Comicgesellschaft

„Terrain de Je: Comic, Autobiografie und Autofiktion“ von Marie Schröer erschienen!

Terrain de Je: Comic, Autobiografie und AutofiktionTerrain de Je: Comic, Autobiografie und Autofiktion

Marie Schröer

Christian A. Bachmann Verlag
2025
318 Seiten
€ 39,90
ISBN 978-3-96234-097-1

Ankündigungstext:
„Roland Barthes nennt seinen autobiografischen Avatar ein ‚Je de Papier‘; der Comicautor Killoffer bezeichnet den Comic als ein ‚Terrain de Jeu‘. Wo beides zusammentrifft, entsteht ein ‚Terrain de Je‘: ein Raum, in dem Zeichnende mit Identitätskonzepten experimentieren und zugleich intime Selbstbilder inszenieren. Diese Studie verfolgt die Linien von der Autorepräsentation zur Autobiografie und Autofiktion, seziert das Konzept Graphic Novel und denkt den klassischen Bildungsroman neu. Vorgeschlagen wird als Pendant zum autobiografischen ein autofiktionaler Pakt, der die Autofiktion als Lesefigur fasst. Anhand von Close Readings – von Claire Bretécher über Justin Green bis Fabrice Neaud – zeigt sich, wie Comics autobiografische Verfahren aufnehmen, variieren und unterlaufen, ohne sich je vollständig in einem Genre fassen zu lassen.“

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„Handbuch Comicforschung“ erschienen!

Handbuch ComicforschungHandbuch Comicforschung

Christian A. Bachmann, Juliane Blank, Stephan Packard und Janina Wildfeuer (Hg.)

De Gruyter
2025
646 Seiten
ISBN 978-3-1106-2318-5

Ankündigungstext:
„In 37 Kapiteln präsentiert das Handbuch Comicforschung Überblicke und Zugänge zu den zentralen Konzepten, Traditionen, Methoden, aber auch Inhalten der wissenschaftlichen Arbeit über Comics, Graphic Novels, Manga und andere Formen sequenziellen graphischen Erzählens. Das junge, aber inzwischen dennoch etablierte transdisziplinäre Forschungsgebiet wird von renommierten Beiträger:innen erschlossen: in Kapiteln zur Comicforschung in verschiedenen akademischen Fächern, zu Traditionen der Kunstform in einer Vielzahl von Kulturen und Sprachen, zu methodischen Zugängen, besonderen Gegenständen und Perspektiven sowie zur Geschichte der Comics im wissenschaftlichen und im öffentlichen Diskurs werden Konzepte erklärt, Forschungsstände zusammengefasst und offene Fragen und Desiderata zur Diskussion gestellt.“

Mit Beiträgen in fünf breiten Sektionen zu Disziplinen, Ausgewählten Comictraditionen, Zugängen, Gegenständen und Perspektiven sowie Forschungs- und Vermittlungsgeschichte von u.a. Juliane Blank, Stephan Packard, Markus Engelns, Ulrike Preußer, Nina Eckhoff-Heindl, Lukas R.A. Wilde, Jörn Ahrens, Jochen Ecke, Brett Sterling, Marie Schröer, Jaqueline Bendt, Karen Struve, Renata Makarska, Marina Rauchenbacher, Katharina Serles, Johannes C.P. Babbe, Ole Frahm, Jan-Noël Thon, Daniel Stein, Barbara M. Eggert, Christine Gundermann, Dietrich Grünewald, Arno Meteling, Susanne Schwertfeger, Felix Giesa und Matthias Harbeck.

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„Comics in Bildungskontexten“ erschienen!

Comics in Bildungskontexten:
Entwicklungen, Diskurse, Praxis

Sylvia Kesper-Biermann und Anna Strunk (Hg.)
Klinkhardt Verlag
2025
148 Seiten
Open Access
ISBN 978-3-7815-2746-1

Ankündigungstext:
„Der Band gibt neue Einblicke in die historische und aktuelle Rolle von Comics in Bildungskontexten, insbesondere in die vielschichtigen Ansätze, die in Forschung, (Hochschul-)Lehre und künstlerischer Praxis verfolgt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Entwicklungen von der Vorgeschichte bis zum 21. Jahrhundert, den damit verbundenen (pädagogischen) Diskursen sowie verschiedenen Ebenen der Praxis einschließlich des Erstellens eigener Comics und deren Einsatz in unterschiedlichen Bildungssettings. Die Beiträge beleuchten das Bildungsmedium Comic aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven und können somit als Auftakt für eine bildungshistorische und erziehungswissenschaftliche Auseinandersetzung dienen, die über die konkrete (fach-)didaktische Anwendung des Mediums hinausgeht und Impulse für weiterführende Forschungen liefert.“

Beiträge:

Sylvia Kesper-Biermann und Anna Strunk:
Comics in Bildungskontexten: Entwicklungen, Diskurse, Praxis. Zur Einführung

Ingrid Lohmann:
Zur Vorgeschichte von Comics als Bildungsmedien

Anna Strunk:
„Kulturpessimisten“ gegen „Micky Maus-Fortschrittsgläubige“? Der Wandel der Debatte um Comics als Bildungsmedien in der Zeitschrift Jugendschriften-Warte in den 1970er Jahren

Sylvia Kesper-Biermann:
Aufklärung mit „pädagogischem Touch“. Friedrich Karl Waechters Anti-Struwwelpeter

Tilman Grammes:
Marion unterwegs. Ein entwicklungspolitischer Lehrcomic im Gesellschaftslehreunterricht (1979) zwischen direktem Ansatz und Reflexion visueller Kommunikation

Heike Elisabeth Jüngst:
Die Quer-Comics: Die 1980er und ihre Ideale

Eva Matthes und Ann-Kathrin Mehwald:
Comics in didaktischen Kontexten – notwendige Unterscheidungen 

Yvonne Al-Taie und Susanne Schwertfeger:
Multimediales Erzählen in einer Welt der Krisen. Comics in der antisemitismus- und rassismuskritischen sowie diversitätssensiblen Hochschullehre

Jens Natter:
Über die Gestaltung von Historiencomics anhand des Beispiels 

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ComFor-Leseempfehlungen 2025

Auch in diesem Jahr wünscht die Gesellschaft für Comicforschung all ihren Leser*innen  und Freund*innen einen guten Start ins neue Jahr 2026 und präsentiert zu diesem Anlass wieder aktuelle Leseempfehlungen von Comicforscher*innen, die wir zum Jahresabschluss gesammelt haben. (Die Leseempfehlungen der letzten Jahre finden sich hier) Viele unserer Mitglieder haben uns dafür erneut ganz subjektive Lektüretipps geschickt, die aus den vergangenen zwölf Monaten im Gedächtnis geblieben sind – aus welchen Gründen auch immer.

Wie jedes Jahr: viel Vergügen bei unserer höchst subjektiven Retrospektive auf 2025, angenehme Feiertage und einen guten Rutsch, im Namen der ComFor-Redaktion und des Vorstands.

Jörn Ahrens

Kultursoziologe, Justus Liebig Universität Giessen

Romain Renard, übersetzt von Anne Bergen: Wiedersehen mit Comanche (Splitter)

Wiedersehen mit ComancheEin Spätwestern. Eine Hommage. Eine Interpretation. Romain Renard, der in Deutschland vor Jahren mit seinen zwei Bänden Melville hervorgetreten ist, imaginiert das Ende einer Geschichte. Die Figuren aus Hermann und Gregs klassischer Western-Serie Comanche nimmt er auf und übersetzt sie in ein Setting im Jahr 1932, aber die Jahreszahl erfährt man nur beiläufig, aufgedruckt auf einer Pulpnovel über den Wilden Westen. Der gealterte Red Dust lebt versteckt in Kalifornien, wird aber aufgespürt von einer jungen, schwangeren Frau, die sich als Journalistin ausgibt und ihn schließlich überredet, mit ihr zurück nach Wyoming auf die 666 Ranch zu fahren, um dort Comanche zu treffen und Zeugnis abzulegen über jene Old Times, als der Westen noch wild war. Am Ende trifft Red Dust nicht auf Comanche, sondern auf seine Nemesis in Gestalt der Familie Dobbs. Noch einmal muß er einen großen Shoot Out ausfechten und abermals verschwinden, denn noch immer sucht ihn die Polizei. Renard erzählt diese Geschichte mit großer Lakonie und in schönen, in schwarz, weiß und grau gehaltenen Bildern. Wie schon bei Hermann und Greg taucht Comanche im ganzen Comic nicht auf, sondern reduziert sich auf die Nennung im Titel des Bandes, was an sich schon eine clevere Hommage an die Serie ist. Dafür wird Red Dust eine komplexe Frauenfigur gegenübergestellt. Der Bilderfluß selbst, in dieser Zeit einer sich endgültig durchsetzenden industriellen Moderne, die nun auch die 666 erreicht, wird immer wieder unterbrochen durch Bildreminiszenzen an eine dystopisch gescheiterte Moderne. Über allem schweben die Sonette Shakespeares.

José Munoz und Carlos Sampayo, übersetzt von Myriam Alfano: Joe’s Bar (Avant Verlag)

Joe’s Bar

Kontinuierlich macht sich der Berliner avant-verlag um Gesamtausgaben von Sternstunden der Comic-Kunst verdient; so auch diejenige der Serie Joe’s Bar von den Argentiniern Munoz und Sampayo, die von 1978-1985 im französischen Magazin (À Suivre) erschien. Dreh- und Angelpunkt der Geschichten ist eine Bar in New York, eine Kaschemme, ein Treffpunkt für alle und keinen. Hier fischen die Autoren ihre Figuren aus der Masse der Barbesucher heraus, die in allen möglichen Couleurs, sozialen Schichten und subkulturellen Hintergründen in der Bar aufeinander treffen. Das ist zum einen eine in den Stories jeweils ungemein pointierte Sozialkritik, die ihre Figuren zu Typen, Allegorien, Experimentalanlagen verdichtet. Das ist zum anderen aber vor allem auch ganz große, nach wie vor ziemlich unerreichte Kunst. Während die Seitenanlage nicht sonderlich von der Konvention untereinander verlaufender Strips abweicht, die lediglich in der Höhe variieren, warten die Panels mit einer nahezu einzigartigen expressionistischen Ästhetik im Comic auf. Solche Figuren hat man zuvor nicht gesehen, wird sie so auch nicht wieder zu Gesicht bekommen. In die Groteske überzeichnete, zugleich ungeheuer pointierte Gesichter und Typen und den Moden und Stilen der Zeit extrem genau abgeschaute Accessoires und, bei aller Abstraktion, peinlich genau recherchierte Hintergründe eines zu jener Zeit exotistisch pittoresk heruntergekommenen New York. Die Hauptstadt der Welt, ein Krisenherd. Die Ästhetik in harten, gerade im Einsatz von Schwarz immer wieder stark flächigen schwarz-weiß Kontrasten bleibt zeitlos spektakulär. Eine Augenweide.

Manfred Sommer, übersetzt von Maximilian Lenz: Frank Cappa, Gesamtausgabe (Avant Verlag)

Frank Cappa

In einer weiteren, verdienstvollen Edition legt der avant-verlag eine Gesamtausgabe der Serie des Spaniers Manfred Sommer über den Kriegsreporter Frank Cappa vor, dessen Name in Anlehnung an Robert Capa Programm ist. An wechselnden Schauplätzen, die teils fiktiv teils authentisch sind, legt Cappa Zeugnis von den Greueln des Krieges ab. Ob dieser auch immer sinnlos ist, bleibt zuweilen dahingestellt, denn Cappa ist selbst, und das macht die Serie sympathisch komplex, nicht normativ positioniert. Seine an Hugo Pratts Corto Maltese erinnernde Lakonie (dessen Ironie ihm allerdings komplett abgeht) gegenüber dem Geschehen, das er dokumentiert, befähigt Cappa, die Perspektiven aller Protagonisten nachzuvollziehen, denen er begegnet. Das macht die Lektüre nicht immer leichter, aber in jedem Fall anregender als die Bereitstellung festgefügter Positionierungen, die sich moralisch sicher sein können. Cappas (und Sommers) Botschaft ist, daß es diese Sicherheit nicht gibt. Zu einer Generation spanischer Zeichner gehörend, die mit dem Ende der Diktatur Mitte der 1970er Jahre aufgebrochen ist, neue Inhalte und Ästhetiken zu erschließen, kommt er ebenso nah an Pratt heran wie an Caniff. Die Kunst der Pointierung beherrscht er ebenso wie die Abstraktion. Sommer, dessen Werk viel zu wenig beachtet geblieben ist, ist ein großer Meister im Umgang mit schwarz-weiß. Demgegenüber fallen die allzu gefällig im Stil der spanischen Comics der Zeit eingetuschten, farbigen Stories sichtbar ab. Die chronologisch vorgehende Ausgabe schließt eine editorische Lücke.

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Ole Frahm

Comicforscher, Arbeitsstelle für Graphische Literatur (ArGL) Hamburg

Ilan Manouach: Tarwar (Nero Press) / Emiolio López-Menchero: Théorie des bulles (La Lettre Volée)

Tarwar / Théorie des Bulles

Diese zwei Bände sind ein vergnügliches Muss für alle Freund*innen der Comic-Form. Beide haben keine erzählbare Handlung, sondern reflektieren das Funktionieren der Comics und bleiben, anders als manch wissenschaftliche Auseinandersetzung, unterhaltsam. López-Mencheros Hauptfigur ist die Sprechblase, die auf nicht weniger als 101 Seiten die verschiedensten Verwandlungen durchmacht. Während das Seitenraster weitgehend gleich bleibt – acht querformatige Panels, jeweils zwei in vier Zeilen – verwandeln sich die Sprechblasen ständig. Dabei ist vor allem faszinierend, wie die Lektüre zwischen der Betrachtung der Graphik, dem Lesen des Comics und der Konstruktion eines Sinns herumschlingert. Es könnten 101 One-Pager sein, oft genug wird die jeweilige Seite durch eine Idee dominiert, aber immer wieder ergeben sich Bezüge über die Seiten hinweg – und die nahezu immer leeren Sprechblasen füllen sich mit Vorstellungen und Worten. Während López-Manchero den eigenen Strich, die graphische Geste immer wieder betont, verzichtet Ilan Manouach schon seit langem auf solche Gesten. Bekannt geworden durch seine – zweifelhafte – Umzeichnung von MAUS zu KATZ 2012, hat Manouach inzwischen einige sehr viel überzeugendere Überarbeitungen veröffentlicht, wie Les Schtroumpfs Noirs, wo alle Farben in Schlumpfblau gedruckt sind. Tarwar begeistert, weil es die Arbeit, die Luis Gasca und Roman Gubern so verdienstvoll in El Discurso del Cómic 1994 begonnen haben, nämlich die Sammlung von bestimmten Idiomen und diskursiven Strukturen in Comics – wie schwarze oder nahezu schwarze Panels – in komischster Weise fortsetzt und radikalisiert. Das Team von Manouach hat auf über hundert Seiten mit vier bis fünf Zeilen unterschiedlichste Comic-Panels zusammengetragen, deren verbindendes Element ist, dass sie schwarz sind – schwarz mit Schrift, schwarz mit Augen, schwarz mit Bom, Baoum, Whamm! Und was nicht noch alles. Dabei geht es nicht um Semiotik und Philologie, sondern tatsächlich darum, aus diesen Elementen eine neue Geschichte zu assoziieren. Manchmal sind die Herkünfte einzelner Panels offensichtlich, wenn z.B. ein Copyright (1942 by Walt Disney) vermerkt ist. Oftmals sind die Quellen (zumindest mir) weniger deutlich, angeblich wurden angeblich mehr als 12 Millionen Comics aus aller Welt digital durchforstet. Nun mischen sie sich von schwarzem Panel zu schwarzem Panel munter. Es ist die lange Nacht der Comics, ein endloser Tunnel, an dessen Ende zwar ein paar Sterne leuchten, aber natürlich an einem tiefschwarzen Himmel. Wer dachte, dass Christian Marclay und Jochen Gerner in der Reflexion der Form schon alles ausgelotet hätten, wird mit diesen beiden Comics erfreulich eines Besseren belehrt.

Hannah Brinkmann: Zeit heilt keine Wunden. Das Leben des Ernst Grube (Avant Verlag)

Zeit heilt keine Wunden. Das Leben des Ernst GrubeDass formale Experimente nicht bei der Form stehen bleiben müssen, zeigt diese Geschichte des 20. Jahrhunderts: Ernst Grube wurde als jüdisches Kind von den nationalsozialistischen Deutschen verfolgt, als Kommunist in der Bundesrepublik. Brinkmann zeichnet nicht nur seine Geschichte, sondern auch die von dem Richter Geier und dessen Karriere im Dritten Reich – in der BRD weiter im Amt verurteilt er Grube. Das Dritte Reich, daran wird hier anders als in so vielen anderen Comics über den Holocaust erinnert, endete nicht 1945, sondern durch die vielen personellen Kontinuitäten ging für viele der Opfer etwas weiter, das, so zeigt auch die aktuelle politische Situation, nicht aufgehört hat zu existieren. Die besondere Qualität von Hannah Brinkmanns Darstellung ist die Freiheit ihrer zeichnerischen Umsetzung von Grubes Bericht. Wenn sie den Konventionen der Holocaust-Comics folgend mit dem Zeitzeugen-Gespräch beginnt, geht sie nicht gleich in die Vergangenheit, sondern zeichnet das Innere des Körpers, denn „die Gewalt … / … der Nazis … / … lässt dich auch … / … innerlich zerbrechen“ und findet auch im weiteren manch ungewohntes Bild. Immer wieder unterbrechen ganzseitige Reflexionen das Geschehen, die ohne jemals verspielt zu sein die formalen Elemente des Comics elegant in den Dienst nehmen. So wird nicht nur das vergangene, realistische Geschehen in Erfahrung gebracht, sondern auch innere Bilder und Gefühle – die so in unsere Gegenwart hinübergerettet werden.

Peter Maresca und Michael Tisserand: Jimmy! The Comic Art of James Swinnerton (Fantagraphics)

Jimmy! The Comic Art of James Swinnerton

Ich weiß nicht, wann ich zuletzt beim Lesen von Comics so gelacht habe: die Witze sind zwar über hundert Jahre alt, aber wer so komisch Tiere zeichnen kann, wie James Swinnerton, altert nicht. Wenn die Tiere die zeitgenössische Zeitungsproduktion auf der Arche Noah übernehmen und die von einem Äffchen an der Druckerpresse frisch gedruckten Zeitungen „Rain“, „Still Rain“ und „Extra Rain“ melden, während der Marabu auf die Schlagzeile „Steady Rain“ schaut und zufrieden „Ah, the circulation is increasing“ konstatiert, bleibt kein Auge trocken. Der großformatige Band beschränkt sich dementsprechend nicht nur auf James Swinnertons langlebigste Serie Jimmy und verfolgt diese von 1899 bis 1937 in ausgewählten Seiten, sondern gibt einen groben Überblick über das viel zu selten wieder gedruckte, vielfältige Werk eines Zeichners, der in der Frühzeit die Entwicklung der Comics zu einem Massenmedium maßgeblich mitgestaltet hat. Sogar einen Western-Strip mit dem Titel Rocky Mason ist dabei, für den Swinnerton Jimmy 1941 (mit 66 Jahren) aussetzte und der wunderbar ungelenk in seinem Übersetzungsversuch des Funnie-Stils in das Abenteuer-Genre daherkommt. Swinnerton hat zeitweise in Kayenta bzw. im Coconino County gelebt und auch George Herriman mit dieser eigenen Landschaft und der indigenen Bevölkerung bekannt gemacht: fast 20 Jahre zeichnete er die ebenfalls hier repräsentierten Canyon Kiddies. Dass uns Beispiele aus den letzten 13 Jahren Jimmy (1945-1958) vorenthalten werden, lässt sich ebenso verschmerzen wie die nicht gut aufeinander abgestimmten, zudem knappen Erläuterungen, die einen heiteren Philologen wie Bill Blackbeard vermissen lassen. Während die Geschlechterverhältnisse gelegentlich sehr konventionell dargestellt sind, gibt es auch Überraschungen, wenn Sam beispielsweise alle anderen auslacht und so – wie Tisserand erläutert – die Regeln des blackfacing und vom Minstrel unterläuft. Solche Strips geben nicht nur zu lachen, sondern auch zu denken.

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Benedikt L. Freiling

Germanistikstudent, Philipps-Universität Marburg

Sean Murphy, übersetzt von Harald Sachse: Zorro: Die Legende lebt (Splitter Verlag)

Zorro: Die Legende lebtZu Recht denken Fußballfans bei diesem Untertitel an die Hymne des 1. FC Nürnberg. In diesem Fall hat sie jedoch nichts mit dem neuen Album von Sean Murphy über die Westernlegende Zorro zu tun. Aus dem anfänglichen Mord an Alejandro de La Vega, dem „alten” Zorro, entwickelt sich eine furios erzählte Rachegeschichte gegen ein Drogenkartell, das die Stadt La Vega grausam ausbeutet und unterdrückt. Sein Sohn Diego übernimmt das Erbe Zorros und kämpft in den vier Kapiteln der Geschichte mit Degen und Peitsche gegen das Kartell unter der Führung von El Rojo, unterstützt von seiner Schwester Rosa. Mit seiner abwechslungsreichen und dynamischen Panelstruktur sowie den zahlreichen Schwarzflächen schlägt der Comic eine Brücke zwischen Superhelden- und Westerncomics. Das ist nicht sonderlich verwunderlich, ist doch Sean Murphy durch seine Alben im Batman-Universum bekannt geworden. Somit ist die Hinwendung zu einem anderen nach Gerechtigkeit strebenden Ritter nicht überraschend. Positiv hervorzuheben sind die ganzseitig angelegten Panels, die an den richtigen Stellen die wichtigsten Wegpunkte der Geschichte hervorheben. Aufmerksamen Lesern werden die Füchse auffallen, die Zorros ständige Begleiter sind und ein schönes wortspielerisches Geheimnis verkörpern. Fans der Genres Western und Superhelden sei diese Neuauflage des Zorro-Mythos sehr ans Herz gelegt. Abschließend sei noch auf die Seitenhiebe in der Geschichte auf die bereits existierenden Zorro-Filme und -Comics hingewiesen. Insofern ist dieser Comic auch allen Zorro-Fans zu empfehlen, die sich im Leseprozess auf diverse Anspielungen, etwa in den Panelhintergründen, freuen dürfen. In diesem Sinne: ¡Viva la Vega y viva el Zorro!

Jean Dufaux und Jaime Calderón, übersetzt von Hanna Reininger: Das Haus Usher (Splitter Verlag)

Das Haus UsherManche Geschichten sind niemals veraltet – vor allem dann nicht, wenn sie immer wieder neu interpretiert und weiterentwickelt werden. So ist es auch bei diesem Klassiker der Schwarzen Romantik von Edgar Allan Poe, den Jean Dufaux und Jaime Calderón neu interpretiert haben. Der unbenannte männliche Ich-Erzähler aus der ursprünglichen Geschichte erhält in der Comicversion den Namen Damon Price und einen sozialen Hintergrund. Im Comic tritt er als professioneller Spieler mit Schulden auf. Zudem wird ihm eine Freundin namens Nina angedichtet, die er aus der Prostitution freikaufen will. Vor seinen Gläubigern flieht er in eine dunkle Kutsche, die ihn zu dem Haus Usher und seinem etwas verrückten und mysteriösen Cousin Roderick bringt. An diesem Ort entfaltet sich eine gruselige Geschichte. Mit düsteren Grabkammern, mysteriösen Geschichten und einer kleinen Zombieapokalypse bietet die Geschichte alles, was es zum Gruseln braucht. Das schöne Szenario wird von den eindrucksvollen Zeichnungen von Calderón unterstützt, die den Figuren durch den besonders geschickten Einsatz von Farben eine ungewöhnliche Plastizität und Authentizität verleihen. Durch diesen Stil erreicht der Comic eine sehr realistische und filmische Wirkung. Besonders interessant wird es, wenn der Protagonist auf seinen Schöpfer, Edgar Allan Poe, trifft. Dieser ist in die Geschichte eingeflochten und scheint sie zu lenken, obwohl er nicht alles genau vorhersagen kann, da die durch ihn erschaffenen Figuren irgendwann ein Eigenleben entwickeln. Der Comic lässt sich sowohl aus literaturwissenschaftlicher Perspektive als auch aus musikwissenschaftlicher Sicht beleuchten, da Musik eine bedeutende dramaturgische Rolle spielt. Das Werk ist allerdings nicht nur aus wissenschaftlicher Perspektive interessant, sondern auch allen Poe- und Grusel-Fans wärmstens zu empfehlen.

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Dietrch Grünewald

Kunstdidaktiker, Emeritus Universität Koblenz-Landau, ehem. 1. Vorsitzender der ComFor

Yaroslav Schwarzstein: Potemkin Riot (ciconia ciconia)

Potemkin RiotPersimfans, ein dirigentenfreies Musikerkollektiv, 1922 in Moskau gegründet, unter Stalin 1932 aufgelöst, wurde 2008 reaktiviert. Zu seinen Projekten gehört die Vorführung von Eisensteins Stummfilm Panzerkreuzer Potemkin (Uraufführung 1925 im Moskauer Bolschoi-Theater) mit Edmund Meisels Musik (1926) als Live- Begleitung. Schwarzstein, geb. 1975 in Tula, Grafiker, Maler, Musiker, der in Hannover lebt und arbeitet, gehört als Leiter der Kunstabteilung zu Persimfans. Er schuf zunächst Plakate für das Projekt, was ihn anregte, dann den ganzen Film als Bildgeschichte zu gestaten. Eisenstein schuf ein durch Typisierung und Montageeffekte emtotional hochwirkungsvolles Werk, das über den Propagandauftrag Lenins künstlerisch weit hinausgeht. Die Meuterei auf dem Kriegsschff Potemkin 1905, ausgelöst, weil die Matrosen sich weigerten, vergammeltes Fleisch zu essen, wird als revolutionärer Akt in einer Verschmelzung von Fiktion und Realität verklärt. Schwarzstein, orientiert sich am Aufbau des Films und erweitert ihn durch eigene Fiktionenselemente. Seine Bildgeschichte steht in der Tradition der Holzschnitt-Romane Masareels, erzählt in doppel- und einseitigen Bildern, wo es die Dynamik der Handlung oder Signalgeben (gemäß der Maritime Semaphore Flags) erfordern, auch mit mehreren Panel auf der Doppelseite, im flächig expressiven Stil dem Film und seinem Plakat von 1925 (auch dem zeichenhaft-abstrakten von Hans Hillmann aus dem Jahr 1966) verpflichtet. Wie Eric Drooker in Flood! (1992) geht er über das reine Schwarz-Weiß hinaus, setzt durch die dominierende maritime Farbkombination Schwarz-Weiß-Blau, durch aggrssives Rot, durch Gelb- und Orangetöne emotionale Akzente, erweitert – wie der Film – die primär stumme Bildfolge partiell durch kurze Texteinfügungen (vornehmlich Rede der Akteure), die helfen, das Gezeigte besser zu verbinden und zu deuten. Eine großartige bildmächtige Erzählung (gegliedert in Prolog, fünf Akten, Epilog), die über eine reine Adaption weit hinausgeht und ein aufmerksames mitspielendes Bildlesen fordert.

Luz (Rénald Luzier), übersetzt von Lilian Pithan: Zwei weibliche Halbakte (Reprodukt)

Zwei weibliche HalbakteCatherine Meurisse und Luz hatten das zufällige Glück, dem Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo 2015 zu entgehen. Meurisse suchte in der Begegnung mit Kunstwerken ihr Trauma zu überwinden (Die Leichtigkeit, 2017), und auch Luz wendet sich in seinem neuen Bildroman der Bildenden Kunst zu, erzählt die Geschichte eines Gemäldes, das überlebte. Es geht um ein 1919 von Otto Mueller gemaltes expressionistisches Temperabild, das der Sammler Littmann dem Künstler, gerade Professor für Aktmalerei in Breslau geworden, abkaufte, das dann dem Wahn der NS-Diktatur zum Opfer fiel, enteignet (sprich: gestohlen) und in die Wanderausstgellung „Entartete Kunst“, die offensiv und voller Hass die Kunst der Moderne herabzuwürdigen suchte, eingebunden wurde, glückerlicherweise der Vernichtung entkam und nach dem Krieg seinen Platz im Museum Ludwig in Köln fand. Luz wählt für seine Erzählung eine besondere Dramaturgie: den subjektiven Blick, wie ihn z. B. Bastien Vivés konsequent (In meinen Augen, 2010) heranzieht; aber bei Luz ist es nicht der Blick eines Menschen, sondern der des Gemäldes, durch den – und damit eine besondere Nähe und emotionale Identifikation erzeugend – die Rezipienten die Geschichte verfolgen (müssen). David Prudhomme hat den Kunstgriff vorgeführt, wenn er zeigt, wie eine genervte Mona Lisa auf das gaffende Publikum schaut (Einmal durch den Louvre, 2012). Ohne das Gemälde selbst zu sehen (aus Sprechblasentexten kann man auf das Bildmotiv schließen, erfährt Reaktionen von Betrachtern), erleben wir mit, wie das Gemälde entsteht, wobei, dem Malakt folgend, Fleck für Fleck der malende Otto Mueller sichtbar wird. Erst mit Fertigstellung des Gemälders zeigen nun auch vollständig sichtbare Panel chronologisch, was vor sich geht, was sich vor dem Gemälde abspielt, was mit ihm – das passiv das Geschehen erdulden muss – passiert. Luz hat exakt recherchiert, zeigt uns Orte, Akteure, Bilder, Szenen realitätsgetreu, denn er erzählt keine fiktive Geschichte. Die Geschichte dieses Bildes ist exemplarisch die Geschichte der modernen Kunst im 20. Jahrhundert, eine Überlebensgeschichte so vieler Werke, denn mit dem „Blick“ des Gemäldes begegnen wir auch anderen Werke, die vom NS-Maler und -Funktionär Ziegler aus deutschen Museen beschlagnahmt wurden. Zwei weibliche Halbakte hatte das Glück, nicht verbrannt zu werden, sondern wurde dank eines Tauschangebotes des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt gerettet, vonJosef Haubrich für seine Sammlung erworben und nach dem Krieg der Stadt Köln geschenkt. 1999 wird das Bild Ruth Haller, der Tochtert Lippmanns, zurückgegeben und wieder zurückgekauft. Und so hängt das Gemälde heute im Museum Ludwig, „sieht“, wie Lothar, der als kleiner Junge in der Münchener Ausstellung das Bild betrachtete, es nun als alter Herr (nun freilich in anderem Kontext) mit dem gleichen freudigen Lachen bewundert. Im Anhang präsentiert uns Luz dann eine dem Original nahe Adaption, die auch erkennen lässt, dass die Bildgerzählung in Stil und Farbe deutliche Nähe zu Muellers Malweise aufweist. Der Comic ist m. M. n. einer der besten und lesenswertesten der letzten Zeit.

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Iris Haist

Kunsthistorikerin u. Kulturmanagerin, Köln

Katharina Greve: Meine Geschichten von Mutter und Tochter (Avant Verlag)

Meine Geschichten von Mutter und Tochter

Hier Endlich, nach mehr als 90 Jahren nach dem Beginn der beliebten Vater und Sohn-Bildgeschichten von Erich Ohser alias e.o.plauen (1934–37), rücken nun auch Mutter und Tochter in den Fokus derartiger Comicreihen. Und das gleich zweimal: Nach Jannes Webers liebevoll gestaltetem Buch Mutter und Tochter von 2024 bereichert 2025 nun auch Katharina Greve dieses Feld mit ihren durchdachten Bildgeschichten mit dem Titel Meine Geschichten von Mutter und Tochter – online und analog. Greve schildert in ihrer unverkennbar reduzierten und direkten Art das Leben einer alleinerziehenden Mutter mit ihrer kleinen Tochter. Ihre Unternehmungen – Museumsbesuche, Zelten, Installieren eines Insektenhotels, Einkaufen auf dem Flohmarkt, etc. – sind eher kostengünstig, fördern aber die Bildung, sind nachhaltig und empowernd. Mutter und Tochter scheinen finanziell aber ausreichend abgesichert zu sein und damit nicht existentiell bedroht. Dadurch entwirft Greve, wie schon e.o.plauen, ein Umfeld für ihre Comics, das den Fokus auf die enge und liebevolle Interaktion zwischen den beiden Hauptfiguren, und nicht zu sehr auf äußere Einflüsse, legt. Es ist dieses vertraute Gefühl von Zweisamkeit, das viele Menschen in ihren positiv empfundenen Beziehungen besonders schätzen, das uns Greves Mutter und ihre Tochter vor Augen führen – und in welches sie uns ganz selbstverständlich miteinbeziehen. Es sind Geschichten zum Mit-Fühlen.

 

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Imke Heine

Literaturwissenschaftlerin, TU Dresden

Tian: Le piano de Leipzig (Éditions Gallimard BD)

Le piano de Leipzig

1965. Die siebzehnjährige Dani verlässt ihr Heimatland Kambodscha, um in der DDR ein Klavierstudium zu beginnen. Weit weg von ihrem gewalttätigen Vater hofft sie auf eine bessere Zukunft, doch das neue Leben in Leipzig stellt die junge Frau vor zahlreiche Herausforderungen: Die deutsche Sprache ist schwer, der Winter hart und die Anforderungen des Studiums bringen sie an ihre körperlichen Grenzen. Zum Glück kann sie bei allen Widrigkeiten stets auf ihre Freunde und die Unterstützung der strengen, aber einfühlsamen Klavierlehrerin Ruth zählen – auch dann als Dani bemerkt, dass sie schwanger ist. Der Eiserne Vorhang schiebt sich nicht nur zwischen Nationen, sondern trennt Dani physisch und ideologisch vom Vater ihres Kindes, der sich eine Karriere in den USA aufbaut, während in Kambodscha der Bürgerkrieg ausbricht. Der französisch-kambodschanische Comicautor Tian erzählt in dieser Bande dessinée die berührende Geschichte seiner Tante, die er erst nach der deutschen Wiedervereinigung kennenlernte. In realistischen, klar umgesetzten Alltagsszenen zeichnet er die individuellen Erfahrungen der Protagonistin nach und setzt diese in den Kontext politischer Zusammenhänge. So wird jedes Kapitel von einer separaten Seite eingeleitet, die über das System der DDR informiert. Damit schafft Tian ein beeindruckendes Zeitzeugnis, welches das Augenmerk auf die weniger bekannten historischen Verbindungen zwischen Ostdeutschland und Kambodscha legt.

Karla Paloma: Ratten (Avant Verlag)

Ratten

Karla ist Dänin, doch das (Über-)Leben in Berlin als chronisch mittellose Künstlerin scheint alles andere als hygge. Positive skandinavische Stereotype lassen sich zumindest ausnutzen, um beim Klauen im Supermarkt mit der neunjährigen Herle einen Ladendetektiv übers Ohr zu hauen. Doch guter Rat ist teuer, wenn Mitbewohner Francesco mal wieder die Miete nicht zahlt, plötzlich alle Freundinnen Nachwuchs bekommen, der an Flatulenzen leidender Bullterrier Dexter die Luft verseucht und Karla hinter dem Flohmarktstand im Mauerpark ihr Dasein hinterfragt. Zumindest ist dann die kluge Hündin Lilsky stets eine moralische Stütze und kann in Notsituationen auch mal einen Krankenwagen rufen oder Spiegeleier braten. Karla Paloma, die 2025 in Angoulême mit dem „Fauve de la Bande Dessinée Alternative“ ausgezeichnet wurde, erzählt hier in drei herrlich schrägen Geschichten von den kleinen und großen Katastrophen des Großstadtalltags. Ganz in Manier der Underground-Comics gestalten sich die schwarz-weißen Panels dabei sowohl auf visueller als auch auf inhaltlicher Ebene schamlos und kantig. Gleichzeitig präsentiert sich Karla nicht ohne Ironie mit all ihren Unsicherheiten, was sie zu einer überaus sympathischen und nahbaren Figur macht. Der Ausgang ihrer Abenteuer, irgendwo zwischen Autofiktion und Tagtraum, ist stets unvorhersehbar. Eine amüsante Lektüre, die Lust auf eine Fortsetzung macht.

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Katharina Hülsmann

Japanologin, icon Düsseldorf

Shima Shinya, übersetzt von Ekaterina Mikulich: Lost Lad London, 3 Bde. (KAZÉ Pegasus Manga)

Lost Lad London Der Student Al Adley findet zu Hause in seiner Jacke ein blutiges Messer – anscheinend die Tatwaffe in einem Mordfall, der durch alle Medien geht: Londons Bürgermeister wurde in der U-Bahn erstochen! Al erinnert sich nicht, wie das Messer in seine Jackentasche kam. Allerdings muss er auch gegenüber der Polizei zugeben, dass er wohl in derselben U-Bahn fuhr, in der der Politiker tot aufgefunden wurde. Alleine der etwas grimmige Detective Ellis glaubt ihm und tut sich mit ihm zusammen, um den wahren Mörder zu finden. Lost Lad London ist ein spannender Krimi-Manga, in dem zwei People of Colour nicht nur die Hauptrollen spielen, sondern dessen Ensemble an Figuren die Diversität Londons widerspiegelt. Darüber hinaus ist der Manga in einem auffallend experimentellen Stil gezeichnet: Filigrane Linienführung, insbesondere bei der Gestaltung der Mimik der Figuren, und skizzenhaft plakative Verwendung von Farbflächen und Kontrasten bei den Hintergründen. Ungewöhnlich ist auch, dass der ganze Manga ohne Soundwords auskommt. Lost Lad London ist ein Pageturner und auch ästhetisch eine Erfahrung, perfekt zum Wegschnabulieren über die Feiertage. Alle drei Bände sind in deutscher Übersetzung zwischen August und Dezember bei Pegasus Manga erschienen.

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Björn Laser

Linguist und Sprachdidaktiker, PH Schwäbisch Gmünd

NON, übersetzt von Sakura Ilgert: Adabana, 3 Bde. (Tokyopop)

Adabana

„Adabana“ bezeichnet eine Blüte ohne Frucht, im übertragenen Sinne verschwendete Schönheit und vergebliche Hoffnung. In diesem dreibändigen Manga von NON geht es, nicht untypisch, um Jugendliche an der Schwelle des Erwachsenseins: um eine Jugend, die geprägt ist von Verlassenheit, Machtmissbrauch und sexueller Gewalt. Die 17jährige Mizuki Aikawa behauptet, ihre Mitschülerin Mako Igarashi getötet zu haben, ihre beste und einzige Freundin. Ihre Angaben klingen zunächst schlüssig, insbesondere als Mizukis Angaben zur Leiche des Mädchens führen und sie gleich noch einen weiteren Mord gesteht. Zunehmend scheint in den Befragungen aber durch, dass etwas an Mizukis Version der Ereignisse nicht stimmen kann, und ihr anfangs nicht sonderlich interessierter Pflichtverteidiger stellt sich nicht nur die Frage, was wirklich geschehen ist, sondern auch, warum Mizuki darauf beharrt, die Taten begangen zu haben. Die drei Bände erzählen aus unterschiedlichen Perspektiven und bilden damit eine echte Trilogie: Der erste Band schildert die Ereignisse in Rückblenden so, wie Mizuki sie gegenüber der Polizei und ihrem Verteidiger darstellt. Der zweite Band setzt zeitlich früher an und führt nun aus Makos Perspektive zu einem dramatischen Höhepunkt, der sich im ersten Band noch deutlich anders gestaltet. An diesem Wendepunkt nimmt der dritte Band Mizukis Perspektive wieder auf, die aber nun nicht mehr vermittelt durch Befragungen als Rückschau erscheint, sondern zum abschließenden Prozess führt. Vieles ist nicht so, wie es scheint, aber es geschehen auch keine Wunder. Dass man sich an Akira Kurosawas Rashomon erinnert fühlt, mag ebenso naheliegend wie oberflächlich sein, aber NON gelingt es sehr kunstvoll, durch die verschiedenen Erzählansätze nicht nur Spannung zu erzeugen, sondern auch emotionale Tiefe. Die erwächst ebenso aus der grafischen Darstellung von Verrat und Verzweiflung – mit einigen expliziten Darstellungen sexueller Gewalt, die die diesbezügliche Triggerwarnung auf dem Cover und auch die Altersvorgabe ab 18 angebracht erscheinen lassen.

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Laura Lewald-Romahn

Literatur- und Mediendidaktikerin (Universität Münster)

Paru Itagaki, übersetzt von Jürgen Seebeck: BEASTARS, 22 Bde. (KAZÉ) / BEASTARS (Anime, Netflix)

BEASTARS

Mit Beastars hat Paru Itagaki ein vielschichtiges Werk geschaffen. Coming-of-Age, (sozial unerwünschte) Liebe, Krimi, bitterböse Gesellschaftssatire – eine hybride Fabel, die existenzielle Fragen nach Identität, Aufwachsen, Moral, Begehren und sozialer Zugehörigkeit verhandelt. Der Manga spielt in der strikt dualistischen Welt anthropomorpher Tiere. Die Welt der Fleisch- und Pflanzenfresser hat eine fragile Ordnung, sie ist von Misstrauen und unausgesprochenen Machtverhältnissen konturiert. Die Angst der Herbivoren verschlungen zu werden, ist ebenso omnipräsent, wie die Hilflosigkeit der Carnivoren, ihre naturgegebene Fleischeslust nicht zügeln zu können – ein Natur-Kultur-Konflikt par excellence. Und doch beginnt die Erzählung mit dem Unaussprechlichen: Ein Pflanzenfresser wird brutal gerissen. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die Liebe zwischen dem siebzehnjährigen Grauwolf Legoshi, dessen imposante Erscheinung im scharfen Kontrast zu seinem sensiblen Inneren steht, und dem achtzehnjährigen Zwergkaninchen Haru. Legoshi ringt mit seinen Instinkten, den gesellschaftlichen Erwartungen und seinen Gefühlen. Die Liebesgeschichte wird weder idealisiert noch moralisiert, sondern verletzlich erzählt. Begehren und Verzehren werden doppelt gelesen: Legoshi begehrt Haru so sehr, dass er Angst hat, seine Triebe nicht kontrollieren zu können. Es ist kaum verwunderlich, dass ‚Legoshi‘ eine Referenz auf Bela Lugosi ist – in cineastischer Referenz auf Dracula, Blutdurst und Verlangen. Gleichzeitig verzehrt sich Haru, um sich selbst spüren zu können. Beastars stellt sich mutig Spannungsfeldern wie Ausgrenzung, Rassismus, Kannibalismus, Lust/Sexualität, Devianz, Gewalt und Grenzüberschreitung in der adoleszenten Identitätskrise. Formal überzeugt der Manga dabei durch eine eindrucksvolle Bildsprache – intensive Hell-Dunkel-Kontraste und expressive Linienführung. Als Anime-Adaption sind bisher drei Staffeln verfügbar, die zweite Hälfte wird 2026 erwartet. Das Werk ist für Leser*innen ab 16 Jahren eine eindringliche (Verzehr-)Empfehlung.

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Hanspeter Reiter

Comicoskop-Redakteur

Alexander Braun: Ich, das Tier (Grimmwelt/Panini)

Ich, das Tier

Eine chronologisch wie thematisch umfassend-variantenreiche und zugleich pointiert-detailreiche Ausstellung (noch bis zum 12.04.2026), deren ausufernde Fülle sich mir schon vorab durch den Katalog offenbart hat, der die Exponate abbildet – und zugleich einordnet, durch den bekannten Kurators vertiefende Text-Beiträge! Um all das zu be- und zu durchleuchten: „Vom Bösen Wolf bis Donald Duck – Das anthropomorphe Tier im Comic“, auf dem Cover allerdings anstelle des Bösen Wolfs der wie üblich sardonisch grinsende Garfield: „Fabeln mit Tieren kennt die Kulturgeschichte der Menschheit seit dem Alten Testament, der Antike oder Jean de La Fontaine im 17. Jahrhundert. Aber erst die Moderne und der Comic haben das vermenschlichte Tier in Serie gehen lassen, zu Ikonen der Popkultur und Gefährten unseres Alltags gemacht. Das 20. Jahrhundert hat anthropomorphe Tiere von Micky Maus und Donald Duck über Garfield bis Wolverine zu Menschen wie Du und Ich gemacht.“ In den Blick genommen sind Märkte (Frankreich, USA), Medien-Macher (Walt Disney, Waner Bros.), vielerlei Illustratoren (von Gus Dirks über Carl Barks hin zu Ralf König etc.) plus Ausreißer wie Bilderbogen (als Vorläufer) oder Wölfe als vielfach vertretene Tier-Art. Nur als Randnotiz: Auch manche tierische Nebendarsteller*innen entwickeln durchaus menschennahe Züge und hätten durchaus ihren Platz einnehmen können, siehe Struppi oder Idefix etc. pp.

Thomas Klie und Peter Gaymann: Demensch (med2)

Demensch

Mal wieder ein Sach-Comic, gar aus einem medizinischen Fachverlag: „Für einen menschenfreundlichen Umgang mit Demenz“ plädieren hier Text-illustrierend Bilder, die verstärkt zur Reflexion – fast drängen. Dieser Illustrator ist vor allem bekannt für seine Hühner-Cartoon, doch hier kommen seine Bilder ernster und weniger leicht daher, dennoch ironisch, fast selbst-ironisch, wenn aus dem Erleben von „Demenschen“ möglich… Denn: „Mit Demenz leben? Das ist herausfordernd. Ohne Humor lassen sich die Unstimmigkeiten im Leben und in der Welt schwer ertragen. Das gilt auch für ein Leben mit Demenz. In menschenfreundlicher Weise und mit Humor sich den (auch) leidvollen Seiten der Demenz und Vergesslichkeit zu stellen – dies gelingt dem Sozialexperten und Gerontologen Prof. Dr. Thomas Klie gemeinsam mit dem Cartoonisten Peter Gaymann mit Bravour!“ Wie schon das trefflich gewählte Cover-Bild verdeutlicht – wie auch jenes auf der Rückseite… Gewohnt comicesk kommen Gaymanns Illustrationen allesamt daher, mal mehr, mal weniger: S. 15/19 gar mal als Panel-Folge, häufig mit Sprechblasen (S. 58 z.B.) statt der meist üblichen integrierte Text-Zeilen – wie etwa S. 109, mit einem Pärchen auf der Parkbank: „Weißt du noch früher?“ sie – und er antwortet „Weiß ich nicht. War aber alles besser!“. Eines von vielen Beispielen, in denen ins Bild eingefangen Sprüche neu interpretiert sind.

Gerry Alanguilan, übersetzt von Jens R. Nielsen: Elmer (Dantes Verlag)

Elmer

Im abgelaufenen Jahr 2025 präsentierten sich die Philippinen als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, wie üblich in thematisch strukturierten Bereichen des Forum, plus Auftritts-Bühne. Auch Comics waren dabei, in deutschsprachigen Auflagen in aller Regel beim Dantes Verlag erscheinend, etwa Elmer: Vermenschlichtes Verhalten von Tieren – und damit verbundenes eher entmenschlicht-unmenschliches von Menschen stehen hier im Mittelpunkt: Ein Geschehen zwischen Romantik und Massenmord, auf den Punkt gebracht. Das  SW-Album (mit farbigem Cover) lebt von der ausdrucksstark wiedergegebenen Mimik vor allem der Hühner, die durchaus unterschiedliche Charaktere (sehr menschlich = anthropomorph) repräsentieren. Zugleich sind Ansichten geboten, die an klassische (Gemälde-)Kunst erinnern: S. 28 etwa findet sich ein entzückendes ganzseitiges Beispiel, Friede & Freiheit mit weitem Blick im Natur-Kontext, zugleich konterkariert in einer (wie sich dann herausstellt) gefilmten Sequenz mit dem Filmstar aus der Hühner-Familie im Mittelpunkt (S. 92ff.)… Manch Assoziation mag beim Lesen und Betrachten aufkommen, etwa an Art Spiegelmans Maus – und damit an Massenvernichtung im Holocaust: Verdeutlicht u.a. via Schuld-Zuweisungen, hier: Vogelgrippe-Pandemie. Ergo aus verschiedenen Perspektiven interpretierbar… Ein durchaus anregender Einstieg, sich mit der sehr variantenreichen Comic-Szene dieses Inselreiches zu befassen, die teils auch die Folgen der jahrhundertelangen Kolonialzeit spiegelt. Im Nachklang zur Buchmesse sind diverse weitere Alben erschienen…

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Janek Scholz

Literaturwissenschaftler, Universität Leipzig

Birgit Weyhe: Schweigen (Avant Verlag)

Schweigen

Mein Comic-Highlight in diesem Jahr war zweifellos Birgit Weyhes Schweigen. Darin schildert sie die Verflechtungen der deutschen Nachkriegsgeschichte mit der argentinischen Militärdiktatur anhand der Schicksalsschläge zweier Frauen. Die Geschichten von Ellen Marx, die als Jüdin aus Nazideutschland flieht und deren Tochter später in Argentinien als eine von 30.000 Personen spurlos verschwindet, und Elisabeth Käsemann, einer jungen Deutschen, die ebenfalls in Argentinien verschwindet und ermordet wird, ohne diplomatische Bemühungen zu ihrer Rettung, werden abwechselnd erzählt, stets mit einem vorgeschalteten Kapitel zum historischen Kontext. Der Comic macht deutlich, wie eng die deutsche und die argentinische Geschichte verknüpft sind: Einerseits, da Ende der 1930er und Anfang der 1940er Jahre nicht nur Opfer des Naziregimes, sondern auch deren Täter nach Argentinien flohen, andererseits, da sich deutsche Studierende in den 1960er und 1970er Jahren zunehmend politisierten und für Lateinamerika interessierten. Am Fall Elisabeth Käsemanns wird jedoch deutlich, dass die wirtschaftlichen Interessen der jungen BRD politisch mehr Priorität genossen als ein Eintreten gegen den systematisch verübten politischen Terror der dortigen Militärdiktatur. In einem Schlusswort legt Weyhe ihre persönliche Motivation für diesen Comic offen. In einer Zeit, in der Hassrede und die Relativierung historischer Verbrechen hoch im Kurs stehen, gelte es umso mehr, sich der Vergangenheit bewusst zu werden, um neuerliche Ausgrenzung, Gewalt und Verfolgung zu vermeiden, denn: „Nie wieder ist jetzt. Nunca más“.

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Christine Vogt

Direktorin LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Walter Moers: QWERT (Penguin Verlag)

QWERTMit seiner Persiflage auf das Genre des Ritterromans hat Walter Moers ein neues Meisterwerk geschrieben und gezeichnet. Er gibt sich erstmals wieder selbst als Autor und Illustrator an. Sein Alter Ego Hildegunst von Mythenmetz erscheint nicht auf dem ausführlichen Innentitel, der die „43 Aventiuren“ einleitet. In einem turbulenten Ablauf, der wie ein Roadmovie von Station zu Station rast, lässt Moers uns an den Abenteuern des Gallertprinzen aus der 2364. Dimension, nun im Astralkörper des legendären Ritters Kaltbluth, teilhaben. Dabei kommt Qwert schon im ersten Zamonienroman von 1999 vor: Der Blaubär besucht zusammen mit Qwert und der Berghutze Fredda die Nachtschule von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller. Wie in all seinen Romanen erzählt Moers die Geschichten in unfassbar detaillierten Zeichnungen, die weit über reine Illustrationen hinausgehen. Gleich im Vorsatzblatt führt eine Landkarte in das neue Land Orméa ein: Vom Endlosen Abgrund über die Seltsame Schlucht und Creatopolis bis zur Blutroten Wüste. Ein besonderes Highlight der Darstellungen ist die – drei aufeinander folgende Doppelseiten füllende – Architektur von Creatopolis. Überhaupt stellen die Zeichnungen die neue Welt in ihren eigenwilligen Ausprägungen eindrucksvoll dar. Der neue Moers-Band ist eine klare Empfehlung für alle Fans und vor allem die, die es noch werden wollen. Nicht nur das Reitwürmchen Schneesturm und der Knappe Oyo, der ebenfalls durch ein Dimensionsloch gefallen ist und aus der Insel der tausend Leuchttürme als Hildegunsts treuer Begleiter Queekwigg bekannt ist, werden alle Herzen im Sturm erobern.

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Lukas R.A. Wilde

Medienwissenschaftler, NTNU Trondheim

Deniz Camp und Javier Rodriguez: Absolute Martian Manhunter (DC Comics)

Absolute Martian Manhunter

Obwohl DCs neues „Absolute“-Universum zunächst nach einem ziemlich transparenten Abklatsch von Marvels „Ultimate“-Line aussah, ist alle meine Skepsis längst über Bord geworfen und ich bin hemmungslos fast jeder neuen Ausgabe verfallen wie seit Jahren nicht mehr. Viele der wegweisendsten DC-Comics von DKR über Red Son bis zu Kingdom Come waren bekanntlich „Elseworlds“, und vielleicht ist genau dies die neue Rolle von Comics im Transmedia-Kontinuitätsteppich: wieder alles aufzumischen! Zwischen all den unerwarteten Perlen – Absolute Batman hat mich ab „Abomination“ gepackt, Absolute Green Lantern ab der ersten Ausgabe – sticht Absolute Martian Manhunter nochmal besonders heraus, mit der Energie früher Vertigo-Anarchie: jedes Panel ein psychedelisches Kunstwerk, jede Captionbox gemeißelte Prosa, jede Ausgabe eine immer tiefere Reise in diesen irgendwie bekannten, aber irgendwie auch völlig neu entfesselten DC-Kosmos. Dieser „Martian Manhunter“ hat überhaupt keine physische Existenz sondern bewegt sich als reine Gedankenform zwischen Erinnerungsbildern, Caption-Boxen und allen anderen Darstellungsebenen, die die Comic-Sprache so anbietet. „What happens in your head also happens.“ Fühlt sich tatsächlich danach an, als ob diese Figuren gerade ganz neu erfunden werden…

Kieron Gillen und Caspar Wijngaard: The Power Fantasy (Image Comics)

The Power Fantasy

Von Gillen kennt man nicht viele Missgriffe. Die Prämisse von The Power Fantasy klingt zunächst ein wenig nach Watchmen: was, wenn einige wenige Superkräfte real wären und die Weltgeschichte verändert hätten? Das kennt man – hier aber sind die Protagonist*innen so übermächtig, dass jede Auseinandersetzung sofort das Ende der Welt bedeuten würde, darum muss genau auf das verzichtet werden, was das Genre sonst ausmacht: Ausgetragene Konflikte! Stattdessen taktieren, observieren, Allianzen schmieden, platzen lassen, Bauernopfer aushandeln… der weltumspannende Plot und die geschliffenen Schachspiel-Dialoge sind dann auch so dicht geschrieben, dass ich selten zuvor jede Ausgabe so oft wieder- und wiedergelesen habe, um alle Verbindungen herzustellen und alle Fäden zu entwirren – noch so eine neue Serie, bei der ich wieder auf jedes neue Trade harre und mir dann erstmal alle Termine frei schaufele, wenn es endlich da ist.

Tom King und Peter Gross: Animal Pound (BOOM! Studios)

Animal PoundDas ist ein Selbstläufer dieses Jahr, für diese Liste… das Comic, das man eigentlich jeder Person zu jedem Anlass schenken sollte, damit es mehr Verbreitung findet. Tom King mag in seiner Karriere-Biographie nicht ganz unproblematisch sein, aber als Comicautor ist er eine Naturgewalt und Animal Pound ist genau das Comic, das derzeit drängt: Wie der Titel schon erahnen lässt, haben wir es mit einer geupdateten Neuerzählung von Orwells Animal Farm zu tun. Aber, weil wir eben 2025 hatten, baut das Kammerspiel der Tiere uns keinen drohenden Kommunismus, sondern das aktuelle Erstarken des Trump-Faschismus als brillante Parabel nach. Weit über die politischen Analogien hinaus, funktioniert Animal Pound aber auch auf vielen anderen Ebenen gleichzeitig, überrascht,  überwältigt, und bricht einem auch ein wenig das Herz, obwohl man das Ende natürlich immer schon vorwegahnen kann.

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Verkündung der Preisträger*innen des Martin Schüwer-Publikationspreises 2025

Wir freuen uns, die Preisträger*innen des siebten Martin Schüwer-Publikationspreis für herausragende Comicforschung 2025 verkünden zu dürfen!

Since 2019, the Martin Schüwer Prize for Excellence in Comics Studies has been awarded annually by the Society for Comics Studies (ComFor) and the Committee for Comics Studies at the German Society for Media Studies (AG Comicforschung, GfM). It promotes the work of researchers who, regardless of their age, do not yet hold a permanent academic position as tenured faculty. Honoring outstanding publications in the interdisciplinary field of comics studies, the Martin Schüwer Publication Prize aims to create more visibility for comics- related research, promoting and communicating its importance to a wider public.

The prize is named after the late Martin Schüwer, a scholar of English Literature and Culture who specialized in comics studies and who, very unfortunately, died at a far too early age in 2013. His dissertation Wie Comics erzählen (2006) has opened up new ground for narratological comics research and has become a standard work in German-language comics studies. With this and his other works on comics as well as on the didactics of English literature, Martin Schüwer has set valuable standards regarding the excellence, accessibility and range that publications in our fields can achieve. Both as a comics researcher and as a person, Schüwer had a distinct way of talking to people, characterized by his open-mindedness and a genuine interest in others. Talking to and with others, he aimed to advance comics studies. We dedicate the award to him and this very goal.

This year, the Martin Schüwer Publication Prize for Outstanding Comics Research is awarded to Charlotte Johanne Fabricius for “Drawing in Circles: Feminized labour in autobiographical comics and cartoons on Instagram.” The article was published in the journal Studies in Comics 15.1–2 (2025). On behalf of ComFor and AG Comicforschung, this year’s jury congratulates Charlotte J. Fabricius on her incisive contribution to the field of comics research. The honorable mention is awarded to Andrea Hoff & Wanda John-Kehewin for their dialogical contribution “Unraveling Time: Reading Temporal Shifts as Intergenerational Narrative Weaving in Wanda John-Kehewin’s Vision of the Crow,” published in the journal Inks 8.3 (2024).

Laudatio for Charlotte Johanne Fabricius

In her article “Drawing in Circles: Feminized labour in autobiographical comics and cartoons on Instagram,” Charlotte J. Fabricius focusses on the highly topical and socio-politically relevant digital autobiographical comics publications on Instagram that address and are shaped by the conditions of care work and feminized labor. Methodologically, Fabricius closely followed 70 creators on Instagram over the course of two years, focusing on women and femme-identified non-binary creators who post comics regularly in a diary style series. In her interdisciplinary approach, Fabricius productively and exemplary combines comics studies perspectives with Marxist feminist theories, and applying among others Colin Beineke’s concept of comicity and Groensteen’s braiding, to digital comics on social media platforms.
Fabricius rightfully identifies digital comics on Instagram thus far as mostly ignored in academic discourses and approaches them both via their formal and narrative media “specificities” as well as via the “overlap with social issues of creative work and feminized labour” (both p. 14). With Lisa Adkins and others, Fabricius asserts that creative work has been feminized by the inclusion of women in the workforce as well as shifts towards “higher degrees of service work, emotional labour and other traditionally ‘feminine’-coded tasks,” concluding:

“As creative work is feminized, it takes on the historical associations with being overworked and underpaid, constantly cycling between productive labour in the workplace and reproductive labour in the house.” (both p. 16)

Circulation and repetition are structures that Fabricius discovers as recurring patterns in creative processes, forms and media-specificities of these digital comics phenomena that link working conditions of feminized labor and care work, narratives of the autobiographical diary comics, the aesthetics of the drawings, as well as the publication rhythms on social media pladorms. With Audre Lorde, Fabricius argues, that the drawings are “never-ending circles” (p. 19) in “scrappy lines” (p. 24). Therefore, emphasizing the fact that the qualities of the comics are conditioned by feminized work and care work in terms of line work, materials and techniques used as well as the narrative structures represented. Formal choices are read by Fabricius as both socially conditioned necessities and aesthetic choices (cf. p. 17) that can be attributed to the comics form of “drawing variations of an image over and over again to create meaning” (p. 28). Fabricius achieves a balanced interpretation of the socio-economics of feminized working conditions that show benefits and opportunities without withholding criticism towards the heightened precarity of comics creators (cf. p. 16) and the monetization of identities and personal experiences (cf. p. 29), concluding that these digital comics artists are at the “mercy of algorithmic precarity and late capitalist self-exploitation” (p. 29).

Fabricius argues that, while the late capitalist context of the comic artists sharing their work via an algorithmic media platform would situate the artists as solo entrepreneurs, they in fact find in Instagram a platform to collectively express their feminized working conditions. Fabricius carefully examines the Instagram format and explains, how the way that single images and image sequences are presented to the user on the platform influences the narratives created. She differentiates the comics that she examined clearly from the common webcomic format, in which the strips are presented in a format not dissimilar to the printed page. In contrast, Instagram cartoonists often utilize a square grid, arranging their comics in the so-called carousel function provided by the platform, so that users can swipe to follow the sequence of images. Another format she examines is the story-format in which the comics remain online for only 24 hours. Fabricius shows how the artists use the conditions of the platform to try and ensure that their comics will be presented to other platform users, through the nebulous system of the algorithm, which is impossible for the artists to master (cf. p. 29). Fabricius thus utilizes her careful observations to present us a snapshot of a moment in time. Platforms change quickly and studies like the one Fabricius undertook ensure that analysis of ephemeral online cultures remain accessible to the academic discourse.

Fabricius’ outstanding analyses of the digital comics phenomena skillfully combine form, content, and genre/medium. Her observations are careful and considerate. In summary, the paper is an impressive analytical intertwining of gendered socio-economic conditions (feminized work, care work), techniques (drawing in notebooks and on sticky notes), genre and medium (digital comics), and distribution (Instagram). Fabricius’ approach to comics studies is exemplary in how to combine practice-based comics research and theoretical thinking about media, form, aesthetics, and sociological conditioning and can be used as blueprint on how to viably think comics in the future.

Laudatio for Andrea Hoff & Wanda John-Kehewin

This year’s honorable mention is awarded to Andrea Hoff’s & Wanda John-Kehewin’s dialogical paper “Unraveling Time: Reading Temporal Shifts as Intergenerational Narrative Weaving in Wanda John-Kehewin’s Vision of the Crow,” published in the journal Inks in 2024. The experimental form of the paper puts the academic and artistic speaker perspectives into the spotlight and hence focusses productively on agency and (self-)representation – especially concerning marginalized groups – in comics as well as in academia. The jury congratulates Charlotte Johanne Fabricius, Andrea Hoff & Wanda John-Kehewin on their outstanding work.

Jury of the Martin Schüwer Publication Prize 2025
Helene L. Bongers
Iris Haist
Katharina Hülsmann
Myriam Mycé
Martin Wambsganß

20. ComFor-Jahrestagung 2025: „Kindheit und Adoleszenz in/und Comics“ in Hamburg

Termin:
08.10.2025 - 10.10.2025

Vom 8.-10. Oktober 2025 wird die 20. Jahrestagung der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) an der Universität Hamburg stattfinden. Organisiert wird die Veranstaltung von Astrid Böger, Sylvia Kesper-Biermann, Jennifer S. Henke und Christina Meyer. Hauptredner*innen sind Maaheen Ahmed und Felix Giesa. Außerdem konnte der Hamburger Künstler Sascha Hommer für einen Vortrag mit Diskussion über sein kürzlich erschienenes Werk Das Kalte Herz! gewonnen konnten. Die Illustration stammt von Kilian Wilde (https://www.wilde-grafik.com/) .

“Comics and childhood are, and long have been, inextricably linked”, schreibt Philip Nel (127). Auf der diesjährigen Jahrestagung der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor e. V.) wollen wir gemeinsam diskutieren, wie, wann und wo sich diese Zusammenhänge zwischen Comics und Kindheit sowie Comics und Adoleszenz mit welchen Implikationen manifestieren.

Zu solchen Verbindungen zwischen jungen Leser*innen und Comics zählen beispielsweise die wiederholten Versuche von Erwachsenen, Lesestoff für Kinder zu regulieren. Als Beispiel aus dem 19. Jahrhundert kann hier Anthony Comstocks (1883) Traps for the Young genannt werden, ein Hauptakteur bei der Diskursformation über die ‚Entartung‘ der Gesellschaft in den USA in den 1880er und 1890er Jahren oder, etwa sechzig Jahre später, die (öffentlichen) Debatten über die angeblichen Gefahren – und verschiedene Praktiken der Eindämmung – massenkultureller Produkte, Artefakte und Phänomene, die in den 1950er Jahren vermeintlich in verschiedene Kulturen ‚eindrangen‘. In den USA ist eines der bekanntesten Beispiele in diesem Zusammenhang der Unterausschuss des US-Senats (Senate Judiciary Subcommittee on Juvenile Delinquency) und die Anhörungen, in denen US-Senatoren beider großen Parteien (und ein Mitglied des kanadischen Unterhauses), Psycholog*innen (u.a. Frederic Wertheim), Comicproduzierende (u.a. William Gaines), Verleger (u.a. Dell Publications) und Comic-Vertriebe, Inhaber*innen von Drogerien (in denen Comics auslagen) und Zeitungsunternehmen erörterten, ob (EC-)Comics, insb. Superheld*innen-, Horror- und Krimi-Comicbücher, negative Auswirkungen auf Kinder hätten. In Deutschland fokussierten Kurt-Werner Hesses Sammelband zur Jugendgefährdung (1955) und andere Publikationen der 1950er Jahre die Pathologie der Massenkommunikation und Unterhaltung inkl. Comics. Wie Nel zusammenfasst, „parallel debates over the suitability of comics for children took place around the world, prompting, or at least helping to justify, Australia’s ban on the importation of American comic books (1940-1959); Canada’s Bill 10 […], banning crime comics (1949); France’s Loi du 16 juillet sur les publications dessinées à la jeunesse […]; and Britain’s Children’s and Young Person’s (Harmful Publications) Act“ (129).

Ferner belegen die spätestens seit den 1940er Jahren geführten Diskussionen zum pädagogischen Wert und didaktischen Potenzial von Comics und anderer Formen grafischer Literatur – beispielsweise im (Fremdsprachen-)Unterricht, in der Kunsterziehung und in der politischen Bildung – die enge Verbindung zwischen Heranwachsenden, Kindern und Comics. Beispiele, die hier genannt werden können, sind u.a. Sonderhefte verschiedener wissenschaftlicher Zeitschriften wie z.B. The Journal of Educational Sociology (1944), Zeitschriftenbände, die in den 1970er Jahren Artikel über den Nutzen von Comics als Unterrichtsmittel veröffentlichten (z.B. Der Deutschunterricht) oder Monographien wie Alfred Clemens Baumgärtners Die Welt der Comics (1965).

Diese Verbindungen zwischen Comics und Kindheit/Adoleszenz stellen selbstverständlich nur einen Teil der Themen dar, die wir während der diesjährigen Jahrestagung der ComFor diskutieren möchten.

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NEU: Book of Abstracts (07.10.2025)

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Übersicht über Hotel-Empfehlungen

„Comparative Aspects in Comics Studies“ – Neuer ComFor-Tagungsband erschienen!

Comparative Aspects in Comics Studies:
Translation, Localisation, Imitation, and Adaptation

Juliane Blank, Stephan Packard und Christian A. Bachmann (Hg.)
Christian A. Bachmann Verlag
März 2025
286 Seiten
36,00 EUR
ISBN 978-3-96234-087-2

Soeben ist ein weiterer neuer Tagungsband im Christian A. Bachmann-Verlag erschienen, auf den sich die Gesellschaft für Comicforschung lange gefreut hat. Er geht auf die 14. ComFor-Jahrestagung in Schwarzenbach an der Saale zurück und versammelt nicht weniger als 12 Aufsätze.

Ankündigungstext:
„This volume reflects upon comparative aspects within the study of comics. It explores phenomena that cross boundaries between cultures, languages, economies, and media formats, paying special attention to translations, localisations, imitations, and adaptations that transport some aspects of one given material into a new shape or matter. Topics range from the direct translation of a given comic for a different audience through considerations of claims to translatability and untranslatability to naturalizing or alienating effects of translation, and on to emendations in cases of censorship or broader forms of media control, editorial interventions, revisions by original or new artists, as well as parodies and piracies. The interplay of aemulatio and imitatio, of purely imitative and rival imitation, gives way to the large field of media translation.“

Beiträge:

Christian A. BACHMANN, Juliane BLANK und Stephan PACKARD
Comparative Aspects of Comics Studies: Introduction

Lynn L. WOLFF
Self-Translation in Nora Krug’s Transcultural Graphic Memoir Belonging/Heimat

Yun-Jou CHEN
Popalania, the Perfect Country: Revisiting Bo Yang’s Taiwan Translation of Popeye Comic Strips (1967–1968)

Alexandra HENTSCHEL und Gerhard SEVERIN
Localizing Duckburg: How Translator Erika Fuchs Moved Duckburg to Post-War Germany

Romain BECKER
Possibilities and Strategies of Scanlations: How Fan-made Translations of Manga Contrast with Official Ones (and Inspire Them)

Nathalie MÄLZER
Comic Adaptations as Intersemiotic Translation: Asterix – Der Seher (1975)

Olga KOPYLOVA
Transformations of Style in Manga-To-Anime Adaptations: A Formal Analysis

Elisabeth KRIEBER
Queer Autographics on Broadway

Markus OPPOLZER
Van Gogh’s Pictorial After/life: A Look at Biopic as a Transmedial Genre

Dietrich GRÜNEWALD
The Art of Adaptation: Oscar Wilde’s The Picture of Dorian Gray

Marina RAUCHENBACHER
Who (and Where) is *Alice*? Anke Feuchtenberger’s Feminist-Disruptive Identity Criticism

Keren ZDAFEE
Egyptianizing Mickey and Minnie?

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AUSLOBUNG DES MARTIN SCHÜWER-PUBLIKATIONSPREISES 2025

Martin Schüwer-Publikationspreis für herausragende Comicforschung 2025

Call for Nominations:

Förderpreis, ausgeschrieben von der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) sowie der AG Comicforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM)

Die Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) und die AG Comicforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) loben für 2025 zum siebten Mal den Martin Schüwer-Publikationspreis für herausragende Comicforschung aus. Der Preis wird seit 2019 jährlich verliehen. Er fördert Wissenschaftler_innen, die, unabhängig von ihrem Lebensalter, noch keine unbefristete akademische Anstellung innehaben. Mit der Auszeichnung herausragender Veröffentlichungen aus dem Bereich der interdisziplinären Comicforschung soll der Publikationspreis zur nachhaltigen Sichtbarmachung, Förderung und Vermittlung comicbezogener Forschungsarbeit beitragen.

Der Preis ist nach dem 2013 viel zu früh verstorbenen Anglisten und Comicforscher Martin Schüwer benannt. Seine vor 17 Jahren erschienene Dissertation Wie Comics erzählen (2008) hat Neuland für die narratologische Comicforschung erschlossen und ist zu einem Standardwerk der deutschsprachigen Comicforschung geworden. Mit dieser und seinen weiteren Arbeiten zu Comics sowie zur Didaktik der englischsprachigen Literatur hat Martin Schüwer Maßstäbe für die Exzellenz, die Zugänglichkeit und die Reichweite gesetzt, die Publikationen in unseren Fächern erreichen können. Als Comicforscher wie als Mensch zeichnete er sich durch seine interessierte und offene Art im Umgang mit anderen aus. Gemeinsam, im Austausch und im Abgleich mit anderen wollte er sein Fach weiterbringen. Diesen Zielen widmen wir den Preis in seinem Namen.

Einreichung und Nominierungen:

Zur Nominierung angenommen werden bereits publizierte Beiträge von Artikel- oder Kapitellänge. Sie können als Artikel in Sammelbänden oder Zeitschriften, als Kapitel in längeren Monografien, aber auch als Essays und andere Textformen ähnlicher Länge erschienen sein. Die eingereichten bzw. nominierten Texte können von einem_einer oder mehreren Autor_innen verfasst worden sein. Alle Verfasser_innen dürfen zum Zeitpunkt der Nominierung noch keine unbefristete akademische Anstellung innehaben.

Beiträge, die für den Martin Schüwer-Preis 2025 nominiert werden, müssen zwischen dem 1. Januar 2023 und dem 31. Dezember 2024 in deutscher oder englischer Sprache publiziert worden sein. Noch im Druck befindliche oder erst zur Publikation angenommene Texte können nicht berücksichtigt werden. Wiederholte Einreichungen sind nicht möglich. Ebenfalls ausgeschlossen sind ganze Monografien und unveröffentlichte Qualifikationsschriften. Die Herausgeber_innenschaft von Sammelbänden oder Zeitschriftenausgaben ist nicht nominierungsfähig, wohl aber einzelne Beiträge in diesen Sammlungen.

Die Nominierung umfasst den nominierten Text und eine kurze Begründung (300–500 Wörter). Selbstnominierungen sind möglich und sehr erwünscht, die Jury möchte aber auch besonders zu Fremdnominierungen beeindruckender Texte aufrufen. Deadline für alle Einreichungen ist der 30. April 2025. Bitte senden Sie Ihre Nominierungen als ein vollständiges PDF an schuewer-preis@comicgesellschaft.de.

Preis und Preisvergabe:

Die offizielle Verkündung des_der Preisträger_in erfolgt im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (16.–19. September 2025, Universität Paderborn). Die Preisverleihung mit einem eingeladenen Vortrag des_der Preisträger_in findet im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Comicforschung (08.–10. Oktober 2025, Universität Hamburg) statt. Der_die Preisträger_in erhält außerdem die auf 700 € dotierte Preissumme, zahlt ein Jahr lang keinen Mitgliedsbeitrag bei der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) und wird zum Ehrenmitglied der ComFor auf Lebenszeit.

Zur Ausschreibung als Pdf