Ankündigungen & Berichte

Tagungsbericht: Panel „Utopien des Comics“ der AG Comicforschung

Bericht vom Panel “Utopien des Comics” der AG Comicforschung auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft 2015 („Utopien. Wege aus der Gegenwart“) in Bayreuth

Logo_AG ComicforschungAm Samstag, den 3. Oktober 2015 fand im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) in Bayreuth das dritte Panel der AG Comicforschung statt. Zum Thema „Utopien des Comics“ versammelte es drei Vorträge, die sich mit unterschiedlichen Utopiediskursen in Comics beschäftigten. Moderiert wurde das Panel, welches rund 30 Zuhörer_innen anlockte, von AG-Mitglied Laura Oehme (Universität Bayreuth).

GfM_2015Den Anfang machte die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Jeanne Cortiel (Universität Bayreuth) mit einem Vortrag über „Apokalypse als Utopie: Robert Kirkmans The Walking Dead“. Sie verwies dabei auf die paradoxe Logik des Genres der  „Zombieapokalypse“: als Untote stellen Zombies die ultimative Verweigerung eines finalen Endes der Welt dar. So auch in der Comicserie The Walking Dead, die laut ihres Schöpfers Robert Kirkman trotz der bisherigen 146 Hefte noch lange kein Ende gefunden hat. Mit Hilfe von Albrecht Dürers Apokalypsezyklus (1498) und dem Titel-Holzschnitt zu Thomas Morus’ Utopia (1516) spürte Cortiel der Gegensätzlichkeit von Apokalypse und Utopie nach und entlarvte diese als eine lediglich scheinbare Unvereinbarkeit. Mit Rückgriff auf Bildmaterial vom Beginn der Neuzeit hob Cortiel eine typische Perspektive hevor – den Blick von oben auf den utopischen Ort, welcher,symbolisch für die Sehnsucht nach einer besseren Welt steht. Dieser Blick ist auch in The Walking Dead wiederholt zu finden, und zwar immer dann, wenn ein neuer Ort der Hoffnung in Sichtweite kommt. Doch diese Hoffnung wird immer wieder enttäuscht; es bleibt stets bei einer scheinbaren Utopie. Die Comicserie, so Cortiels These, vermag zwar sich die Ambivalenz der Apokalypse zu eigen zu machen, die Utopie wird dabei jedoch nie ganz negiert.

Als nächstes sprach Stephan Packard (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) zum Thema „Unzuverlässiger Cartoon und posthumanistische Utopie. Zu transmedialen Irritationen in Superior Iron Man“. Der Beitrag untersuchte die Verschränkung thematischer und formaler Körperreimaginationen in der 2014 begonnenen Marvel-Reihe. Mit Blick auf den ursprünglichen Entwurf des Iron Man als Variante des Cyborg-Motivs stellte Packard dabei vor allem die Erzählform des unzuverlässigen Cartoons in den Mittelpunkt seines Beitrags. Die Leserschaft von Superior Iron Man wird ständig in Bezug auf die Erzählstimme und die visuelle Darstellung bestimmter Charaktere getäuscht, so Packard, was erst durch die Erzählform des unzuverlässigen Cartoons möglich wird. Wie Packard anhand zahlreicher Beispiele verdeutlichen konnte, verbindet das Spiel mit der Verformung von Iron Mans Körper durch Biotechnologie und Kybernetik eine auf den individuellen Körper und die allgemeine Gesellschaft bezogene Utopie.

Véronique Sina (Ruhr-Universität Bochum) beschloss das Panel schließlich mit ihrem Beitrag über „Gebrochene Helden. Entwürfe von Männlichkeit(en) in Enki Bilals dystopischer Comicwelt“. In ihrer Analyse von Enki Bilals Nikopol-Triologie konzentrierte sich Sina vor allem auf den gebrochenen Helden Alexander Nikopol und demonstrierte das positive Ineinandergreifen performativer Gender- und Mediendiskurse. Intertextuelle Referenzen, hypermediale Stilbrüche und das Doppelgänger-Motiv sind dabei nur einige Beispiele für die zahlreichen narrativen Elemente durch die die Kontingenz und Unbeständigkeit der männlichen Figuren in Enki Bilals dystopischer Comicwelt zum Ausdruck gebracht werden. Sina stellte den anhaltenden Prozess der Identitäts(re-)konstruktion Nikopols heraus und zeigte wie der Cyborg-Protagonist gängige Konventionen und Kategorisierungen erfolgreich durchbricht. Die Brüchigkeit des Gezeigten beschränkt sich nicht nur auf Bilals „grafische Poesie“, sondern lässt sich auch auf seine Comicfiguren, die von ihnen verkörperte(n) Männlichkeit(en), sowie deren Umwelt erweitern, die wiederum, so Sinas These, die  Künstlichkeit und Diskontinuität medialer Konstitutionsprozesse entlarvt.

Die nächste Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft findet vom 28. September bis 1. Oktober 2016 an der Freien Universität Berlin zum Thema „Kritik“ statt; ein Call for Papers folgt Ende November. Auch in Berlin wird es sicher wieder (mindestens) ein Panel der AG Comicforschung geben.

Bericht: Laura Oehme

Promotionskolleg „Die Arbeit und ihre Subjekte“ an der Universität Duisburg-Essen

ude-logologo_hbsIm Rahmen des von der Hans-Böckler-Stiftung und der Universität Duisburg-Essen eingerichteten Promotionskollegs „Die Arbeit und ihre Subjekte. Mediale Diskursivierungen von Arbeit seit 1960“ sind ab dem 1. Januar 2016 acht Promotionsstipendien für eine Laufzeit von bis zu drei Jahren zu vergeben. Das Promotionskolleg möchte explizit auch Projekte fördern, welche z.B. die Darstellung von Arbeit im Comic zum Gegenstand haben:

„Von besonderem Interesse für das Kolleg sind Promotionsvorhaben aus den Bereichen Spielfilm, Fernsehen, Rundfunk und Populärkultur (z.B. Comics)“

Ausführliche Informationen zum Promotionskolleg

Zur Ausschreibung

Zur Website des Sprechers (Prof. Dr. Rolf Parr)

Comicbuchpreis 2016 an Uli Oesterle

Termin:
25.04.2016

Oesterle_Vatermilch_coverBereits im September wurde bekannt gegeben, dass Uli Oesterle für sein neuestes (im Entstehen begriffenes) Werk Vatermilch den Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung erhält. Die Preisverleihung findet am 25. April 2016 im Literaturhaus Stuttgart statt. Die Jury bestand in diesem Jahr aus Andreas Platthaus (FAZ, Frankfurt), David Basler (Edition Moderne, Zürich), Prof. Dr. Frank Druffner (Kulturstiftung der Länder), Dr. Brigitte Helbling (Hamburg), Dr. Florian Höllerer (Leiter Literarisches Colloquium Berlin), Dr. Stefanie Stegmann (Leiterin Literaturhaus Stuttgart), Dr. Thomas von Steinaecker (Augsburg) und Lars von Törne (Tagesspiegel, Berlin).

Pressetext:

„Uli Oesterle wird mit dem Comicbuchpreis 2016 der Berthold Leibinger Stiftung ausgezeichnet. Mit seinem Comic Vatermilch überzeugte er die Jury des Comicbuchpreises, der in diesem Jahr zum zweiten Mal ausgeschrieben wurde.

Vatermilch erzählt von Vätern, die verschwinden und von
Söhnen, die zu unzuverlässigen Vätern werden, zeigt
Lebenswege, die ins Dunkle führen, und andere, die einen
unerwarteten Neuanfang erlauben. Das Thema ist schwer und
universell, Uli Oesterle geht es vielschichtig, sehr persönlich und
mit einer erfrischenden Leichtigkeit in der Bilderzählung an,‘
begründet Brigitte Helbling die Entscheidung der achtköpfigen
Jury. ‚Die Geschichte spielt in München und zielt auf Weltformat,
die eingereichten Materialien zeigen das Projekt an einem Punkt,
wo eine Fertigstellung greifbar wird. Die Jury vergibt den
Comicbuchpreis 2016 in großem Zutrauen an ein Unterfangen,
das unsere Neugier gerade auch in seinem stilistisch/narrativen
Aufbruchswillen geweckt hat.‘

Oesterle, 1966 in Karlsruhe geboren und heute mit seiner Frau
und zwei Kindern in München lebend, hat seine Bewerbungsarbeit
als fiktive Biografie seines Vaters und als eine Geschichte
über Wiedergutmachung verfasst. Sein Vater verließ die Familie
in den 1970er Jahren, als Oesterle sieben Jahre alt war.
Während der dreißigjährigen Abwesenheit seines Vaters gab es
viele Spekulationen über dessen Verbleib, niemand konnte aber
mit Bestimmtheit sagen, wo er sich aufhielt. Gerüchten zufolge
war er lange ohne festen Wohnsitz. Erst nach seinem Tod erfuhr
der Künstler von der schweren Krankheit seines Vaters, dem
Korsakow-Syndrom, das vor allem langjährige Alkoholiker trifft.
Die großen Lücken in der Vita des Vaters füllte Oesterle mit
erfundenen Ereignissen, dazu recherchierte er im
Obdachlosenmilieu Münchens.

Oesterle ist es ein Anliegen, das schwere Thema in seinem
grafischen Roman Vatermilch unterhaltsam und nicht ohne
Humor zu erzählen. Vatermilch wird wahrscheinlich in zwei
Bänden 2018 und 2019 erscheinen.“

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Deutsch-Französische Übersetzerwerkstatt in Stuttgart

Termin:
23.11.2015 - 27.11.2015

Übersetzerwerkstatt_Stuttgart

Veranstaltertext:

„Comics und Graphic Novels sind ein wichtiger Bestandteil der zeitgenössischen deutsch- und französischsprachigen Literatur. Angesichts der Vielfalt an Veröffentlichungen nämlich in Frankreich, sind die Verbreitung und die Förderung dieses spezifischen Genres über die Grenzen der jeweiligen Länder hinaus eine wichtige Herausforderung dar. Die deutsch-französische Übersetzung ist ein wichtiges Instrument zu Erfüllung dieses Zwecks. Als „passeurs“ spielen also die ÜbersetzerInnen eine wesentliche Rolle in der Vermittlung und dem Austausch über Sprachbarrieren hinweg. Übersetzungen von Comics und Graphic Novels ermöglichen die Entdeckung anderer Kulturen.

Das mehrtägige Weiterbildungsseminar unter Leitung des erfahrenen Übersetzers Dr. Eckart Sackmann bietet bis zu zehn ÜbersetzerInnen von Comics und Graphic Novels die Möglichkeit an, gemeinsam an konkreten Texten zu arbeiten und sich mit den spezifischen Übersetzungsfragen dieses Genres auseinanderzusetzen. Die TeilnehmerInnen treffen Experten aus der Buchbranche – wie Autoren, Comic-Zeichner oder Verleger –, lernen Fördermöglichkeiten kennen und tauschen sich über berufspolitische Fragen aus. Die Übersetzer werden in ausgewählten Schulen zu Gast sein und dort mit den Schülern über ihre Arbeit sprechen.“

Zur Ausschreibung (Achtung! Die Bewerbungsfrist ist bereits abgelaufen.)

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Projektbeschreibung „Hybride Narrativität“, Ankündigung „Masterclass with Lev Manovich“

Termin:
23.09.2015 10:00-17:00

Hybride Narrativität_FördererIm Anschluss an die Förderung der Forschergruppe Hybride Narrativität durch das BMBF stellte sich heraus, dass trotz zahlreicher Presseberichte noch Unklarheiten über die Zielsetzungen des Projekts bestanden. Ergänzend zu dem Interview von Christian Maiwalds mit Alexander Dunst fasst Oliver Moisich die gemeinsame Herangehensweise in einer kurzen Selbstvorstellung für die ComFor zusammen. Zudem sei im Anschluss auf eine Veranstaltung mit Lev Manovich hingewiesen, welche im September ebenfalls von der Forschergruppe organisiert wird.

Projektbeschreibung ‚Hybride Narrativität‘:

„Die vom BMBF geförderte Nachwuchsgruppe Hybride Narrativität: Digitale und kognitive Methoden zur Erforschung graphischer Literatur beschäftigt sich mit der empirischen Analy-se von Comics. Unsere Forschung unterscheidet sich von der bisherigen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Comics in seinem quantitativen, digital basierten Ansatz. Damit sind wir auch ein Teil der Digitalen Geisteswissenschaften, zu deren Prioritäten vor allem ein kol-laborativer Ansatz der wissenschaftlichen Disziplinen zählt; unsere Forschungsgruppe setzt sich zusammen aus Informatikern, Psychologen und Geisteswissenschaftlern.

Eines der Hauptziele unserer Arbeit ist eine auf XML basierende Annotationssprache, mit der Datenerhebungen für einen digitalen Comic-Korpus möglich gemacht werden. Comics zeichnen sich durch das komplexe Zusammenspiel von Bild und Text aus, was eine Daten-analyse ungleich schwieriger macht als bei reiner Schrift-Literatur. Eine Annotationssprache muss also nicht nur Text und Bild auf der Seite verorten, sondern auch deren Interdependenz quantifizierbar machen. Mit derart gesammelten Daten lassen sich weiter Experimente zum Lesevorgang durchführen. Diese Herangehensweise erlaubt uns eine Sicht auf das Medium, die Comics nicht nur deskriptiv, sondern auch in seiner Rezeption durch empirische Leser analysiert und so neue Erkenntnisse für die Entwicklung einer empirisch fundierten Er-zähltheorie der Comics ermöglichen soll.

Wir hoffen, dass die Anwendungsmöglichkeiten, die sich durch die empirische und quantitati-ve Arbeit mit Comics ergeben, auf andere multimodale Medien erweitert werden können. Die Digitalen Geisteswissenschaften sind derzeit noch stark auf Text fokussiert und eine Öffnung zu Medien, in denen Text und Bild zusammenwirken – sei es Film, Fernsehen, Videospiele oder das World Wide Web – kann nach unserer Meinung einen ganz grundlegenden kulturellen Beitrag leisten.“
Weiterlesen: Masterclass with Lev Manovich

Comiclesung mit Christina Plaka und Barbara Yelin

Comics-als-Metageschichte_A3_Entwurf_II_druck_onlineAm 15. Juli 2015 um 18:00 Uhr findet im Vortragsraum des Japanischen Kulturinstituts Köln eine Lesung mit den deutschen Comic-Zeichnerinnen Christina Plaka und Barbara Yelin statt. Die beiden Comickünstlerinnen stellen ihre Werke „Kim He – Worte an Dich“ sowie „Irmina“ vor und geben Einblicke in deren Entstehungsprozess.

Einführung: Prof. Dr. Stephan Köhn, Universität zu Köln

Christina Plaka ist eine deutsche Mangazeichnerin und legte an der Seika-Universität in Kyoto 2012 ihren Masterabschluss in Manga Studies ab. Als Abschlussarbeit verfasste sie „Kim He“, eine autobiographisch inspirierte Liebesgeschichte.

Barbara Yelin studierte Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg und arbeitet als Comiczeichnerin in München. In „Irmina“ schildert sie die von Ambivalenzen und Widersprüchen geprägte Lebensgeschichte einer jungen Frau während des Nationalsozialismus.

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich

Die Comiclesung ist die Abschlussveranstaltung der Workshopreihe „Comics als Metageschichte. Ästhetik, Medialität, Zirkulation“.

comicforschung.phil-fak.uni-koeln.de/

Erika Fuchs-Haus: Eröffnung am 1. August 2015

erikafuchshausAm 1. August 2015 öffnet das Erika-Fuchs-Haus | Museum für Comic und Sprachkunst endlich seine Pforten.

Folgende Einladung zur Eröffnungsveranstaltung erreichte die ComFor:
„Nach der Serie von Pleiten, Pech und Pannen, die den Bau zu verfolgen schienen, ging in den vergangenen Wochen und Monaten dann plötzlich alles ganz schnell. Trotzdem tauchten immer wieder Unwägbarkeiten auf, kleine Zwischenfälle (die sich aber alle als weniger dramatisch als befürchtet herausstellten), Terminproblem von beteiligten Firmen und dergleichen. Es blieb spannend und wir wollten nicht das Risiko eingehen, verfrüht einen Termin zu benennen. Darum nun diese kurzfristige Meldung.
Los geht’s mit einem Tag der offenen Tür am 1. August um 11:00 Uhr. Ab dem 2. August ist dann täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.“

Das Erika-Fuchs-Haus | Museum für Comic und Sprachkunst würdigt Leben und Werk der großen Disney-Übersetzerin und stellt ihre Arbeit in den Gesamtkontext der Kunstform Comic. Originale Objekte wie Manuskripte, Schreibmaschine und Notizbuch geben Eindruck in die Arbeitsweise von Erika Fuchs. Interaktive Stationen laden dazu ein, ihre Sprachkunst spielerisch nachzuempfinden. Der preisgekrönte Zeichner Simon Schwartz erzählt das Leben von Erika Fuchs als raumhohen biografischen Comic. Ein Höhepunkt für Kinder ist sicherlich das begehbare Entenhausen einschließlich Talerbad im Geldspeicher. Eine Comicbibliothek gibt Gelegenheit zum Schmökern und Studieren.

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Kurzinterview mit Bart Beaty zu „What Were Comics?“

whatwerecomicsIn den letzten Wochen erhielt das gemeinsame Comicforschungsprojekt der Universitäten Paderborn und Potsdam, „Hybride Narrativität: Digitale und Kognitive Methoden zur Erforschung Graphischer Literatur“, nicht zuletzt aufgrund seiner Förderung durch das BMBF viel Aufmerksamkeit auch jenseits der Comicforschung im engeren Sinne. Durch eine „Kombination von quantitativen und experimentellen Methoden“ soll unter anderem „eine empirisch fundierte Beschrei­bung“ graphischer Literatur geschaffen werden. Dieser Ansatz wird dabei gerne mit dem kanadischen Projekt „What Were Comics?“ in Beziehung gebracht (etwa in Christian Maiwalds Interview mit Alexander Dunst), das als Kooperation der Universitäten von der University of Calgary und der Carleton University von Bart Beaty, Benjamin Woo und Nick Sousanis vorangetrieben wird. Die Forschungsziele von What Were Comics? umfassen zunächst die Erstellung eines neuen Open Access Research Tools, anhand dessen die Geschichte nordamerikanischer Comics neu beschreibbar sein könnte: „This project will develop a random sample set of comic books representing two per cent of all publications produced in the United States each year from 1933 to 2014. Comics will be indexed for a variety of formal elements (story length; page layout; panel composition; volume of text in captions, word balloons, and sound effects; scene transitions; etc.), producing a systematic survey of comic books‘ material and symbolic characteristics over time“ (vgl. Projektbeschreibung).
Es geht den Initiatoren somit um eine Verschiebung der theoretisch-abstrakten Frage „was sind Comics?“ zu einem empirisch fundierten Ansatz, im Sinne von „was waren Comics?“ Da bislang noch nicht viele Kenntnisse über das Projekt den Atlantik überquert haben, hat die ComFor-Redaktion ein kurzes Interview mit Bart Beaty geführt.

Weiterlesen: Bart Beaty-Kurzinterview

Workshopbericht „Mediality and Materiality of Contemporary Comics“ online

ZfM_LogoVom 24.-26. April 2015 fand in Tübingen der 2. Workshop der AG Comicforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaften (GfM) statt: Unter dem Thema “The Mediality and Materiality of Contemporary Comics” diskutierten die Keynote-SprecherInnen Daniel Merlin Goodbrey (Hertfordshire), Ian Hague (Comics Forum), Karin Kukkonen (Turku), Véronique Sina (Bochum) und Daniel Stein (Siegen) zusammen mit 10 weiteren Beitragenden eine große Bandbreite an Phänomenen, die das wandelnde Verhältnis von Materialität und Medialität unter den Bedingungen von Medienkonvergenz und Digitalisierung reflektieren. Ab sofort ist der von Christian A. Bachmann und Stephan Packard verfasste Workshop-Bericht im Online-Bereich der Zeitschrift für Medienwissenschaft (ZfM) verfügbar.

Link zum Bericht

BMBF fördert Forschungsgruppe „Hybride Narrativität“

Hybride Narrativität_FördererLaut der Universität Paderborn beschäftigt sich seit April 2015 eine Nachwuchsgruppe mit dem Thema graphische Literatur. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Paderborn und Potsdam, welches über einen Zeitraum von vier Jahren läuft und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit insgesamt 1,9 Millionen Euro gefördert wird. Erklärtes Ziel ist es, die kulturelle Spezifik und das Leseverständnis von „Graphic Novels“ zu erforschen. Da das Projekt im Bereich der Digitalen Geisteswissenschaften angesiedelt ist, bilden computergestützte Methoden der Bild- und Textanalyse sowie Blickbewegungsmessungen und psychologische Fragebögen die Forschungsgrundlage. (Quelle: idw)

Projektbeschreibung:

„Hauptziel dieses Projektes ist es, durch die Kombination von quantitativen und experimentellen Methoden eine empirisch fundierte Beschrei­bung und ein Verständnis der Wirkweise graphischer Literatur und insbesondere des Genres des graphischen Romans zu erlangen. Damit soll dieses Projekt Im­pulse zu einer Etablierung empirischer Methoden in der Geisteswissen­schaft geben und einen wichtigen Beitrag zur Intermedialitätsforschung leisten. Geplant sind unter anderem: (1) die Erstellung einer XML-basierten Annotationssprache für alle forschungsrelevanten Aspekte graphischer Literatur inklusive zugehöriger Editoren sowie eine Datenbank mit der Annotation zentraler Werke in dieser Beschreibungssprache, (2) die Erhebung eines empirischen Korpus von Blickbewegungsmaßen samt R-Paket als Referenzdatensatz für die weitere Forschung, (3) die Ableitung von Wirkhypothesen und deren empirische Testung durch kognitionspsychologische Experimente mit Blickbewegungsmessung und blickkontingenter Anzeigeveränderung, (4) die Entwicklung zentraler Bestandteile einer empirisch fundierten Narratologie multimedialer Narrative und die empirische Beschreibung des Genres des graphischen Romans aus historischer und komparatistischer Perspektive.“

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