Vorträge & Tagungen

Rückblick: AG Comicforschung auf der GfM-Jahrestagung Siegen

Die Ankündigung für das AG Comicforschung-Programm auf der diesjährigen Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) an der Universität Siegen – Thema: „Industrie“ – fiel leider in die Sommerpause der ComFor-Redaktion. Daher wollen wir hier nun aus dokumentarischen Zwecken zumindest rückblickend kurz auf das spannende Panel (28. September 2018) und eine begleitende Podiumsdiskussion (29. September 2018) hinweisen.

Panel: „COMICS 4.0“

Um das revolutionäre Potenzial des ‚Digitalen’ für die Produktion, Rezeption sowie Distribution des Printmediums Comic zu verdeutlichen, führt Scott McCloud in seinem Buch Reinventing Comics (2000) das Konzept der „infinite canvas“, also der unendlichen Leinwand ein. Nicht länger an die formalen, ästhetischen oder materiellen Begrenzungen eines gedruckten Comics gebunden, stehen den Produzent_innen von Webcomics eine Vielzahl innovativer Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung, welche eine neue Ästhetik des Mediums hervorbringen: eine neue „Kunstform jenseits unserer Vorstellungskraft“ (ebd.: 241). Obwohl bis heute viele digitale Comics moderne Klassiker des Mediums hervorgebracht haben, ist die ‚formale Revolution‘ jedoch eher ausgeblieben. Im Gegenteil konnten viele Webcomic-Werke erst nach einer ‚Rückübersetzung‘ in Print breite feuilletonistische und kuratorische Aufmerksamkeit erfahren. Die ‚medialen Spezifika‘ des Digitalen scheinen hier gerade wieder eingebüßt. Das medienwissenschaftlich stetig anwachsende Interesse an den Digitalisierungsprozessen des Comics entwächst daher eher anderen Faktoren als formal-ästhetischen: Das Panel der AG Comicforschung nimmt diese insbesondere unter den Begriffen Partizipation, Distribution und Medienkonvergenz in den Blick – Aspekte, die eher durch industrielle und institutionelle Transformationen fundiert sind. Die Legitimationskämpfe um die produktive Marginalität des Comics – zwischen Massenmedium und Subkultur – machen schon immer einen wichtigen Teil seiner gesellschaftlichen und politischen Relevanz aus. Anders als etwa Filme bleiben Comics leicht(er) produzierbar und konnten seit der Jahrtausendwende – gerade auch durch ihre zunehmende Digitalisierung – zu einer weithin genutzten Form der Alltagskommentierung und -beobachtung avancieren. Unter dem Schlagwort „Comics 4.0“ möchte das Panel diesen Wandlungsprozessen, die durch die Digitalisierung des Comics ausgelöst wurden, nachgehen.

Lukas R.A. Wilde (Tübingen): „Von Remediation zum Intermedium: Formen, Formate und mediale Rahmungen digitaler Comics“

Tim Glaser (Braunschweig): „Comics, Communities & Crowdfunding. Plattformen und deren Einfluss auf die Rezeption und Distribution von Webcomics“

Peter Vignold (Bochum): „From A(yn) to Z(ack) – Objektivismus im zeitgenössischen Comicfilm“

Moderation: Véronique Sina (Köln)

Diskussionsrunde: „Comic-Industrie 4.0…? Märkte, Plattformen und Akteur_innen 2018“

Die Digitalisierung hat auch die deutsche Comic-Industrie nachhaltig transformiert – die tatsächlichen Auswirkungen aber sind nur schwer realistisch einzuschätzen. Insbesondere in der stark vernetzten Manga-Szene konnten sich Online-Communities wie Animexx als eigenständige Distributionskanäle etablieren, die auch professionell verlegten Künstler_innen als Alternative für narrative und ästhetische Experimente dienen. Andere Autor_innen nutzen digitale Plattformen wie Webtoon und Tapas zur zusätzlichen Verbreitung oder publizieren im Eigenverlag auf Messen und Festivals. Oft wird dies durch neue Finanzierungsmodelle wie Patreon gestützt, andere Werke erscheinen auf Englisch und adressieren damit gleich ein internationales Publikum. Dennoch können bislang kaum Kreativschaffende so ihren Lebensunterhalt bestreiten. Aber ist dies zwangsläufig das Ziel aller Künstler_innen? Oder bieten digitale Publikationstechnologien nur neue Wege in weiterhin zentrale Verlags- und Vertriebsstrukturen? Ist eine Differenzierung zwischen professionellen Werken und Fan-Produktionen wie dōjinshi heute noch sinnvoll? Die Diskussionsrunde der AG Comicforschung zum Thema „Comic-Industrie 4.0…? Märkte, Plattformen und Akteur_innen 2018“ beleuchtet diese Fragen mit Vertreter_innen großer Verlage, digitaler Interessensgemeinschaften und unabhängigen Künstler_innen.

Teilnehmer_innen:
Björn Hammel (Badham.de), Eva ‚Eve Jay‘ Junker (Comic Solidarity), Mim&Bob – Pushcart (Remembering Gale), Steffen Volkmer (Panini)

Moderation: Lukas R.A. Wilde (Tübingen)

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Tagung „Comic Art and/as Remembrance in German Culture and Beyond“ in Chicago

Termin:
01.11.2018 - 02.11.2018

Heute und morgen findet in Chicago, IL eine Konferenz zum Thema „Comic Art and/as Remembrance in German Culture and Beyond“ statt. Organisiert wird die zweitägige Veranstaltung von Susanne Rott (Germanic Studies);  Christian Klein (Max Kade Visiting Professor / Bergische Universität Wuppertal) wird die Konferenz eröffnen. Die Vorträge befassen sich mit deutschsprachigen Graphic Novels u.a. von Birgit Weyhe, Simon Schwartz und Otto Binder.

Kurzbeschreibung (englisch):

„Identity is unthinkable without remembrance. Memories alone make us who we are — as an individual as well as a collective. With regard to the interpretation of historical processes as well as with regard to one’s own self, remembrance therefore has a fundamental significance. But memories are always retrospective interpretations from a present-day point of view, which are usually mediated. While the importance of media products such as films, paintings or literary texts for the individual and collective memory in culture has already been widely studied, the analysis of comics and graphic novels in this context has so far rather been neglected. Against this background, the conference on Comic Art and/as Remembrance in German Culture and Beyond intends to focus on the meaning and the achievements of graphic narratives for the field of remembrance, examining questions on various dimensions. The conference examines aspects of content as well as the formal achievements of memories in comics and asks about the reception of such comics that must be seen as part of the cultures of remembrance.“

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BERLINER COMIC-KOLLOQUIUM IM WS 2018/19

Comic-Kolloquium

Auch im Wintersemster 2018/19 findet ab heute wieder das Berliner Comic-Kolloquium unter der Organisaton von Angela Guttner, Matthias Harbeck, Linda-Rabea Heyden und Marie Schröer statt. Auf der Kolloquiums-Homepage wurde nun auch das vorläufige Programm  veröffentlicht. Die Runde tagt für gewöhnlich immer Mittwochs (in dieser Woche zum Auftakt ausnahmsweise Donnerstags) um 18:00 c.t. in der Mohrenstraße 40/41, Raum 211 der Humboldt-Universität. Interessierte sind herzlich willkommen.

Vorläufige Programmplanung:
(für Updates bitte die Ankündigungen auf der Homepage beachten)

25. Oktober (Achtung: Donnerstagstermin!): SANDÓR TRIPPO
Inszenierung der ostdeutschen Vergangenheit in zeitgenössischen Geschichtscomics

31. Oktober: KATHARINA SERLES
Kunst in Comics

7. November: SEBASTIAN STROMBACH
Comic, Zeit, Architektur – wie ein Stadtcomic entsteht

21. November: LEONIE OTT
Bedrohliche Materialität. Zu einer Comic-Ästhetik im Gegenwartstheater

28. November: PRYSCILLA LAYNE
Race and Representation in the Work of Birgit Weyhe

5. Dezember: MARKUS STREB
Comic. Shoah. Gender. – Die Rolle von Geschlecht für Erzählungen der Shoah im Comic

12. Dezember: ALEXANDER DUNST
Art Spiegelman, die Literaturwissenschaft und die wundersame Verwandlung des Comics

19 Dezember: CHRISTIAN A. BACHMANN
Arabeske Zeichenweisen im 19. Jahrhundert: Töpffer – Schroedter – Oberländer.

14. Januar (Achtung, Montagstermin!): MERLE KOCH
Vom Schlaf erfundene Comics – die Darstellung von Traumerinnerungen

13. Februar: FLORIAN WEIGL
Between God and Me: Mapping The New Frontier in Preacher

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Vortrag „Comics der 68er“

Termin:
24.10.2018

Die Universität Hamburg veranstaltet im Wintersemester die Vortragsreihe „Bildung, Erziehung und Gesellschaft 1968 – Rückblick und Ausblick“. Im Rahmen dieser Reihe hält Bernd Dolle-Weinkauff (Frankfurt a. M.) am Mittwoch, den 24. Oktober 2018 einen Vortrag zum Thema „Protestkultur, Politpop und Satire: Die Comics der ’68er'“.

Kurzbeschreibung der Vortragsreihe:

„Die Veranstaltungsreihe verfolgt das Anliegen, 50 Jahre nach ‚1968‘ den mit dieser Chiffre verbundenen gesellschaftlichen Aufbruch und die daraus hervorgegangenen Veränderungen kritisch zu würdigen. Im Mittelpunkt steht der Zusammenhang von Bildung, Erziehung und Gesellschaft Ende der 1960er und zu Beginn der 1970er Jahre, denn für das westdeutsche ‚1968‘ war im internationalen Vergleich charakteristisch, dass pädagogischen Fragen eine besondere Bedeutung zukam.

Alle Vorträge konzentrieren sich auf Entwicklungen in der Bundesrepublik und richten teilweise einen besonderen Fokus auf Hamburg. Im Einzelnen geht es um Comics als Teil der Protestkultur der ‚68er‘, um die ‚sexuelle Revolution‘ und die Sexualerziehung, um Heimerziehung und das Sozialpädagogische Zusatzstudium in Hamburg sowie um die Bildungsbeteiligung von Mädchen. Dabei soll auch diskutiert werden, inwiefern die von ‚1968‘ ausgegangenen Impulse anregend für aktuelle Debatten sein können.“

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Abendvorträge/Workshop „Narrative zwischen Fakt und Fiktion – Der Holocaust im Comic“

Abendveranstaltung:

24. Oktober 2018, 19:00 Uhr, Bibliothek am Luisenbad, Badstr. 39; 13357
Berlin

Wie erzählen serielle Bilder den Holocaust? Jörn Wendland (Das Lager von Bild zu Bild. Narrative Bildserien von Häftlingen aus NS-Zwangslagern) und Ole Frahm (Genealogie des Holocaust Art Spiegelmans MAUS – A Survivor’s Tale) sprechen über Häftlingszeichnungen aus NS-Zwangslagern, Bilderserien von Überlebenden und die Figur des Golems in verschiedenen Comics.

Workshop mit Jörn Wendland, Ole Frahm und Markus Streb:

25. Oktober 29018 Friedrich Schlegel Graduiertenschule, Freie
Universität Berlin, Raum: JK 31/121; 10:00 – 15:30 Uhr

Während des eintägigen Workshops möchten wir Darstellungen des Holocaust in verschiedenen Formen des seriellen Erzählens in Bildern thematisieren. In Bezug auf eine transmediale Narratologie, die das Narrative als gattungs- und genreunabhängig und als performative, kulturelle Praxis fasst, lassen sich Comics mit den Methoden der Erzähltheorie untersuchen. Wie nähern sich Comics, Graphic Novels, Häftlingszeichnungen und Bildserien von Häftlingen dem Holocaust mit ihren spezifisch gestalterischen Mitteln? Wo liegt das erzählerische Potential der verschiedenen Formate? Welche comicspezifischen Strategien lassen sich erkennen, mit Darstellbarkeit, Erinnerung und Zeugenschaft umzugehen? Welche Unterschiede ergeben sich beispielsweise im Vergleich zwischen den Häftlingsarbeiten und den Werken von Überlebenden in Bezug auf ihr erzählerisches Potential? An der literaturtheoretischen Genre- und Gattungstheorie orientiert,
werden auch narrative Bildserien in verschiedene Kategorien eingeordnet, mit denen bestimmte Gestaltungs- und Rezeptionsbedingungen einhergehen.

Von einem interdisziplinären Blickpunkt (Literatur- und Geschichtswissenschaft) stellt sich die Frage, wie mit Faktizität in den verschiedenen Disziplinen umgegangen wird und welche Erwartungen die Rezeption der unterschiedlichen Kunstwerke steuern. Anhand eines kurzen Readers und einzelner Kunstwerke möchten wir Repräsentationen des Holocaust untersuchen und die Frage diskutieren, wie und in welchen seriellen Bildern die Vernichtung der Juden erinnert wird. Anhand der Arbeiten von Simon Wiesenthal, der aus alten Bildbänden des NS-Fotografen Heinrich Hoffmann 1947 eine Bildserie aus Karikaturen erschuf, lassen sich zum Beispiel Fragen nach Original und Kopie, Aneignung von Bildmaterial und deren künstlerische Transformation, das Schwanken zwischen Fiktion und Faktizität thematisieren. (Jörn Wendland)Einen weiteren Schwerpunkt wird die Figur des Golem darstellen. Golem-Figuren werden häufig als Projektionsfläche verwendet, auf denen der Holocaust reflektiert wird. Der Golem ist nicht nur eine Figur des Überlebenden, sondern auch eine Reflexionsfigur des Antisemitismus und seiner Projektionen, anders gesagt, der Golem als Figur einer anderen Faktizität (Ole Frahm).

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Berliner Comic-Kolloquium statt.

Da die Teilnehmer*innenzahl für den Workshop begrenzt ist, bitten wir für diesen um Anmeldung bis zum 14.10.2018 unter anna.beckmann@fu-berlin.de“

AG-Symposium „Comics | Games“ in Hannover

Termin:
05.11.2018 - 07.11.2018

Vom 5. bis 7. November 2018 findet die internationale Tagung „Comics | Games – Aesthetic, Ludic, and Narrative Strategies“ im Schloss Herrenhausen statt. Die von der Volkswagenstiftung geförderte Veranstaltung ist eine Kooperation der AG Comicforschung mit der AG Games der Gesellschaft für Medienwissenschaften (GfM) und versammelt 8 Panels mit insgesamt 24 Beiträgen – alle in englischer Sprache. Organisiert wird die Tagung von Andreas Rauscher, Daniel Stein und Jan-Noël Thon.

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Panel „Disregarded Gaps“ auf der 1. CSS-Tagung in Illinois

Termin:
09.08.2018 University of Illinois, Urbana und Champaign, Illinois, USA - 11.08.2018

Vom 9. bis 11. August 2018 findet unter dem Motto „MIND THE GAPS! The Futures of the Field“ die erste Jahrestagung der Comics Studies Society (CSS) statt. Dort wird es auch ein Panel der AG Comicforschung der GfM mit deutschen Comicforscher_innen geben: Das von ComFor-Mitglied Björn Hochschild organisierte Panel versammelt drei Beiträge zum Thema „Disregarded Gaps, Blanks, and Discontinuities in the Comics Reading Experience“.

Panel-Vorträge & Kurzbeschreibungen:

(1) „Towards a Phenomenology of Comics: Conceptualizing Discontinuities as Movement“ – Björn Hochschild (Berlin)

„Phenomenological conceptions of perception have developed into their own theoretical field when researching the aesthetic experience of films. Comic studies, however, have thus far shown little interest in phenomenology. Focusing on movement, my talk demonstrates how phenomenology can offer fruitful perspectives for studying the reading experience of comics.
Mostly seen as a still medium, comics are often defined by the contiguity of images, the juxtaposition of word and image, or discontinuities between panels and the gaps between them. Thus far, concepts of movement seem to focus either on the representation of movement – through gestural lines, body poses, etc. – or, more recently, on movement in eye tracking studies. I would like to propose a more general concept of movement for studying reader’s experiences by drawing on Maurice Merleau-Pontys “Phenomenology of Perception”. His work served as the foundation for film-phenomenology, starting with Vivian Sobchack’s “Address of the Eye”. However, in the light of the moving image, it was mostly read as a concept of perceiving movement. By arguing that Merleau-Pontys work is also a theory on movement in perception, I will propose ways to critically adapt his and Sobchack’s ideas for comic studies. My presentation will use an analysis of Chris Wares “Jordan Wellington Lint to show why and how gaps, ruptures and discontinuities in reading experiences can and should be understood though a phenomenological concept of movement.“

(2) „Musclemen, Toys, and Career Opportunities: Advertisements and the Reading Experience in 1970s Marvel Superhero Comics“ – Felix Brinker (Hannover)

„While the study of other paratextual elements (like editorials and letters pages) has enriched our understanding of comic books, the role of advertisements within the reading process has not yet received a similar degree of scholarly attention. Only marginally present in today’s comic books, advertisements were omnipresent during the 1970s, when a typical 36 pages-long issue might have included up to 16 pages of advertising content. Focusing on Marvel superhero titles released between 1971 and 1979, my paper considers the placement, form, and content of various types of ads and argues that their navigation constitutes an integral part of the reading experience. Due to its placement throughout the comic book, advertising from the period tended to interrupt the flow of narrative content, forcing readers to glance at, scan across, or flip over wanted and unwanted commercial messages. Many ads furthermore established a close affinity to the accompanying narrative by echoing the themes of superhero comics or including multi-modal arrangements of words and images. Accordingly, the paper suggests that these advertisements call up similar reading protocols as the comics narratives that accompany them, which are already defined by a contiguity and juxtaposition of different codes and signifying elements. Ultimately, the paper suggests that the strong presence of ads turned the 70s comic book into a multi-purpose medium that, aside from carrying narrative content and providing a forum for a public exchange between producers and consumers, also served as a mail-order catalogue for a variety of different (and often explicitly fan-oriented) products.“

(3) „Blanks as a materialization of forgetting in Emmanuel Guibert’s La Guerre d’Alan – Bettina Egger (Salzburg)

„Comics, and more particularly autobiographical writing in comics, have been widely discussed as a medium which materializes memory in a specific and multilayered way. My talk offers a fresh perspective and focuses on comics as a medium of forgetting, by considering the example of La Guerre d’Alan by the French comics artist Emmanuel Guibert. To do so, I will examine the role of the blanks to show how the comic negotiates the idea of forgetting – as opposed to remembering – on a graphic level. My talk focuses on the role of blanks within panels, rarely considered in existing comic studies work. I will examine such white, left-out spaces and framing techniques by connecting Aleida Assmann’s theories about cultural memory and forgetting to Hillary Chute’s discussion of embodiment in comics. By showing several examples from La Guerre d’Alan I want to analyse the idea of forgetting in Guibert’s comics. My talk will demonstrate how a metadiscourse is produced on the graphic level, which questions the life narrative given by the verbal track of the comic. In this way, La Guerre d’Alan appears as a comic which stages processes of remembering/forgetting through the interplay of the visible and the invisible and puts them up for discussion through the mutual questioning of the verbal and the visual.“

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Panel „Jewish Women in Comics“ in Krakau

Vom 15. bis 19. Juli 2018 findet in Krakau der „XIth Congress of the European Jewish Studies Association (EAJS)“ statt. Auf ebendiesem gibt es u.a. auch ein Panel zu „Jewish Women in Comics“, welches gemeinsam von Véronique Sina und Sarah Lightman organisiert wurde; moderiert wird das Panel wird von Kalina Kupczynska (Lodz).

Panel-Vorträge & Kurzbeschreibungen:

(1) „Idolizing Jewish Women*: Gender & The Second Commandment in Comics“ – Katharina Serles (Dresden)

„Images of Jewish women* are somewhat precarious. First, from a religious perspective, as ‚[o]bservance of the Second Commandment is profoundly gendered“ and „images of women are doubly restricted under the fear of idolatry.‘ Thus, the visual depiction of historically and strategically marginalized figures such as Regina Jonas – the first woman* to be ordained as a rabbi – via comics might classify as ‚doubly subversive‘: What is shown is not supposed to be shown, much less exist. Second, from a feminist standpoint, which has discussed, questioned and critiqued the respective gender roles of „Woman as Image, Man as Bearer of the Look”. What is shown is to be looked at for (erotic) pleasure and remains without agency. Therefore, I would like to propose a gendered perspective on Jewish (an)iconicism, idolatry and iconoclasm , drawing from visual studies and discussing mostly German-speaking comics. I will argue whether ‚idolizing‘ Jewish women* – in works by Elke Renate Steiner, Barbara Yelin and Katrin Bacher e. g. – in both a literal and a metaphorical sense might continue projections, misrepresentations and fetishizations or manage to establish an ‚oppositional gaze.'“

(2) „Jewish Gender Trouble-Constructions of Gender and Jewish Identity in the Comics of Aline Kominsky Crumb“ Véronique Sina (Köln)

„As Andrea Most points out, every comic artist dealing with Jewish characters has to decide ‚how to represent a Jewish body and how to determine what exactly a Jewish narrative looks like.‘ Hence, ‚[t]he choices each artist makes about how to represent Jewish bodies tell a story about the shifting status of Jewishness in contemporary […] popular culture.‘ In fact, when it comes to gendered Jewish identities, the body plays a crucial role. In her expressionistic (auto-)biographical comics Jewish-American Underground cartoonist Aline Kominsky Crumb addresses the central role of the body for the representation and cultural construction of Jewish women, showing that ‚[…] the Jewish body is always inevitably a gendered body.‘ Paying particular attention to comic-specific modes of (visual) representation, my paper explores how Kominsky Crumb’s distinctive style manages to generate Jewish Gender Trouble. As will be shown, her ‘grotesque’ and cartoony drawings not only question the reliability and authenticity of the things depicted, they also undermine established notions of what is considered to be suitable, acceptable and beautiful to look at – especially when it comes to representations of the female (Jewish) body. In this respect, the gendered Jewish identities found in the comics of Kominsky Crumb must be understood as constructed, performative concepts, of doing gender and doing (Jewish) identity.

(3) „Gendered Jewish Childhoods in Comics about the Shoa“ – Markus Streb (Gießen)

„Stories about children are an increasing trend among comics dealing with the Shoah. Especially the last two decades brought many significant works in which the protagonists were women and children. One of the most prominent examples might be Miriam Katin’s We Are on Our Own, the only comic done by a survivor herself. There are further stories dealing with children in hiding, like Mendel’s Daughter by Martin Lemelman or the countless comics dealing with Anne Frank. Collections like Philippe Thirault’s Les Enfants Sauvées, present various stories about children in one issue. Adult female protagonists can be found in comics like The Search by Eric Heuvel et al. or Rutu Modan’s The Property. Consequently, scholarly research has identified the tendency of those stories to feminize Jewish victims. This paper argues that the portrayal of Jewish girls and boys can fulfil different narrative purposes. In order to detect some of these purposes, I will show to what extend aspects like agency or the portrayal of bodies of male and female protagonists vary among the comics. In order to provide a reflection on tendencies of feminization and passivation that can be found in the comics, the focus will be on narratives dealing with hiding, rescue and resistance. I will furthermore show which aspects of the Shoah are never or scarcely told in the stories focussing on children, in order to address interpretations of the extermination which are thus implied.“

(4) „Jewish Motherhood/Unmotherhood: Breastfeeding, IVF and the Holocaust“ – Sarah Lightman (Glasgow, UK) and Emily Steinberg (Penn State, USA)

„‚Jewish Motherhood/Unmotherhood‘ is a joint art project by fine artists and comics artists Sarah Lightman and Emily Steinberg that explores sociocultural pressure within the Jewish community towards motherhood. These comics, paintings and drawings are imbedded in their own autobiographical experiences: Sarah’s experiences of having, and Emily’s experience of not having, children. Jewish motherhood is one of the central tenets of Jewish life, but what if your experience of being a mother is not meaningful or enjoyable? What if you can’t /won’t have children? A culture of expectation, shame and secrecy surround women on all sides of the Jewish motherhood/unmotherhood spectrum. Sarah found the first year of her son’s life exhausting, boring and frustrating and as a result she decided not to have any more children. Yet, she confronts disbelief and criticism for this choice and for her drawings and animation films about her frustrations at parenthood. Emily has experienced I VF, and I VF “failure”, and her creative expressions of this are in contrast to others who refuse to tell of their own fertility treatment. Through this lens, Emily has produced a series of large raw autobiographical oil paintings, drawings and comics revolving around her experience with infertility: combining humor and pathos to communicate her early bright hope and the subsequently absurdly fruitless struggle to become a mother. Both artists feel they live in a space that is profoundly antithetical to the Judaism they were taught in their youth, and is still evangelized today.“

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Das Comic-Kolloquium auf der „ComicInvasion Berlin“

Termin:
23.06.2018 jeweils 10–18 Uhr - 24.06.2018

Während am 16./17. Juni bereits das Satellitenwochenende stattfand, folgt nun am 23./24. Juni das Hauptfestival der ComicInvasionBerlin 2018. Bereits zum siebten Mal gibt das Festival Berliner Comic-Künstler_innen, -Verlagen und -Fans die Möglichkeit sich zu treffen und bietet zudem ein buntes Rahmenprogramm. Neben Ausstellungen, Workshops und Signierstunden, wird es auch wieder die Verleihung des „Berliner Comic Förderpreises“ geben. Zudem ist das Berliner Comic-Kolloquium am Samstag ab 16 Uhr im Aktionsraum mit comicwissenschaftlichen Kurzbeiträgen zu Gast.

Vortragsprogramm:

16:00 „Zwischen Berlin und Chicago: Lyonel Feininger als Karikaturist und Comickünstler“ – Dr. Christian A. Bachmann

16:15 „Die Geschichte der DDR im Comic“ – Dr. Elizabeth “Biz” Nijdam

16:30 „The Heartbeat of Berlin – die Stadt als Lebewesen“ – Linda Rabea Heyden

16:45 „Arm, aber sexy?! Comicförderung in Deutschland und Berlin.“ – Ein Gespräch mit dem Deutschen Comicverein geführt von Marie Schröer.

Moderation: Angela Guttner

Sonstiges Programm:

SAMSTAG
11:00 Live-Drawing-Aktion mit Hamid Sulaiman (>1800)
12:00 Präsentation der Gewinner*Innen des neuen Berliner Comicstipendiums
14:00 Reinhard Kleist Live-Zeichnen mit Musik
14:00 Comic-Workshop mit Maximilian Hillerzeder
15:00 Lesungen: Michael Beyer mit PAPA DICTATOR und Jennifer van de Sandt mit HIER GIBT ES KEINE BÄREN
16:00 Vortrag Comic Kolloquium
17:00 Reinhard Kleist Live-Zeichnen mit Musik

SONNTAG
12:00 CIB Comic Wettbewerb Preisverleihung Kinder + Jugendliche
13:00 Konzert Jim Avignon
13:00 Lesung von Burcu Türker & Karolina Chyzewska
14:00 Lesungen: Lea Wegner mit „ICH KAUFE EIN A UND MÖCHTE LÖSEN“ und Maximilian Hillerzeder mit „MAERTENS“
14:00 – 17:00 WE DRAW ON SKIN, Gratis-Comic-Tattoos mit Illustratorin Anne Wenkel
15:00 Konzert Orchestre Miniature in the Park
15:00 WORKSHOP: Comiczeichner Grundlagen mit Federico Cacciapaglia für Alle
16:00 CIB Comic Wettbewerb Preisverleihung Erwachsene
17:00 COMICBATTLE – Wandrille & Tim Gaedke & Federico Cacciapaglia

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Poster-Austellung „Comics & Disability Studies“ in Köln

Termin:
18.06.2018 16:00 Uhr

Im Rahmen der Themenwoche „Diversity“ an der Universität zu Köln findet am Montag, den 18. Juni eine von Véronique Sina organisierte Poster-Ausstellung zum Thema „Comics & Disability Studies“ statt. Passend zur Themenwoche hält Sina am Mittwoch den 20. Juni außerdem einen Vortrag zum Thema „Comics und Intersektionalitätsforschung. Über das Ineinandergreifen differenz- und identitätsstiftender Kategorien in der sequenziellen Kunst“ im Rahmen der bereits angekündigten Kölner Ringvorlesung „Aktuelle Perspektiven der Comicforschung“.

Beschreibung (Poster-Ausstellung):

„Die im Rahmen der Auftaktveranstaltung der Diversity-Woche präsentierten Poster wurden von Studierenden des Seminars ‚Comics und Disability Studies‘ entworfen. Die Poster nehmen (Re-)Produktionen der „Ver/Behinderung“ im Medium Comic in den Blick. Anhand ausgewählter Beispiele werden Strategien der Visualisierung und Narrativierung von ‚Behinderung’ sowie damit einhergehende hegemoniale Ausschluss-, Kategorisierungs- und Normierungsprozesse analysiert. Im Rahmen eines intersektionalen Ansatzes wird zudem ein besonderer Fokus auf die Verbindung und Wechselwirkung von ‚Behinderung’ mit anderen identitäts- und differenzstiftenden Strukturkategorien wie etwa Geschlecht, Sexualität, Alter, Klasse, Nationalität, Religion oder Ethnizität gelegt.“

Beschreibung (Vortrag):

„Intersektionale Ungleichheitsforschung beschäftigt sich mit dem Ineinandergreifen diskursiver identitäts- und differenzstiftender Kategorien wie etwa Geschlecht, Klasse, Ethnizität, Religion oder Dis/Ability. Damit stellt das Konzept der Intersektionalität ein nützliches Instrument dar, um mediale (Re-)Produktionen hegemonialer Machtverhältnissen in den Blick zu nehmen. Ziel des Vortrags ist es, normativen Zuweisungen im Comic nachzugehen und ihre Repräsentation einer genauen Betrachtung sowie kritischen Analyse zu unterziehen.“

Mehr Informationen zur Themenwoche (inkl. kommentiertes Programm)