder unserer Gesellschaft für Comicforschung, mit ihren persönlichen, oft interdisziplinär mäandernden Forschungsbiographien, Interessen und Schwerpunkten.

Der erste Teil unserer Sammelschrift, „Reflection Papers“, bietet Schlaglichter von Kolleg*innen, die bereits seit mehreren Jahrzehnten im Feld tätig sind und die um persönliche Reflexionen ihrer ‚Forschungsbiographie‘ – mit ganz individuell gewählten Schwerpunkten – gebeten wurden. Der Hauptteil, „Aktuelle Forschungsperspektiven“, bietet Einblicke in aktuelle Fragen, Themen und Anliegen, die insbesondere jüngere Mitglieder und early career scholars unserer Gesellschaft in ihren gegenwärtigen Forschungsprojekten antreiben. Die darauf folgende Sektion „Schwerpunkt Comic-Ausstellungen“ beleuchtet die oft vernachlässigte Frage der Ausstellungskommunikation und -praxis. Abgerundet wird unsere Sammelschrift durch 80 Seiten Dokumentation der republizierten ComFor-ComicsForum.org-Kolumnen 2014–2023, insgesamt 36 Texte von 9 Autor*innen, welche die vergangenen zehn Jahre Comicforschung in den deutschsprachigen Ländern noch einmal Revue passieren lassen und festhalten.

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comfor_comicforschung neu auf Instagram

Die ComFor-Redaktion freut sich, die digitale Präsenz der Gesellschaft für Comicforschung zu erweitern und nun auch als comfor_comicforschung auf Instagram vertreten zu sein. Unter der Betreuung von Laura Glötter wird der Instagram-Account der ComFor mit ansprechenden und relevanten Inhalten aus der Welt der Comics und der Comicforschung bespielt. In einer fruchtbaren Kooperation mit der AG Comicforschung der GfM, repräsentiert durch Barbara M. Eggert, intensiviert die ComFor ihre Aktivitäten in den sozialen Medien. Diese Zusammenarbeit, die im Rahmen der GfM-Jahrestagung startete, verspricht eine facettenreiche und informative Präsenz auf Instagram. Das Kooperationsteam hat ein abwechslungsreiches Konzept entwickelt, das jeden Sonntag neue Einblicke in verschiedene Aspekte der Comicforschung und -kultur bietet:

„Frisch erschienen“: Präsentation aktueller comicwissenschaftlicher Publikationen
„Comic Fact“: Prägnante Einblicke in die Welt der Comics
„Comic Empfehlung“: Kuratierte Leseempfehlungen (Vorschläge willkommen und per Mail an redaktion@comicgesellschaft.de einsendbar!)
„Panelplausch“: Interaktiver Austausch mit der Community

Diese Initiative zielt darauf ab, den Dialog zwischen Comicforscher*innen, Enthusiast*innen und der interessierten Öffentlichkeit zu fördern sowie gleichzeitig aktuelle Entwicklungen in der Comicforschung zu kommunizieren. Wir laden alle Interessierten herzlich ein, unseren Instagram-Auftritt zu verfolgen und sich aktiv an einem spannenden Diskurs über Comics zu beteiligen.

„Comics | Histories“ als erster Band der gleichnamigen neuen Reihe in open access erschienen

Comics | HistoriesComics | Histories: Texts, Methods, Resources

Jessica Bauwens-Sugimoto, Felix Giesa, Christina Meyer (Hg.)
Rombach
September 2024
259 Seiten
eBook ISBN 978-3-98858-056-6 (Open Access)
Print ISBN 978-3-98858-055-9

Soeben ist der erste Band der neuen Comicforschungsreihe „Comics | Histories“ bei Rombach erschienen, der unter dem gleichen Covertitel von Jessica Bauwens-Sugimoto, Felix Giesa und Christina Meyer herausgegeben wurde. Die Publikation mit insgesamt 10 Beiträgen unter den Sektionen „Re-Reading Punch Magazine“, „(Re-)Productions“, „War [in] Comics“ und „Periodization, Canonization, Digitization“ ist kostenlos als Open Access-Download bestellbar.

Ankündigungstext:

„This edited study is the first book in a new series of publications which aims to revise the wide spectrum of what are now regarded as comics (including caricatures, cartoons, graphic novels, etc.), broadening the view of Comics Studies, not only retrospectively but also prospectively at a time when modern media identities are dissolving. While there are already significant numbers of publications that foreground representations of history in comics, our edited study (and the new series) seeks to highlight contributions to history by comics in particular. In addition to that, the book (and the series) aims to address comics from a transnational, yet culturally situated, perspective, without privileging national histories of the medium in the narrower sense, i.e., as confined to the North American, Franco-Belgian or Japanese publication markets. The contributions to this first book in the series not only address questions relating to practices of canonisation, periodisation and digitisation, but also provide historical perspectives on a variety of humorous magazines and newspapers and deal with issues relating to adapting and revising comics in different parts of the world and in different cultures. The contributors to this book include a number of international scholars working in different areas and disciplines, such as literary and cultural studies, me-dia studies, history, children’s and youth literature research, computational studies and digital humani-ties. The book is divided into four parts, entitled ‘Re-Reading Punch Magazines’, ‘(Re-)Productions’, ‘War [in] Comics’ and ‘Periodization, Canonization, Digitization’ respectively. The editors of the book hope that the collection of (ongoing) research projects will spark readers’ curiosity and ignite their ambition to ex-plore comics|histories in multifarious ways. The newly launched series is looking for future projects that will also focus on the historiography of Comics Studies, in other words, inter- and transdisciplinary research on comics as objects of analysis in themselves. Multidisciplinary assessments of the field and its practices in terms of research and publishing and author- and editorship promise new insights into processes of knowledge formation, as well as the power relations involved.“

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Sammelband „Comics & Intersektionalität“ als Band 3 der Comicstudien (De Gruyter) erschienen

Comics und IntersektionalitätComics & Intersektionalität

Anna Beckmann, Kalina Kupczyńska, Marie Schröer und Véronique Sina (Hg.)
De Gruyter
September 2024
337 Seiten
eBook ISBN 9783110799385
gebunden ISBN 9783110799293

Soeben ist Band 3 von De Gruyters neuer Comicstudien-Reihe unter dem Titel „Comics & Intersektionalität“ veröffentlicht worden, erfreulicherweise auch direkt als Open Access. Herausgeberinnen sind Anna Beckmann, Kalina Kupczyńska, Marie Schröer und Véronique Sina. Unter den Beiträger*innen sind auch viele weitere ComFor-Mitglieder wie Daniel Stein, Sylvia Kesper-Biermann, Ole Frahm, Marina Rauchenbacher, Katharina Serles, Dorothee Marx, Annemarie Klimke und Katharina Hülsmann.

Ankündigungstext:
„Intersektionalität ist eine disziplinenübergreifende analytische Perspektive, mit deren Hilfe sowohl die Konstitution und Verschränkung identitätslogischer Kategorien als auch multiple Formen der Diskriminierung und normativen Klassifizierung betrachtet werden. Intersektionalität steht in enger Beziehung zu den Gender-, Queer- oder auch Dis/Ability und Postcolonial Studies.

Die Auseinandersetzung mit der ‚sequenziellen Kunst’ aus intersektionaler Perspektive ist ein Desiderat der Comicforschung. Wie der Band zeigen soll, eignen sich Comics aufgrund ihrer medialen Beschaffenheit besonders gut, alternative Lebenswege aufzuzeigen und das ‚sichtbar‘ zu machen, was sich außerhalb des hegemonialen Diskurses befindet.

Mit dem Band soll das Potenzial eines intersektionalen Ansatzes für die Comicforschung herausgestellt werden. Dabei steht die Verzahnung verschiedener Differenzachsen wie Gender, Sexualität, Alter, Klasse, Nationalität, Dis/Ability und ‚Rasse‘, sowie die Analyse der mit diesem Wechselspiel einhergehenden hierarchischen Machtverhältnisse im Medium Comic, aber auch im Kontext seiner Produktion und Rezeption im Mittelpunkt der Auseinandersetzung.“

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19. ComFor-Jahrestagung 2024: „Graphic Medicine“ in Groningen

Termin:
23.10.2024 14:30 Uhr - 25.10.2024

Vom 23.-25. Oktober 2024 wird die 19. Jahrestagung der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) an der Universität Groningen in den Niederlanden stattfinden. Organisiert wird die Veranstaltung von Janina Wildfeuer und Barbara Postema. Keynote Speaker sind Elisabeth El Refaie (Cardiff University), Irmela Krüger-Fürhoff (Freie Universität Berlin) und Erin La Cour (Vrije Universiteit Amsterdam).

„Initiated in 2007, the area of study called ‘Graphic Medicine’ has developed into an impressive field of research that is today broadly understood as “the intersection of the medium of comics and the discourse of healthcare” (Czerwiec et al. 2015). As a discipline, it understands itself as an ‘emerging area of interdisciplinary academic study’ including both theoretical and methodological developments from several disciplines connected to comics studies as well as practical insights and applications from medical practitioners in the healthcare context.

 The conference would like to bring these theoretical and methodological developments as well as practical insights and applications together and offer a fruitful place for discussion and critical evaluation of the discipline and its most recent developments and insights. We aim at opening the conference again for an international context with topics such as: Graphic Medicine for Scholarship, Graphic Storytelling and Medical Narrative; Graphic Pathography; Iconography of Illness; practical applications of Graphic Medicine.

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Vorstellung des neuen ComFor-Vorstands

Während der digitalen Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) am 15. Juli 2024 wurde der ComFor-Vorstand neu gewählt.

Christina Meyer und Lukas R.A. Wilde haben erneut für den 1. Und 2. Vorsitz der Gesellschaft kandidiert. Arnold Bärtschi trat erstmals für das Amt des Schatzmeisters an. Vanessa Ossa ist aus diesem Posten ausgeschieden, den sie seit 2020 innehatte. In dieser Zeit war sie zusätzlich nicht nur als Mitglied der ComFor-Onlineredaktion ausgesprochen aktiv sondern auch als Co-Organisatorin von zwei ComFor-Jahrestagungen, “Comics und Agency – Akteur*innen, Öffentlichkeiten, Partizipation” (Oktober 2020, Tübingen) sowie “Was war, ist, wird Comicforschung – für uns?” (Dezember 2023, Gleichen).  Für beide frei zugänglichen Open Access-Publikationen (die jüngste soeben in Vorbereitung) war und ist sie auch Herausgeberin. Wir danken Vanessa Ossa ganz herzlich für ihr Engagement für die ComFor und für den wichtigen Beitrag zur Comicforschung, den sie durch ihre Arbeit geleistet hat!

Der neue ComFor-Vorstand besteht aus:

1. Vorsitzende

Prof. Dr. Christina Meyer ist seit 2010 Mitglied in der ComFor. Sie ist Amerikanistin mit einem Forschungsschwerpunkt auf amerikanischen Zeitungscomics des späten 19. Jahrhunderts. Seit 1. Oktober 2023 ist sie Professorin für amerikanistische Literatur- und Kulturwissenschaft am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Hamburg. Ihr für den Eisner Award 2020 in der Kategorie „Best Academic/Scholarly Work“ nominiertes Buch Producing Mass Entertainment: The Serial Life of the Yellow Kid ist im November 2019 bei der Ohio State University Press erschienen (zur Verlagsseite). Sie ist Mitherausgeberin von New Perspectives on American Comic Books und Graphic Novels (eine Sonderausgabe der Zeitschrift Amerikastudien / American Studies, 2011) und Transnational Perspectives on Graphic Narratives: Comics at the Crossroads (2013). Mehr Informationen auf ihrer ComFor-Profilseite.

2. Vorsitzender

Associate Prof. Dr. Lukas R.A. Wilde ist ComFor-Mitglied seit September 2012 und koordinierte zunächst seit 2014 die Redaktionsarbeit der Gesellschaft für Comicforschung. 2018 wurde er in den Vorstand der ComFor gewählt, wo er zunächst als Schatzmeister, seit 2020 als zweiter Vorstand tätig ist. Von Haus aus ist er Medienwissenschaftler und verfasste eine Roland-Faelske-prämierte Dissertation zur ‚Mangaisierung‘ öffentlicher Räume in Japan (Im Reich der Figuren, Köln 2018). Seit 2022 ist er Associate Professor an der Naturwissenschaftlich-Technischen Universität NTNU in Trondheim, Norwegen. Er war Mitorganisator von zwei ComFor-Jahrestagungen (2020 und 2023) und Mitherausgeber der entsprechenden Publikationen. In seiner Freizeit unterstützt er Eve Jay in der Programmgestaltung der Comic Solidarity (zur Website) und fungiert als einer der Initiator*innen des inklusiven deutschen Comic- und Manga-Awards GINCO (zur Website). Mehr Informationen auf seiner ComFor-Profilseite.

Schatzmeister

Dr. Arnold Bärtschi ist seit 2020 ComFor-Mitglied und wurde 2024 als Schatzmeister in den Vorstand gewählt. Als Klassischer Philologe verfasste er eine Dissertation zu Titanen, Giganten und Riesen im antiken Epos. Eine literaturtheoretische Neuinterpretation (Heidelberg 2019). Seit 2019 arbeitet er als Studienrat im Hochschuldienst und Geschäftsführender Rat an der Ruhr-Universität Bochum. Neben der Anwendung moderner Literaturtheorien auf antike Literatur ist sein aktueller Forschungsschwerpunkt der Antikerezeption in modernen Medien mit einem besonderen Augenmerk auf Comics gewidmet. Zur Frage nach verschiedenen Transformationen der Antike in Comics sind mehrere Aufsätze und eine Monographie in Arbeit. Mehr Informationen auf seiner ComFor-Profilseite.

Erschienen: Erzählen nach dem Menschen: Frauke Bergers posthumaner Comic Grün

Kürzlich ist im Wehrhahn Verlag die Monografie Erzählen nach dem Menschen: Frauke Bergers posthumaner Comic Grün von ComFor-Mitglied Marie Yvonne Müller erschienen. In diesem 112 Seiten umfassenden Band widmet sich die Autorin der deutschen Comiczeichnerin Frauke Berger und deren dystopischem Comic Grün, der in den späten 2010er Jahren erschien.

Bild zeigt das Buchcover.Erzählen nach dem Menschen: Frauke Bergers posthumaner Comic Grün

Marie Yvonne Müller
Wehrhahn Verlag
2023
Verlagsseite

„Die Menschheit befindet sich auf dem absteigenden Ast. In Frauke Bergers Comic Grün wird das besonders deutlich, denn Menschen gibt es dort nicht mehr. Auf einem Planeten, den der Abbau von Bodenschätzen zerstört hat, leben Spezies wie »Wandler«, »Nomaden« oder »Hybride« – und Pflanzen. Nicht passiv und dekorativ, wie Pflanzen traditionell häufig sind, sondern aktiv und brutal erobert eine »grüne Seuche« den Planeten zurück und vernichtet dabei alles, was sich ihr in den Weg stellt. In Grün zerstören Pflanzen nicht nur, sie sprechen und handeln auch, ja sie erzählen sogar. Vor dem Hintergrund aktueller Kulturtheorien analysiert dieses Buch die bilderzählerischen Mittel von Grün und begibt sich auf die Suche nach dem, was Bergers grafischen Text zu einem posthumanen Comic macht. Grün handelt von pflanzlichem Erzählen als Widerstand gegen das Anthropozän.“

OER-Verbundprojekt Comicforschung.nrw

Das Netzwerk Comicforschung am Rhein hat im September 2023 das OER-Verbundprojekt Comicforschung.nrw ins Leben gerufen. Im Rahmen dieses Projekts sollen Bildungsmaterialien zum Thema Comicforschung erstellt und als OER digital frei zur Verfügung gestellt werden. Im Gespräch mit Natalie Veith von der ComFor-Redaktion stellen Nina Eckhoff-Heindl (NEH), Katharina Hülsmann (KH), Lea Zindel (LZ) und Tatjana Kasigkeit (TK), die alle vier als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen an den Bildungsmaterialien arbeiten, das neue Projekt vor.

ComFor: Ganz allgemein zum Einstieg: Worum geht es im OER-Verbundprojekt Comicforschung.nrw?

KH: Beim Verbundprojekt geht es um die Erstellung von Lehr- und Lernmaterialien zur Comicforschung, die von allen genutzt werden können. Das steckt im Namen Open Educational Resources drin: ‚Offene‘ Materialien für die Lehre. Die Materialien, die wir im Rahmen des Projektes erstellen, werden unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht und sind dadurch für andere Lehrende kostenfrei zur weiteren Verwendung und sogar zur Weiterentwicklung verfügbar. Thematisch liegt bei uns der Schwerpunkt auf Comics, also erstellen wir Materialien, die zur Lehre über Comics in den verschiedensten Lehrkontexten verwendet werden können. Hierfür erarbeiten wir an insgesamt vier Universitätsstandorten vier Kurse: An der Universität Bonn einen Kurs zur Comicgeschichte, an der Universität zu Köln einen Kurs zur Comicanalyse, an der Universität Düsseldorf einen Kurs zur Comicforschung und an der Universität Duisburg-Essen einen Kurs zur Comicdidaktik.

ComFor: Wie ist das Projekt entstanden? Woher kam die Idee?

KH: In unserem Netzwerk Comicforschung am Rhein arbeiten wir schon länger an den Universitäten Bonn, Duisburg-Essen, Düsseldorf und Köln zusammen. Wir organisieren seit 2022 gemeinsam jedes Sommersemester eine Ringvorlesung, die online stattfindet – Zuhörende und Mitdiskutierende sind jederzeit herzliche willkommen! Außerdem tauschen wir uns regelmäßig über unsere Forschung aus. Uns eint zudem die Tatsache, dass wir an unseren jeweiligen Standorten und in unseren verschiedenen Disziplinen immer wieder auch Comics in der Lehre behandelt haben. Mit der Pandemie und dem größeren Fokus auf digitale Materialien und Formate wie asynchrone Lehre kam die Idee, ein Projekt zu entwickeln, in dem wir unsere Expertisen zusammenbringen können und einen Grundstock an Materialien schaffen, der von uns im Netzwerk, aber auch weit darüber hinaus genutzt werden kann, wenn man zu Comics lehren möchte. Es sind ja oft ähnliche Inhalte, die man wieder und wieder aufbereitet: Wie haben sich Comics historisch entwickelt? Wie analysiert man Comics? Welche kulturtheoretischen Herangehensweisen an Comics gibt es? Welche didaktischen Möglichkeiten bietet die comicbezogene Lehre? Digitale Materialien in der Lehre und das Konzept der OER eignen sich dafür sehr gut, da sie so einfach zu teilen sind.

ComFor: Warum sind Open Educational Resources zum Thema Comicforschung wichtig?

LZ: Offene Bildungsressourcen sind zu einem wichtigen Thema in der Hochschulbildung geworden. Universitäre Bildungsstätten bieten sich als strategische Multiplikatoren von Inhalten an, ermöglichen aber auch die differenzierte Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Aspekten einer Thematik. Für die Comicforschung haben offene Bildungsressourcen das Potential, als Konnektor zwischen unterschiedlichen Fachdisziplinen zu fungieren und dadurch die Lehre sowie die Forschung multiperspektivisch zu gestalten. Multiperspektivität ist dabei ein Stichwort, das gerade die Comicforschung in ihrem Kern betrifft, da die Untersuchungsmöglichkeiten des Mediums Comic erst durch unterschiedliche Bearbeitungsmethoden und Betrachtungsaspekte so richtig ausgeschöpft werden können.

ComFor: Welche Chancen ergeben sich aus diesem Projekt für Comicforscher*innen bzw. für die Comicforschung als transdisziplinäres Feld in der deutschen Forschungslandschaft?

LZ: Open Educational Resources haben den Vorteil der freien Zugänglichkeit der Forschungs- und Arbeitsergebnisse. Sie können kostenlos genutzt und zudem auch weiterentwickelt werden. Das heißt, dass die Materialien so angelegt sind und die Dateiformate so zur Verfügung gestellt werden, dass sie möglichst einfach für die eigenen Zwecke angepasst und modifiziert werden können. Dies ermöglicht eine intendierte Verselbstständigung der Inhalte in unterschiedlichen Forschungsfeldern. Zudem ist es explizit erwünscht, Forschungs- und Arbeitsergebnisse weiterzuentwickeln und die bestehenden Materialien um neue Aspekte zu ergänzen. Ganz konkret bedeutet dies, dass das Projekt Materialien zur Grundlagenbildung in der Comicforschung zur freien Verfügung stellt, welche dann die Chance haben, sich in der Forschungslandschaft zu etablieren und die Lehre in unterschiedlichen Fachdisziplinen unkompliziert um das Thema Comics zu erweitern.

ComFor: Welche Materialien sollen im Rahmen des Projekts produziert werden? Könnt ihr schon ein paar konkrete Beispiele nennen?

TK: Wir nutzen die Lernplattform ILIAS, um unsere Materialien zu entwickeln. Hierzu gehören ganze ILIAS-Lernmodule, die an Universitäten mit der gleichen Lernplattform einfach importiert werden können. Der Export in andere Learning Management Systeme, wie etwa Moodle, ist auch möglich. Und für alle Interessierten, die keine der unterstützten Plattformen zur Verfügung haben, werden die Materialien auch noch einmal als Einzeldateien zugänglich gemacht: Darunter sind Erklärvideos, Podcasts, Unterrichtshandreichungen und Powerpoint-Folien. In konkreten Beispielen wollen wir im Rahmen eines ILIAS-Schaufensters Einblicke ermöglichen – das heißt wir erstellen einen frei zugänglichen ILIAS-Raum, in dem Materialien eingestellt werden, sodass Interessierte sich einen Eindruck verschaffen können.

Ein wichtiges Anliegen bei der Erstellung der Materialien ist dabei die digitale Barrierefreiheit. Es wird also darauf geachtet, dass die Materialien auf mindestens zwei Wahrnehmungsweisen ausgelegt sind – dass es bei Videos beispielsweise Untertitel und auch eine Audiodeskription gibt, und dass insgesamt eine möglichst barrierefreie Interaktion mit unseren Lehrmaterialien möglich ist.

ComFor: Durch wen werden die Materialien produziert?

TK: Produziert werden die Materialien an den Standorten Bonn, Köln, Düsseldorf und Duisburg-Essen durch uns vier wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und in Zusammenarbeit mit dem Medienlabor der HHU. Konkret arbeiten in Köln Nina Eckhoff-Heindl und Stephan Packard aus der Medienkulturwissenschaft der Universität zu Köln an den Materialien zur Comicanalyse, in Düsseldorf Katharina Hülsmann mit Christian Tagsold aus der Japanologie, Florian Trabert aus der Germanistik und Frank Leinen aus der Romanistik an den Materialien zur Comicforschung, in Duisburg-Essen arbeiten Lea Zindel und Markus Engelns aus der germanistischen Literaturdidaktik zusammen an den Materialien zur Comicdidaktik und in Bonn werden die Materialien zur Comicgeschichte von mir, Tatjana Kasigkeit, gemeinsam mit Joachim Trinkwitz und Kathrin Chlench-Prieber erstellt und in den Studiengängen der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft getestet. Die Materialien, die an den jeweiligen Standorten entstehen, werden in internen Feedbackschleifen durch das Know-How der weiteren Standorte ergänzt und dadurch können wir mit unseren Materialien ein breites Spektrum an Fächern und Themenzuschnitten anbieten, was für die Comicforschung, die per se ja transdisziplinär angelegt ist, eine ideale Ausgangslage bildet. Zudem werden die Materialien von Kooperationspartner*innen getestet und evaluiert, damit wir die verschiedenen Perspektiven der Fachwissenschaften wie auch der Lehrenden und Studierenden so gut wie möglich einbeziehen können.

ComFor: An wen richtet sich das Angebot? In welchen Szenarien könnten die Materialien genutzt werden?

NEH: Das Angebot richtet sich an Lehrende und Studierende im Hochschulkontext, hier insbesondere in Bezug auf geistes- und kulturwissenschaftliche Fächer inklusive der fachdidaktischen Ausbildung. Hier ist eine ganze Breite an Studiengängen adressiert. Was sie eint, ist das gemeinsame Interesse an der Comicforschung. Dabei kommt es nicht darauf an, wie viel die Lehrenden sich schon selbst mit Comicforschung beschäftigt haben und welches Vorwissen sie mitbringen. Wir richten uns an eine möglichst breite Zielgruppe. Ob nur einzelne Materialien für die Gestaltung einer Stunde genutzt werden sollen und dafür z.B. eine kurze Einführung zu einem bestimmten Comic-Thema benötigt wird, oder aber ein ganzes Seminar zu Comics gestaltet werden soll – in unserem Baukasten von Materialien können alle etwas Passendes finden.

Es gibt mehrere Wege, die Materialien einzusetzen: Die Kurse und/oder einzelne Lernmodule daraus können über die Lernplattform ILIAS, in der wir auch die Kurse erarbeiten, direkt übernommen und für die eigenen Kurse der Lehrenden eingesetzt werden. Für Moodle können die Kurse und Lernmodule aus ILIAS exportiert werden. Wenn die Hochschule der Lehrenden weder ILIAS, noch Moodle anbieten, können die Materialien (u.a. Videos, Arbeitsblätter, Podcasts…) auch als Einzeldateien verwendet werden.

Egal ob die Materialien plattformbasiert oder als Einzeldateien verwendet werden: Immer steht dabei im Fokus, die Nachnutzung und Anpassung der Materialien so einfach wie möglich zu gestalten. Das bedeutet dann auch, dass Aktualisierungen möglich sind und das Material weiterentwickelt werden kann. Es wäre zum Beispiel toll, wenn es zukünftig auch englischsprachige Lernmodule geben würde. Hier sind wir auf die Ideen und Interessensschwerpunkte der Nachnutzenden angewiesen, um das Angebot nicht auf einem bestimmten Stand verharren zu lassen, sondern weiterwachsen zu lassen, genau wie die Comicforschung ja selbst immer wieder Neues für uns bereithält.

ComFor: Wie sieht eure weitere Planung für das Projekt aus? Wisst ihr schon, wann die ersten Materialien verfügbar sein werden?

NEH: Wir arbeiten gerade mit Hochdruck an der Umsetzung der Materialien, denn im kommenden Wintersemester werden wir die ersten Versionen bereits in der Lehre an unseren vier Standorten sowie an weiteren Standorten unserer Kooperationspartner*innen austesten. Auf dieser Basis werden wir die Materialien überarbeiten und evaluieren. Das Projekt endet im Spätsommer 2025, dann werden die Materialien auch öffentlich zugänglich werden.

AUSLOBUNG DES MARTIN SCHÜWER-PUBLIKATIONSPREISES 2024


Call for Nominations:

Martin Schüwer-Publikationspreis für herausragende Comicforschung

Förderpreis, ausgeschrieben von der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) sowie der AG Comicforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM)

Die Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) und die AG Comicforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) loben für 2024 zum sechsten Mal den Martin Schüwer-Publikationspreis für herausragende Comicforschung aus. Der Preis wird seit 2019 jährlich verliehen. Er fördert Wissenschaftler_innen, die, unabhängig von ihrem Lebensalter, noch keine unbefristete akademische Anstellung innehaben. Mit der Auszeichnung herausragender Veröffentlichungen aus dem Bereich der interdisziplinären Comicforschung soll der Publikationspreis zur nachhaltigen Sichtbarmachung, Förderung und Vermittlung comicbezogener Forschungsarbeit beitragen.

Der Preis ist nach dem 2013 viel zu früh verstorbenen Anglisten und Comicforscher Martin Schüwer benannt. Seine vor 16 Jahren erschienene Dissertation Wie Comics erzählen (2008) hat Neuland für die narratologische Comicforschung erschlossen und ist zu einem Standardwerk der deutschsprachigen Comicforschung geworden. Mit dieser und seinen weiteren Arbeiten zu Comics sowie zur Didaktik der englischsprachigen Literatur hat Martin Schüwer Maßstäbe für die Exzellenz, die Zugänglichkeit und die Reichweite gesetzt, die Publikationen in unseren Fächern erreichen können. Als Comicforscher wie als Mensch zeichnete er sich durch seine interessierte und offene Art im Umgang mit anderen aus. Gemeinsam, im Austausch und im Abgleich mit anderen wollte er sein Fach weiterbringen. Diesen Zielen widmen wir den Preis in seinem Namen.

Einreichung und Nominierungen:

Zur Nominierung angenommen werden bereits publizierte Beiträge von Artikel- oder Kapitellänge. Sie können als Artikel in Sammelbänden oder Zeitschriften, als Kapitel in längeren Monografien, aber auch als Essays und andere Textformen ähnlicher Länge erschienen sein. Die eingereichten bzw. nominierten Texte können von einem_einer oder mehreren Autor_innen verfasst worden sein. Alle Verfasser_innen dürfen zum Zeitpunkt der Nominierung noch keine unbefristete akademische Anstellung innehaben.

Beiträge, die für den Martin Schüwer-Preis 2024 nominiert werden, müssen zwischen dem 1. Januar 2022 und dem 31. Dezember 2023 in deutscher oder englischer Sprache publiziert worden sein. Noch im Druck befindliche oder erst zur Publikation angenommene Texte können nicht berücksichtigt werden. Wiederholte Einreichungen sind nicht möglich. Ebenfalls ausgeschlossen sind ganze Monografien und unveröffentlichte Qualifikationsschriften. Die Herausgeber_innenschaft von Sammelbänden oder Zeitschriftenausgaben ist nicht nominierungsfähig, wohl aber einzelne Beiträge in diesen Sammlungen.

Die Nominierung umfasst den nominierten Text und eine kurze Begründung (300-500 Wörter). Selbstnominierungen sind möglich und sehr erwünscht, die Jury möchte aber auch besonders zu Fremdnominierungen beeindruckender Texte aufrufen. Deadline für alle Einreichungen ist der 30. April 2024. Bitte senden Sie Ihre Nominierungen als ein vollständiges PDF an schuewer-preis@comicgesellschaft.de.

Preis und Preisvergabe:

Die offizielle Verkündung des_der Preisträger_in erfolgt im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (25.–28. September 2024, Johannes Gutenberg-Universität Mainz). Die Preisverleihung mit einem eingeladenen Vortrag des_der Preisträger_in findet im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Comicforschung (23.–25. Oktober, Universität Groningen, Niederlande) statt. Der_die Preisträger_in erhält außerdem die auf 1000,00 € dotierte Preissumme, zahlt ein Jahr lang keinen Mitgliedsbeitrag bei der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) und wird zum Ehrenmitglied der ComFor auf Lebenszeit.

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