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COMFOR-LESEEMPFEHLUNGEN 2019

Die Redaktion der Gesellschaft für Comicforschung wünscht ihren Leser_innen  und Freund_innen einen guten Start ins neue Jahrzehnt. Wie immer gilt: kein Jahreswechsel ohne Best Ofs – höchste Zeit also, auch in diesem Jahr wieder mit einer Liste von Leseempfehlungen aufzuwarten. (Die Leseempfehlungen der letzten Jahre finden sich hier.)

Entsprechend haben wir unsere Mitglieder unter sanfter Redaktion von Katharina Serles um ganz subjektive Lektüretipps gebeten, die aus den vergangenen zwölf Monaten im Gedächtnis geblieben sind – aus welchen Gründen auch immer. Die Bandbreite reicht dabei nun etwa von Jodie Bellaires Buffy über Fumettibruttis P. La mia adolescenza trans bis zu Regina Hofers und Leopold Maurers Insekten

In diesem Sinn wünscht die ComFor inspirierende Lektüren ebenso wie produktive Diskussionen über Kanonisierungen und Diversität in der Comicwelt – und freut sich auf ein spannendes Comicjahr 2020!

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Julian Auringer

Comicforscher, www.bilderbogenforschung.de

Brian Augstyn, Mark Waid, Peter Krause, Kelly Fitzpatrick: Archie 1941
Was wäre wenn Archie & Co in jener Zeit gelebt hätten, als ihre ersten Comics erschienen? Erschuf man die Comics ursprünglich, um die daheimgebliebenen Kinder während des Zweiten Weltkriegs von der Abwesenheit ihrer Väter und dem Krieg an sich abzulenken, spielten ernste Themen folglich für die Comics keine Rolle. Doch inzwischen geht der Verlag neue Wege. Obschon es in den 70er Jahren einige düstere Experimente gab, widmete man sich erst in den letzten Jahren intensiv dem Horrorgenre und experimentiert nun also auch mit Themen wie Krieg.
Archie und seine Freund_innen stehen kurz vor dem Highschoolabschluss und wissen nicht, was sie mit ihrer Zukunft anstellen sollen, was Archie dazu inspiriert, sich beim Militär zu verpflichten und gegen die Nationalsozialisten zu kämpfen. Archie 1941 fokussiert dabei nicht nur die innere Zerrissenheit seines Protagonisten, sondern widmet sich vor allem denen, die nicht in den Krieg zogen und dennoch unter seinen Auswirkungen leiden. Das Artwork soll dabei besonders hervorgehoben werden und fängt den Geist der 1940er Jahre perfekt ein. Leider haben viele abgeschlossene Archie-Serien ein großes Manko: Im letzen Band (so etwa beim ebenso schönen Blossoms 666 – bei dem allerdings der Spannungsbogen plötzlich rasant abfällt und die Erwartungen nicht erfüllt werden) wird alles überhastet und teils sehr unprofessionell ins Gute verkehrt, was besonders bei diesem Thema leider den Gesamteindruck schmälert.

Jim: Eine Nacht in Rom (Band 3)
Wer hätte das gedacht? Nachdem die Story um Marie und Raphael bereits in den ersten beiden Bänden perfekt abgeschlossen zu sein schien, wird sie nun um zwei finale Bände erweitert. Beide Protagonist_innen gehen inzwischen auf die 50 zu – und sie stecken erneut in einer Sinnkrise. Einmal noch wollen sie sich treffen und Raphaels 50. Geburtstag in Rom feiern, doch sehen werden sie sich nur kurz.
Nachdem Jim mit Die Erektion mehr (Band 1) bzw. weniger (Band 2) gut mit den Erzählmöglichkeiten des Theaters experimentierte, widmet er sich nun endlich wieder Marie und Raphael. Und obwohl Marie wieder einmal viel zu jung aussieht (wie auch Jim im Nachwort zugibt) transportiert er erneut jene Melancholie, die bereits die ersten beiden Bände auszeichnete. Wieder einmal steht die Frage im Raum, was einen jetzt noch erwartet. Hat man bereits alles erlebt oder wartet die große Liebe noch? Wie mit den Alterserscheinungen umgehen? Wie mit Verlust? All das verpackt der Autor/Zeichner in wunderbare Bilder mit der für Jim typischen Farbpalette Delphines, deren Kolorierung den Geist des Comics perfekt einfängt.

Andreas Eikenroth: Woyzeck
Woyzeck wurde bereits vor einigen Jahren von Dino Battaglia als Comic adaptiert, bot schöne Bilder zu überhasteten Szenen sowie einen sehr ausführlichen Anhang mit einer sehr detaillierten Fassungsgeschichte des Dramentextes.
Obschon mir die Bilder Eikenroths nicht so zusagen wie die von Battaglia, der Stil zwar in die richtige Richtung tendiert (orientiert an Schiele, Liebermann und Co), m. E. jedoch nicht extrem genug ausfällt, überzeugt der Comic durch eine sehr eigene Erzählweise. Eikenroth verwendet einzig Metapanels, also ganzseitige Einzelbilder, die mehrere Handlungssegmente miteinander vereinen. Auf diese Weise gelingt es ihm, die kleine Welt Woyzecks und den Wahnsinn derselben in erdrückender Intensität zu fokussieren.
Unter der Vielzahl an zumeist schlechten Adaptionen bereits bestehender Texte hebt sich Woyzeck ab und zeigt, wie man mit dem Urtext umgehen kann, wenn man sich selbst die nötigen Freiheiten nimmt.

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Robin-M. Aust

Literaturwissenschaftler, Heinrich Heine Universität Düsseldorf

Lucas Harrari: Der Magnet
Der junge Architekturstudent Pierre ist fasziniert von der Therme des Architekten Peter Zumthor und macht sich auf den Weg ins schweizerische Vals, um das Gebäude zu zeichnen. Was vorerst nach einer eher trockenen Story klingt, wird in Lucas Harraris Der Magnet zu einem spannenden Thriller: Die Bewohner_innen von Vals und die anderen Gäste in der Therme verhalten sich seltsam, auch mit Pierre selbst scheint etwas nicht so ganz zu stimmen – und letztlich scheint auch die Therme ein Geheimnis zu bergen, das im Aberglauben der Einheimischen verwurzelt ist.
Harraris erste Graphic Novel ist gleichermaßen eine Hommage an die Architektur der Therme Vals als auch eine spannende Mystery-Geschichte mit metafiktionalen Anleihen. Dabei macht nicht nur die Geschichte den Reiz dieses Comics aus: Harraris rot-blau gehaltene Bilder versprühen einen wunderschönen Retro-Chic und erinnern an die ligne claire oder Werbeillustrationen der Jahrhundertmitte; sie sind gleichzeitig eigentümlich kühl und labyrinthisch, sodass die Leser_innen sich zwischen den organischen Formen der Schweizer Berge und den harten Kanten der Therme teils genauso desorientiert fühlen können wie Pierre auf seiner Suche nach
dem Geheimnis der Therme.

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Tillmann Courth

Comicjournalist und Blogger (COMIXENE, Comicoskop, tillmanncourth.de)

Darko Macan , Igor Kordey: Marshal Bass
Frei nach Eddie Murphys Ausspruch aus Nur 48 Stunden („Es ist ein neuer Sheriff in der Stadt – und er ist schwarz!“) tischen uns die kroatischen Kreativen Darko Macan (Text) und Igor Kordey (Zeichnungen) einen Western auf, wie es noch keinen gab.
Hilfsmarshal River Bass ist Afroamerikaner, alles andere als ein Held und nur ein Mann, der seine Vision von Gerechtigkeit durchzusetzen versucht. Da niemand ihn respektiert, selbst die eigene Frau nicht, muss Bass oft zu rabiaten Mitteln greifen.
Es wird viel gestorben in Marshal Bass, aber es tut immer weh. Dies ist jedoch kein Ballerwestern mit Guten und Bösen, sondern die womöglich realistischste Version des Westens, die uns Comics bis dato präsentiert haben.
Die Handlungsstränge sind erschütternd banal, aber sorgen ihrer Bodenständigkeit wegen für glaubwürdige und nachvollziehbare Entwicklungen. Bass unterwandert eine Bande marodierender Sklaven und gerät in die Bredouille. Bass verfolgt eine Siedlerfamilie, die Reisende ausplündert und umbringt. Bass läuft die Tochter weg und sein unehelicher Sohn will mit ihm abrechnen. Bass geht undercover in den Knast, um einen korrupten Politiker zur Strecke zu bringen.
Kordeys klumpige, fiebrige Illustrationen erinnern an Richard Corben, was dieser Serie einen unbequemen, plastischen Look verleiht. Ein Pseudorealismus, der uns Distanz zum Geschehen bewahren lässt. Noch dazu glänzt dieser Comic mit lebendigen Figuren, einem trockenen Humor und lakonischen Dialogen.
In bisher vier Alben kann River Bass alle Herausforderungen meistern. Denn er ist zäh, entschlossen, bauernschlau und clever genug, einfach mal zu überleben (auch wenn  er dafür anderen das Leben nehmen muss).
Die Geschichte der Comics ist mit Westernstoffen reichlich gesegnet. Für mich jedoch haben die Klassiker Leutnant Blueberry und Comanche erst mit Marshal Bass einen dritten, würdigen Vertreter dieses Genres gefunden.
Hier noch der Link zur Besprechung des ersten Bandes.

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Dietrich Grünewald

Kunstdidaktiker, Emeritus Universität Koblenz-Landau, ehem. 1. Vorsitzender der ComFor

Alain Ayroles, Juanjo Guarnido: Der große Indienschwindel
Das barocke Spanien hat uns den Schelmenroman geschenkt. Die Historia de la vida del Buscón von de Quevedo ist eines seiner Hauptwerke und schildert darin das Leben des Taugenichts Pablos. Der grandiose Comic von Ayroles und Guranido ist nun keine Adaption, sondern führt den Textroman fort, erzählt, wie Pablos, nachdem er in Spanien gescheitert ist, in den südamerikanischen Kolonien sein Glück machen will. Das 160 seitige Werk (Hardcover, 34 x 25 cm) ist wunderbar gezeichnet und koloriert. (Guardino hat seine Kunst ja u.a. schon in Blacksad, Carlsen, bewiesen). Es besticht ebenso durch die spannende, witzig-satirische und groteske Geschichte. Die begeistert vor allem durch die überraschende Dramaturgie. Das fängt schon mit dem zweiseitigen Prolog an. Wer sich ein wenig in der Kunstgeschichte auskennt, wird das gezeigte Personal wiedererkennen: Es entstammt dem berühmten Gemälde von Velazquez, auf dem er sich zeigt, wie er den spanischen König Philipp IV (genannt „König der Welt“, wenngleich mit ihm der Niedergang der spanisch-habsburgischen Weltmachtstellung einhergeht) und seine Gemahlin porträtiert, während die Infantin mit zwei Ehrenjungfern ins Atelier kommt. Eine Zwergin und ein Zwerg, der den Hund neckt, sind auch vertreten. Auf den Prologseiten wird das Bild gewissermaßen lebendig – ohne dass die Betrachter_innen wissen, worum es eigentlich geht, denn der Ich-Erzähler der eingeschobenen Textfahnen nimmt auf das Gezeigte keinen Bezug, sondern begründet seinen Entschluss, nach Indien (als was man damals fälschlicherweise Amerika verstand) aufzubrechen. Drei große Kapitel erzählen nun, wie Pablos auf der Suche nach dem sagenhaften El Dorado zwar nicht das Goldland findet, aber einen großen Betrugscoup startet, um in den Besitz von Silber zu kommen. Das soll per Schiff nach Madrid gebracht werden. Im ersten Kapitel wird aus der Sicht Pablos‘ erzählt, der auf der Streckbank liegend dem Kommandanten, der für den Silbertransport verantwortlich ist, berichtet. Der Ich-Erzähler Pablo spricht in den Textkommentaren; die Bildfolge zeigt das Geschehen in stimmungsvollen Szenerien, wunderbaren Typen, faszinierender Landschaft. Und wo das spannende Geschehen keiner Worte bedarf und ganz aus der Anschauung lebt, so kann über längere Seiten hinweg ganz auf Schrift verzichtet werden. Im 2. Kapitel berichtet dann der Kommandant seinem Vorgesetzten, im 3. Kapitel erzählt wieder Pablo, diesmal direkt dem_der angesprochenen Betrachter_in. Es macht Spaß, der Subjektivität der Erzählpositionen zu folgen, wie sie in modifizierten Wiederholungen den tatsächlichen Handlungsstrang allmählich in der Geschehensfolge freigeben. Der Epilog des Buches führt zurück in Velazquez‘ Atelier – und löst nun in überraschend erstaunlicher Weise auch dieses verblüffende Geheimnis. Um das zu lüften, sei die Lektüre dieses Comics dringend empfohlen. Es lohnt sich.

Alexander Braun: George Herriman’s Krazy Kat.  The Complete Color Sundays 1935–1944
Da hat man was zu schleppen: 44,5 x 35 cm groß, 5 cm dick. Das voluminöse Werk bietet 632 großformatige Seiten: die surreal-philosophisch witzigen, unterhaltsamen, nachdenkenswerten, überraschenden Episoden um den/die verliebte(n) Krazy Kat, den backsteinwerfenden Mäuserich und den Hüter des Gesetzes, Officer Pupp. Ich gebe zu: Ich habe zu tun, das riesige Werk auf den Knien zu balancieren, wenn ich in meinem Lesesessel sitze – aber die Anstrengung lohnt sich! Sie lohnt sich vor allem, weil Alexander Braun dem Buch eine hervorragende Einleitung vorangestellt hat. Sie würdigt nicht nur Herrimans Leben und Schaffen, stellt nicht nur in Text und opulenten Bildern (Fotomaterial, verweisende Comic-Belege und Dokumente) die ganze Comic-Zeichner-Welt dieser Zeit vor. Sie macht vor allem mit klugen Analysen diese besondere, herausragende Comic-Serie ein großes Stück verständlicher, ohne ihr den geheimnisvollen Reiz und ihre Offenheit zu nehmen. Das ironische Papierschauspiel, das Herriman inszeniert und seinen autonomen Beitrag zur Kunstavantgarde des frühen 20. Jahrhunderts, wird vertrauter – und der Blick für all die Feinheiten und Besonderheiten, das freie Spiel mit den Komponenten Akteur, Handlungsort, Zeit, geschärft. Diese gesammelten farbigen großformatigen Sonntagsseiten demonstrieren nachhaltig, welch hohen Stellenwert Comics als Kunst- und Kulturform haben können. Gut – der Sammelband ist mit 150€ nicht gerade billig. Aber er ist sein Geld wert – ein Weihnachtsgeschenk, das einen lang anhaltenden und wiederkehrenden Genuss bietet.

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Thomas Hausmanninger

Christliche Sozialethik, Universität Augsburg

Michel Rouge, Christophe Bec:
Gunfighter 1
Christophe Bec hat mit diesem Comic einmal keine SciFi-Horrorgeschichte geschrieben, sondern beteiligt sich an dem – bis zu einem gewissen Grad – in letzter Zeit bei den französischen Comics feststellbaren kleinen Western-Boom. Seine Erzählung ist klassisch am amerikanischen Western der 1950er bis 1970er Jahre orientiert, nimmt die wachsende soziale Ungleichheit am Beispiel der Rinderzüchter auf und verwebt dies mit einer vielschichtigen Story, die in mehreren Strängen aufbereitet ist. Dabei fehlt auch der titelgebende Gunfighter nicht, dessen Backstory wohl erst in kommenden Alben erschlossen werden wird. Bec gelingen schon mit der Exposition ungemein packende dramatische Momente, die Michel Rouge meisterhaft in Szene setzt. Sein Artwork bietet exzellente, hoch detaillierte und filmisch angelegte Zeichnungen, variiert geradezu virtuos die Panelgrößen und setzt auch das Layout gekonnt dramaturgisch ein. In der französischen Ausgabe genießt man dies im Überformat, das wie ein Cinemascope-Kinoerlebnis wirkt (Splitter wird es wohl ähnlich großformatig veröffentlichen). Der Detailreichtum lädt dazu ein, das Album zu studieren; das dramatische Tempo wird dadurch ein wenig gebremst. Insgesamt ergibt das jedoch ein Leseerlebnis, das haften bleibt.

Laurent-Frédéric Bollée, Philippe Aymond: Les nouvelles aventures de Bruno Brazil 1: Black Program
Mit Bruno Brazil hatte der Texter Michel Régnier alias Greg in den späten 1960er und den 1970er Jahren eine vor allem den Älteren unter uns vertrauten Agentencomic geschrieben, dessen Abschluss die Leser_innenschaft nachhaltig geschockt hatte – eine nicht geringe Zahl der Protagonist_innen wird in der vorletzten und letzten Mission getötet oder mit bleibenden Schäden verletzt; die Titelfigur verfällt in eine Depression. Heute kennt man den schonungslosen Umgang mit Hauptfiguren freilich hinreichend etwa aus den amerikanischen romanartigen TV-Serien und Filmen. Gerade für die ältere Leser_innengemeinde bietet jedoch eben dieser Hintergrund der Originalserie den eigentlichen Point of interest für eine Fortsetzung. Das dürfte Bollée bewusst gewesen sein, als er den Auftakt zu den nouvelles aventures geschrieben hat. So siedelt er klugerweise die neue Story in den 1970er Jahren an – ein period piece, das für sich genommen schon einen Reiz hat und ein wenig an die britische TV-Serie Life on Mars erinnert. Die Geschichte setzt kurz nach dem Fiasko der letzten Mission ein und knüpft direkt an die ursprüngliche Serie an. Das ist ein gelungener erzählerischer Coup – für eben die ältere Leser_innengemeinde. Neuleser_innen hingegen wird man empfehlen müssen, zunächst diese alte Serie zu lesen, um in die Story einsteigen zu können. Philippe Aymond kennt man vor allem als Zeichner von Lady S. Er legt hier nun einen davon abweichenden, recht kraftvollen und mitunter etwas grob wirkenden Tuschestrich an den Tag. Das bricht mit den feinen Linien von William Vance, obschon Aymond in den Rückblenden dessen Panels zitiert. Gleichwohl ist die Neuinszenierung des Klassikers eine gelungene Fortsetzung, die schmutziger als das Original erscheint und dennoch letztlich so dessen Drastik in den letzten Alben in Erinnerung ruft.

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Linda-Rabea Heyden

Literaturwissenschaftlerin, Universität Jena

Shigeru Mizuki: Tante NonNon
Mit Tante NonNon bringt Reprodukt dieses Jahr eine weitere, längst überfällige, deutschsprachige Übersetzung von Mizuki heraus. Der Manga ist vor allem deshalb eine so große Freude für mich dieses Jahr, weil mein Interesse an Mizuki durch seine Darstellungen der japanischen Dämonen und Geisterwesen, den Yokai, geweckt wurde. In Tante NonNon erzählt Mizuki in episodenhaft aneinandergereihten Kapiteln aus seiner Kindheit mit der titelgebenden Ersatzgroßmutter, deren Geschichten und Wissen den Grundstein für Mizukis langjährige Befassung mit den Yokai legen. Von diesen begegnet im Manga ein ganzer Reigen mit oft verblüffend spezifischen Zuständigkeiten und Erscheinungsweisen – z. B. Nurunuru-Bozu, „die sich auf Menschen lehnen, die nachts am Strand sind.“ Die Yokai-Erscheinungen sind eingebettet in Geschichten über Shigerus Freund_innen und Familie, die einem mit ihren Eigenheiten und nicht zuletzt durch den cartoonhaft reduzierten Stil Mizukis ans Herz wachsen. Durch ihre Geschichten, z.B. über die Eröffnung eines Kinos im Ort, die Schul- und Arbeitssituation der Familie, die kindlichen Kriegsspiele, aber auch lebensbedrohliche Krankheiten und Menschenhandel, bietet der Manga nebenbei Einblicke in Japan in den 1930ern und damit verbundene größere Themenkomplexe. Insgesamt ergibt sich eine sowohl informative als auch facettenreiche Lektüre, die auf weitere Mizuki-Übersetzungen hoffen macht.

Jodie Bellaire, Dan Mora: Buffy, Vol. 1
Bis heute gilt die Fernsehserie Buffy für mich als das Beste, was das Fernsehen je hervorgebracht hat. Mit der Weitererzählung der Story in den damaligen Comics bin ich jedoch nie richtig warm geworden. Was für ein großer Spaß und was für eine Überraschung war da der erste Sammelband von Boom! Studios dieses Jahr, der ein Reboot der Serie im Comic darstellt und in der heutigen Zeit spielt. Dabei bleiben die Eckpunkte bestehen, aber werden eben nicht eins zu eins wiederholt. Perfekt schafft es Bellaire, dass Handlung und Figuren gleichzeitig vertraut wirken und doch neu. So ist Cordelia zwar immer noch Prom-Queen, aber weitaus sympathischer. Willow tritt direkt selbstbewusst und mutig auf und lebt offen in einer festen lesbischen Beziehung. Ebenso beginnt Xanders Handlungsbogen vielversprechend und deutet einen größeren an. Dass auch Spike und Drusilla von Anfang an dabei sind, erfreut sehr. Die Charakterisierungen und Storyführung verraten insgesamt eine große Vertrautheit mit den Figuren. Moras Zeichnungen unterstützen diesen Eindruck. Nicht zuletzt sind ganz besonders die Figurendialoge hervorzuheben, die genau den Whedon-esken Wortwitz einfangen und auch außerhalb der unterhaltsamen Actionszenen viel zum Lesespaß beitragen. Der Sammelband macht Lust auf den zweiten und bevor dieser im nächsten Jahr erscheint, möchte man direkt nochmal einen Buffy Re-watch starten.

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Kalina Kupczynska

Literaturwissenschaftlerin, Universität Lodz

Regina Hofer, Leopold Maurer: Insekten
2008 am Jahrestag der Novemberpogrome 1938 zerbricht in einer Wiener Wohnung ein Glas, auf einem Tisch, der von den früheren Bewohner_innen zurückgelassen wurde. Die früheren Bewohner_innen waren Juden, deren Schicksal in der Graphic Novel von Hofer und Maurer immer wieder mit Splittern, mit deformierten Hakenkreuzen, SS-Emblemen ins Abstrakte übertragen wird. Viele Split-Panels lassen die schwarz-weißen Formen, die diverse Tötungsarten als Kriegsrealität von Waffen-SS-Kommandos darstellen, zu beunruhigenden Puzzlebildern einer individuellen Vergangenheit werden, die den Angehörigen lange als unzumutbar erschien. 2004 hat das Wiener Zeichner_innenpaar Maurers Großvater, überzeugten Nationalsozialisten, von seinen Kriegserlebnissen erzählen lassen, die Aufnahmen wurden zur Grundlage der Graphic Novel. Großvaters Erinnerungen wechseln sich ab mit autobiografischen Szenen aus Leopold Maurers Jugend, eingestreut werden u. a. Zeugenaussagen der Überlebenden der Massaker im ukrainischen Babyn Jar sowie Aussagen der Kriegsverbrecher.
Insekten – Fliegen, Mücken – kreisen durch manche Panels, was harmlos wäre, würden sich nicht Panels mit Gräbern voller Leichen dazwischen schieben, und gäbe es da nicht geradezu reflexhaft eine Assoziation mit Art Spiegelman in der Maus-Maske am Zeichentisch, umschwirrt von Fliegen, die die Leichen zu seinen Füßen als organische Realität erkennen lassen. Surreal-rätselhaft wird es, wenn bei Hofer/Maurer menschengroße Insekten Rad fahren, am Tisch sitzen, in einem Blasorchester spielen und so eine Verwandlung suggerieren, die seit Kafka als Sinnbild der (Selbst)Entfremdung gelesen wird. Zwei Zeichenstile erzählen hier zwei Geschichten – Hofers reduzierte Abstraktion lässt den nüchternen Bericht des Großvaters ins Unheimliche steigern, Maurers skizzenhafter Strich verortet das Leben des Nazi-Opas in einer Normalität der österreichischen Provinz. Das Gesicht des Täters wird nicht gezeigt.

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Jennifer Neidhardt

Vergleichende Literaturwissenschaften, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Maia Kobabe: Gender Queer. A Memoir
„I don’t want to be a girl. I don’t want to be a boy either. I just want to be myself.” – Aus Maia Kobabes Tagebuch, 2005
In dem autobiografischen Comic Gender Queer: A Memoir erzählt Maia Kobabe aus eirem* Leben als nichtbinäre Person. Bereits in eirer frühen Schulzeit scheitert Kobabe daran, sich einer binären Identität zuzuordnen und findet stattdessen Halt in der Welt homoerotischer Fanfictions und der Musik von David Bowie. Die Episoden aus eirem Alltag reichen von humorvollen Anekdoten zu gescheiterten Frisörbesuchen bis hin zu beklemmenden Darstellungen von Albträumen über Menstruationsblut. Kobabe zeigt sich stets selbstreflektiert und stellt sich selbst die Frage: Wo ist die Grenze zwischen Geschlechtsdysphorie und internalisiertem Sexismus? Wer definiert überhaupt, was „männlich“ und „weiblich“ ist? E findet Antworten in der biologischen Geschlechterforschung und schlussfolgert: „So Lady Gaga was right – I was born this way.“ In einer Zeit, in der sich Medien über „Transtrender“ zerreißen, ohne diese Personen selbst zu Wort kommen zu lassen, bietet dieser Comic einen wichtigen Einblick in den Alltag queerer Personen und schenkt ihnen eine Stimme, die ihnen sonst oft verwehrt bleibt.
* Kobabe benutzt in der englischen Originalversion geschlechtsneutrale e/em/eir-Pronomen, die bisher kein deutsches Equivalent besitzen.

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Hanspeter Reiter

Comicoskop-Redakteur

Kren Krimstein: Die drei Leben der Hannah Arendt
Eine starke Comic-Biografie hat hier ein Verlag (in Übersetzung) vorgelegt, der eben ein Literatur-Verlag ist: dtv. Als Graphic Novel konzipiert, also als gebundenes Buch (Softcover, fast 250 Seiten), strikt in Schwarz-Weiß (und Grau natürlich), nur der Protagonistin „ihr Grün“ gönnend, wie schon auf dem Cover angedeutet, mit vielerlei Zitaten und viel Einblick in jüdisches Leben unterschiedlichster Einstellungen und Lokationen: „Am Leben zu sein und zu denken ist ein und dasselbe… Hannah Arendt: streitbare Jahrhundertdenkerin, zu früh, zu wütend, auf so einschüchternde Weise klug, zu jüdisch, nicht jüdisch genug. 1933 floh sie aus Nazi-Deutschland ins Exil, über Tschechien, Italien und die Schweiz zunächst nach Paris. Später dann in die USA. Von dort aus avancierte sie zu einer der großen Ikonen unserer Zeit. Die drei Leben der Hannah Arendt skizziert rasant und liebevoll ihren Lebensweg. Mit einem Nachwort von Ken Krimstein.“ Der auf S. 234 seine Gedanken präsentiert, etwa diese: „Ich bin der Meinung, dass die Philosophie – das Denken – etwas sein sollte, womit sich jedermann auseinander setzen kann. Die G.N. mit ihrer einzigartigen Eigenschaft, Worte und Bilder gemeinsam wirken zu lassen, ist ein Medium, das sich besonders gut eignet, komplexe Themen zugänglich zu machen.“ Was er übrigens bestens (aus)nutzt, indem er Hannah Arendt und viele ihre Zeitgenoss_innen ausgiebig mit Worten ins Bild setzt (Walter Benjamin „Der Flaneur“ S. 98), teils auch grafisch aufbereitet, à la MindMap z. B. (siehe die Vielfalt ihres Netzwerks, wie wir heute sagen würden, S. 52f.: Maler_innen, Musiker_innen, Theoretiker_innen, Regisseur_innen) – oder als Podium intellektueller Diskutant_innen, Arendt inklusive (S. 162). Wieder kehrend und über weitere Strecken kommen private Beziehung und inhaltliches Auseinandersetzen mit Martin Heidegger ins Spiel (siehe „Die Jüdin und der Nazi“ u. a. rund um S. 207) – oder auch ihr Umgehen mit dem Eichmann-Prozess (eben „Die Banalität des Bösen“, rund um S. 225). Welch eine Fülle an Gedanken-Austausch, quasi interdisziplinär, Berühmtheiten wie Albert Einstein inkludierend: So geht Geist! Jedenfalls damals… Was ein eigenes Personenverzeichnis sinnvoll macht, das volle sechs Seiten umfasst (S. 238ff.)! Mehrfach entkommt Hannah nur knapp den Nazi-Schergen, mehrfach muss sie wieder weiter, deshalb auch die „drei Leben“, die die Leser_innen miterleben und -erdulden: Zu Anfang „Die Sorgen der kleinen Hannah“ (bis zur Studentin), danach „Hannahs erste Flucht“ (Berlin, S. 49ff.), dann die zweite Flucht (Paris, S. 89ff.), die dritte (New York, S. 149ff.), quasi erweitert final zu „Denken ohne Geländer“ (Jerusalem und danach, S. 213ff.). H. A. natürlich immer qualmend, seien es Zigaretten, seien es Havannas – andere Zeiten, andere Sitten. Ein wildes Denkerinnen-Leben, exzellent „eingefangen“ in Wort und Bild! Verarbeitet sind zudem Original-Texte, wieder eine Form der Adaption (siehe ComFor-Jahrestagung 2019)!

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Janek Scholz

Literaturwissenschaftler, ZPW an der Universität zu Köln

Fumettibrutti: P. La mia adolescenza trans
P. La mia adolescenza trans ist für mich das absolute Comic-Highlight des Jahres 2019. Fumettibrutti zeichnet darin ihre Geschichte als transsexueller Teenager nach, von Selbstzweifeln, die sie über sexuelle Begegnungen zu kompensieren versucht, über Beleidigungen und Gewalterfahrungen, bis hin zu ihrem Mut, die Erwartungen der Gesellschaft zu enttäuschen und sich selbst so zu lieben, wie sie ist – ein klares Plädoyer für mehr Toleranz jenseits der Binarität, was jedoch an keiner Stelle vorwurfsvoll, kitschig oder pathetisch daherkommt.
Es wird erzählt, wie brutal das Heranwachsen sein kann, wenn man „anders“ ist, aber auch, welche enorme Wirkung kleine Momente von Menschlichkeit haben. Der Zeichenstil ist schnörkellos, nichts wird beschönigt. Die Gesichter und die Umgebung werden stark reduziert dargestellt und die Kolorierung beschränkt sich auf gelb, schwarz und weiß – nur P.’s Erinnerungen sind in ein tiefes Lila gehüllt. Im Laufe der Erzählung nimmt P. immer weniger Raum ein, gemeint ist damit jedoch nicht nur der männliche Vorname der Protagonistin, sondern auch das Zeichen der Sünde auf ihrer Stirn (eine Anspielung auf das Purgatorio in Dantes Göttlicher Komödie). P. La mia adolescenza trans ist ein herausragender Comic, der schleunigst ins Deutsche übersetzt werden sollte.

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Véronique Sina

Medienwissenschaftlerin und Genderforscherin, Universität zu Köln,
2. Vorsitzende der ComFor

Helen Blejerman: Lulu la sensationelle
In ihrem autobiografischen Debütwerk Lulu la sensationelle (2014) inszeniert die in Großbritannien ansässige Künstlerin Helen Blejerman mit viel Feingefühl und zeichnerischem Geschick die Geschichte ihres Alter Egos Lulu, einem siebenjährigen Mädchen, das mit seinen Eltern in einem unbekannten Wohngebiet lebt. Eines Tages erleidet Lulus Mutter einen Nervenzusammenbruch, der sie dazu bringt, sich ohne weitere Erklärung in der heimischen Toilette einzuschließen und fortan dort zu leben. Um die emotionale Leere zu füllen, die die Abwesenheit ihrer Mutter hinterlässt, entwickelt Lulu eine Essstörung und beginnt, in ihrem Kleiderschrank zu schlafen. Ihre kulinarische Überkompensation bringt ihr jedoch keine Erleichterung und als Lulu nach den großen Ferien zur Schule zurückkehren muss, wird sie von ihren Mitschüler_innen aufgrund ihrer starken Gewichtszunahme schikaniert. Das Einzige, was Lulu noch bleibt, ist Trost in ihrer Fantasie zu suchen, in dem Traum, ‚Lulu la sensationelle’ zu werden.
Trotz der eher pessimistischen Grundstimmung und des düsteren Inhalts der Geschichte wird der Comic selbst von leuchtenden Pastellfarben dominiert und spielt so gekonnt mit der Erwartungshaltung der Leser_innen, die durch die Aufmachung der Bande Bessinée und Blejermans persönlicher Neuinterpretation der berühmten Ligne Claire an ‚leichte Unterhaltung’ und das Genre des Kinderbuchs erinnert werden. Durch den Verzicht auf Schraffuren oder Schattierungen und die Repräsentation geometrischer Formen sowie körperloser Bilder, kreiert Blejerman eine wunderschöne dichromatische Welt, die scheinbar keinen visuellen Raum für Zwischenräume oder -töne lässt und so das Gefühl von Verlust, Abwesenheit und Einsamkeit verstärkt, welches das Hauptmotiv des Comics bildet.

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Lukas R.A. Wilde

Medienwissenschaftler, Universität Tübingen

Jérôme Tubiana, Alexandre Franc: Guantanamo Kid: Die wahre Geschichte des Mohammed El Gharani
Verlangen verstörende Ereignisse nach verstörenden Darstellungen, um sich nicht der Verharmlosung zu verschuldigen? Jérôme Tubiana und Alexandre Franc werfen einen ganz anderen Blick auf die bis heute anhaltenden illegalen Inhaftierungen, die Menschenrechtsverletzungen und die alltäglichen Folterpraxen in Guantanamo Bay, als man es je in einem engagierten Dokumentarfilm gesehen hätte. Sie übersetzen dafür die Perspektive von Mohammed el Gharani, der nach 9/11 unschuldig an die US-amerikanische Regierung verkauft wurde – im Alter von 13 Jahren. Sie erzählen in simplen Cartoon-Strips von seinen langen Jahren in der Hölle, um gleichzeitig auch zu vermenschlichen: nicht nur eines der jüngsten Opfer der US-Amerikaner im „War on Terror“ und seine Mitgefangenen, sondern auch die „guten Wärter“, und, ja, irgendwie auch die rassistischen Bestien. Doch die naiv-hoffnungsvolle Trotzigkeit, mit der El Gharani heranwächst und dabei trotz allem erst langsam vom Kind zum Jugendlichen wird, motiviert eine Darstellung von Misshandlungen in Comic-Piktogrammen, nicht in graphischen Schockeffekten. Ja, selbst die grausamsten Monster erscheinen so irgendwo menschlich, und genau darin liegt die eigentliche Provokation der Lektüre: In der Alltäglichkeit und Routine, in der jeder nur seinen Job macht, wo doch alle wissen, dass „Nummer 269“ einfach nur unglücklich in die Räder einer ungerechten Maschine gekommen ist, die niemand aufhalten kann oder will.

David Füleki (hg. v. Adrian vom Baur): The Best (and Worst) of David Füleki. Jazam!
Ich habe aus meiner Füleki-Faszination noch nie einen Hehl gemacht, und 2019 wäre ein schlechter Zeitpunkt, damit zu beginnen. Nicht nur, dass Demon Mind Game (Tokyopop) endlich weitergeht; mit dieser wundervollen Jazam!-Werksausgabe ist auch ein Stück deutsche Comic- und Manga-Geschichte erschienen. Das Format Kurzgeschichte so zu meistern ist definitiv ein Ritterschlag, jede Seite vibriert geradezu vor aberwitzigen Ideen und Assoziationen. Und selbst, wenn man einiges schon kennt, wurde ein Großteil der Stories doch erweitert oder stark überarbeitet. Eigentlich fällt keine Geschichte richtig ab, der Ausschlag nach oben bleibt aber für mich „Beppo Biber“: eine Art Persiflage auf lustige Tiercomics aus der Wendy, die auf nur 12 Seiten eine ganze Klaviatur an überraschenden Wendungen formvollendet durchdekliniert. Wie gehabt und bekannt führt Fülekis beliebter Avatar ‚Def‘ durch den Band und schwatzt seinen Leser_innen allerhand Anekdoten und Hintergründe zu jedem Beitrag auf. Meist drehen sich diese um das rahmende Def-Multiversum, das alle Episoden (weit, weit im Hintergrund) irgendwie miteinander verknüpft. Gleichzeitig faltet sich aber auch ein Panorama der deutschen Comic- und Manga-Szenen 2010 bis 2017 vor dem geistigen Auge auf, denn tatsächlich verbindet Füleki beide wie kaum ein anderer…

Nadja Hermann: Erzähl mir nix
https://twitter.com/erzaehlmirnix?lang=de, https://www.facebook.com/erzaehlmirnix/Es wäre geradezu frevelhaft, in einer Liste der (für mich) wichtigsten Comics 2019 Nadja Hermann nicht zu erwähnen, denn: Wir haben sie gerade so bitter nötig! Erzählmirnix ist in diesem Jahr (2019) zum ersten mal vom Blog runter und exklusiv auf Twitter und Facebook, wo ihre Comics vielleicht auch einfach hin gehören, um ihren kleinen Sturm in der Filterblase loszutreten. Ihre „hässlichen, linksgrünversifften Paint-Comics“ (Selbstbeschreibung) sind unsere letzte, beste Chance, allen Familienmitgliedern mit Fremdschäm-Meinungen vielleicht doch irgendwann klar zu machen, was an unserer Kommunikation gerade alles schiefläuft. Kondensiert auf Standardszenen und Archetype, ohne mit all dem abzulenken, was Comics sonst offenbar brauchen: keine Bildhintergründe oder Figurenmerkmale, dafür die ganze szenischen Magie des silent panels und der ungefilterten Affektsemiotik. Dank Nadja Hermann ist der Webcomic gerade wichtiger denn je!