Sprache:
  • Deutsch
  • English

Workshop „Translating Comics“

Termin:
10.04.2026 09:00 - 11.04.2026

Translating Comics: Between Bubbles, Cultures, and Constraints in East Asia

An international hybrid workshop organized by Marie Laureillard (Paris Nanterre) and ComFor-member Jaqueline Berndt (Stockholm) (CRPM & Asie-Sorbonne Association), and assisted by Wenlan Xiang.

 

 

Contact: mlaureil@parisnanterre.fr

Held in English in a hybrid format. For online attendance, please preregister with Jaqueline Berndt, indicating your name, affiliation, and field of specialization: jberndt@su.se

As a hybrid form that merges text and image, comics offer a particularly stimulating field of inquiry for translators and translation scholars. This international workshop aims to explore the specific challenges of comics translation by focusing on translations from or into Chinese, Japanese, and Korean (manhua and lianhuanhua, manga, manhwa, and webtoons). It seeks to contribute not only to Translation Studies through comics but also to Comics Studies through translation, with an emphasis on East Asia. While the first day foregrounds the intersection of text and paratext, publication formats and editorial management, the second day addresses broader issues pertaining to multimodal, intermedial, and intercultural adaptation.

PROGRAM

Friday, 10 April 2026
Conference rooms – Max Weber Building, University of Paris Nanterre
(200 avenue de la République, 92000 Nanterre)

9:00 Opening Address

9:10–9:45 Antonio Paoliello-Palermo (Barcelona): Translating Sinophone Comics: The Role of Translators’ Notes in Italian Editions
9:50–10:25 Paula Martínez Sirés (Tokyo): Prefaces, Afterwords, and Cultural Mediation: The Role of Manga Translators in Spain’s Early Manga Reception [ONLINE — JST (+7h)]
10:30–11:05 Martina Caschera (Bergamo): Translating “Chinese comics”: two case studies from the Italian context [ONLINE — CET]
11:10–11:45 Asuka Ozumi (Turin): Making the Translator Visible: Notes and Paratext in Italian Manga Translation
11:50–12:25 Blanche Delaborde (Fukuoka): Translating Gender and Queerness: Around Boys Run The Riot [ONLINE — JST (+7h)]

Short lunch break (via catering in the lobby)

13:10–13:45 Dalma Kálovics (Kyoto): From foreignization to domestication—Korean comics in Japan [ONLINE — KST (+7h)]
13:50–14:25 Bounthavy Suvilay (London): Editorial strategies for material domestication: history of the first manga translations in France (1970–2000) [ONLINE — GMT (-1h)]
14:30–15:05 Giovanni Stigliano Messuti (Tokyo): How did it end up there? Editorial solutions to linguistic and visual extravagance in the collected works of Hanawa Kazuichi (1972–1980) [ONLINE — JST (+7h)]
15:10–15:45 Alba Quintairos-Soliño (Zaragoza): Shaping the Idea of Manga through Translation: The Case of Editorial Decisions in Spain

Saturday, 11 April 2026
Walter Benjamin Room, National Institute of Art History (INHA)
(2 rue Vivienne, 75002 Paris)

9:00–9:35 Yoon-Jung Do (Incheon): A Study on the Translation Patterns of Characters in Images within Graphic Novels: Focusing on Works Translated Between Korea and France [ONLINE — KST (+7h)]
9:40–10:15 Daryna Morhun (Kyiv): Negotiating Word, Image, and Culture: Intermedial Challenges in Manhua Translation
10:20–10:55 Nick Stember (London): Soldiers, Citizens, and Compatriots: Bo Yang’s Contentious Localization of Popeye
11:00–11:35 Yangjie Zhao (Paris): Translating Marginal Women: French Mediation of Rural Chinese Lives in Ma Maman and Le Printemps prochain
11:40–12:15 Inkyeong Chung (Philadelphia/Zürich): Beyond Untranslatability: ‘Che’ (체) as a Linguistic–Visual Register in Korean Comic Translation

Short lunch break

13:00–13:35 Dana Iacob (Cluj-Napoca): Ethics of Translating Darkness: Moral Ambiguity and Translator Responsibility in Dark Fantasy Manga
13:40–14:15 Sangi Yi (Seoul): Translating Voice and Performance in the Korean Webtoon 정년 이 (Jeongnyeon): Constraints and Possibilities in the Japanese Context [ONLINE – KST (+7h)]
14:20–14:55 Olga Bobrowska (Kraków): Adaptation as Ideological Practice. The Case of a Puppet Animated Film Rooster Crows at Midnight (Banye ji jiao, 1964, dir. You Lei)
15:00–15:35 Mariia Guleva (Prague): A featherless bird that flew internationally: a case study of a 1956 manhua and a 1960 diafilm
15:40–16:15 Lena Henningsen (Heidelberg): Adaptation and Transmediation

Organizer’s page

Abstracts and Bios of all participants

„Terrain de Je: Comic, Autobiografie und Autofiktion“ von Marie Schröer erschienen!

Terrain de Je: Comic, Autobiografie und AutofiktionTerrain de Je: Comic, Autobiografie und Autofiktion

Marie Schröer

Christian A. Bachmann Verlag
2025
318 Seiten
€ 39,90
ISBN 978-3-96234-097-1

Ankündigungstext:
„Roland Barthes nennt seinen autobiografischen Avatar ein ‚Je de Papier‘; der Comicautor Killoffer bezeichnet den Comic als ein ‚Terrain de Jeu‘. Wo beides zusammentrifft, entsteht ein ‚Terrain de Je‘: ein Raum, in dem Zeichnende mit Identitätskonzepten experimentieren und zugleich intime Selbstbilder inszenieren. Diese Studie verfolgt die Linien von der Autorepräsentation zur Autobiografie und Autofiktion, seziert das Konzept Graphic Novel und denkt den klassischen Bildungsroman neu. Vorgeschlagen wird als Pendant zum autobiografischen ein autofiktionaler Pakt, der die Autofiktion als Lesefigur fasst. Anhand von Close Readings – von Claire Bretécher über Justin Green bis Fabrice Neaud – zeigt sich, wie Comics autobiografische Verfahren aufnehmen, variieren und unterlaufen, ohne sich je vollständig in einem Genre fassen zu lassen.“

Weiter zur Verlagsseite

Bericht Netzwerk „Comics in Bibliotheken“, DFG-Rundgespräch Februar 2025

Bericht Netzwerk "Comics in Bibliotheken", DFG-Rundgespräch Februar 2025Im Herbst 2023 trafen sich erstmals verschiedene Vertreter:innen wissenschaftlicher Comicsammlungen zwecks Austausch und Vernetzung zu einem virtuellen Gespräch. Anlass war die Anfrage von Kolleg:innen aus Bielefeld, die mit einer großen Schenkung von Comic-Dubletten aus dem Frankfurter Comic-Archiv vor einem Berg bibliothekarischer Probleme standen. Während der Anlass also akut war, stand die Idee, Comics sammelnde Einrichtungen an Universitäten an einen Tisch zu bringen, bereits schon länger im Raum. Konkret wurden diese Fragen, als Matthias Harbeck und Felix Giesa gemeinsam an einem Beitrag zu Ressourcen für das Handbuch Comicforschung gearbeitet haben. Bekannt sind zwar die Einrichtungen, die Ralf Palandt vor vielen Jahren auf der Webseite der ComFor vorgestellt hat und auch deren Nutzungsmodalitäten. Jedoch gibt es darüber hinaus auch eine Vielzahl, teils hochspezialisierter Einrichtungen, die oft nur in kleinen Arbeitskontexten bekannt sind. Deren Status, die Nutzungsmodalitäten und -möglichkeiten für den Beitrag zu erarbeiten, stellte sich immer wieder als Augenöffner heraus: „Das gibt es? Das haben wir? Warum hat man davon noch nie gehört?“ Das sahen auch alle anderen so und so fand die Idee eines ersten Austauschs breites Interesse.

Der Inhalt dieses ersten Termins war sehr disparat, was aufgrund der unterschiedlichen Situationen in den diversen Sammlungen auch nicht anders zu erwarten war. Jede Sammlung hat eben so ihre eigenen Baustellen. Die größten sind dabei für alle, nicht zwingend in dieser Reihenfolge: Erschließung, Platz, Personal. Der Austausch wurde rundum positiv bewertet und so wurden weitere Treffen und der Gang in die Öffentlichkeit beschlossen. Für den Bibliothekskongress BiblioCon im Sommer 2024 wurde vereinbart, ein Panel und eine öffentliche Arbeitssitzung zu beantragen. Erfreulicherweise wurden alle Vorschläge angenommen und so konnten wir Anfang Juni in Hamburg erstmals persönlich zusammenkommen. Inhaltlich wurden dabei zum einen die grundsätzlichen Probleme des Sammelns von Comics diachron und synchron vorgestellt sowie anhand der Sammlungen des Ibero-Amerikanischen Instituts in Berlin (IAI)sowie des Frankfurter Comic-Archivs konkretisiert . Auch hier war der Zulauf und -spruch außerordentlich positiv. Insbesondere bei den Vorträgen konnte man sich fühlen wie bei Einführungsseminaren in den 2000er Jahren – das Publikum saß auf den Gängen und stand an den Fenstern.

Bericht Netzwerk "Comics in Bibliotheken", DFG-Rundgespräch Februar 2025Positiv bestärkt durch diesen Erfolg, wurde beschlossen, die gemeinsame Arbeit weiter zu intensivieren. Konkret wurde ein DFG-Rundgespräch für das Frühjahr 2025 in Frankfurt beantragt – und erfreulicherweise auch genehmigt. Die Idee für das Rundgespräch. das am 20. Februar 2025 stattfinden konnte, bestand vor allem darin, neben den sammelnden Einrichtungen auch Vertreter:innen aus der Forschungscommunity einzuladen, um gemeinsam Bedarfe zu klären und Desiderate zu katalogisieren. Das Ergebnis möchten wir hier dokumentieren und damit auch zur weiteren Diskussion stellen:

  1. Sammelprofile/Profilabsprachen: Es wird die Idee eines Konsortiums mit verbindlicher Vernetzung und jährlichen Treffen diskutiert. Absprachen zu Sammler:innenbibliotheken und Nachlässen (wer ist wofür zuständig, etc.) sollen hier koordiniert werden und als Kontaktstelle nach außen wirken. Konkret will man sich nach dem Vorbild Kalliope darum bemühen, Bestandsdatensätze anzulegen und einen breiten Einstieg für alle Nutzenden zu erreichen. Perspektivisch soll der Kreis der Teilnehmenden zukünftig um die Museen wegen der Expertise zu Originalzeichnungen erweitert werden.
  2. Nachweis/Auffindbarkeit: Es wird der Wunsch/Auftrag formuliert, einen Atlas/eine Landkarte zu erstellen, wo sich Comicsammlungen überhaupt befinden. Dies soll systematisch national, europäisch und global in sukzessiven Schritten gedacht werden. Der Vorgang soll bottom up durchgeführt werden und grundständige Informationen zu allen Sammlungen enthalten. In Abstimmung mit der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) könnte das Mapping auf der Homepage der Gesellschaft verankert werden. Auch soll eine Verzahnung mit der Wikipedia überlegt werden. Zu beachten ist dabei die Pflege/Nachhaltigkeit solcher Kartierungen und Verzeichnungen.
    Es wird auch auf die Verlagsarchive hingewiesen, die zum Teil ihre Bestände einfach entsorgt hätten, weil weder sie noch die Archiv-/Bibliothekswelt hier an eine Konservierung gedacht hätten (Beispiel Bastei). Das zu bildende Konsortium (siehe 1.) müsste aber auch transparent machen, welche Einrichtungen überhaupt solche Bestände aufnehmen könnten/würden.
    Neben dem Wunsch einer größeren Sichtbarkeit von Comicbeständen, besteht weiterhin ein zentrales Interesse, wissenschaftliche Texte und Personen für den weiteren Forschungsdiskurs sichtbar zu machen. Ermöglicht würde dies, indem bereits Masterarbeiten, Hochschulschriften und deren Autorschaften in das bekannte und bestehende Forschendennetzwerk aufgenommen würden.
  3. Erschließung: Genreerschließung ist derzeit in der Gemeinsamen Normdatei gar nicht geregelt, das Desiderat aber bekannt. Da wenig Vorgaben gemacht werden können, aber der Wunsch da ist, die Bestände der Primärliteratur filterbar und sichtbar zu machen, wird der deutliche Wunsch zu Protokoll gegeben, dass das Pflichtfeld „Art des Inhalts“ konsequent mit „Comic“ zu belegen sei, auch sei es hilfreich, Notationen aus dem Bereich „Comics und Comicforschung“ der Regensburger Verbundklassifikation zu vergeben, da hier zumindest Region und Erscheinungsform klar filterbar seien. Es gibt aber auch alternative Wege, diese Informationen zu erschließen, wie das Beispiel des IAI (geografische Ländercodes und Klassifikationsangabe in der Bibliothekssoftware PICA) zeigt.
    Eine weitere Empfehlung der Formalerschließung wäre, alle beteiligten Personen als Normdaten zu erschließen. Dies ist derzeit nicht Pflicht und auch keine flächendeckende Praxis und erhöht auch den Erschließungsaufwand erheblich. Für einen potentiellen gemeinsamen Nachweis über ein zusammenspielbares Portal wäre am besten der GVI-Index abzugreifen. Der geäußerte Wunsch, Gebrauchsspuren zu verzeichnen, wird schwer flächendeckend umzusetzen sein, da solche nur auf der Exemplarebene verzeichnet werden können. Dies würde wohl nur bei geschlossenen Sammlungen gemacht werden, die Verzeichnung solcher Spuren stellte quasi Forschungsdaten dar. Üblich und halbwegs bewältigbar in der bibliothekarischen Erschließungspraxis sind wohl eher klassische Provenienzangaben und die Verzeichnung von Widmungen und Signierungen. Die tiefe Erschließung wird in der Runde auch als Teil der Forschendenleistung gesehen – nicht alles sei durch die Gedächtnisinstitutionen leistbar.
  4. Zugänglichkeit/Digitalisierung: Auch in dieser Arbeitsgruppe wird eine Kartierung für notwendig erachtet, auch von Lehrschwerpunkten (auch das Auflisten von Abschlussarbeiten wird als wünschenswert betrachtet). Für den Bereich Digitalisierung wurde über On-Demand-Konzepte nachgedacht – Anfragen nach Schwerpunkten (auch dafür ist die Kartierung notwendig). Um Probleme des Rechtemanagements zu umgehen, wird auf Lösungsmodelle wie den Digitalen Lesesaal verwiesen: Eine Rollenverteilung und Befristung im Fernzugriff oder ein offline-stand-alone-Rechner in der Bibliothek sind hier mögliche Mittel der Wahl. Hier seien auch noch mal die Konzepte der Onleihe in den Öffentlichen Bibliotheken auf Nachnutzbarkeit zu prüfen. Es wird in diesem Zusammenhang hervorgehoben, dass eine „normale“ Universitätsbibliothek keinen Archivierungsauftrag für ihren Bestand hat (Pflichtexemplare und Sondersammlungen, z. B. solche, die von den DFG-geförderten Fachinformationsdiensten aufgebaut werden, ausgenommen). In diesem Zusammenhang müsste für den Erhalt und Ausbau der Sammlung mit Forschungs- und Lehrnachfrage argumentiert werden.
    Insgesamt solle die Fancommunity besser eingebunden werden (und das Wissen über Ressourcen aus der Fancommunity – Fandatenbanken etc. – bei den Gedächtnisinstitutionen verbessert werden). Es müsse aber auch der Erhalt von Fandatenbanken z.B. durch Datenabzug gesichert werden.

Bericht Netzwerk "Comics in Bibliotheken", DFG-Rundgespräch Februar 2025Nicht adressiert wurden die ebenfalls genannten Probleme der mangelnden Stellflächen und der mangelnden finanziellen Ressourcen – sowohl für den Erwerb und Erhalt als auch für Personalkapazitäten in der Erschließung. Die grundsätzliche Frage, ob eine Abstimmung zwischen den Akteur:innen, der konzertierte Aufbau von Sammlungen und gemeinsame Bestrebungen der verbesserten Sichtbar- und Zugänglichkeit von Sammlungen überhaupt notwendig seien, wird dadurch beantwortet, dass fast alle Comicforschenden derzeit entweder selbst Sammlungen zu ihrem Forschungsgegenstand aufbauen müssen oder Forschungsreisen zu den weit besser sichtbaren internationalen Sammlungen in Frankreich, Belgien und den USA unternehmen müssen. Als Konsequenz daraus wird eine stark auf wenige Titel eingeschränkte Auseinandersetzung mit Comics sowie eine in Teilen unmögliche historische Comicforschung gesehen, die als klarer Standortnachteil für Comicforschung im deutschsprachigen Raum gewertet wurde.

Fazit / Arbeitsauftrag / Ausblick

  1. Es besteht der dringende Wunsch, in der Runde regelmäßig zum Austausch zusammenzukommen.
  2. Auf der BiblioCon 2025 gab es erneut ein Panel zu Comics in Bibliotheken, sodass zumindest das Netzwerk Comics in Bibliotheken bei dieser Gelegenheit wieder in Teilen zusammenkam und den Austausch pflegen konnte, für die BiblioCon 2026 wurden wieder Einreichungen für ein gemeinsames Panel koordiniert.
  3. Eine erweiterte Abstimmung mit Akteur:innen auf europäischer Ebene und auch darüber hinaus soll ebenfalls mittelfristig für zukünftige Treffen in den Blick genommen werden.
  4. Zur Bildung des über das Netzwerk hinausgehenden Konsortiums von Forschung und Infrastrukturen sollen Interessenbekundungen eingeholt werden, dieser Kreis wird in die künftige Kommunikation weiter eingebunden.
  5. Die Kartierung soll mittelfristig durch das Netzwerk Comics in Bibliotheken und die ComFor erfolgen. Hierfür steht die Bildung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe im Raum.
  6. Auf der Grundlage der Diskussionen wird ein Maßnahmenkatalog für die Verbesserung der infrastrukturellen Bereitstellung von Comics für die Forschung formuliert werden.

Als erstes konkretes Ergebnis dieser Diskussionen ist eine Wikipedia-Seite entstanden, auf der die Comic-Sammlungen in wissenschaftlichen Bibliotheken kartiert sind. Die BiblioCon-Aktivitäten 2025 in Bremen mit einem Schwerpunkt auf digitaler Infrastruktur und die jetzigen Einreichungen für die BiblioCon 2026 in Berlin belegen das konstante Interesse aus den Sammlungen, die Themenfelder in die bibliothekarische Öffentlichkeit zu tragen. Für die Kommunikation im Netzwerk wurden verschiedene Kanäle diskutiert, aber aufgrund der Ressourcenknappheit als nicht realistisch durchführbar verworfen. Dass wir nun die Möglichkeit haben, über die Webseite der ComFor zu senden, ist das logisches Ergebnis der bisherigen Diskussionen: Als sammelnde Einrichtungen sind wir nur so relevant, wie wir der Forschung zuarbeiten können – und dafür müssen wir im Austausch sein.

Die zukünftige Arbeit findet weiterhin in Form von virtuellen Treffen statt. Die bestehende Arbeitsgruppe freut sich immer über neue Teilnehmende und am Gegenstand Interessierte und lädt hiermit zur Mitarbeit über sammlungs-netzwerk@comicgesellschaft ein!

Beteiligte Rundgespräch:

Sammelnde Einrichtungen:

Arbeitsstelle für Graphische Literatur
Bonner Online Bibliographie
Comic-Archiv, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt am Main
Ibero-Amerikanisches Institut – Preußischer Kulturbesitz
Literaturarchiv Marbach
Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen)
schauraum comic + cartoon Dortmund
Staatsbibliothek zu Berlin
Universitätsbibliothek Bielefeld
Universitätsbibliothek FU Berlin, Fachbibliothek Nordamerikastudien

Fachinformationsdienste:

Fachinformationsdienst Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Fachinformationsdienst Anglo-American-Culture
Fachinformationsdienst Asien/CrossAsia
Fachinformationsdienst für die Medien-, Kommunikations- und Filmwissenschaft

Forschungsinstitutionen:

AG Comicforschung in der Gesellschaft für Medienwissenschaften
Berliner Comic Kolloquium
Comicforschung am Rhein
Gesellschaft für Comicforschung

Redaktion Netzwerk (sammlungs-netzwerk@comicgesellschaft):

Dorothea Schuller, FID Anglo-American Culture, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (schuller@sub.uni-goettingen.de)
Felix Giesa, Comic-Archiv, Institut für Jugendbuchforschung, Goethe-Universität Frankfurt am Main (giesa@em.uni-frankfurt.de)
Gabriele Pendorf, Fachreferentin UB Bielefeld (gabriele.pendorf@uni-bielefeld.de)
Leonore Sell, FID Anglo-American Culture, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (sell@sub.uni-goettingen.de)
Markus Trapp, FID Romanistik, SUB Hamburg (markus.trapp@sub.uni-hamburg.de)
Matthias Harbeck, FID Sozial- und Kulturantrhopologie (matthias.harbeck@ub.hu-berlin.de)
Sophia Gloe, schauraum comic + cartoon (sgloe@stadtdo.de)

„Handbuch Comicforschung“ erschienen!

Handbuch ComicforschungHandbuch Comicforschung

Christian A. Bachmann, Juliane Blank, Stephan Packard und Janina Wildfeuer (Hg.)

De Gruyter
2025
646 Seiten
ISBN 978-3-1106-2318-5

Ankündigungstext:
„In 37 Kapiteln präsentiert das Handbuch Comicforschung Überblicke und Zugänge zu den zentralen Konzepten, Traditionen, Methoden, aber auch Inhalten der wissenschaftlichen Arbeit über Comics, Graphic Novels, Manga und andere Formen sequenziellen graphischen Erzählens. Das junge, aber inzwischen dennoch etablierte transdisziplinäre Forschungsgebiet wird von renommierten Beiträger:innen erschlossen: in Kapiteln zur Comicforschung in verschiedenen akademischen Fächern, zu Traditionen der Kunstform in einer Vielzahl von Kulturen und Sprachen, zu methodischen Zugängen, besonderen Gegenständen und Perspektiven sowie zur Geschichte der Comics im wissenschaftlichen und im öffentlichen Diskurs werden Konzepte erklärt, Forschungsstände zusammengefasst und offene Fragen und Desiderata zur Diskussion gestellt.“

Mit Beiträgen in fünf breiten Sektionen zu Disziplinen, Ausgewählten Comictraditionen, Zugängen, Gegenständen und Perspektiven sowie Forschungs- und Vermittlungsgeschichte von u.a. Juliane Blank, Stephan Packard, Markus Engelns, Ulrike Preußer, Nina Eckhoff-Heindl, Lukas R.A. Wilde, Jörn Ahrens, Jochen Ecke, Brett Sterling, Marie Schröer, Jaqueline Bendt, Karen Struve, Renata Makarska, Marina Rauchenbacher, Katharina Serles, Johannes C.P. Babbe, Ole Frahm, Jan-Noël Thon, Daniel Stein, Barbara M. Eggert, Christine Gundermann, Dietrich Grünewald, Arno Meteling, Susanne Schwertfeger, Felix Giesa und Matthias Harbeck.

Zur Verlagsseite

AUSLOBUNG DES MARTIN SCHÜWER-PUBLIKATIONSPREISES 2026

Call for Nominations:
Martin Schüwer-Publikationspreis für herausragende Comicforschung 2026

 

Förderpreis, ausgeschrieben von der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) sowie der AG Comicforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM)

Die Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) und die AG Comicforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) loben für 2026 zum achten Mal den Martin Schüwer-Publikationspreis für herausragende Comicforschung aus. Der Preis wird seit 2019 jährlich verliehen. Er fördert Wissenschaftler_innen, die, unabhängig von ihrem Lebensalter, noch keine unbefristete akademische Anstellung innehaben. Mit der Auszeichnung herausragender Veröffentlichungen aus dem Bereich der interdisziplinären Comicforschung soll der Publikationspreis zur nachhaltigen Sichtbarmachung, Förderung und Vermittlung comicbezogener Forschungsarbeit beitragen.

Der Preis ist nach dem 2013 viel zu früh verstorbenen Anglisten und Comicforscher Martin Schüwer benannt. Seine vor 18 Jahren erschienene Dissertation Wie Comics erzählen (2008) hat Neuland für die narratologische Comicforschung erschlossen und ist zu einem Standardwerk der deutschsprachigen Comicforschung geworden. Mit dieser und seinen weiteren Arbeiten zu Comics sowie zur Didaktik der englischsprachigen Literatur hat Martin Schüwer Maßstäbe für die Exzellenz, die Zugänglichkeit und die Reichweite gesetzt, die Publikationen in unseren Fächern erreichen können. Als Comicforscher wie als Mensch zeichnete er sich durch seine interessierte und offene Art im Umgang mit anderen aus. Gemeinsam, im Austausch und im Abgleich mit anderen wollte er sein Fach weiterbringen. Diesen Zielen widmen wir den Preis in seinem Namen.

Einreichung und Nominierungen:

Zur Nominierung angenommen werden bereits publizierte Beiträge von Artikel- oder Kapitellänge. Sie können als Artikel in Sammelbänden oder Zeitschriften, als Kapitel in längeren Monografien, aber auch als Essays und andere Textformen ähnlicher Länge erschienen sein. Die eingereichten bzw. nominierten Texte können von einem_einer oder mehreren Autor_innen verfasst worden sein. Alle Verfasser_innen dürfen zum Zeitpunkt der Nominierung noch keine unbefristete akademische Anstellung innehaben.

Beiträge, die für den Martin Schüwer-Preis 2026 nominiert werden, müssen zwischen dem 1. Januar 2024 und dem 31. Dezember 2025 in deutscher oder englischer Sprache publiziert worden sein. Noch im Druck befindliche oder erst zur Publikation angenommene Texte können nicht berücksichtigt werden. Wiederholte Einreichungen sind nicht möglich. Ebenfalls ausgeschlossen sind ganze Monografien und unveröffentlichte Qualifikationsschriften. Die Herausgeber_innenschaft von Sammelbänden oder Zeitschriftenausgaben ist nicht nominierungsfähig, wohl aber einzelne Beiträge in diesen Sammlungen.

Die Nominierung umfasst den nominierten Text und eine kurze Begründung (300–500 Wörter). Selbstnominierungen sind möglich und sehr erwünscht, die Jury möchte aber auch besonders zu Fremdnominierungen beeindruckender Texte aufrufen. Deadline für alle Einreichungen ist der 30. April 2026. Bitte senden Sie Ihre Nominierungen als ein vollständiges PDF an schuewer-preis@comicgesellschaft.de.

Preis und Preisvergabe:

Die offizielle Verkündung des_der Preisträger_in erfolgt im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (online; noch nicht bekanntgegeben). Die Preisverleihung mit einem eingeladenen Vortrag des_der Preisträger_in findet im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Comicforschung (30.09.–02.10.2026, Justus-Liebig-Universität Gießen) statt. Der_die Preisträger_in erhält außerdem die auf 700 € dotierte Preissumme, zahlt ein Jahr lang keinen Mitgliedsbeitrag bei der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) und wird zum Ehrenmitglied der ComFor auf Lebenszeit.

Ausschreibung als Pdf

„Comics in Bildungskontexten“ erschienen!

Comics in Bildungskontexten:
Entwicklungen, Diskurse, Praxis

Sylvia Kesper-Biermann und Anna Strunk (Hg.)
Klinkhardt Verlag
2025
148 Seiten
Open Access
ISBN 978-3-7815-2746-1

Ankündigungstext:
„Der Band gibt neue Einblicke in die historische und aktuelle Rolle von Comics in Bildungskontexten, insbesondere in die vielschichtigen Ansätze, die in Forschung, (Hochschul-)Lehre und künstlerischer Praxis verfolgt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Entwicklungen von der Vorgeschichte bis zum 21. Jahrhundert, den damit verbundenen (pädagogischen) Diskursen sowie verschiedenen Ebenen der Praxis einschließlich des Erstellens eigener Comics und deren Einsatz in unterschiedlichen Bildungssettings. Die Beiträge beleuchten das Bildungsmedium Comic aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven und können somit als Auftakt für eine bildungshistorische und erziehungswissenschaftliche Auseinandersetzung dienen, die über die konkrete (fach-)didaktische Anwendung des Mediums hinausgeht und Impulse für weiterführende Forschungen liefert.“

Beiträge:

Sylvia Kesper-Biermann und Anna Strunk:
Comics in Bildungskontexten: Entwicklungen, Diskurse, Praxis. Zur Einführung

Ingrid Lohmann:
Zur Vorgeschichte von Comics als Bildungsmedien

Anna Strunk:
„Kulturpessimisten“ gegen „Micky Maus-Fortschrittsgläubige“? Der Wandel der Debatte um Comics als Bildungsmedien in der Zeitschrift Jugendschriften-Warte in den 1970er Jahren

Sylvia Kesper-Biermann:
Aufklärung mit „pädagogischem Touch“. Friedrich Karl Waechters Anti-Struwwelpeter

Tilman Grammes:
Marion unterwegs. Ein entwicklungspolitischer Lehrcomic im Gesellschaftslehreunterricht (1979) zwischen direktem Ansatz und Reflexion visueller Kommunikation

Heike Elisabeth Jüngst:
Die Quer-Comics: Die 1980er und ihre Ideale

Eva Matthes und Ann-Kathrin Mehwald:
Comics in didaktischen Kontexten – notwendige Unterscheidungen 

Yvonne Al-Taie und Susanne Schwertfeger:
Multimediales Erzählen in einer Welt der Krisen. Comics in der antisemitismus- und rassismuskritischen sowie diversitätssensiblen Hochschullehre

Jens Natter:
Über die Gestaltung von Historiencomics anhand des Beispiels 

Zur Verlagsseite
Zum Volltext als Pdf

ComFor-Leseempfehlungen 2025

Auch in diesem Jahr wünscht die Gesellschaft für Comicforschung all ihren Leser*innen  und Freund*innen einen guten Start ins neue Jahr 2026 und präsentiert zu diesem Anlass wieder aktuelle Leseempfehlungen von Comicforscher*innen, die wir zum Jahresabschluss gesammelt haben. (Die Leseempfehlungen der letzten Jahre finden sich hier) Viele unserer Mitglieder haben uns dafür erneut ganz subjektive Lektüretipps geschickt, die aus den vergangenen zwölf Monaten im Gedächtnis geblieben sind – aus welchen Gründen auch immer.

Wie jedes Jahr: viel Vergügen bei unserer höchst subjektiven Retrospektive auf 2025, angenehme Feiertage und einen guten Rutsch, im Namen der ComFor-Redaktion und des Vorstands.

Jörn Ahrens

Kultursoziologe, Justus Liebig Universität Giessen

Romain Renard, übersetzt von Anne Bergen: Wiedersehen mit Comanche (Splitter)

Wiedersehen mit ComancheEin Spätwestern. Eine Hommage. Eine Interpretation. Romain Renard, der in Deutschland vor Jahren mit seinen zwei Bänden Melville hervorgetreten ist, imaginiert das Ende einer Geschichte. Die Figuren aus Hermann und Gregs klassischer Western-Serie Comanche nimmt er auf und übersetzt sie in ein Setting im Jahr 1932, aber die Jahreszahl erfährt man nur beiläufig, aufgedruckt auf einer Pulpnovel über den Wilden Westen. Der gealterte Red Dust lebt versteckt in Kalifornien, wird aber aufgespürt von einer jungen, schwangeren Frau, die sich als Journalistin ausgibt und ihn schließlich überredet, mit ihr zurück nach Wyoming auf die 666 Ranch zu fahren, um dort Comanche zu treffen und Zeugnis abzulegen über jene Old Times, als der Westen noch wild war. Am Ende trifft Red Dust nicht auf Comanche, sondern auf seine Nemesis in Gestalt der Familie Dobbs. Noch einmal muß er einen großen Shoot Out ausfechten und abermals verschwinden, denn noch immer sucht ihn die Polizei. Renard erzählt diese Geschichte mit großer Lakonie und in schönen, in schwarz, weiß und grau gehaltenen Bildern. Wie schon bei Hermann und Greg taucht Comanche im ganzen Comic nicht auf, sondern reduziert sich auf die Nennung im Titel des Bandes, was an sich schon eine clevere Hommage an die Serie ist. Dafür wird Red Dust eine komplexe Frauenfigur gegenübergestellt. Der Bilderfluß selbst, in dieser Zeit einer sich endgültig durchsetzenden industriellen Moderne, die nun auch die 666 erreicht, wird immer wieder unterbrochen durch Bildreminiszenzen an eine dystopisch gescheiterte Moderne. Über allem schweben die Sonette Shakespeares.

José Munoz und Carlos Sampayo, übersetzt von Myriam Alfano: Joe’s Bar (Avant Verlag)

Joe’s Bar

Kontinuierlich macht sich der Berliner avant-verlag um Gesamtausgaben von Sternstunden der Comic-Kunst verdient; so auch diejenige der Serie Joe’s Bar von den Argentiniern Munoz und Sampayo, die von 1978-1985 im französischen Magazin (À Suivre) erschien. Dreh- und Angelpunkt der Geschichten ist eine Bar in New York, eine Kaschemme, ein Treffpunkt für alle und keinen. Hier fischen die Autoren ihre Figuren aus der Masse der Barbesucher heraus, die in allen möglichen Couleurs, sozialen Schichten und subkulturellen Hintergründen in der Bar aufeinander treffen. Das ist zum einen eine in den Stories jeweils ungemein pointierte Sozialkritik, die ihre Figuren zu Typen, Allegorien, Experimentalanlagen verdichtet. Das ist zum anderen aber vor allem auch ganz große, nach wie vor ziemlich unerreichte Kunst. Während die Seitenanlage nicht sonderlich von der Konvention untereinander verlaufender Strips abweicht, die lediglich in der Höhe variieren, warten die Panels mit einer nahezu einzigartigen expressionistischen Ästhetik im Comic auf. Solche Figuren hat man zuvor nicht gesehen, wird sie so auch nicht wieder zu Gesicht bekommen. In die Groteske überzeichnete, zugleich ungeheuer pointierte Gesichter und Typen und den Moden und Stilen der Zeit extrem genau abgeschaute Accessoires und, bei aller Abstraktion, peinlich genau recherchierte Hintergründe eines zu jener Zeit exotistisch pittoresk heruntergekommenen New York. Die Hauptstadt der Welt, ein Krisenherd. Die Ästhetik in harten, gerade im Einsatz von Schwarz immer wieder stark flächigen schwarz-weiß Kontrasten bleibt zeitlos spektakulär. Eine Augenweide.

Manfred Sommer, übersetzt von Maximilian Lenz: Frank Cappa, Gesamtausgabe (Avant Verlag)

Frank Cappa

In einer weiteren, verdienstvollen Edition legt der avant-verlag eine Gesamtausgabe der Serie des Spaniers Manfred Sommer über den Kriegsreporter Frank Cappa vor, dessen Name in Anlehnung an Robert Capa Programm ist. An wechselnden Schauplätzen, die teils fiktiv teils authentisch sind, legt Cappa Zeugnis von den Greueln des Krieges ab. Ob dieser auch immer sinnlos ist, bleibt zuweilen dahingestellt, denn Cappa ist selbst, und das macht die Serie sympathisch komplex, nicht normativ positioniert. Seine an Hugo Pratts Corto Maltese erinnernde Lakonie (dessen Ironie ihm allerdings komplett abgeht) gegenüber dem Geschehen, das er dokumentiert, befähigt Cappa, die Perspektiven aller Protagonisten nachzuvollziehen, denen er begegnet. Das macht die Lektüre nicht immer leichter, aber in jedem Fall anregender als die Bereitstellung festgefügter Positionierungen, die sich moralisch sicher sein können. Cappas (und Sommers) Botschaft ist, daß es diese Sicherheit nicht gibt. Zu einer Generation spanischer Zeichner gehörend, die mit dem Ende der Diktatur Mitte der 1970er Jahre aufgebrochen ist, neue Inhalte und Ästhetiken zu erschließen, kommt er ebenso nah an Pratt heran wie an Caniff. Die Kunst der Pointierung beherrscht er ebenso wie die Abstraktion. Sommer, dessen Werk viel zu wenig beachtet geblieben ist, ist ein großer Meister im Umgang mit schwarz-weiß. Demgegenüber fallen die allzu gefällig im Stil der spanischen Comics der Zeit eingetuschten, farbigen Stories sichtbar ab. Die chronologisch vorgehende Ausgabe schließt eine editorische Lücke.

***

Ole Frahm

Comicforscher, Arbeitsstelle für Graphische Literatur (ArGL) Hamburg

Ilan Manouach: Tarwar (Nero Press) / Emiolio López-Menchero: Théorie des bulles (La Lettre Volée)

Tarwar / Théorie des Bulles

Diese zwei Bände sind ein vergnügliches Muss für alle Freund*innen der Comic-Form. Beide haben keine erzählbare Handlung, sondern reflektieren das Funktionieren der Comics und bleiben, anders als manch wissenschaftliche Auseinandersetzung, unterhaltsam. López-Mencheros Hauptfigur ist die Sprechblase, die auf nicht weniger als 101 Seiten die verschiedensten Verwandlungen durchmacht. Während das Seitenraster weitgehend gleich bleibt – acht querformatige Panels, jeweils zwei in vier Zeilen – verwandeln sich die Sprechblasen ständig. Dabei ist vor allem faszinierend, wie die Lektüre zwischen der Betrachtung der Graphik, dem Lesen des Comics und der Konstruktion eines Sinns herumschlingert. Es könnten 101 One-Pager sein, oft genug wird die jeweilige Seite durch eine Idee dominiert, aber immer wieder ergeben sich Bezüge über die Seiten hinweg – und die nahezu immer leeren Sprechblasen füllen sich mit Vorstellungen und Worten. Während López-Manchero den eigenen Strich, die graphische Geste immer wieder betont, verzichtet Ilan Manouach schon seit langem auf solche Gesten. Bekannt geworden durch seine – zweifelhafte – Umzeichnung von MAUS zu KATZ 2012, hat Manouach inzwischen einige sehr viel überzeugendere Überarbeitungen veröffentlicht, wie Les Schtroumpfs Noirs, wo alle Farben in Schlumpfblau gedruckt sind. Tarwar begeistert, weil es die Arbeit, die Luis Gasca und Roman Gubern so verdienstvoll in El Discurso del Cómic 1994 begonnen haben, nämlich die Sammlung von bestimmten Idiomen und diskursiven Strukturen in Comics – wie schwarze oder nahezu schwarze Panels – in komischster Weise fortsetzt und radikalisiert. Das Team von Manouach hat auf über hundert Seiten mit vier bis fünf Zeilen unterschiedlichste Comic-Panels zusammengetragen, deren verbindendes Element ist, dass sie schwarz sind – schwarz mit Schrift, schwarz mit Augen, schwarz mit Bom, Baoum, Whamm! Und was nicht noch alles. Dabei geht es nicht um Semiotik und Philologie, sondern tatsächlich darum, aus diesen Elementen eine neue Geschichte zu assoziieren. Manchmal sind die Herkünfte einzelner Panels offensichtlich, wenn z.B. ein Copyright (1942 by Walt Disney) vermerkt ist. Oftmals sind die Quellen (zumindest mir) weniger deutlich, angeblich wurden angeblich mehr als 12 Millionen Comics aus aller Welt digital durchforstet. Nun mischen sie sich von schwarzem Panel zu schwarzem Panel munter. Es ist die lange Nacht der Comics, ein endloser Tunnel, an dessen Ende zwar ein paar Sterne leuchten, aber natürlich an einem tiefschwarzen Himmel. Wer dachte, dass Christian Marclay und Jochen Gerner in der Reflexion der Form schon alles ausgelotet hätten, wird mit diesen beiden Comics erfreulich eines Besseren belehrt.

Hannah Brinkmann: Zeit heilt keine Wunden. Das Leben des Ernst Grube (Avant Verlag)

Zeit heilt keine Wunden. Das Leben des Ernst GrubeDass formale Experimente nicht bei der Form stehen bleiben müssen, zeigt diese Geschichte des 20. Jahrhunderts: Ernst Grube wurde als jüdisches Kind von den nationalsozialistischen Deutschen verfolgt, als Kommunist in der Bundesrepublik. Brinkmann zeichnet nicht nur seine Geschichte, sondern auch die von dem Richter Geier und dessen Karriere im Dritten Reich – in der BRD weiter im Amt verurteilt er Grube. Das Dritte Reich, daran wird hier anders als in so vielen anderen Comics über den Holocaust erinnert, endete nicht 1945, sondern durch die vielen personellen Kontinuitäten ging für viele der Opfer etwas weiter, das, so zeigt auch die aktuelle politische Situation, nicht aufgehört hat zu existieren. Die besondere Qualität von Hannah Brinkmanns Darstellung ist die Freiheit ihrer zeichnerischen Umsetzung von Grubes Bericht. Wenn sie den Konventionen der Holocaust-Comics folgend mit dem Zeitzeugen-Gespräch beginnt, geht sie nicht gleich in die Vergangenheit, sondern zeichnet das Innere des Körpers, denn „die Gewalt … / … der Nazis … / … lässt dich auch … / … innerlich zerbrechen“ und findet auch im weiteren manch ungewohntes Bild. Immer wieder unterbrechen ganzseitige Reflexionen das Geschehen, die ohne jemals verspielt zu sein die formalen Elemente des Comics elegant in den Dienst nehmen. So wird nicht nur das vergangene, realistische Geschehen in Erfahrung gebracht, sondern auch innere Bilder und Gefühle – die so in unsere Gegenwart hinübergerettet werden.

Peter Maresca und Michael Tisserand: Jimmy! The Comic Art of James Swinnerton (Fantagraphics)

Jimmy! The Comic Art of James Swinnerton

Ich weiß nicht, wann ich zuletzt beim Lesen von Comics so gelacht habe: die Witze sind zwar über hundert Jahre alt, aber wer so komisch Tiere zeichnen kann, wie James Swinnerton, altert nicht. Wenn die Tiere die zeitgenössische Zeitungsproduktion auf der Arche Noah übernehmen und die von einem Äffchen an der Druckerpresse frisch gedruckten Zeitungen „Rain“, „Still Rain“ und „Extra Rain“ melden, während der Marabu auf die Schlagzeile „Steady Rain“ schaut und zufrieden „Ah, the circulation is increasing“ konstatiert, bleibt kein Auge trocken. Der großformatige Band beschränkt sich dementsprechend nicht nur auf James Swinnertons langlebigste Serie Jimmy und verfolgt diese von 1899 bis 1937 in ausgewählten Seiten, sondern gibt einen groben Überblick über das viel zu selten wieder gedruckte, vielfältige Werk eines Zeichners, der in der Frühzeit die Entwicklung der Comics zu einem Massenmedium maßgeblich mitgestaltet hat. Sogar einen Western-Strip mit dem Titel Rocky Mason ist dabei, für den Swinnerton Jimmy 1941 (mit 66 Jahren) aussetzte und der wunderbar ungelenk in seinem Übersetzungsversuch des Funnie-Stils in das Abenteuer-Genre daherkommt. Swinnerton hat zeitweise in Kayenta bzw. im Coconino County gelebt und auch George Herriman mit dieser eigenen Landschaft und der indigenen Bevölkerung bekannt gemacht: fast 20 Jahre zeichnete er die ebenfalls hier repräsentierten Canyon Kiddies. Dass uns Beispiele aus den letzten 13 Jahren Jimmy (1945-1958) vorenthalten werden, lässt sich ebenso verschmerzen wie die nicht gut aufeinander abgestimmten, zudem knappen Erläuterungen, die einen heiteren Philologen wie Bill Blackbeard vermissen lassen. Während die Geschlechterverhältnisse gelegentlich sehr konventionell dargestellt sind, gibt es auch Überraschungen, wenn Sam beispielsweise alle anderen auslacht und so – wie Tisserand erläutert – die Regeln des blackfacing und vom Minstrel unterläuft. Solche Strips geben nicht nur zu lachen, sondern auch zu denken.

***

Benedikt L. Freiling

Germanistikstudent, Philipps-Universität Marburg

Sean Murphy, übersetzt von Harald Sachse: Zorro: Die Legende lebt (Splitter Verlag)

Zorro: Die Legende lebtZu Recht denken Fußballfans bei diesem Untertitel an die Hymne des 1. FC Nürnberg. In diesem Fall hat sie jedoch nichts mit dem neuen Album von Sean Murphy über die Westernlegende Zorro zu tun. Aus dem anfänglichen Mord an Alejandro de La Vega, dem „alten” Zorro, entwickelt sich eine furios erzählte Rachegeschichte gegen ein Drogenkartell, das die Stadt La Vega grausam ausbeutet und unterdrückt. Sein Sohn Diego übernimmt das Erbe Zorros und kämpft in den vier Kapiteln der Geschichte mit Degen und Peitsche gegen das Kartell unter der Führung von El Rojo, unterstützt von seiner Schwester Rosa. Mit seiner abwechslungsreichen und dynamischen Panelstruktur sowie den zahlreichen Schwarzflächen schlägt der Comic eine Brücke zwischen Superhelden- und Westerncomics. Das ist nicht sonderlich verwunderlich, ist doch Sean Murphy durch seine Alben im Batman-Universum bekannt geworden. Somit ist die Hinwendung zu einem anderen nach Gerechtigkeit strebenden Ritter nicht überraschend. Positiv hervorzuheben sind die ganzseitig angelegten Panels, die an den richtigen Stellen die wichtigsten Wegpunkte der Geschichte hervorheben. Aufmerksamen Lesern werden die Füchse auffallen, die Zorros ständige Begleiter sind und ein schönes wortspielerisches Geheimnis verkörpern. Fans der Genres Western und Superhelden sei diese Neuauflage des Zorro-Mythos sehr ans Herz gelegt. Abschließend sei noch auf die Seitenhiebe in der Geschichte auf die bereits existierenden Zorro-Filme und -Comics hingewiesen. Insofern ist dieser Comic auch allen Zorro-Fans zu empfehlen, die sich im Leseprozess auf diverse Anspielungen, etwa in den Panelhintergründen, freuen dürfen. In diesem Sinne: ¡Viva la Vega y viva el Zorro!

Jean Dufaux und Jaime Calderón, übersetzt von Hanna Reininger: Das Haus Usher (Splitter Verlag)

Das Haus UsherManche Geschichten sind niemals veraltet – vor allem dann nicht, wenn sie immer wieder neu interpretiert und weiterentwickelt werden. So ist es auch bei diesem Klassiker der Schwarzen Romantik von Edgar Allan Poe, den Jean Dufaux und Jaime Calderón neu interpretiert haben. Der unbenannte männliche Ich-Erzähler aus der ursprünglichen Geschichte erhält in der Comicversion den Namen Damon Price und einen sozialen Hintergrund. Im Comic tritt er als professioneller Spieler mit Schulden auf. Zudem wird ihm eine Freundin namens Nina angedichtet, die er aus der Prostitution freikaufen will. Vor seinen Gläubigern flieht er in eine dunkle Kutsche, die ihn zu dem Haus Usher und seinem etwas verrückten und mysteriösen Cousin Roderick bringt. An diesem Ort entfaltet sich eine gruselige Geschichte. Mit düsteren Grabkammern, mysteriösen Geschichten und einer kleinen Zombieapokalypse bietet die Geschichte alles, was es zum Gruseln braucht. Das schöne Szenario wird von den eindrucksvollen Zeichnungen von Calderón unterstützt, die den Figuren durch den besonders geschickten Einsatz von Farben eine ungewöhnliche Plastizität und Authentizität verleihen. Durch diesen Stil erreicht der Comic eine sehr realistische und filmische Wirkung. Besonders interessant wird es, wenn der Protagonist auf seinen Schöpfer, Edgar Allan Poe, trifft. Dieser ist in die Geschichte eingeflochten und scheint sie zu lenken, obwohl er nicht alles genau vorhersagen kann, da die durch ihn erschaffenen Figuren irgendwann ein Eigenleben entwickeln. Der Comic lässt sich sowohl aus literaturwissenschaftlicher Perspektive als auch aus musikwissenschaftlicher Sicht beleuchten, da Musik eine bedeutende dramaturgische Rolle spielt. Das Werk ist allerdings nicht nur aus wissenschaftlicher Perspektive interessant, sondern auch allen Poe- und Grusel-Fans wärmstens zu empfehlen.

***

Dietrch Grünewald

Kunstdidaktiker, Emeritus Universität Koblenz-Landau, ehem. 1. Vorsitzender der ComFor

Yaroslav Schwarzstein: Potemkin Riot (ciconia ciconia)

Potemkin RiotPersimfans, ein dirigentenfreies Musikerkollektiv, 1922 in Moskau gegründet, unter Stalin 1932 aufgelöst, wurde 2008 reaktiviert. Zu seinen Projekten gehört die Vorführung von Eisensteins Stummfilm Panzerkreuzer Potemkin (Uraufführung 1925 im Moskauer Bolschoi-Theater) mit Edmund Meisels Musik (1926) als Live- Begleitung. Schwarzstein, geb. 1975 in Tula, Grafiker, Maler, Musiker, der in Hannover lebt und arbeitet, gehört als Leiter der Kunstabteilung zu Persimfans. Er schuf zunächst Plakate für das Projekt, was ihn anregte, dann den ganzen Film als Bildgeschichte zu gestaten. Eisenstein schuf ein durch Typisierung und Montageeffekte emtotional hochwirkungsvolles Werk, das über den Propagandauftrag Lenins künstlerisch weit hinausgeht. Die Meuterei auf dem Kriegsschff Potemkin 1905, ausgelöst, weil die Matrosen sich weigerten, vergammeltes Fleisch zu essen, wird als revolutionärer Akt in einer Verschmelzung von Fiktion und Realität verklärt. Schwarzstein, orientiert sich am Aufbau des Films und erweitert ihn durch eigene Fiktionenselemente. Seine Bildgeschichte steht in der Tradition der Holzschnitt-Romane Masareels, erzählt in doppel- und einseitigen Bildern, wo es die Dynamik der Handlung oder Signalgeben (gemäß der Maritime Semaphore Flags) erfordern, auch mit mehreren Panel auf der Doppelseite, im flächig expressiven Stil dem Film und seinem Plakat von 1925 (auch dem zeichenhaft-abstrakten von Hans Hillmann aus dem Jahr 1966) verpflichtet. Wie Eric Drooker in Flood! (1992) geht er über das reine Schwarz-Weiß hinaus, setzt durch die dominierende maritime Farbkombination Schwarz-Weiß-Blau, durch aggrssives Rot, durch Gelb- und Orangetöne emotionale Akzente, erweitert – wie der Film – die primär stumme Bildfolge partiell durch kurze Texteinfügungen (vornehmlich Rede der Akteure), die helfen, das Gezeigte besser zu verbinden und zu deuten. Eine großartige bildmächtige Erzählung (gegliedert in Prolog, fünf Akten, Epilog), die über eine reine Adaption weit hinausgeht und ein aufmerksames mitspielendes Bildlesen fordert.

Luz (Rénald Luzier), übersetzt von Lilian Pithan: Zwei weibliche Halbakte (Reprodukt)

Zwei weibliche HalbakteCatherine Meurisse und Luz hatten das zufällige Glück, dem Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo 2015 zu entgehen. Meurisse suchte in der Begegnung mit Kunstwerken ihr Trauma zu überwinden (Die Leichtigkeit, 2017), und auch Luz wendet sich in seinem neuen Bildroman der Bildenden Kunst zu, erzählt die Geschichte eines Gemäldes, das überlebte. Es geht um ein 1919 von Otto Mueller gemaltes expressionistisches Temperabild, das der Sammler Littmann dem Künstler, gerade Professor für Aktmalerei in Breslau geworden, abkaufte, das dann dem Wahn der NS-Diktatur zum Opfer fiel, enteignet (sprich: gestohlen) und in die Wanderausstgellung „Entartete Kunst“, die offensiv und voller Hass die Kunst der Moderne herabzuwürdigen suchte, eingebunden wurde, glückerlicherweise der Vernichtung entkam und nach dem Krieg seinen Platz im Museum Ludwig in Köln fand. Luz wählt für seine Erzählung eine besondere Dramaturgie: den subjektiven Blick, wie ihn z. B. Bastien Vivés konsequent (In meinen Augen, 2010) heranzieht; aber bei Luz ist es nicht der Blick eines Menschen, sondern der des Gemäldes, durch den – und damit eine besondere Nähe und emotionale Identifikation erzeugend – die Rezipienten die Geschichte verfolgen (müssen). David Prudhomme hat den Kunstgriff vorgeführt, wenn er zeigt, wie eine genervte Mona Lisa auf das gaffende Publikum schaut (Einmal durch den Louvre, 2012). Ohne das Gemälde selbst zu sehen (aus Sprechblasentexten kann man auf das Bildmotiv schließen, erfährt Reaktionen von Betrachtern), erleben wir mit, wie das Gemälde entsteht, wobei, dem Malakt folgend, Fleck für Fleck der malende Otto Mueller sichtbar wird. Erst mit Fertigstellung des Gemälders zeigen nun auch vollständig sichtbare Panel chronologisch, was vor sich geht, was sich vor dem Gemälde abspielt, was mit ihm – das passiv das Geschehen erdulden muss – passiert. Luz hat exakt recherchiert, zeigt uns Orte, Akteure, Bilder, Szenen realitätsgetreu, denn er erzählt keine fiktive Geschichte. Die Geschichte dieses Bildes ist exemplarisch die Geschichte der modernen Kunst im 20. Jahrhundert, eine Überlebensgeschichte so vieler Werke, denn mit dem „Blick“ des Gemäldes begegnen wir auch anderen Werke, die vom NS-Maler und -Funktionär Ziegler aus deutschen Museen beschlagnahmt wurden. Zwei weibliche Halbakte hatte das Glück, nicht verbrannt zu werden, sondern wurde dank eines Tauschangebotes des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt gerettet, vonJosef Haubrich für seine Sammlung erworben und nach dem Krieg der Stadt Köln geschenkt. 1999 wird das Bild Ruth Haller, der Tochtert Lippmanns, zurückgegeben und wieder zurückgekauft. Und so hängt das Gemälde heute im Museum Ludwig, „sieht“, wie Lothar, der als kleiner Junge in der Münchener Ausstellung das Bild betrachtete, es nun als alter Herr (nun freilich in anderem Kontext) mit dem gleichen freudigen Lachen bewundert. Im Anhang präsentiert uns Luz dann eine dem Original nahe Adaption, die auch erkennen lässt, dass die Bildgerzählung in Stil und Farbe deutliche Nähe zu Muellers Malweise aufweist. Der Comic ist m. M. n. einer der besten und lesenswertesten der letzten Zeit.

***

Iris Haist

Kunsthistorikerin u. Kulturmanagerin, Köln

Katharina Greve: Meine Geschichten von Mutter und Tochter (Avant Verlag)

Meine Geschichten von Mutter und Tochter

Hier Endlich, nach mehr als 90 Jahren nach dem Beginn der beliebten Vater und Sohn-Bildgeschichten von Erich Ohser alias e.o.plauen (1934–37), rücken nun auch Mutter und Tochter in den Fokus derartiger Comicreihen. Und das gleich zweimal: Nach Jannes Webers liebevoll gestaltetem Buch Mutter und Tochter von 2024 bereichert 2025 nun auch Katharina Greve dieses Feld mit ihren durchdachten Bildgeschichten mit dem Titel Meine Geschichten von Mutter und Tochter – online und analog. Greve schildert in ihrer unverkennbar reduzierten und direkten Art das Leben einer alleinerziehenden Mutter mit ihrer kleinen Tochter. Ihre Unternehmungen – Museumsbesuche, Zelten, Installieren eines Insektenhotels, Einkaufen auf dem Flohmarkt, etc. – sind eher kostengünstig, fördern aber die Bildung, sind nachhaltig und empowernd. Mutter und Tochter scheinen finanziell aber ausreichend abgesichert zu sein und damit nicht existentiell bedroht. Dadurch entwirft Greve, wie schon e.o.plauen, ein Umfeld für ihre Comics, das den Fokus auf die enge und liebevolle Interaktion zwischen den beiden Hauptfiguren, und nicht zu sehr auf äußere Einflüsse, legt. Es ist dieses vertraute Gefühl von Zweisamkeit, das viele Menschen in ihren positiv empfundenen Beziehungen besonders schätzen, das uns Greves Mutter und ihre Tochter vor Augen führen – und in welches sie uns ganz selbstverständlich miteinbeziehen. Es sind Geschichten zum Mit-Fühlen.

 

***

Imke Heine

Literaturwissenschaftlerin, TU Dresden

Tian: Le piano de Leipzig (Éditions Gallimard BD)

Le piano de Leipzig

1965. Die siebzehnjährige Dani verlässt ihr Heimatland Kambodscha, um in der DDR ein Klavierstudium zu beginnen. Weit weg von ihrem gewalttätigen Vater hofft sie auf eine bessere Zukunft, doch das neue Leben in Leipzig stellt die junge Frau vor zahlreiche Herausforderungen: Die deutsche Sprache ist schwer, der Winter hart und die Anforderungen des Studiums bringen sie an ihre körperlichen Grenzen. Zum Glück kann sie bei allen Widrigkeiten stets auf ihre Freunde und die Unterstützung der strengen, aber einfühlsamen Klavierlehrerin Ruth zählen – auch dann als Dani bemerkt, dass sie schwanger ist. Der Eiserne Vorhang schiebt sich nicht nur zwischen Nationen, sondern trennt Dani physisch und ideologisch vom Vater ihres Kindes, der sich eine Karriere in den USA aufbaut, während in Kambodscha der Bürgerkrieg ausbricht. Der französisch-kambodschanische Comicautor Tian erzählt in dieser Bande dessinée die berührende Geschichte seiner Tante, die er erst nach der deutschen Wiedervereinigung kennenlernte. In realistischen, klar umgesetzten Alltagsszenen zeichnet er die individuellen Erfahrungen der Protagonistin nach und setzt diese in den Kontext politischer Zusammenhänge. So wird jedes Kapitel von einer separaten Seite eingeleitet, die über das System der DDR informiert. Damit schafft Tian ein beeindruckendes Zeitzeugnis, welches das Augenmerk auf die weniger bekannten historischen Verbindungen zwischen Ostdeutschland und Kambodscha legt.

Karla Paloma: Ratten (Avant Verlag)

Ratten

Karla ist Dänin, doch das (Über-)Leben in Berlin als chronisch mittellose Künstlerin scheint alles andere als hygge. Positive skandinavische Stereotype lassen sich zumindest ausnutzen, um beim Klauen im Supermarkt mit der neunjährigen Herle einen Ladendetektiv übers Ohr zu hauen. Doch guter Rat ist teuer, wenn Mitbewohner Francesco mal wieder die Miete nicht zahlt, plötzlich alle Freundinnen Nachwuchs bekommen, der an Flatulenzen leidender Bullterrier Dexter die Luft verseucht und Karla hinter dem Flohmarktstand im Mauerpark ihr Dasein hinterfragt. Zumindest ist dann die kluge Hündin Lilsky stets eine moralische Stütze und kann in Notsituationen auch mal einen Krankenwagen rufen oder Spiegeleier braten. Karla Paloma, die 2025 in Angoulême mit dem „Fauve de la Bande Dessinée Alternative“ ausgezeichnet wurde, erzählt hier in drei herrlich schrägen Geschichten von den kleinen und großen Katastrophen des Großstadtalltags. Ganz in Manier der Underground-Comics gestalten sich die schwarz-weißen Panels dabei sowohl auf visueller als auch auf inhaltlicher Ebene schamlos und kantig. Gleichzeitig präsentiert sich Karla nicht ohne Ironie mit all ihren Unsicherheiten, was sie zu einer überaus sympathischen und nahbaren Figur macht. Der Ausgang ihrer Abenteuer, irgendwo zwischen Autofiktion und Tagtraum, ist stets unvorhersehbar. Eine amüsante Lektüre, die Lust auf eine Fortsetzung macht.

***

Katharina Hülsmann

Japanologin, icon Düsseldorf

Shima Shinya, übersetzt von Ekaterina Mikulich: Lost Lad London, 3 Bde. (KAZÉ Pegasus Manga)

Lost Lad London Der Student Al Adley findet zu Hause in seiner Jacke ein blutiges Messer – anscheinend die Tatwaffe in einem Mordfall, der durch alle Medien geht: Londons Bürgermeister wurde in der U-Bahn erstochen! Al erinnert sich nicht, wie das Messer in seine Jackentasche kam. Allerdings muss er auch gegenüber der Polizei zugeben, dass er wohl in derselben U-Bahn fuhr, in der der Politiker tot aufgefunden wurde. Alleine der etwas grimmige Detective Ellis glaubt ihm und tut sich mit ihm zusammen, um den wahren Mörder zu finden. Lost Lad London ist ein spannender Krimi-Manga, in dem zwei People of Colour nicht nur die Hauptrollen spielen, sondern dessen Ensemble an Figuren die Diversität Londons widerspiegelt. Darüber hinaus ist der Manga in einem auffallend experimentellen Stil gezeichnet: Filigrane Linienführung, insbesondere bei der Gestaltung der Mimik der Figuren, und skizzenhaft plakative Verwendung von Farbflächen und Kontrasten bei den Hintergründen. Ungewöhnlich ist auch, dass der ganze Manga ohne Soundwords auskommt. Lost Lad London ist ein Pageturner und auch ästhetisch eine Erfahrung, perfekt zum Wegschnabulieren über die Feiertage. Alle drei Bände sind in deutscher Übersetzung zwischen August und Dezember bei Pegasus Manga erschienen.

***

Björn Laser

Linguist und Sprachdidaktiker, PH Schwäbisch Gmünd

NON, übersetzt von Sakura Ilgert: Adabana, 3 Bde. (Tokyopop)

Adabana

„Adabana“ bezeichnet eine Blüte ohne Frucht, im übertragenen Sinne verschwendete Schönheit und vergebliche Hoffnung. In diesem dreibändigen Manga von NON geht es, nicht untypisch, um Jugendliche an der Schwelle des Erwachsenseins: um eine Jugend, die geprägt ist von Verlassenheit, Machtmissbrauch und sexueller Gewalt. Die 17jährige Mizuki Aikawa behauptet, ihre Mitschülerin Mako Igarashi getötet zu haben, ihre beste und einzige Freundin. Ihre Angaben klingen zunächst schlüssig, insbesondere als Mizukis Angaben zur Leiche des Mädchens führen und sie gleich noch einen weiteren Mord gesteht. Zunehmend scheint in den Befragungen aber durch, dass etwas an Mizukis Version der Ereignisse nicht stimmen kann, und ihr anfangs nicht sonderlich interessierter Pflichtverteidiger stellt sich nicht nur die Frage, was wirklich geschehen ist, sondern auch, warum Mizuki darauf beharrt, die Taten begangen zu haben. Die drei Bände erzählen aus unterschiedlichen Perspektiven und bilden damit eine echte Trilogie: Der erste Band schildert die Ereignisse in Rückblenden so, wie Mizuki sie gegenüber der Polizei und ihrem Verteidiger darstellt. Der zweite Band setzt zeitlich früher an und führt nun aus Makos Perspektive zu einem dramatischen Höhepunkt, der sich im ersten Band noch deutlich anders gestaltet. An diesem Wendepunkt nimmt der dritte Band Mizukis Perspektive wieder auf, die aber nun nicht mehr vermittelt durch Befragungen als Rückschau erscheint, sondern zum abschließenden Prozess führt. Vieles ist nicht so, wie es scheint, aber es geschehen auch keine Wunder. Dass man sich an Akira Kurosawas Rashomon erinnert fühlt, mag ebenso naheliegend wie oberflächlich sein, aber NON gelingt es sehr kunstvoll, durch die verschiedenen Erzählansätze nicht nur Spannung zu erzeugen, sondern auch emotionale Tiefe. Die erwächst ebenso aus der grafischen Darstellung von Verrat und Verzweiflung – mit einigen expliziten Darstellungen sexueller Gewalt, die die diesbezügliche Triggerwarnung auf dem Cover und auch die Altersvorgabe ab 18 angebracht erscheinen lassen.

***

Laura Lewald-Romahn

Literatur- und Mediendidaktikerin (Universität Münster)

Paru Itagaki, übersetzt von Jürgen Seebeck: BEASTARS, 22 Bde. (KAZÉ) / BEASTARS (Anime, Netflix)

BEASTARS

Mit Beastars hat Paru Itagaki ein vielschichtiges Werk geschaffen. Coming-of-Age, (sozial unerwünschte) Liebe, Krimi, bitterböse Gesellschaftssatire – eine hybride Fabel, die existenzielle Fragen nach Identität, Aufwachsen, Moral, Begehren und sozialer Zugehörigkeit verhandelt. Der Manga spielt in der strikt dualistischen Welt anthropomorpher Tiere. Die Welt der Fleisch- und Pflanzenfresser hat eine fragile Ordnung, sie ist von Misstrauen und unausgesprochenen Machtverhältnissen konturiert. Die Angst der Herbivoren verschlungen zu werden, ist ebenso omnipräsent, wie die Hilflosigkeit der Carnivoren, ihre naturgegebene Fleischeslust nicht zügeln zu können – ein Natur-Kultur-Konflikt par excellence. Und doch beginnt die Erzählung mit dem Unaussprechlichen: Ein Pflanzenfresser wird brutal gerissen. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die Liebe zwischen dem siebzehnjährigen Grauwolf Legoshi, dessen imposante Erscheinung im scharfen Kontrast zu seinem sensiblen Inneren steht, und dem achtzehnjährigen Zwergkaninchen Haru. Legoshi ringt mit seinen Instinkten, den gesellschaftlichen Erwartungen und seinen Gefühlen. Die Liebesgeschichte wird weder idealisiert noch moralisiert, sondern verletzlich erzählt. Begehren und Verzehren werden doppelt gelesen: Legoshi begehrt Haru so sehr, dass er Angst hat, seine Triebe nicht kontrollieren zu können. Es ist kaum verwunderlich, dass ‚Legoshi‘ eine Referenz auf Bela Lugosi ist – in cineastischer Referenz auf Dracula, Blutdurst und Verlangen. Gleichzeitig verzehrt sich Haru, um sich selbst spüren zu können. Beastars stellt sich mutig Spannungsfeldern wie Ausgrenzung, Rassismus, Kannibalismus, Lust/Sexualität, Devianz, Gewalt und Grenzüberschreitung in der adoleszenten Identitätskrise. Formal überzeugt der Manga dabei durch eine eindrucksvolle Bildsprache – intensive Hell-Dunkel-Kontraste und expressive Linienführung. Als Anime-Adaption sind bisher drei Staffeln verfügbar, die zweite Hälfte wird 2026 erwartet. Das Werk ist für Leser*innen ab 16 Jahren eine eindringliche (Verzehr-)Empfehlung.

***

Hanspeter Reiter

Comicoskop-Redakteur

Alexander Braun: Ich, das Tier (Grimmwelt/Panini)

Ich, das Tier

Eine chronologisch wie thematisch umfassend-variantenreiche und zugleich pointiert-detailreiche Ausstellung (noch bis zum 12.04.2026), deren ausufernde Fülle sich mir schon vorab durch den Katalog offenbart hat, der die Exponate abbildet – und zugleich einordnet, durch den bekannten Kurators vertiefende Text-Beiträge! Um all das zu be- und zu durchleuchten: „Vom Bösen Wolf bis Donald Duck – Das anthropomorphe Tier im Comic“, auf dem Cover allerdings anstelle des Bösen Wolfs der wie üblich sardonisch grinsende Garfield: „Fabeln mit Tieren kennt die Kulturgeschichte der Menschheit seit dem Alten Testament, der Antike oder Jean de La Fontaine im 17. Jahrhundert. Aber erst die Moderne und der Comic haben das vermenschlichte Tier in Serie gehen lassen, zu Ikonen der Popkultur und Gefährten unseres Alltags gemacht. Das 20. Jahrhundert hat anthropomorphe Tiere von Micky Maus und Donald Duck über Garfield bis Wolverine zu Menschen wie Du und Ich gemacht.“ In den Blick genommen sind Märkte (Frankreich, USA), Medien-Macher (Walt Disney, Waner Bros.), vielerlei Illustratoren (von Gus Dirks über Carl Barks hin zu Ralf König etc.) plus Ausreißer wie Bilderbogen (als Vorläufer) oder Wölfe als vielfach vertretene Tier-Art. Nur als Randnotiz: Auch manche tierische Nebendarsteller*innen entwickeln durchaus menschennahe Züge und hätten durchaus ihren Platz einnehmen können, siehe Struppi oder Idefix etc. pp.

Thomas Klie und Peter Gaymann: Demensch (med2)

Demensch

Mal wieder ein Sach-Comic, gar aus einem medizinischen Fachverlag: „Für einen menschenfreundlichen Umgang mit Demenz“ plädieren hier Text-illustrierend Bilder, die verstärkt zur Reflexion – fast drängen. Dieser Illustrator ist vor allem bekannt für seine Hühner-Cartoon, doch hier kommen seine Bilder ernster und weniger leicht daher, dennoch ironisch, fast selbst-ironisch, wenn aus dem Erleben von „Demenschen“ möglich… Denn: „Mit Demenz leben? Das ist herausfordernd. Ohne Humor lassen sich die Unstimmigkeiten im Leben und in der Welt schwer ertragen. Das gilt auch für ein Leben mit Demenz. In menschenfreundlicher Weise und mit Humor sich den (auch) leidvollen Seiten der Demenz und Vergesslichkeit zu stellen – dies gelingt dem Sozialexperten und Gerontologen Prof. Dr. Thomas Klie gemeinsam mit dem Cartoonisten Peter Gaymann mit Bravour!“ Wie schon das trefflich gewählte Cover-Bild verdeutlicht – wie auch jenes auf der Rückseite… Gewohnt comicesk kommen Gaymanns Illustrationen allesamt daher, mal mehr, mal weniger: S. 15/19 gar mal als Panel-Folge, häufig mit Sprechblasen (S. 58 z.B.) statt der meist üblichen integrierte Text-Zeilen – wie etwa S. 109, mit einem Pärchen auf der Parkbank: „Weißt du noch früher?“ sie – und er antwortet „Weiß ich nicht. War aber alles besser!“. Eines von vielen Beispielen, in denen ins Bild eingefangen Sprüche neu interpretiert sind.

Gerry Alanguilan, übersetzt von Jens R. Nielsen: Elmer (Dantes Verlag)

Elmer

Im abgelaufenen Jahr 2025 präsentierten sich die Philippinen als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, wie üblich in thematisch strukturierten Bereichen des Forum, plus Auftritts-Bühne. Auch Comics waren dabei, in deutschsprachigen Auflagen in aller Regel beim Dantes Verlag erscheinend, etwa Elmer: Vermenschlichtes Verhalten von Tieren – und damit verbundenes eher entmenschlicht-unmenschliches von Menschen stehen hier im Mittelpunkt: Ein Geschehen zwischen Romantik und Massenmord, auf den Punkt gebracht. Das  SW-Album (mit farbigem Cover) lebt von der ausdrucksstark wiedergegebenen Mimik vor allem der Hühner, die durchaus unterschiedliche Charaktere (sehr menschlich = anthropomorph) repräsentieren. Zugleich sind Ansichten geboten, die an klassische (Gemälde-)Kunst erinnern: S. 28 etwa findet sich ein entzückendes ganzseitiges Beispiel, Friede & Freiheit mit weitem Blick im Natur-Kontext, zugleich konterkariert in einer (wie sich dann herausstellt) gefilmten Sequenz mit dem Filmstar aus der Hühner-Familie im Mittelpunkt (S. 92ff.)… Manch Assoziation mag beim Lesen und Betrachten aufkommen, etwa an Art Spiegelmans Maus – und damit an Massenvernichtung im Holocaust: Verdeutlicht u.a. via Schuld-Zuweisungen, hier: Vogelgrippe-Pandemie. Ergo aus verschiedenen Perspektiven interpretierbar… Ein durchaus anregender Einstieg, sich mit der sehr variantenreichen Comic-Szene dieses Inselreiches zu befassen, die teils auch die Folgen der jahrhundertelangen Kolonialzeit spiegelt. Im Nachklang zur Buchmesse sind diverse weitere Alben erschienen…

***

Janek Scholz

Literaturwissenschaftler, Universität Leipzig

Birgit Weyhe: Schweigen (Avant Verlag)

Schweigen

Mein Comic-Highlight in diesem Jahr war zweifellos Birgit Weyhes Schweigen. Darin schildert sie die Verflechtungen der deutschen Nachkriegsgeschichte mit der argentinischen Militärdiktatur anhand der Schicksalsschläge zweier Frauen. Die Geschichten von Ellen Marx, die als Jüdin aus Nazideutschland flieht und deren Tochter später in Argentinien als eine von 30.000 Personen spurlos verschwindet, und Elisabeth Käsemann, einer jungen Deutschen, die ebenfalls in Argentinien verschwindet und ermordet wird, ohne diplomatische Bemühungen zu ihrer Rettung, werden abwechselnd erzählt, stets mit einem vorgeschalteten Kapitel zum historischen Kontext. Der Comic macht deutlich, wie eng die deutsche und die argentinische Geschichte verknüpft sind: Einerseits, da Ende der 1930er und Anfang der 1940er Jahre nicht nur Opfer des Naziregimes, sondern auch deren Täter nach Argentinien flohen, andererseits, da sich deutsche Studierende in den 1960er und 1970er Jahren zunehmend politisierten und für Lateinamerika interessierten. Am Fall Elisabeth Käsemanns wird jedoch deutlich, dass die wirtschaftlichen Interessen der jungen BRD politisch mehr Priorität genossen als ein Eintreten gegen den systematisch verübten politischen Terror der dortigen Militärdiktatur. In einem Schlusswort legt Weyhe ihre persönliche Motivation für diesen Comic offen. In einer Zeit, in der Hassrede und die Relativierung historischer Verbrechen hoch im Kurs stehen, gelte es umso mehr, sich der Vergangenheit bewusst zu werden, um neuerliche Ausgrenzung, Gewalt und Verfolgung zu vermeiden, denn: „Nie wieder ist jetzt. Nunca más“.

***
Christine Vogt

Direktorin LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Walter Moers: QWERT (Penguin Verlag)

QWERTMit seiner Persiflage auf das Genre des Ritterromans hat Walter Moers ein neues Meisterwerk geschrieben und gezeichnet. Er gibt sich erstmals wieder selbst als Autor und Illustrator an. Sein Alter Ego Hildegunst von Mythenmetz erscheint nicht auf dem ausführlichen Innentitel, der die „43 Aventiuren“ einleitet. In einem turbulenten Ablauf, der wie ein Roadmovie von Station zu Station rast, lässt Moers uns an den Abenteuern des Gallertprinzen aus der 2364. Dimension, nun im Astralkörper des legendären Ritters Kaltbluth, teilhaben. Dabei kommt Qwert schon im ersten Zamonienroman von 1999 vor: Der Blaubär besucht zusammen mit Qwert und der Berghutze Fredda die Nachtschule von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller. Wie in all seinen Romanen erzählt Moers die Geschichten in unfassbar detaillierten Zeichnungen, die weit über reine Illustrationen hinausgehen. Gleich im Vorsatzblatt führt eine Landkarte in das neue Land Orméa ein: Vom Endlosen Abgrund über die Seltsame Schlucht und Creatopolis bis zur Blutroten Wüste. Ein besonderes Highlight der Darstellungen ist die – drei aufeinander folgende Doppelseiten füllende – Architektur von Creatopolis. Überhaupt stellen die Zeichnungen die neue Welt in ihren eigenwilligen Ausprägungen eindrucksvoll dar. Der neue Moers-Band ist eine klare Empfehlung für alle Fans und vor allem die, die es noch werden wollen. Nicht nur das Reitwürmchen Schneesturm und der Knappe Oyo, der ebenfalls durch ein Dimensionsloch gefallen ist und aus der Insel der tausend Leuchttürme als Hildegunsts treuer Begleiter Queekwigg bekannt ist, werden alle Herzen im Sturm erobern.

***

Lukas R.A. Wilde

Medienwissenschaftler, NTNU Trondheim

Deniz Camp und Javier Rodriguez: Absolute Martian Manhunter (DC Comics)

Absolute Martian Manhunter

Obwohl DCs neues „Absolute“-Universum zunächst nach einem ziemlich transparenten Abklatsch von Marvels „Ultimate“-Line aussah, ist alle meine Skepsis längst über Bord geworfen und ich bin hemmungslos fast jeder neuen Ausgabe verfallen wie seit Jahren nicht mehr. Viele der wegweisendsten DC-Comics von DKR über Red Son bis zu Kingdom Come waren bekanntlich „Elseworlds“, und vielleicht ist genau dies die neue Rolle von Comics im Transmedia-Kontinuitätsteppich: wieder alles aufzumischen! Zwischen all den unerwarteten Perlen – Absolute Batman hat mich ab „Abomination“ gepackt, Absolute Green Lantern ab der ersten Ausgabe – sticht Absolute Martian Manhunter nochmal besonders heraus, mit der Energie früher Vertigo-Anarchie: jedes Panel ein psychedelisches Kunstwerk, jede Captionbox gemeißelte Prosa, jede Ausgabe eine immer tiefere Reise in diesen irgendwie bekannten, aber irgendwie auch völlig neu entfesselten DC-Kosmos. Dieser „Martian Manhunter“ hat überhaupt keine physische Existenz sondern bewegt sich als reine Gedankenform zwischen Erinnerungsbildern, Caption-Boxen und allen anderen Darstellungsebenen, die die Comic-Sprache so anbietet. „What happens in your head also happens.“ Fühlt sich tatsächlich danach an, als ob diese Figuren gerade ganz neu erfunden werden…

Kieron Gillen und Caspar Wijngaard: The Power Fantasy (Image Comics)

The Power Fantasy

Von Gillen kennt man nicht viele Missgriffe. Die Prämisse von The Power Fantasy klingt zunächst ein wenig nach Watchmen: was, wenn einige wenige Superkräfte real wären und die Weltgeschichte verändert hätten? Das kennt man – hier aber sind die Protagonist*innen so übermächtig, dass jede Auseinandersetzung sofort das Ende der Welt bedeuten würde, darum muss genau auf das verzichtet werden, was das Genre sonst ausmacht: Ausgetragene Konflikte! Stattdessen taktieren, observieren, Allianzen schmieden, platzen lassen, Bauernopfer aushandeln… der weltumspannende Plot und die geschliffenen Schachspiel-Dialoge sind dann auch so dicht geschrieben, dass ich selten zuvor jede Ausgabe so oft wieder- und wiedergelesen habe, um alle Verbindungen herzustellen und alle Fäden zu entwirren – noch so eine neue Serie, bei der ich wieder auf jedes neue Trade harre und mir dann erstmal alle Termine frei schaufele, wenn es endlich da ist.

Tom King und Peter Gross: Animal Pound (BOOM! Studios)

Animal PoundDas ist ein Selbstläufer dieses Jahr, für diese Liste… das Comic, das man eigentlich jeder Person zu jedem Anlass schenken sollte, damit es mehr Verbreitung findet. Tom King mag in seiner Karriere-Biographie nicht ganz unproblematisch sein, aber als Comicautor ist er eine Naturgewalt und Animal Pound ist genau das Comic, das derzeit drängt: Wie der Titel schon erahnen lässt, haben wir es mit einer geupdateten Neuerzählung von Orwells Animal Farm zu tun. Aber, weil wir eben 2025 hatten, baut das Kammerspiel der Tiere uns keinen drohenden Kommunismus, sondern das aktuelle Erstarken des Trump-Faschismus als brillante Parabel nach. Weit über die politischen Analogien hinaus, funktioniert Animal Pound aber auch auf vielen anderen Ebenen gleichzeitig, überrascht,  überwältigt, und bricht einem auch ein wenig das Herz, obwohl man das Ende natürlich immer schon vorwegahnen kann.

***

Monitor 80: Neue Publikationen

Im Monitor werden in unregelmäßigen Abständen aktuelle Publikationen aus den letzten 6 Monaten vorgestellt, die für die Comicforschung relevant sein könnten. Die kurzen Ankündigungstexte dazu stammen von den jeweiligen Verlagsseiten. Haben Sie Anregungen oder Hinweise auf Neuerscheinungen, die übersehen worden sind und hier erwähnt werden sollten? Das Team freut sich über eine Mail an redaktion@comicgesellschaft.de.
Zu früheren Monitoren.


BuchcoverLatinx Comics Studies: Critical and Creative Crossings

Fernanda Díaz-Basteris, Maite Urcaregui (Hgs.)
Rutgers University Press
April 2025
Verlagsseite

Latinx Comics Studies: Critical and Creative Crossings offers an intersectional and interdisciplinary approach to analyzing Latinx studies and comics studies. The book draws together groundbreaking critical essays, practical pedagogical reflections, and original and republished short comics. The works in this collection discuss the construction of national identity and memory, undocumented narratives, Indigenous and Afro-Latinx experiences, multiracial and multilingual identities, transnational and diasporic connections, natural disasters and unnatural colonial violence, feminist and queer interventions, Latinx futurities, and more. Together, the critical and creative works in this collection begin to map out the emerging and evolving field of Latinx comics studies and to envision what might be possible in and through Latinx comics.
This collection moves beyond simply cataloguing and celebrating Latinx representation within comics. It examines how comics by, for, and about Latinx peoples creatively and conceptually experiment with the very boundaries of “Latinx” and portray the diverse lived experiences therein.“

 

BuchcoverComics and Women’s Mental Health: Five Stories

Palgrave Studies in Comics and Graphic Novels

Jeanne-Marie Viljoen
Palgrave Macmillan
September 2025
Verlagsseite

„This book discusses five recent, hand-drawn, comics memoirs of women’s mental health experiences, not easily captured in words alone. It deals with a range of mental health experiences that are not simply diagnoseable mental disorders, and do not always stem from visible physical conditions (heavy feelings, loneliness, postpartum depression, grief, schizophrenia and suicide). Yet, by also considering the formal qualities of these stories, it is able to focus on embodied aspects of experience, inflecting these with perspectives from a range of women of various ages, sexualities, genders, races and cultures. This book demonstrates how comics are an effective, interdisciplinary means of communicating women’s mental health and wellbeing.“

 

BuchcoverComics of the Anthropocene: Graphic Narrative at the End of Nature

José Alaniz
University Press of Mississippi
Juni 2025
Verlagsseite

„Since the first Earth Day in 1970, how have US comics artists depicted the human-caused destruction of the natural world? How do these representations manifest in different genres of comics like superheroes, biography, underground comix, and journalism? What resources unique to the comics medium do they bring to their tasks? How do these works resonate with the ethical and environmental issues raised by global conversations about the anthropogenic sixth mass extinction and climate change? How have comics mourned the loss of nature over the last five decades? Are comics “ecological objects,” in philosopher Timothy Morton’s parlance?
Weaving together insights from comics studies, environmental humanities, critical animal studies, and affect studies to answer these questions, Comics of the Anthropocene: Graphic Narrative at the End of Nature explores the representation of animals, pollution, mass extinctions, and climate change in the Anthropocene Era, our current geological age of human-induced environmental transformation around the globe.
Artists and works examined in Comics of the Anthropocene include R. Crumb, Don McGregor et al.’s Black Panther, Jack Kirby’s Kamandi: The Last Boy on Earth, the comics of the Pacific Northwest, and Stephen Murphy and Michael Zulli’s landmark alternative series The Puma Blues. This book breaks new ground in confronting our most daunting modern crisis through a discussion of how graphic narrative has uniquely addressed the ecology issue.“

 

BuchcoverLa bande dessinée pluriculturelle et plurilingue: Sprachwissenschaftliche, fachdidaktische und kulturwissenschaftliche Perspektiven

Anke Grutschus, Karoline Heyder, Beate Kern, Marie Schröer (Hgs.)
Ch. A. Bachmann
September 2025
Verlagsseite

„Der Band versammelt sprach- und kulturwissenschaftliche wie fremdsprachendidaktische Perspektiven auf mehrsprachige und plurikulturelle Comics.
L’ouvrage rassemble des perspectives sur la bande dessinée plurilingue et pluriculturelle provenant de la linguistique, des sciences culturelles ainsi que de la didactique des langues étrangères.“

 

BuchcoverBack to Black: Jules Feiffer’s Noir Trilogy

Critical Graphics

Fabrice Leroy
Rutgers University Press
Mai 2025
Verlagsseite

„The legendary American cartoonist and author Jules Feiffer has enjoyed a long and varied career, working on everything from illustrating The Phantom Tollbooth to writing the screenplay for the film Popeye. But some of his most innovative work came very late in his career, with a trio of graphic novels he composed in his eighties: Kill My Mother (2014), Cousin Joseph (2016), and The Ghost Script (2018).
Back to Black provides the first full-length critical analysis of this trilogy, exploring how it pays homage to the iconography and themes of film noir through constant graphic experimentation and a striking reinvention of Feiffer’s distinctive style. Fabrice Leroy shows how Feiffer deftly alternates between dramatic and satirical tones as he plays with the conventions of noir to provide a caustic yet moving commentary on mid-twentieth-century American life. Through close readings of each novel in the trilogy, he examines Feiffer’s singular depiction of the central political issues in the United States from the Great Depression to the 1950s, which still resonate today: unionization struggles, cinematic propaganda, McCarthyism, the American Dream, immigration, antisemitism, civil rights, and gender discrimination. Placing the noir trilogy into the context of Feiffer’s long career, Back to Black demonstrates how he offers a loving pastiche of the genre without losing his unique voice or critical edge.“

 

BuchcoverChester Brown

Biographix

Frederik Byrn Køhlert
University Press of Mississippi
März 2025
Verlagsseite

„Best known for his alternative comics, Chester Brown (b. 1960) is one of the most acclaimed and influential cartoonists of the last half century. This first biography provides a critical account of Brown’s life and career, highlighting his role in the evolving comics landscape and tracing his journey from self-publishing minicomics on the streets of Toronto to creating award-winning graphic novels.
Characterized by often minimalist art and unconventional themes, comics such as Yummy Fur, Ed the Happy Clown, I Never Liked You, Louis Riel, and Paying for It have consistently pushed boundaries and confronted taboos. Chester Brown offers unique insight into Brown’s creative process as well the scope of his work and its larger cultural contexts. Organized chronologically, the book provides a full account of the artist’s career, beginning with his failed attempts to break into superhero comics and ending with discussions of his most recent work, in which he blends autobiography with political views on sex work and religion.
The book also examines Brown’s extensive authorial revisions and considers how he has deployed both these and an increasingly voluminous amount of paratextual material in the service of creating a highly distinctive authorial persona that in turn cannot help but influence how we encounter and read his work. Chester Brown pulls back the curtain on this pioneering artist and emphasizes the inseparability of Brown’s art and life, including the myriad ways they have informed each other across the last four decades of comics history.“

 

BuchcoverComics des Mittelalters – Mittelaltercomics: Vom Spruchband zur Sprechblase

Populäres Mittelalter

Marion Darilek, Matthias Däumer (Hgs.)
Transcript
Mai 2025
Verlagsseite

„Comics sind ein zentrales Medium der Mittelalterrezeption – aber auch mittelalterliche Artefakte weisen bereits comicartige Strukturen auf. Während Comics in der Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte längst etabliert sind, fehlt es bislang an mediävistischen Studien, die Mittelalter und Mittelalterrezeption zusammendenken. Ausgehend von der historisch offenen Definition des Comics als ›sequenzielle Kunst‹ analysieren die Beiträger*innen aus Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und -didaktik zum einen ›Comics des Mittelalters‹ und zum anderen ›Mittelaltercomics‹. Dabei zeigen sie, dass Bildgeschichten mehr sind als popularisierende Adaptionen des geschriebenen Wortes – vom Spruchband bis zur Sprechblase, für Forschende wie für Comic-Begeisterte.“

 

BuchcoverComics Beyond Text and Image: On the Substance of Visual Narration

Routledge Advances in Comics Studies

Benjamin Fraser
Routledge
September 2025
Verlagsseite

Comics Beyond Text and Image conceptualizes comics as “bodies,” exploring the substance and the many movements and expressions of comics first and foremost in terms of corporeality.
The book centers on the metaphor of the comics body as a way of opening up our understandings of what comics do. It begins from the position that narrative in comics is corporeal, expressed in and through the visual bodies into which the page can be divided analytically, and from the interaction of the human body with the comics body. Drawing on the philosophy of Baruch Spinoza, the author argues for the primary role of visual narration over textual narration, develops a theory of the comics text as a cohesive and variegated cartography, and shows how thought is expressed in the extensive space of the comics page. This theory is then applied in snapshots of individual comics works that each in their own way continue the philosophical discussions of embodiment.
This book moves beyond traditional modes of narration or narrative and will appeal to students and scholars of comics studies, as well as to those thinking about visual narrative more broadly, and to scholars of Spinoza and Deleuze.“

 

BuchcoverComics and Catharsis: Exploring Graphic Narratives of Trauma and Healing

Jordan Tronsgard (Hg.)
University Press of Mississippi
August 2025
Verlagsseite

Comics and Catharsis: Exploring Graphic Narratives of Trauma and Healing explores the idea that trauma and healing hold an imbalance in many forms of literature—especially in the world of comics. Whether it be war-based, national, physical, or sexual trauma, this volume looks at a wide variety of trauma and the psychological pain and devastation that arise during and—crucially for the question of trauma narratives—following the events as the psychological (and often physical) wounds are processed.
Essayists in the collection engage with questions of how comics process trauma through depictions and receptions. Viewing trauma through the lens of comics such as Maus, Persepolis, and Fun Home, as well as works by comics writers who are little known or unknown outside their communities, contributors analyze how trauma is used in artistic style, writing, and overall storytelling. Together, the essays in Comics and Catharsis show how people who have suffered trauma often flock to these works to find a way to acknowledge and process their own suffering.“

 

BuchcoverThe Political Imagination in Spanish Graphic Narrative

Routledge Advances in Comics Studies

Xavier Dapena, Joanne Britland (Hgs.)
Routledge
April 2025
Verlagsseite

„In a spirit of community and collective action, this volume offers insights into the complexity of the political imagination and its cultural scope within Spanish graphic narrative through the lens of global political and social movements.
Developed during the critical years of the COVID-19 pandemic and global lockdown, the volume and its chapters reflect the interdisciplinary nature of the comic. They employ a cultural studies approach with different theoretical frameworks ranging from debates within comics studies, film and media theory, postcolonialism, feminism, economics, multimodality, aging, aesthetics, memory studies, food studies, and sound studies, among others. Scholars and students working in these areas will find the book to be an insightful and impactful resource.“

 

BuchcoverThe Visionary Art of Franco-Belgian Comics, 1930s to 1960s

Studies in European Comics and Graphic Novels

Hugo Frey, Maaheen Ahmed (Hgs.)
Leuven University Press
September 2025
Verlagsseite

Exhibition catalogue ‘Visionary Comics: The collection of Alain Van Passen’, Comic Art Museum – Brussels, 16.09.25 – 07.12.25

Hidden within the millions of panels and magazine pages collected by Alain Van Passen, a devoted Belgian comics collector active from the earliest days of the comics clubs, lies a long-forgotten history of vibrant, surrealist, and even ‘visionary’ images. His pristine collection, built over decades of searching and exchanging comics, offers unprecedented insight into the diverse trajectories of twentieth-century popular publishing. Focusing on comics magazines published between 1935 and 1965, this catalogue reveals a ‘lost world’ of French and Belgian comics, as well as the translations and reworkings of American, British and Italian strips. Ten concise and colourful chapters introduce readers to the zany and fascinating pages and panels across genres such as humour, science fiction, history and adventure. Shedding light on often-forgotten or little-known artists, this volume traces a counter-history of French-language comics. Richly illustrated with largely unseen material, it offers the reader an introduction to the visionary art of French-language comics.“