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Tagungsbericht: 9. ComFor-Jahrestagung in Berlin

Termin:
25.09.2014 - 28.09.2014

9. Jahrestagung zum Thema “Grenzen ziehen, Grenzen überschreiten” an der Humboldt-Universität zu Berlin

Tagungsbericht von Nina Heindl, Laura Oehme und Lukas R.A. Wilde
Fotos von Jeff Thoss und Laura Oehme

Zum Programm

Vom 25.–28. September 2014 trafen sich deutsche und internationale Comicforscher_innen zur 9. Jahrestagung der Gesellschaft für Comicforschung in Berlin und diskutierten zum Thema “Grenzen ziehen, Grenzen überschreiten”.

comfortagung2014_01Dank sieben thematischen Panels mit insgesamt 22 Vorträgen, zwei Werkstatt-Panels, zwei Abendvorträgen, einer Podiumsdiskussion und gleich zwei Ausstellungen waren die vier Konferenztage bis zum Anschlag gefüllt. Das Gesamtprogramm umfasste sage und schreibe 38 Stunden (davon 25,5 Stunden allein für Vorträge und Diskussionen) und hatte mit 42 Sprecher_innen aus den unterschiedlichsten Disziplinen für alle der zahlreichen Zuhörer_innen etwas zu bieten. Was die Aufteilung zwischen Geschlechtern angeht, so muss sich die ComFor mit über 45 Prozent weiblichen Vortragenden offensichtlich keine Gedanken über eine “Frauenquote” machen, denn vor allem im Nachwuchsbereich setzen Frauen derzeit die meisten Impulse. Zudem war die ComFor-Tagung diesmal so international aufgestellt wie nie zuvor, denn von den insgesamt 33 Vorträgen bzw. Präsentationen wurden rund 40 Prozent auf Englisch gehalten und blieben so auch den vielen renommierten Comicforscher_innen aus dem Ausland zugänglich.

Donnerstag, der 25. September 2014

ABENDVORTRAG SABIN

Roger Sabin (London) eröffnete die Tagung mit einer weiten historischen Betrachtung, welche viele der kommenden Themen bereits anschneiden sollte: „Crossing Boundaries of Taste in the 19th Century: Satire versus Slapstick; Pictures versus Text; and What It Might Be ‚Acceptable‘ for the Working Class to Enjoy”. Anhand der gegen Ende des 19. Jahrhunderts öffentlich geführten, emotionalen Debatten um neu aufkommende “Comics” (wie die enorm populäre Serie Ally Sloper’s Half Holiday) lassen sich bereits die meisten Ängste und Hoffnungen ausmachen, die die Wahrnehmung des Mediums auch im 20. Jahrhundert bestimmen sollten: Neben der Sorge um steigenden Analphabetismus und Jugendkriminalität, sowie um die moralische und geistige Verwahrlosung der Leserschaft, entwickelte sich am Comic auch die Hoffnung nach einer neuen Vernakularsprache. Diese stünde näher am “authentischen Empfinden der Volkstraditionen” als die bürgerliche Kultur, argumentierte etwa die Kritikerin Elizabeth Pennell („die Begründerin der soziologischen Comic Tradition“). Da sich in dieser Zeit, so Sabins Zusammenfassung, die Frage nach ‚Leisure Time‘ für die Arbeiterklasse erstmalig stellte, ging es bei dieser Diskussion um nichts weniger als darum, erstmalig Populärkultur zu definieren – „with Comics right at the center of the discussion.“

Weiterlesen: Zum ganzen Tagungsbericht

Tagungsbericht: Winter School ‘Transmedial Worlds’ in Tübingen

Termin:
24.02.2014 - 28.02.2014

Poster_Transmedial_WorldsDie Winter School “Transmedial Worlds in Convergent Media Culture” versammelte im Februar 2014 international anerkannter Forscher_innen in Tübingen, um gemeinsam mit Studierenden und Promovierenden über transmediale Welten in der konvergenten Medienkultur zu diskutieren. Obwohl es sich dabei um eine medienübergreifende Veranstaltung handelte, waren einige ComFor-Mitglieder anwesend und auch mit Vorträgen zur Transmedialität in/um den Comic vertreten. Ein Tagungsbericht von Lukas R.A. Wilde in englischer Sprache ist nun im Journal of Literary Theory online.

Zum Bericht

Die nächste Tübinger Winter School findet übrigens vom 28. bis 30. Januar 2015 zum Thema “Mediality and Multimodality across Media” statt. Abstracts können noch bis zum 15.12.14 eingesandt werden (siehe Call for Papers).

15. COMIC!-Jahrbuch erschienen

comicjahrbuch2015Das fünfzehnte COMIC!-Jahrbuch ist am 8. November 2014 erschienen. Redaktionsangaben: “Statt eines Schwerpunktthemas enthält die fünfzehnte Ausgabe drei umfangreiche Artikel über Webcomics, den Erlanger Comicsalon, der in diesem Jahr sein 30jähriges Jubiläum beging, und über die Comicrevolution der 60er Jahre. Darüber hinaus wieder zahlreiche Interviews und Berichte über Comic und Trickfilm, darunter erstmals ein Marktbericht über Japan und wieder der beliebte Blick auf den US-Markt.”

COMIC!-Jahrbuch 2015
Burkhard Ihme (Hrsg.)
November 2014
264 Seiten DIN A4, davon 26 redaktionelle Farbeiten
EUR 15,25
ISBN 978-3-88834-945-4

Zur ICOM-Seite Weiterlesen: Inhaltsverzeichnis

Keith Knight-Vortragstour: “They Shoot Black People, Don’t They?”

Termin:
17.11.2014 - 25.11.2014

Keith_Knight_smallDer amerikanische Cartoonist Keith Knight, Autor der K Chronicles, hält mit Beginn dieser Woche eine Vortragsreihe an fünf deutschen Universitäten zum Thema Ethnizitätsdarstellungen und Polizeigewalt in den USA: “They Shoot Black People, Don’t They?” Die Präsentationen sind comic-begleitet und präsentieren dabei eine Auswahl aus 20 Jahren politischen Engagements des Künstlers. Der Abschlussvortrag an der FU Berlin stellt einen Teil der offiziellen Eröffnung der Comic-Sammlung der Bibliothek des JFKI dar. Das Programm wird von Frank Kelleter eröffnet und durch Vorträge von Julia Mayer und Daniel Stein ergänzt.

• Mo, 17. November (16uhr) – Universität Siegen
• Di, 18. November (16.15uhr) – Universität Bremen 
• Mi, 19. November (18uhr) – Universität Osnabrück
• Do, 20. November (20uhr) – Universität Bochum, at Goldkante
• Di, 25. November (14uhr) – Freie Universität Berlin, JFK

Alle Interessierten sind herzlich geladen, der Eintritt ist jeweils frei. Weitere Informationen zu Keith Knight und seinen Arbeiten finden sich auf den jeweiligen Veranstalterseiten sowie unter http://www.kchronicles.com.

CLOSURE #1 – Kieler e-Journal für Comicforschung erschienen

closure1_kleinCLOSURE ist ein e-Journal-Projekt, das der wachsenden deutschsprachigen Comic-Wissenschaftsgemeinschaft ein Forum bieten möchte. Das e-Journal wird von Nachwuchswissenschaftler_innen der Christian-Albrechts Universität zu Kiel geleitet. Die erste Ausgabe von CLOSURE ist soeben erschienen und wird jährlich fortgesetzt.

http://www.closure.uni-kiel.de/

Gegründet und herausgegeben von:
Cord-Christian Casper, Julia Ingold, Gerrit Lembke, Susanne Schwertfeger

INHALT AUFSÄTZE:

Janina Wildfeuer und John A. Bateman: Zwischen gutter und closure. Zur Interpretation der Leerstelle im Comic durch Inferenzen und dynamische Diskursinterpretation

Lukas R. A. Wilde: Was unterscheiden Comic-›Medien‹?

Karen Genschow: Dissensuale Erzählungen. Der Comic als Medium der Politik bei Philippe Squarzoni

Betül Dilmac: Von borgesianischen Filiationen und parallelen Welten. Zur Quantenphysik als Erkenntnis- und Erzählmodell der Comicserie »Les Cités obscures«

Véronique Sina: Die Korrelation von Comic und Film. Ein Einblick in die reziproke Entwicklungsgeschichte zweier Medien

Janwillem Dubil: Blau ist eine warme Farbe – unter vielen. Adaption und Variation der Comicverfilmung in »La Vie d’Adèle, Chapitres 1 & 2«

Weiterlesen: Inhalt Rezensionen

MONITOR 11: Neue Publikationen 2014

Im Monitor werden in unregelmäßigen Abständen aktuelle Publikationen vorgestellt, die für die Comicforschung relevant sein könnten. Die kurzen Ankündigungstexte dazu stammen von den jeweiligen Verlagsseiten. Haben Sie Anregungen oder Hinweise auf Neuerscheinungen, die übersehen worden sind und hier erwähnt werden sollten? Das Team freut sich über eine Mail an redaktion@comicgesellschaft.de. -> Zu früheren Monitoren.

Webcomics. Einführung und Typologie

Webcomics. Einführung und Typologie

Björn Hammel
Christian A. Bachmann Verlag
120 Seiten
ISBN 978-3-941030-54-1
€ 9,90
November 2014
Verlagsseite
Björn Hammel, selbst Autor und Zeichner, führt in diesem grundlegenden Buch durch die Geschichte und Entwicklung amerikanischer und deutscher Webcomics von ihrer Entstehung bis heute. Hammel formuliert erstmals eine umfassende und anschlussfähige Typologie des Webcomics, die auch die technologischen Bedingungen des Internets miteinbezieht. Vorgestellt werden Webcomics wie David Farleys Doctor Fun, Sarah Burrinis Das Leben ist kein Ponyhof, Daniel Lieskes Wormwold Saga, Sutus NAWLZ, Hannes Niepolds und Hans Wastlhubers The Church of Cointel sowie viele weitere.

Sfar So Far

Sfar So Far. Identity, History, Fantasy, and Mimesis in Joann Sfar’s Graphic Novels

Fabrice Leroy
Leuven University Press
304 Seiten
ISBN 978-9-4627-0006-2
~€ 59,-
September 2014
Verlagsseite
Sfar So Far is the first monograph in any language devoted to the graphic novels of Joann Sfar, an artist whose abundant and innovative work has profoundly marked the contemporary French comics scene. This essay examines how, over the past two decades, Sfar has constructed an idiosyncratic universe with its own thematic and stylistic recurrences: a playful drafting style, contrasting with the thoughtful introduction of historical, theological, and philosophical matters; a sophisticated use of literary, filmic, musical, and pictorial references; an exploration of his own Jewish heritage in the context of a multicultural, postcolonial French society; an affinity for magic realism, fairy tales, heroic fantasy, the fantastique, and science fiction, often filtered through irony or parody; and a predilection for romantic musings and an interest in unconventional love stories.

Weiterlesen: vier weitere Neuerscheinungen

Ausstellung ‘Kunst-Comics’ in Ludwigsburg

Termin:
23.11.2014 - 08.02.2015

“Kunst-Comics – Künstlerbiografien als Graphic Novels”

munch-220Veranstaltertext:

“Die Graphic Novel (dt. illustrierter Roman, Comicroman) ist eine aus den USA übernommene Bezeichnung für Comics im Buchformat, die sich aufgrund ihres thematischen Anspruches und ihrer erzählerischen Komplexität vom normalen Heftcomic unterscheiden und sich dadurch an erwachsene Leser richten.
Als wörtliche Übersetzung von Graphic Novel kann die Bezeichnung grafischer Roman verwendet werden, die durch den Verweis auf das Literarische sich von dem Begriff Comic unterscheidet. Die Zeichner und Autoren der Graphic Novels stören sich an der Dominanz der rein auf den wirtschaftlichen Erfolg ausgerichteten „normalen“ Comics und erheben den Anspruch, mehr als nur ein Genre zu sein, nämlich ein dem Film und der Literatur gleichberechtigtes Medium.
Die Wurzeln der modernen Graphic Novels sieht der Historiker David A. Beronä in den expressionistischen Bilderfolgen teilweise komplexer Geschichten der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts, die das Genre der “woodcut novel“ begründeten.

Ausstellung_Kunst-Comics_2014Im Bereich der Graphic Novel entstanden in den letzten Jahren zunehmend eine Reihe von Künstlerbiographien, die einen interessanten zeichnerischen Zugang zum Leben und zur Arbeit eines Künstlers bieten. So hat beispielsweise der Comic-Künstler Steffen Kverneland die grafische Biografie des Künstlers Edvard Munch vorgelegt. Durch die Gegenüberstellung von Munchs Arbeiten mit ausgewählten Zitaten schafft Kverneland ein liebenswertes und überaus lustiges Portrait dieses großen Malers als auch der ihn umgebenden skandinavischen Bohème des späten 19. Jahrhunderts. Der Comic-Künstler Lars Fiske hat dagegen die Begründung des Dadaismus in der Biografie zu Kurt Schwitters bildgewaltig verarbeitet.

Der Kunstverein präsentiert in der Ausstellung über die Gattung der Graphic Novels einzelne Künstlerbiografien u. a. über die Künstler Vincent van Gogh, Egon Schiele, Pablo Picasso, Kurt Schwitters und Edvard Munch von bekannten Comic-Künstlern Barbara Stok (NL), Typex (NL), Clément Oubrerie (F), Lars Fiske (N) und Steffen Kverneland (N).

Der Historiker und Kurator von Comics Paul Gravett (GB) wird einen Vortrag über die Kunstsprache der Comics halten, sowie die Künstler der Ausstellung in der Eröffnungsrede würdigen.”

Begleitprogramm:

Vernissage am Sonntag, den 23.11.2014, 11:00 Uhr
Finissage mit Künstlergespräch Helga Kellerer am Donnerstag, den 05.02.2015, 17:30 Uhr
Vortrag von Paul Gravett über die Kunstsprache Comic am Donnerstag, 05.02.2015, 18:30 Uhr

Zur Veranstalterseite

Tagungsbericht: Panel “Comics und Recht” der AG Comicforschung

Termin:
04.10.2014 - 04.10.2014

Bericht vom Panel “Comics und Recht” der AG Comicforschung auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft 2014 („Medien ❘ Recht“)

Logo_AG Comicforschung
Am 4. Oktober 2014 fand im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) in Marburg das zweite Panel der AG Comicforschung statt. Zu dem Thema “Comics und Recht” gab es drei Vorträge, die sich mit den unterschiedlichsten Rechtsdiskursen im und um den Comic beschäftigten. Das von der AG-Sprecherin Véronique Sina (Ruhr-Universität Bochum) moderierte Panel lockte rund 20 Zuhörer_innen in den Seminarraum.

gfm2014_plakat_web

Den Anfang machte der Kunst- und Medienwissenschaftler Jakob F. Dittmar (Hochschule Malmö) mit seinem Vortrag zur “Verwendung fremder Bilder und Texte im Comic zwischen Aneignung und Urheberrechtsverletzung”. Er verzichtete dabei bewusst auf Bildmaterial, denn – so seine Ausgangsthese – im digitalen Zeitalter ist die Überfrachtung mit Bildern so stark, dass man als Comic-Zeichner zwangsläufig fremdes Bildmaterial zitiert, auch ohne dies bewusst zu tun oder dies, auf rein formaler Ebene, überhaupt vermerken zu können. Am Beispiel von Jens Harders Alpha Directions zeigte er auf, wie schnell es zu Plagiatsvorwürfen kommen kann und wie problematisch die Abgrenzung zwischen Plagiat und Inspiration speziell im Medium Comic ist. Dittmar zog den Vergleich zur “Appropriation Art”, die sich, ähnlich wie Comics, in einer rechtlichen Grauzone befindet. Dieser Umstand erschwert der Comic-Industrie den Umgang mit Plagiatsvorwürfen ungemein. Tatsache ist, dass sich Comic-Künstler in der heutigen Zeit der (digitalen) Bilderflut nicht entziehen können und zudem überwiegend digital arbeiten. Letztendlich plädierte Dittmar für eine Unterscheidung zwischen der veränderter Lesart eines ‘Originials’ und der plumpen Kopie eines solchen, also einem Plagiat. Aus kultureller Sicht spricht also nichts gegen Bildzitate, solange dadurch eine neue Erzählqualität entsteht. Rechtlich gesehen bewegen sich Comics und ihre Macher_innen dabei allerdings weiterhin in einer Grauzone des Urheberrechts.

Foto_GfM AG Panel 2014_Julia Eckel

Im Anschluss folgte ein Vortrag von Medienwissenschaftler Andreas Rauscher (Universität Siegen) über “Auteur Politics vs. Author’s Duties – Probleme der Autorenpolitik im US-Comic-Mainstream”. Nach einer kurzen Einführung in die “Auteur Theory” veranschaulichte Rauscher fünf Arten des Umgangs mit der Autorschaft, speziell bei der filmischen Adaption von US-Mainstream-Comics. Die Verfilmung von Alan Moores Watchmen steht z.B. für die Adaption als illustrierter Klassiker, welche das Hin- und Herschieben kulturellen Kapitals beinhaltet. Die Adaption von The Avengers durch Joss Whedon gilt als Exploration der Comic-Vorlage, während Frank Millers Sin City einen adaptiven Ausbau darstellt. Statt einer reinen Auftragsarbeit wie bei Whedon, handelt es sich bei Millers Film um eine Erweiterung des Originalmaterials durch den ursprünglichen Autor. Guardians of the Galaxy ist hingegen ein Beispiel für eine Aneignung; eine Comic-Verfilmung mit eigenem Blickwinkel und individuellem ästhetischen Ansatz die auch parodistische Elemente integriert. Chris Nolans Batman Returns entspricht dagegen einer relativ freien Interpretation des Originals. Abschließend gab Rauscher einen Ausblick auf aktuelle Tendenzen und mögliche Zukunftsmodelle (z.B. “shared auteurism”) im Umgang mit Autorschaft. Er bemerkte dabei, dass Auteur-Ansätze transmedial erweitert werden können und stellte fest, dass Autorschaft in Zukunft sehr von weiter gefassten “storyworlds” und neuen “modes of production” abhängen wird.

Den letzten der drei Vorträge hielt Hans-Joachim Backe (IT-Universität Kopenhagen) zum Thema “Ästhetik der Selbstjustiz. Bruch von Comickonventionen als Reflektion von Rechtsdiskursen”. Mit Hilfe zahlreicher Beispiele illustrierte Backe anschaulich, dass sich die fragwürdigen Rechtskonzepte von zeitgenössischen Superhelden-Charakteren oft nicht nur auf der inhaltlichen, sondern v. a. auch auf der ästhetischen Ebene widerspiegeln. In traditionellen Superhelden-Comics wird die inhärente Dialektik von Recht grundsätzlich ignoriert, was sich erst durch die große Revision des Genres in den 1980er Jahren änderte. Anhand von Alan Moores Watchmen (1986-87) arbeitet Backe inhaltliche und formale Aspekte heraus, die von traditionellen Konventionen des Superhelden-Genres nicht nur abweichen, sondern auch deren Rechtsdiskurs reflektieren. Die aktuelleren Beispiele Sleeper (2003-05) und Dial H (2012-13) unterstrichen die Beobachtungen zur ästhetischen Verhandlung von Gut und Böse zusätzlich. “Die kritische Auseinandersetzung mit Recht und Gesetz,” so Backes These, “geht im Superhelden-Comic daher stets mit einer Thematisierung der eigenen Ästhetik einher”.

Die nächste Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft findet vom 1. bis 3. Oktober 2015 an der Universität Bayreuth zum Thema “Utopien” statt; ein Call for Papers folgt noch. Sicher wird es aber auch in Bayreuth wieder ein Panel der AG Comicforschung geben.

Bericht: Laura Oehme (Universität Bayreuth)
Foto: Julia Eckel (Philipps-Universität Marburg)

Vortragsreihe “Repräsentationen des Holocaust”

Poster_Vortragsreihe_WebZur bereits angekündigten Ausstellung “Holocaust im Comic” findet über die gesamte Ausstellungsdauer die begleitende Vortragsreihe “Repräsentationen des Holocaust” statt.

Die Vortragsreihe weitet den Fokus der Ausstellung von Comics auf weitere künstlerische und mediale Darstellungen des Holocaust aus.

Den ersten Vortrag nach der Ausstellungseröffnung wird PD Dr. Ole Frahm (Berlin) am Donnerstag, 6. November 2014 um 18 Uhr (c.t.) halten. Der Vortrag trägt den Titel: „Vervielfältigte Schreckensbilder. Zur Bildpolitik der Holocaust-Darstellung im Comic“.

Abstract zum Vortrag:
„Als Horst Rosenthal 1942 ‚Mickey in Gurs‘ zeichnete, konnte er nicht ahnen, dass seine Micky Maus-Geschichte im Internierungslager (Detektiv Micky sucht mit einer großen Lupe nach der Brotration) der erste Comic werden würde, dessen Bilder die Verfolgung der Juden reflektieren würde. Knapp vierzig Jahre später, 1980, erschien das erste Kapitel von MAUS – Die Geschichte eines Überlebenden, dem zweibändigen Werk, in der Art Spiegelman das Überleben seines Vaters im Ghetto, und in den Konzentrationslagern Auschwitz und Dachau schildert. MAUS ist nicht nur einer der einflußreichsten Comics seiner Zeit, sondern er ermutigte viele andere Zeichner mit ausgesprochen unterschiedlichen Ansätzen, von der Shoah zu erzählen. These des Vortrags ist, dass die Bildserien der Comics nicht nur die Frage der Darstellbarkeit thematisieren, sondern eine Reflexion und Kritik bildlicher Erinnerung an den Holocaust bereithalten.“

Weitere Termine:
Donnerstag, 20.11.2014 // 18h
Annika Wienert (Berlin)
Vortrag: „Authentizitätsversprechen? Mimesis als unmoralisches Angebot“
Donnerstag, 04.12.2014 // 18h:
Susanne Rohr (Hamburg)
Vortrag: „Subversion und Sentiment: Von den Unwägbarkeiten der KZ-Komödie“

Donnerstag, 18.12.2014 // 18h:
Monika Schmitz-Emans (Bochum)
Vortrag: „Literatur nach, trotz oder wegen Auschwitz? Zu einem Kernthema von Literatur und Poetik der letzten 50 Jahre“

Donnerstag, 15.01.2015  // 18h:
Eva Hohenberger (Bochum)
Vortrag: „Stacheldraht und Wachturm. NS-Lagerfotografie heute“

Donnerstag, 29.01.2015 // 18h:
Judith Keilbach (Utrecht)
Vortrag: „Emotionalisierung und Traumatifizierung. Holocaust-Darstellungen im Fernsehen“

Weitere Informationen:
http://www.holocaustimcomic-bochum.de/vortragsreihe/
https://www.facebook.com/hicbochum/timeline

Roland Faelske-Preisträger 2014

Termin:
07.11.2014 16:00 - 07.11.2014

Die Universität Hamburg, die Arbeitsstelle für Graphische Literatur (ArGL) und die Roland Faelske-Stiftung vergeben im Jahr 2014 zum dritten Mal den Roland Faelske-Preis für herausragende Arbeiten im Bereich Comic und Animationsfilm. Die Preisverleihung wird in dieses Jahr am 7. November 2014 stattfinden. Für den Roland Faelske-Preis 2014  wurden per Gutachter- und Auswahlverfahren folgende zwei Arbeiten ausgewählt:

Beeke Hadeler
mit einer BA-Arbeit zu:
„Papa, tu es en train de perdre la guerre!“ Zur Darstellung von „(Familien-)Geschichte in Jacques Tardis Bande Dessinée Moi René Tardi. Prisonnier de guerre au Stalag II B

Dr. Jochen Ecke
mit einer Dissertation zu:
The British Invasion of American Comics: A Poetics

Programm der Preisverleihung:
Begrüßung durch Prof. Dr. Markus Kuhn
(Juniorprofessor am Institut für Medien und Kommunikation, Stellv. Leiter der ArGL)

Grußwort von Prof. Dipl.-Ing. Carola Wiese
(Kuratorin der Roland Faelske-Stiftung)
Überreichung der Preise an Frau Beeke Hadeler und Herrn Dr. Jochen Ecke durch Herrn Andreas Veits
(Träger des Roland Faelske-Preises 2012, Doktorand an der Universität Hamburg)
Gastvortrag von Andreas Platthaus:
Das Prinzip der Literaturadaption im Comic
(Frankfurter Allgemeine Zeitung: Leiter der Literaturredaktion)

im ESA 1, Hörsaal M,
Edmund-Siemers-Allee 1, Hauptgebäude, 20146 Hamburg
Alle Interessierten sind herzlich zu dieser Veranstaltung eingeladen.