Neues aus der ComFor

Publikationshinweis und Reihenstart

Unser heutiger Beitrag ist eine doppelte Ankündigung: Einerseits möchten wir auf Lia Roxana Donadons neu erschienene Monografie zu Quinos argentinischem Kult-Comicstrip Mafalda hinweisen, die andererseits auch den ersten Band der just gestarteten Reihe SieGN (Siegen Research in Graphic Narrative) bildet. Die Reihe wird von ComFor-Mirglied Daniel Stein herausgegeben; nähere Informationen zu der Reihe finden sich auf der Website des Universitätsverlags Siegen.

Donadons Publikation, die nicht nur als Printversion erhältlich ist sondern auf die auch als Open Access Publikation über den Server der Siegener Universitätsbibliothek zugegriffen werden kann, ist die erste deutschsprachige Monografie, die sich in voller Länge mit Quinos Mafalda beschäftigt.

Mafalda: Quinos Comicstrip als Gesellschaftskritik im Argentinien der 1960er und 70er Jahre

SieGN – Siegen Research in Graphic Narrative, Bd. 1

Lia Roxana Donadon

Universitätsverlag Siegen, ,2021
156 Seiten, zahlreiche Abbildungen
zur Verlagsseite

„Die bis heute andauernde kulturhistorische Relevanz von Quinos Mafalda-Kosmos ist in der internationalen Forschung bislang nur teilweise aufgearbeitet worden. Das Buch trägt daher zur Schließung dieser Forschungslücke bei, indem es Mafalda akribisch in seiner Zeit verortet und Quinos kreativkritischen Blick auf das Argentinien der 1960er und 70er Jahre mit viel Empathie und Gusto untersucht.“

Publikationshinweis: „Frames and Framing in Documentary Comics“ von Johannes C.P. Schmidt

Kurz, nachdem  Comfor-Mitglied Johannes C.P. Schmid den Band „Framing [in] Comics and Cartoons“ (mit Christian A. Bachmann) herausgegeben hat, folgt auch schon seine nächste Publikation: bei Palgrave Macmillan erschien kürzlich – als ebook und Print-Ausgabe  – seine Monographie Frames and Framing in Documentary Comics.

 

Ankündigungstext:

„Frames and Framing in Documentary Comics explores how graphic narratives reframe global crises while also interrogating practices of fact-finding. An analog print phenomenon in an era shaped by digitalization, documentary comics formulates a distinct counterapproach to conventional journalism. In what ways are ‘facts’ being presented and framed? What is documentary honesty in a world of fake news and post-truth politics? How can the stories of marginalized peoples and neglected crises be told? The author investigates documentary comics in its unique relationship to framing: graphic narratives are essentially shaped by a reciprocal relationship between the manifest frames on the page and the attention to the cognitive frames that they generate. To account for both the textuality of comics and its strategic use as rhetoric, the author combines theories of framing analysis and cognitive narratology with comics studies and its attention toward the medium’s visual frames.“

Der Band kostet 74,89€ (ebook) bzw. 96,29€ (Print); weitere Informationen sowie Bestellmöglichkeiten finden sich auf der Verlagsseite.

 

Erinnerung: Deadline zum Martin Schüwer-Publikationspreis 2021

Auch in diesem Jahr verleihen die Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) und die AG Comicforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) den Martin Schüwer-Publikationspreis für herausragende Comicforschung. Der Preis ist nach dem 2013 viel zu früh verstorbenen Anglisten und Comicforscher Martin Schüwer benannt und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs: Mit der Auszeichnung herausragender Veröffentlichungen aus dem Bereich der interdisziplinären Comicforschung soll der Publikationspreis zur nachhaltigen Sichtbarmachung, Förderung und Vermittlung comicbezogener Forschungsarbeit beitragen.

Noch bis zum 31.03.2021 können Beiträge eingereicht werden.

Weitere Informationen gibt es hier und hier.

 

Publikation des 11. ComFor Tagungsbands: Comics in der Schule – Theorie und Unterrichtspraxis

Der 11. ComFor Tagungsband „Comics in der Schule – Theorie und Unterrichtspraxis“, herausgegeben von den ComFor Mitgliedern Markus Engelns, Ulrike Preußer und Felix Giesa im Christian A. Bachmann Verlag, ist nun erhältlich.  Die 11. ComFor Jahrestagung fand an der Universität Duisburg-Essen im November 2016 statt. Der nun erschienene Tagungsband ergründet auf stolzen 390 Seiten die Rolle des Comics in der schulischen wie auch der universitären Lehre.

 

    

Markus Engelns, Ulrike Preußer und Felix Giesa (Hgs.)

Comics in der Schule – Theorie und Unterrichtspraxis

CH. A. Bachmann Verlag

ISBN 978-3-96234-029-2

 

Verlagsbeschreibung:

„Comics erleben in Deutschland derzeit kulturell, fachwissenschaftlich und didaktisch eine Renaissance. Das hat auch zur Folge, dass sie vermehrt in der universitären und schulischen Lehre eingebunden werden. Galten Comics über Jahrzehnte hinweg als »Schmutz- und Schundliteratur«, gegen die sich die »höherwertige« Literatur und sogar der Film absetzen konnten, so dient der Comic in Zeiten einer immer stärker zunehmenden Medienpluralität als Brücke zwischen Bild und Text, zwischen analoger und digitaler Medienwelt sowie zwischen Pop- und Hochkultur. Als solche ermöglicht er die Erweiterung bekannter Diskurse zum literarisch-medialen Unterricht, während er zugleich eigene Wege der Darstellung, wie auch der Wissens- und Kompetenzvermittlung vorschlägt.“

Inhalt:

Markus Engelns, Ulrike Preußer und Felix Giesa:
Zur Einleitung in diesen Band: Comics im Dazwischen und Darunter

1 HISTORISCHE UND MEDIALE ANNÄHERUNGEN

Michael Staiger:
Wozu grafische Literatur im Deutschunterricht gut ist! Ein Blick zurück nach vorn

Lukas R.A. Wilde:
Medium, Form, Genre? Medialität(en) des Comics

Christian A. Bachmann:
Comics und Materialität

Nina Eckhoff-Heindl:
Von Schulbüchern, Gestaltungsweisen und Kunstlehrenden: Comics als Rezeptionsherausforderung

Dietrich Grünewald:
Verstehen, werten, genießen: Rezeptions-Kompetenz als Grundlage für den Umgang mit Comics

2 LITERARISCH LERNEN UND REZIPIEREN

Markus Oppolzer:
Die Ausbildung visueller Lesekompetenzen: Vom Bilderbuch zum Comic

Marina Langschmidt und Jutta Rymarczyk:
Eric Vale – Epic Fail: Zur Anbahnung von Sprachbewusstsein und visual literacy mit einer idiomatisch geprägten Graphic Novel

Bettina Wild und Nadja Wulff:
Literarisches und sprachliches Lernen in der Vorbereitungsklasse: Möglichkeiten und Herausforderungen beim Einsatz von Bildern und Comics

Jeanette Hoffmann:
Comics in der Schule – Schule im Comic: Zum gegenseitigen Verweischarakter von biographischen und literarischen Erfahrungen

Verena Kreuzberger:
Kann die multimodale Darstellung von Deutungsfolien im Comicroman zu einer Verbesserung der literarästhetischen Rezeptionskompetenz beitragen?

Elisabeth Hollerweger:
Von Lehm- und Mitternachtsriesen: Literarisches Lernen mit aktuellen Kindercomics

Jan-Niklas Meier:
Choose your own Adventure: Hypertextuelle Spiele-Comics als literar-ästhetischer Lerngegenstand

3 SACHANALYSEN UND INSPIRATIONEN

Laura Maria Lewald-Romahn:
Wenn Ente auf Epos trifft: Strukturale Mythentheorie im Comic Die Jagd nach der Goldmühle von Don Rosa

Moritz-Alexander Büschken:
X-Men: God Loves, Man Kills: Eine Analyse gesellschaftsprägender Faktoren in einem Comic der 1980er Jahre

Jakob Hoffmann:
Live hilft: Comicautor*innen in der Schule

Sándor Trippó:
Comics in der Hochschuldidaktik und Auslandsgermanistik: Ein Praxisbericht zur historischen Landeskunde

Frederik von Reumont und Alexandra Budke:
Comics für den Geographieunterricht: Chancen für die Vermittlung komplexer Themen

Antje Knopf:
Zweifel und Einsicht: Versuch über die Chancen und Darstellungsmittel des Comics für die philosophische Bildung

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten auf der Verlagsseite finden Sie hier.

Den Bericht zur 11. ComFor Jahrestagung vom 16. – 19. November 2016 finden Sie hier.

Die Übersicht aller ComFor Jahrestagungen finden Sie hier.

Eine Übersicht aller ComFor Tagungsbände finden Sie hier.

Kolloquium „Moral, Glaube und Religion im Superhelden-Narrativ“

Termin:
13.03.2021 - 14.03.2021

Am 13. und 14.03. findet das Kolloquium „Moral, Glaube und Religion im Superhelden-Narrativ“ statt. Die Veranstaltung wird online via ZOOM auf Deutsch und Englisch abgehalten. Die Teilnahme ist kostenlos und eine Anmeldung als Hörer ist via e-mail an Nicolas Gaspers möglich. Die ZOOM Links werden nach der Anmeldung zugeschickt.

Laut den Veranstaltern Dr. Torsten Caeners, Nicolas Gaspers M.A. und Dr. Matthias Keidel ist das Ziel des Kolloquiums, „die engen Verflechtungen von Religion, Glaube, Göttlichkeit und Moral in Superheld_innen-Erzählungen zu untersuchen“. Die Fragestellungen beschäftigen sich mit der Rolle, welche diese Themen in den Erzählungen spielen, wie sie um- und in Szene gesetzt werden, und welche Bedeutung ihnen zugesprochen wird.

 

Das Programm ist breit gefächert und einige Mitglieder_ der Gesellschaft für Comicforschung  werden ebenfalls zu hören sein:

Dr. Matthias Keidel: „Wie böse darf man zum Teufel sein? Daredevils Dilemma als Katholik und blinder Superheld wider Willen“

Dr. Arnold Bärtschi (Ruhr-Universität Bochum): „Heilsbringer oder Massenmörder? Herakles als Verkörperung des Sublimen in Édouard Cours Comicreihe Herakles“

Kristin Aubel M.A. (TU Dortmund / JLU Gießen): „Christian Narratives in Superhero Comics: Nightcrawler as Believer, Antichrist, and Saviour“

Dr. Dennis Bock (Universität Hamburg): „‚Take Jesus under your wing … show him how a REAL hero handles his chili‘ – Jesus, Sunstar und Moraldiskurse in Mark Russells Superhelden Narrativ Second Coming“

Mag. Ranthild Salzer (Universität Wien): „Muscular christianity, the social gospel and superheroes: Batman and Superman as case studies“

Dr. Martin Ostermann (KU Eichstätt-Ingolstadt): „Erlösungsbedürftige Weltenretter Superhelden als krisengeschüttelte Krisenmanager“

Dr. Torsten Caeners (Universität Duisburg-Essen): „The ‚Man of Steel‘ ain’t Superman – Negotiations of Christian Symbolism in Man of Steel, Batman v Superman and Justice League“

Prof. Dr. Misia Doms (Päd. Hochschule Baden): „Moralische Unzuverlässigkeit: Erzählte, inszenierte und gezeichnete Irritationen als Mittel zur Diskreditierung
einer globalen ideologischen (Er-)Lösung in der Red-Son-Trilogie“

Sarah Droska (HHU Düsseldorf) „Religionsmotivik und Kritik in Batwoman“

Nicolas Gaspers M.A. (HHU Düsseldorf): „Inverted Incarnation – Dr. Manhattan between Humanity and Divinity“

 

Den ursprünglichen Call for Papers finden Sie auch hier.

1. Comfor Online-Workshop: Karikaturenkritik. Inhalte, Kontexte, Ästhetiken (12.03.2021)

Termin:
12.03.2021 10:00-14:00

Der Vorstand der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) lädt alle Mitglieder_ und Interessierten herzlich zum ersten Online-Workshop der Diversity Initiative ein, der sich dem komplexen Thema der Karikaturenkritik annähern soll. Der Workshop steht unter dem Zeichen der Selbstsensibilisierung und besteht aus zwei Teilen. Am Vormittag wird zunächst Ali Schwarzer als geladener Experte einen Gastvortrag zum Thema „Was darf man noch zeichnen?“ halten, dessen Fragestellungen weiter unten genauer skizziert werden. Nach reichlich Diskussionszeit und einer kurzen Mittagspause wollen wir im Anschluss gemeinsam einen Textvon Siegrid Jäger besprechen, der allen Teilnehmer*innen zuvor zur Verfügung gestellt werden wird. In diesem analysiert Jäger die Rezeption und Instrumentalisierung des sog. „Karikaturenstreits“ in der deutschen Presse aus diskursanalytischer Perspektive („Pressefreiheit und Rassismus. Der Karikaturenstreit in der deutschen Presse: Ergebnisse einer Diskursanalyse“, in: Thorsten G. Schneiders (Hg.): Islamfeindlichkeit: Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. 2. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag, 2010, S. 319-336).

Gastvortrag Ali Schwarzer: Was darf man noch zeichnen? –Rassistische Stereotype in Cartoons erkennen und benennen

Regelmäßig wundert sich die Medienlandschaft stellvertretend für eine anscheinend zutiefst verunsicherte Gesellschaft: Was darf man eigentlich noch? Der N-Kuss heißt „neuerdings“ Schaumkuss, Schwarze Menschen soll man nicht als Eingeborene zeichnen und Karneval ist ohne Blackfacing auch nur noch halb so schön. Ja, was darf man eigentlich noch? Dass die Meinungsfreiheit eine grenzenlose sei, auf diesen Irrglauben durfte sich lange Zeit berufen, wer zu den Privilegierten der Gesellschaft zählte und zählt. Mittlerweile werden aber auch bekannte Karikaturist_innen (Greser & Lenz), beliebte Comedians (Dieter Nuhr) und alberne Politiker_innen (Martin Sonneborn) gelegentlich daran erinnert, dass Meinungsfreiheit sehr wohl ihre Grenzen hat und diese manchmal sogar für sie gelten. Ungewiss scheint indes, wo diese Grenzen zu verorten sind und wer diese auszuhandeln berechtigt ist. Durch eine sehr homogene Medienlandschaft einerseits und mangelndes Wissen über Rassismus in der Gesellschaft andererseits sind sich Medienschaffende und bekannte Persönlichkeiten häufig nicht im Klaren, wie schnell eine Grenze überschritten ist. Die fehlende Erfahrung in Selbstkritik tut ihr Übrigens und die Quittung folgt in den sozialen Medien. Der Vortrag will für rassistische Erfahrungen von (nicht nur) Schwarzen Menschen in Deutschland sensibilisieren und anhand praktischer Beispiele erläutern, wie tief Rassismen in unsere Gesellschaft eingeschrieben sind. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse werden verschiedene Cartoons hinsichtlich ihres potentiell rassistischen Charakters erörtert und Lösungsansätze für die Schaffung diverser Cartoons zur Diskussion gestellt.

Ali Schwarzer hat Medien und Kommunikation sowie African Studies studiert. Während seines Studiums der Afrikanistik befasste er sich mit Meinungsfreiheit und Cartoons im Kontext der südafrikanischen Post-Apartheid-Gesellschaft. Für das Onlinemagazin Übermedien schreibt er in unregelmäßigen Abständen über Rassismus in den deutschen Medien.

Organisator_innen: Christina Meyer, Vanessa Ossa, Lukas R.A. Wilde

Termin: Freitag, 12. März 2021, 10-14 Uhr via Zoom.

Wir freuen uns über reichlich Beteiligung und auf gewinnbringenden Austausch!

Um Anmeldung bis zum 7. März wird gebeten an Vorstand@Comicgesellschaft.de. Die Zugangsdaten für das Zoom Meeting werden allen Teilnehmer_innen zugesandt.

Publikationshinweis: „Framing [in] Comics and Cartoons“ von Johannes C.P. Schmid und Christian A. Bachmann

Wir freuen uns, den kürzlich bei Bachmann erschienenen neunten Band der Reihe ‚Bildnarrative‘ ankündigen zu können: „Framing [in] Comics and Cartoons. Essays on Aesthetics, History, and Mediality“ – Herausgegeben von Christian A. Bachmann und Comfor-Mitglied Johannes C.P. Schmid versammelt der Band Beiträge von einer Vielzahl weiterer Comfor-Mitglieder:

Christina Meyer ist mit einem Beitrag zu Medial, Material,
and Aesthetic Frames/Framings vertreten, Lukas R.A. Wilde zu Framing 9/11 and the »War on Terror« in Editorial Cartoons; Astrid Böger mit »Things Are Different Now«: Re-Framing Australian Identity in Pat Grant’s Blue; Jeff Thoss setzt sich mit Intermedial Frames in Bryan Talbot’s Alice in Sunderland auseinander und Johannes C.P. Schmid mit Framing Documentary Comics.

Ankündigungstext:

Panels, grids, gutters, and pages—graphic narratives rests firmly on practices of setting apart and framing spaces. At the same time, frames—in the sense of cognitive categories as well as semiotic and material manifestations—form basic prerequisites of meaning-making. In contrast to virtually all other media in comics, frames represent not only general communicative aspects; they form its very basic grammar. The essays collected in this volume discuss some of these medial characteristics of comics and cartoons as materialized through their particular carrier media, and they investigate works that range from the inception of the form in the nineteenth century up until its most recent incarnations.

Übersicht über die Beiträge:

  • Johannes C.P. SCHMID/Christian A. BACHMANN
    Framing [in] Comics: A Preface
  • Christina MEYER
    »Enclosures for Looking«? Medial, Material,
    and Aesthetic Frames|Framings
  • Sebastian BARTOSCH
    How To Not Freeze the Frames of Mediality:
    Looking Back at Old Comic Books
  • Lukas R.A. WILDE
    Falling in Line: Framing 9/11 and the »War on Terror« in Editorial Cartoons
  • Johannes C.P. SCHMID
    Framing Documentary Comics: Considering Prologues
  • Astrid BÖGER
    »Things Are Different Now«: Re-Framing Australian Identity in Pat Grant’s Blue
  • Roger SABIN
    Framing pre-1914 British Comics
  • Christian A. BACHMANN
    Panoptical Spaces: Cross-sections in Nineteenth-Century Visual Satire and Early Comics
  • Jeff Thoss
    »Through the Proscenium Arch of the Comic Panel«: Intermedial Frames in Bryan Talbot’s Alice in Sunderland
  • Tobias YU-KIENER
    Musée du Louvre: When the Picture Does Not Fit the Frame: Three Problems With the Graphic Novel Le Ciel au-dessus du Louvre
  • Monika SCHMITZ-EMANS
    Museum Comics: Drawn Reflections on Images and Image-Spaces, Framings and Transgressions

Der Band kostet 28,99€; weitere Informationen sowie Bestellmöglichkeiten finden sich auf der Verlagsseite.

ZEICHEN UNSERER ZEIT – Internationale Woche der Semiotik

Termin:
11.02.2021 - 11.02.2021

 

„Kritisch, komisch, kommunikativ – Zum politischen Potential des Comics“

Das Virtuelle Zentrum für Kultursemiotik der Universität Potsdam  veranstaltet vom 08. – 12. Februar 2021 die Internationale Woche der Semiotik, in deren Rahmen der Donnerstag (11.02.2021) der Comicforschung gewidmet ist.

Dass Comics aus etymologischen Gründen noch immer primär mit dem Komischen assoziiert werden, ändert nichts daran, dass sie sich auch gut für die ernsthafte Auseinandersetzung mit brisanten Themen eignen. Comics (unserer und vergangener Tage) verhandeln Traumata, enttabuisieren Krankheiten, dokumentieren Kriege, analysieren politische Randgruppen, mobilisieren für Umweltschutz und Diversity. Diese Liste ließe sich weiterführen. Die Komplexität der Auseinandersetzungen ist nicht zuletzt auf das Zusammenspiel der beiden Zeichensysteme (Text und Bild) zurückzuführen, mit denen vielschichtige Zeichengefüge konstruiert werden können. Dass Comics sich durch die Unmittelbarkeit der visuellen Ebene auch als Vermittlungsinstanzen eignen, haben mittlerweile diverse Akteure (Schuldidaktik, Museen, Bildungsarbeit) für sich entdeckt: Das Genre der Sachcomics floriert.

In zwei Workshops soll in die Comicanalyse eingeführt und am Beispiel politischer bzw. feministischer Comics vorgeführt werden, mit welchen Kunstgriffen das Medium Wissen und Meinung vermittelt. Gezeigt wird nicht nur, wie mit dem Medium Comic kommuniziert, erklärt und argumentiert werden kann, sondern es entstehen zahlreiche Synergie-Effekte: Eine Comiclesung und eine Diskussionsrunde mit Autorinnen, Wissenschaftlerinnen und Kultur-Schaffenden verbinden die unmittelbare Medien-Erfahrung, die anschließende Medien-Analyse und die Debatte über die (mit Hilfe der Comics transportierten) politischen Inhalte. Das Comic-affine Publikum wird an die Semiotik herangeführt, die Semiotiker*innen lernen ein per definitionem Zeichen potenzierendes Medium näher kennen.

PROGRAMM

VORMITTAG

9.00 – 9.30 Keynote: Mit Comics denken – Reflexionen zum und im Comic
Marie Schröer (Universität Potsdam)

9.30 – 10.00 Metapherntheorie als Comic – ein Werkstattbericht
Miriam Meyer (RAUM – Zentrale für Gestaltung, Berlin) und Lilian Nguyen (M.A.-Studentin, Universität Potsdam)

10.30 – 12.00
Online-Workshop 1 mit Linda Heyden/Lara Keilbart (Berlin) „Comics und Feminismus“

Online-Workshop 2 mit Véronique Sina (Mainz): „Intersektionale Comicanalyse“

12.00 – 12.45: Ergebnispräsentation Workshops

NACHMITTAG

14.00 – 15.00 Comic-Lesung mit Katja Klengel („Girlsplaining“) und Mikael Ross („Der Umfall“)

15.30 – ca. 16.30 Diskussionsrunde zu „Comics und Politik“ mit Anna Beckmann (Freie Universität Berlin), Linda Heyden und Lara Keilbart (Festival Comic Invasion Berlin), Katja Klengel (Comicautorin, Berlin), Mikael Ross (Comic-Autor, Berlin) und Véronique Sina (Universität Mainz)

 

Weitere Infos zu dem Event auf der Homepage der Universität Potsdam finden Sie hier.

Das gesamte Veranstaltungsprogramm finden Sie hier.

Den Flyer für das Donnerstagsprogramm finden Sie hier.

COMFOR-LESEEMPFEHLUNGEN 2020 (TEIL 3/3)

Auch im letzten Teil unserer Reihe haben wir spannende Leseempfehlungen unserer Mitglieder. Wir bedanken uns sehr herzlich für die Tipps sowie die Rezensionen! Sollte Ihnen im heurigen Jahr bei Ihrer Lektüre etwas besonders ins Auge stechen, behalten Sie es im Hinterkopf: 2022 kommt bestimmt, und damit auch die nächste Bitte der Redaktion um Empfehlungen!

Die Leseempfehlungen der letzten Jahre finden sich hier.

Den ersten Teil der Comfor-Leseempfehlungen 2020 finden Sie hier.

Den zweiten Teil der ComFor-Leseempfehlungen 2020 finden Sie hier.

 

***

Jennifer Neidhardt

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Lore Olympus (Webtoon)

„Witness what the gods do…after dark.”

Eines meiner absoluten Comic-Highlights der letzten Jahre ist Rachel Smythes Lore Olympus. Der Webcomic ist mit seinen über 300 Millionen Views der erfolgreichste Comic des Onlineportals Webtoon und kostenlos zugänglich. Momentan ist sogar eine animierte TV-Adaptation durch die Jim Henson Company in Planung.

Lore Olympus ist eine moderne Neuerzählung des griechischen Mythos von Hades und Persephone, in der die klassische Vergangenheit mit der Gegenwart verschmilzt. Die farbenfroh gestalteten Göttinnen und Götter dieser Welt gehen zur Universität, fahren Sportwagen und kommunizieren über Smartphones und Zoom-Meetings, während sich die menschliche Welt noch in der Antike befindet. Die Unterwelt wird so zu einer modernen Metropole und ihr Herrscher Hades zu einem überarbeiteten (und liebenswerten) Firmenchef, der sich auf einer Party in die junge Studentin Persephone verliebt.

Trotz der Einordnung des Comics als romantische Komödie behandelt er komplexe Themen wie Trauma, Missbrauch und Vergewaltigungen und zeigt die griechischen Göttinnen und Götter so von ihrer verletzlichsten und menschlichsten Seite. Die Emotionen der Figuren werden durch die expressionistische Farbgebung und den geschickten Einsatz des Webcomic-Mediums auf eindrucksvolle Weise zum Ausdruck gebracht. Durch miteinander verschmelzende, vertikal gelesene Panels und gelegentliche musikalische Begleitungen werden Leser*innen so auf intimste Weise in das Innenleben der Figuren gezogen.

 

Hanspeter Reiter

Comicoskop

Yuval Noah Harari, Daniel Casanave, David Vandermeulen und C.H.Beck: Sapiens – der Aufstieg

So geht gelungener Sach-Comic! Ein diesem Verlag durchaus angemessenes Großformat-Hardcover von knapp 250 Seiten, Entwicklung und Sein des Homo Sapiens in einer variantenreichen, kunterbunten vierteiligen Graphic Novel. Den Anfang macht „Sapiens. Der Aufstieg“. Als Story mit wechselnder Perspektive präsentiert, verstehen ggf. auch schon Kinder besser, was alles passiert ist, hin zum beginnenden Anthropozän. Darin tritt Yuval Noah Harari selbst auf und analysiert gemeinsam mit seiner Nichte Zoe vergnüglich wie informativ etwa das Schicksal der Neandertaler, schaut sich die Gameshow «Evolution» an und verfolgt die Abenteuer von „Prehistorik Bill“. Durchaus Augen zwinkernd, doch ernsthaft-fundiert auch und gerade für Erwachsene, Farben differenzierend einsetzend – und mit vielerlei Selbstbezügen zum Medium Comic: Da gibt es den Stil der Familie Feuerstein (S. 124ff.) und generell Anklänge an Tim und Struppi (etwa Frau Prof. Sarawati à la Bianca Castafiori) – oder à la Superman Den Doctor (Who?!) Fiction mit Augmented- und Virtual-Reality-Fähigkeiten (S. 81ff., zudem schwarz und eher androgyn): Leser werde selbst mit mehr fündig J … Und freue sich auf die Fortsetzung(en)! Weiter geht´s mit „Der größte Schwindel aller Zeiten – oder wie Super Sapiens vom Weizenmonster übers Ohr gehauen wurde!“.

 

Moritz Stetter: Mythos Beethoven

Fast in Vergessenheit geraten, in Zeiten wie diesen: Das Jubiläums-Jahr 250. Geburtstag Beethovens. Hiermit meldet er sich zurück, als Comic-Biografie von knapp 100 Seiten, als Graphic Novel zum “Revolutionär und Erneuerer“. Ein feines, variables Layout, gewaltig daher kommenden Bildern mit dickem Strich und flächigen Farben. Die Kapitel sind an Musik-Begriffe angelehnt: Präludium – Pathétique – Eroica – La Malinconia – Pastorale – Appassionata – Postludium – Ode an die Freude. „Ganz nach dem Rhythmus Beethovens gestaltet, erkundet die Erzählung in ausgewählten Episoden wichtige Stationen des Komponisten. Sein überragendes Talent und seine Beliebtheit beim Publikum werden ebenso thematisiert wie seine Überheblichkeit gegenüber seinen Zeitgenossen und Gönnern und der allmähliche Verlust seines Gehörs.“ Und sein dennoch (gerade deshalb?!) sensationelles Komponieren… „Gleichzeitig wird aber auch die Rezeption von Beethovens Werk nach seinem Tod behandelt sowie das ikonenhafte „Beethoven-Künstlerbild“ hinterfragt.“ Klischees aufgreifend also und zugleich diskutierend. Mit einem erhellenden Nachwort von Ariana Zustra S. 93ff. „Der Mythos Beethoven“, Ihres Zeichens u.a. Chefredakteurin des #beethoven Magazins. Und vielerlei Original-Zitaten von Zeitgenossen wie aus Veröffentlichungen über Beethoven, jeweils als Fußnote benannt und im Quellenverzeichnis zusammen gefasst: Ein bestens gelungenes Kunstwerk – so ist Comic „Neunte Kunst“, auch und gerade für eine Gattung der anderen, Musik! Hier integriert durch vielerlei Noten-Zitate, teils gar aufwändig eingezeichnet – so hat der Meister selbst mitwirken dürfen J … Eine Ode an Beethoven, dem Leser/Betrachter funke(l)nd schöne Freude bietend, visuell und zugleich – voll tönend, fast synästhetisch…

 

Martin Stark: Der Ring des Nibelungen, nach Richard Wagner

Bilderbogen haben (vor allem im 19. Jahrhundert) Geschichten erzählt, eben primär visuell, textlich nur ergänzend – Vorläufer der US-Comics, die ja lange Zeit als ganzseitige, großformatige Seiten der Sonntags-Zeitungen daher kamen. Diese Tradition hat die Büchergilde nun aufgegriffen und bringt nach und nach moderne Bilderbogen heraus. Hier in einem aufwändigen Konvolut gleich mehrere, die je eins der Werke Richard Wagners aus dem kompletten Zyklus „erzählt“: „Unter- und überirdische Verwicklungen voller Liebe, Drama, Neid und Gefahren und nicht weniger als eine neue Weltordnung. Mit dem Ring schuf Wagner eine generationenübergreifende Geschichte, die eine Aufführungszeit von über 16 Stunden erreicht.“ Der Illustrator Martin Stark hat nun in expressionistischem Stil den Opernzyklus auf vier Bilderbogen umfassend verbildlicht, wahrlich sequenziell. „En goldener Faden führt dabei erzählerisch durch die Handlung der Bilder, die Libretti sind in voller Länge abgedruckt und ein fünfter Bogen erklärt den Stammbaum der Figuren. Wagalaweia!“ Natürlich ein absolutes Schmankerl für jeden Opern- resp. Ring-Fan, fürs häusliche Erleben: Wer mag, kann die Bogen natürlich auch gerahmt an der Wand präsentierten – doch im Grunde ist das eine Graphic-Novel im besten Sinne, eben in Einzel-Bögen aufbereitet… „Jeder der fünf großformatigen Bogen funktioniert anders… Die Leserichtung gibt ein goldener Faden vor, der sich durch das Schwarz-Weiß der Zeichnungen zieht.“ Initiiert und begleitet übrigens von einer Cosima – statt Wagner hier Schneider, der Herstellungs-Leiterin der Büchergilde J …

 

Aleta-Amirée von Holzen

Schweizerisches Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM

Drew Weing: Die geheimnisvollen Akten von Margo Maloo

„Margo Maloo“ ist eine erfrischende und gleichwohl nostalgisch angehauchte „Monster in der Stadt“-Story für Kinder. Charles, der kindliche Protagonist, ist wenig begeistert, als er mit seinen Eltern in die Metropole Echo City zieht, weil sein Vater dort ein heruntergekommenes Hotel restaurieren soll. Nicht nur ist der Kasten baufällig, sondern zudem von einem Monster bewohnt. Von Nachbarjunge Kevin erhält Charles die Visitenkarte von Margo Maloo, Monster-Mediatorin. Zu Charles‘ Begeisterung entpuppt sich die gleichaltrige Margo als coole Troubleshooterin zwischen den Welten, ist doch die ganze Stadt vom Briefkasten bis zum Abwassersystem von allerlei Monstern unterwandert. An der Seite dieser souveränen Heldin glaubt Möchtegern-Reporter Charles den Stoff für eine Knüller-Reportage gefunden zu haben – obwohl er versprechen muss, niemandem etwas zu erzählen. Nur wir LeserInnen dürfen über Charles‘ witzige Einträge in seinem Erlebnistagebuch und seinem Blog schmunzeln. Und da Monster im Grunde auch (fast) nur Menschen sind, geht es nie darum, sie zu bekämpfen oder unschädlich zu machen. Vielmehr findet Margo für den jeweiligen Konflikt stets eine diplomatische Lösung – mit dem Hotelmonster lautet diese Actionfiguren-Tauschen. Der erste Band umfasst drei Geschichten; der nächste ist in Vorbereitung. Auf der Homepage des Autors gibt es auf Englisch schon weitere Abenteuer auszugsweise zu lesen.

 

Martin Panchaud: Die Farbe der Dinge

Die Farbe der Dinge wurde gleich zwei Mal empfohlen – einmal von Aleta-Amirée von Holzen und einmal von Lukas R.A. Wilde. 

Ein Unglück-im-Glück-Dilemma steht am Beginn von „Die Farbe der Dinge“: Der 14-jährige Londoner Simon, ein typisches „no hope, no future“-Kid, setzt bei den Pferdewetten tausend Pfund, aus Vaters Sparbüchse entwendet, auf einen Aussenseiter und gewinnt: 14 Millionen! Dumm nur, dass er zu jung ist, um den Gewinn auszulösen. Die Eltern kann er nicht fragen, denn gleich darauf liegt die Mutter nach einem tätlichen Angriff im Koma, der Vater befindet sich wohl auf der Flucht. Um ihn zu finden, nimmt ein ehemaliger Liebhaber der Mutter Simon mit auf einen kurzen Road Trip … Wem in dieser Welt voller (Un-)Glücksritter und Geschäftemacher kann Simon mit dem Los in der Tasche trauen? Simon scheint einfach kein Glück zu haben, doch schliesslich erscheint als abstruser „deus ex machina“ ein explodierender gestrandeter Wal. Martin Panchaud erzählt diese filmreife Geschichte spektakulärerweise in einer, so würde man meinen, absolut der Nüchternheit verpflichteter Darstellungsweise, nämlich allein in Infografiken. Die Figuren sind bunte Punkte, denen man aus der Vogelsperspektive zusieht, wie sie sich durch Pläne bewegen (ähnlich gewisser Game-Optiken); einige gut platzierte zusätzliche Infografiken informieren etwa über das Schmerzlevel bei Faustschlägen oder die Überlebenschancen von Walen. Dieses Gestaltungsprinzip setzt der Künstler beeindruckend einfallsreich wie konsequent um und schafft so eine aussergewöhnliche Graphic Novel.

 

Lukas R.A. Wilde

Medienwissenschaftler, Universität Tübingen

Martin Panchaud: Die Farbe der Dinge

Die Farbe der Dinge wurde gleich zwei Mal empfohlen – einmal von Aleta-Amirée von Holzen und einmal von Lukas R.A. Wilde. 

Die Farbe der Dinge ist schon auf den ersten Blick so ungewöhnlich, dass der Einstieg nicht ganz leichtfällt. Anstelle von szenischen Zeichnungen greift Panchaud ausschließlich auf Diagramme, Infografiken und schematische Kartendarstellungen zurück; seine Progatonist*innen werden exklusiv durch komplementärfarbige Kreise repräsentiert. Damit erschließt sich der Autor eine geradezu unverschämte Palette an neuen Darstellungsmitteln, hinter denen eine manchmal absurd-komische, zumeist aber schmerzhaft-tragische Coming of Age-Story prosaisch eingekleidet wird. Simon Hope, 14 Jahre, gewinnt am gleichen Tag 16 Millionen Pfund beim Pferdewetten, an dem seine Mutter ins Koma fällt und sein gewalttätiger Vater spurlos verschwindet. Trotz der kühlen, distanzierten Optik will Die Farbe der Dinge sehr ernsthaft erzählen, oft sogar in quälend langwierigen, tastenden Dialogen. Ein widerständiges, oft anstrengendes, mitunter auch spektakuläres Buch, an das man sich lange erinnern wird. Als kleines Gimmick zum Abschluss sei an dieser Stelle auch auf Panchauds humorvolle Adaption von Star Wars: A New Hope im gleichen Vokabular verwiesen: https://swanh.net.

 

Mariko Tamaki und Steve Punch: Harley Quinn: Breaking Glass – Jetzt kracht’s!

Harley Quinn in allen Medien! Nachdem der Frühjahrskinofilm trotz wohlgemeinter Ansätze nicht so wirklich aufging überzeugte die neue Harley-Animationsserie mit immer neuen überraschenden Wendungen und Figurenaspekten in konsequent durchgehaltener Cartoon/Comedy-Tonalität. Die alleinstehende Graphic Novel Breaking Glass schlägt einen anderen Weg ein und lässt mit Großmeisterin Mariko Tamaki endlich eine Comic-Gigantin an die Figur, die sie völlig neu erfinden kann – und den Rest von Gotham City gleich mit! Was früher wohl einfach „Elseworld“ genannt worden wäre – Breaking Glass erschien unter DC’s Label „Ink“, heute „Graphic Novels for Young Adults“ – macht schon nach wenigen Seiten vergessen, dass Harley nicht schon immer eine 15jährige Ausreißerin war, die in einem schillernden Drag-Palast voll hinreißender Nebenfiguren erwachsen wird. Nicht nur die Neuinterpretation von („Poison“) Ivy als aufgeklärte Aktivistin, auch Tamakis Abrechnung mit dem Joker machen es fast unmöglich, dieses Figurenensemble noch einmal mit den gleichen Augen zu sehen – oder sich mit weniger komplexen Fassungen zufrieden zu geben! Wer den perfekten Einstieg in etablierte Comic-Topoi für Skeptiker*innen sucht, findet hier ein echtes Juwel.

 

Darcy Van Poelgeests und Ian Bertrams: Little Bird – Der Kampf um Elders Hope

 Little Bird ist die vielleicht merkwürdigste Eisner-Auszeichnung dieses Jahres; zugleich zeitlos und völlig aus der Zeit gefallen mutet dieses Mini-Opus nach einem vergessenen Kult-Comic der 1980er Jahre an. Auf der Handlungsebene haben wir es mit einem dystopischen Regime des „New Vatican“ zu tun, das mit erzkonservativer Rute über ein American Empire wacht! Man kennt, was folgt: Indigene Widerstandskämpfer*innen, genmodifizierte Supersoldaten und grotesker Body Horror. Erzählerisch spielt Szenarist Darcy Van Poelgeests schamlos, und nicht immer nur elegant mit Genreversatzstücken, Pathosformeln, Archetypen, und unverhohlenen Klischees. Doch was Zeichner Ian Bertrams und Kolorist Matt Hollingsworth aus diesen Prämissen hochkochen lassen, muss man selbst gesehen und gelesen haben! Sie setzen nicht nur auf symbolschwere, surreale Verfremdungen, sondern verbinden amerikanische Traditionen (v.A. Geof Darrow, Frank Quitely) auch brillant mit frankobelgischen Phantasmagorien à la Möbius zu einem referenzwürdigen Bilder- und Panelrausch. Das ist Character Design und World Building, wie man sie nur im Comic findet, und auch hier nur selten in dieser Intensität – einzelne Splash Pages und Sequenzen brennen sich geradezu ins visuelle Gedächtnis.

 

Robin-M. Aust

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Ralf König: Frankenstein

Als neuester Band der insgesamt durchweg interessanten und hochkarätig besetzten Grusel-Literaturcomic-Reihe Die Unheimlichen (hrsg. v. Isabell Kreitz) erschien kürzlich Ralf Königs Frankenstein-Adaption – hier treffen sich also zwei Herren, die bereits für sich genommen eine ungemeine Wirkung in der Popkultur bzw. Comicwelt entfalten konnten. Nach einigen insgesamt durchweg guten, teils aber relativ analogen und leider kurzen Literaturadaptionen der Reihe legt König nun ein konzeptuell und inhaltlich ambitioniertes Werk vor: seine sehr freie Transformation fungiert teils als Metatext zu Mary Shelleys Frankenstein-Erzählung. König verzichtet dabei unerwarteter- aber schönerweise auf die typischen, popkulturellen Frankenstein-Horror-Klischees und erzählt stattdessen eine einfühlsame Geschichte von Einsamkeit und Verlust, von der Sehnsucht nach dem perfekten Gegenstück, und zeigt dabei, dass die Triebfeder menschlichen Strebens manchmal einfach nur die Suche nach Liebe ist, selbst wenn diese gegen gesellschaftliche Normen oder eine göttliche Ordnung verstoßen mag.

Nicolas Mahler: Ulysses

Auch Nicolas Mahler fügt seiner eigenen Reihe von Literaturadaptionen einen weiteren Titel hinzu: nach Alice in Sussex, Alte Meister, Der Mann ohne Eigenschaften und Auf der Suche nach der verlorenen Zeit folgt nun mit Ulysses nach James Joyce ein weiteres Schwergewicht der Weltliteratur. Wie auch schon teilweise in früheren Transformationen geht Mahler mit seinen Prätexten ziemlich frei um – was angesichts der Vorlage vermutlich auch nicht anders möglich wäre: Aus Leopold Bloom wird Leopold Wurmb, aus Dublin wird Wien und aus Ulysses wird ein Comic über… ja, nun, über was eigentlich? Dazu müsste ich vermutlich eine genaue Idee haben, worum es überhaupt in Joyces Original geht. Auf jeden Fall geht es in dieser Transformation um Verlorenheit, Monotonie, Alkoholismus und sexuelle Leistungs(un)fähigkeit – nicht ganz untypisch für Mahler-Comics. Konzeptuell greift Mahler hier auf eine Technik zurück, die er bereits ähnlich auch für seine Gedichtbände Dachbodenfund, Solar Plexy und In der Isolierzelle verwendete, die aber auch in gewisser Hinsicht zur referentialistischen Vorlage Ulysses passt: Teile des Text- und Bildmaterials sind aus Werbeanzeigen und Annoncen des Wiener Neuigkeits-Welt-Blatt collagiert. Das hebt einerseits die Skurrilität dieser Anzeigen hervor (und liefert dem Freund von Jahrhundertwende-Kuriosa einiges an Material). Es macht Ulysses (wie schon Alice in Sussex) andererseits, in Kombination mit vielen Cameos bekannter früher Zeitungsstrip-Protagonisten, zu einer schwanengesangesken Hommage an das Massenmedium schlechthin, dessen Zeit nun langsam zu Ende geht: die Zeitung.

Peter Kuper: Kafkaesque. Fourteen Stories

Auch Peter Kuper widmet sich in seiner neuesten Erscheinung einem ›alten Bekannten‹: Nachdem er 2003 bereits eine höchst gelungene und vielschichtige Adaption von Die Verwandlung vorlegte und einzelne Strips zu anderen Erzählungen Kafkas veröffentlichte, folgt nun mit Kafkaesque eine Zusammenstellung von Adaptionen eher kürzerer Kafka-Texte: neben vielen weiteren werden Der Bau, Der Kübelreiter, Ein Hungerkünstler und Vor dem Gesetz auf wenigen, aber eindrücklichen, detailverliebten und symbolisch wie erzählerisch komplexen Seiten ins visuelle übertragen, teils in relativ analogen Adaptionen, teils in stark konzeptuellen Umdeutungen. In der Strafkolonie bekommt dabei den meisten Platz eingeräumt. Die vermutlich interessanteste Transformation nimmt Kuper aber in seiner Variante von Die Bäume vor: in wenigen Bildern deutet Kuper Kafkas Vier-Satz-Erzählung in eine bedrückende hegemonie- und kapitalismuskritische Bilderzählung um – eine Deutungslinie, die sich nicht nur durch die anderen Adaptionen in Kafkaesque zieht, sondern die er auch schon an Die Verwandlung anlegte und die auch sein sonstiges Werk bestimmt.

Online Diskussionsforum Comics Exchange: „Kleine Formate“ am 22.01.

Termin:
22.01.2021 17:00 - 22.01.2021

Einige unserer Leser_innen haben sich sicher schon auf den dritten Teil unser dieses Jahr sehr umfangreichen Leseempfehlungen gefreut. Doch hier gilt es nun, sich noch ein paar Tage länger, bis zum 21.01., zu gedulden, denn im heutigen Post möchten wir dringend noch auf den dritten Termin des Comics-Exchange aufmerksam machen. Dieser findet am 22.01.2021 um 17:00 Uhr via Zoom zum Thema „Kleine Formate“ statt. Es wird um Anmeldung bis zum 20.01. per Email an die Organisator_innen Björn Hochschild bjoern.hochschild[ät]fu-berlin.de und Katharina Serles katharina.serles[ät]oegec.com gebeten.

Der Comics Exchange ist ein digitales Diskussionsforum, das gemeinschaftlich von der AG Comicforschung der GfM, dem Berliner Comic-Kolloquium und der Österreichischen Gesellschaft für Commicforschung und -vermittlung (OeGeC) ausgerichtet wird. Es handelt sich um ein niedrigschwelliges Format, in dessen Rahmen kurze Impulsvorträge gehalten und deren Themen anschließend im Plenum diskutiert werden. Auch mehrere ComFor Mitglieder_ sind wieder mit dabei.

Programm:

  • Lea Hübner präsentiert Die Hundert-Prozent-Quote von Illi Anna Heger
  • Lukas R. Wilde präsentiert Erzählmirnix-Strips von Nadja Hermann
  • Renate Mowlam präsentiert Auszüge ihren eigenen Comics aus 1–4 Panels
  • Bernhard Frena präsentiert Variationen auf einen Strip aus The House of Mystery No. 178
  • Véronique Sina präsentiert BÜLP 2W-Comics (SET M) von Chris Ware, Nicolas Robel und Philippe Petit-Roulet
  • Sibylle Vogel präsentiert die KABINETT-Hefte & -Automaten